Die Neurologie ist ein faszinierendes und vielseitiges Fachgebiet, das sich mit der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Nervensystems befasst. Eine Famulatur in der Neurologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) bietet Medizinstudierenden die Möglichkeit, einen Einblick in dieses spannende Feld zu erhalten und praktische Erfahrungen zu sammeln. Dieser Artikel fasst Erfahrungsberichte von Famulanten zusammen und beleuchtet die verschiedenen Aspekte einer solchen Famulatur.
Das Fachgebiet Neurologie an der MHH
Das Fachgebiet Neurologie umfasst die Diagnostik und Therapie von organischen Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks, des peripheren Nervensystems und der Muskeln. Die Klinik der MHH legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Versorgung von Patienten mit akutem Schlaganfall. Bereits seit 1999 verfügt die Klinik über eine spezielle Schlaganfall-Behandlungseinheit („Stroke Unit“). Diese ermöglicht durch eine sofortige Schlaganfall-spezifische Diagnostik und Therapie die bei einem Schlaganfall überaus wichtige rasche Erstversorgung. Dieser langjährige neurovaskuläre Schwerpunkt spiegelt sich in der zertifizierten Stroke Unit mit sehr erfahrenem Personal wider.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit neuroimmunologischen Erkrankungen. Hierzu zählen insbesondere die Multiple Sklerose, die Neuromyelitis optica Spektrumerkrankungen (NMOSD) und die Myelin Oligodendrozyten Glykoprotein (MOG) Antikörper assoziierten Erkrankungen (MOGAD). Zudem werden Patienten mit Myasthenia gravis, Chronisch inflammatorisch demyelinisierender Polyneuropathie (CIDP) und weiteren Autoimmunneuropathien, Limbischer Encephalitis bzw. Autoimmunencephalitis, Neurosarkoidose, neurologischen Beteiligungen bei rheumatologischen Erkrankungen wie Sjögren Syndrom, Systemischer Lupus erythematodes (SLE), rheumatoider Arthritis oder anderen internistischen Autoimmunerkrankungen behandelt. Auch Betroffene mit oder zur Abklärung von Epilepsien, neurodegenerativen Erkrankungen wie dementieller Entwicklung (u. a. Morbus Alzheimer) oder Morbus Parkinson, neuromuskulären Erkrankungen, Polyneuropathien, Infektionen des Nervensystems werden in der Klinik versorgt.
Die Neurologie betrifft oft das Herzstück unserer Persönlichkeit: Bewegung, Sprache, Gedächtnis und vieles mehr. Chefarzt ist Priv.-Doz. Dr. med. Hildesheimer Str. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Radiologie des Hauses und des KRH sowie der angeschlossenen Radiologiepraxis steht das gesamte Spektrum der diagnostischen und interventionellen Neuroradiologie zur Verfügung (Computertomographie, Kernspintomographie, Angiographie inklusive Intervention wie mechanische Thrombektomie oder Carotis-Stent). Durch die sehr enge und langjährig etablierte Kooperation mit der Neuroradiologie des KRH Nordstadt und Neurologie des KRH Nordstadt ist eine vollumfängliche sofortige interventionelle Versorgung von akut gefährdeten Schlaganfall-Betroffenen mit z. B. Großgefäßverschluss („large vessel occlusion“) gegeben. Ergänzt wird dies durch drei Mal in der Woche stattfindende interdisziplinäre Konferenzen mit Experten der Gefäßchirurgie des KRH Robert Koch Gehrden und Neuroradiologie des KRH Nordstadt.
Erfahrungen während der Famulatur
Ein Famulant berichtet von seinen positiven Erfahrungen während der Famulatur in der Neurologie der MHH. Besonders hervorgehoben wurde die Betreuung durch eine junge Ärztin, die selbst erst seit kurzem ihr Studium beendet hatte. Diese Ärztin habe den Famulanten stets wertschätzend behandelt, ihn über die nächsten Schritte informiert, damit er ihr folgen konnte, und jede Frage beantwortet. Dies wurde als äußerst positiv empfunden.
Lesen Sie auch: Neurologie vs. Psychiatrie
Auch der Umgang mit der Pflege wurde als freundlich und unkompliziert beschrieben. Die Patient:innen wurden respektiert und ernst genommen, und es gab keine Vorverurteilungen. Insgesamt herrschte eine nette und entspannte Atmosphäre.
Zu den Aufgaben des Famulanten gehörte unter anderem die Blutabnahme am Morgen. Die Ärztinnen seien dafür sehr dankbar gewesen, und der Famulant hätte auch sagen können, wenn es ihm zu viel geworden wäre. Es gab viele unterschiedliche Krankheitsbilder zu sehen, was die Famulatur sehr spannend gestaltete.
Die Arbeitszeiten waren in der Regel so, dass der Famulant zwischen 14 und 14:30 Uhr nach Hause gehen konnte, da dann viele Arztbriefe noch geschrieben werden mussten und nicht mehr so viel Diagnostisches anstand.
Verbesserungspotenzial
Obwohl die Famulatur insgesamt positiv bewertet wurde, gab es auch Verbesserungspotenzial. Da die betreuende Ärztin selbst noch nicht lange dabei war, konnte sie natürlich auch manches noch nicht wissen oder bestimmte Sachen noch nicht durchgeführt haben. Hier hätte sich der Famulant gewünscht, dass einer von den Fachärzt:innen oder von den vier Oberärzten ihn mal mitnimmt zu bestimmten Untersuchungen, ihn einbindet, ihm etwas erklärt oder Fragen stellt. Bis auf einen Oberarzt, der ihn ein paar Mal angesprochen hat, hatte der Famulant keinen Kontakt zu den Oberärzten (der eine hat ihn mit großem Desinteresse bestraft, aber ich glaube, er war zu allen so). Dies wurde als etwas schade empfunden.
Lesen Sie auch: Expertise in Neurologie: Universitätsklinik Heidelberg
Lesen Sie auch: Aktuelle Informationen zur Neurologie in Salzgitter
tags: #neurologie #mhh #famulatur