Ein Plattfuß (Pes planus) ist eine Fußfehlstellung, bei der das Längsgewölbe des Fußes abgeflacht ist oder fehlt, was dazu führt, dass die gesamte Fußsohle oder nahezu die gesamte Fußsohle auf dem Boden aufliegt. Im Gegensatz zu einem gesunden Fuß, bei dem eine deutliche Wölbung von der Ferse bis zum Vorderfußballen besteht, sinkt beim Plattfuß der innere Fußrand ab. Diese Veränderung kann verschiedene Ursachen haben und unterschiedliche Beschwerden verursachen.
Was ist ein Plattfuß?
Beim Plattfuß fehlt dem Fußskelett die Längswölbung oder die Wölbung ist zu flach. Es fehlt also die natürliche nach außen gerichtete Krümmung von der Ferse bis zum Vorderfußballen. Dadurch sinkt der innere Fußrand ab, sodass im Stehen die gesamte Fußsohle „platt“ auf dem Boden aufliegt.
Je nach Form und Ausprägung kommen weitere Fehlstellungen des Fußskelettes dazu. So ist etwa der äußere Fußrand angehoben (Pronation). Die Achillessehne ist häufig verkürzt, und außerdem knicken die Ferse und der Vorfuß häufig zur Außenseite ab (Valgisierung beziehungsweise Abduktion). In solchen Fällen sprechen Mediziner deshalb auch von einem Knick-Plattfuß oder Knick-Senk-Fuß.
Eine Vorstufe des Plattfußes ist der Senkfuß. Auch bei dieser Form verliert das Fußskelett seine Längswölbung, allerdings liegt die Fußsohle noch nicht vollständig auf dem Boden auf.
Formen des Plattfußes
Es gibt verschiedene Formen des Plattfußes, die sich hinsichtlich ihrer Entstehung und ihres Erscheinungsbildes unterscheiden:
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- Angeborener Plattfuß (Pes planus congenitus): Diese Form ist selten und tritt oft in Verbindung mit anderen Fehlbildungen oder Erkrankungen auf. Bei betroffenen Babys ist eine stark ausgeprägte Fehlstellung am Fuß erkennbar. Der Fuß hat nicht nur keine Längswölbung, sondern ist an der Sohle sogar nach unten gewölbt. Ursache ist eine falsche Position bestimmter Fußwurzelknochen, insbesondere des Sprungbeins (Talus).
- Erworbener Plattfuß (Pes planus valgus): Diese Form entwickelt sich im Laufe des Lebens und kann in verschiedenen Altersstufen auftreten:
- Kindlicher Knick-Plattfuß: Tritt etwa mit Beginn des Laufalters auf.
- Adoleszentenplattfuß: Entwickelt sich im Jugendalter.
- Erwachsenenplattfuß: Kann auch erst im späteren Lebensalter auftreten.
Es ist wichtig, den erworbenen, kindlichen Knick-Plattfuß nicht mit dem natürlichen Knick-Senkfuß im Kindesalter zu verwechseln. Kinder haben bis etwa zum sechsten Lebensjahr eine andere Beinstellung als Erwachsene, was sich auch auf die Fußstellung auswirkt. Das kräftige Längsgewölbe bildet sich erst zwischen dem sechsten und zehnten Lebensjahr aus, wenn sich auch die Beinstellung normalisiert.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen für einen Plattfuß sind vielfältig und können sowohl angeboren als auch erworben sein:
Angeborener Plattfuß:
- Erbliche Veranlagung
- Fehlbildungen der Fußknochen
Erworbener Plattfuß:
- Langanhaltende Fehl- und Überbelastung
- Übergewicht
- Bindegewebs- und Muskelschwächen
- Erkrankungen des Bindegewebes (z.B. Marfan-Syndrom)
- Gelenkentzündungen (rheumatoide Arthritis)
- Verletzungen nach Unfällen oder Abnutzungserscheinungen (Arthrose)
- Nervenerkrankungen und Lähmungen
- Krankhaftes Zusammenwachsen mehrerer Fußknochen
- Zu enges Schuhwerk
- Erkrankungen der Tibialis-posterior-Sehne (vor allem bei älteren Menschen)
- Trisomie 21 (Down-Syndrom)
Symptome
Die Symptome eines Plattfußes können je nach Ursache und Ausprägung der Fehlstellung variieren. Während der angeborene Plattfuß ohne Therapie meist zunehmend Beschwerden verursacht, verlaufen milde erworbene Formen mitunter völlig symptomlos.
Symptome beim angeborenen Plattfuß:
- Auffällige Fehlstellungen am Fuß (z.B. nach außen gekrümmte Fußsohle, abgeknickte Ferse)
- Verzögerte Entwicklung des Gehens
- Eingeschränkte Beweglichkeit
- Schmerzen (eher ab dem späteren Schulalter)
Symptome beim erworbenen Plattfuß:
- Kindlicher Plattfuß: Meist ohne Symptome, lediglich sichtbare Fehlstellung
- Adoleszentenplattfuß: Starke, plötzliche Belastungsschmerzen, Hinken
- Erwachsenenplattfuß: Schmerzen nach stärkerer Belastung, Schmerzen am inneren Fußrand und an der Fußsohle, Schmerzen in Knien und Hüfte, Druckstellen an den Füßen
Diagnose
Um einen Plattfuß zu diagnostizieren, führt der Arzt eine umfassende Untersuchung des Fußes durch:
- Betrachtung des Fußes: Beurteilung des Fußgewölbes beim Gehen, Stehen und Liegen
- Untersuchung der Winkelung: Beurteilung des Winkels zwischen Ferse und Sprunggelenk
- Fußabdruck (Pedografie): Beurteilung des Fußgewölbes in der Trittspur
- Abtasten des Fußes: Prüfung der Beweglichkeit der Gelenke
- Röntgenaufnahme: Zur Beurteilung der knöchernen Strukturen, insbesondere bei angeborenen Plattfüßen
- Untersuchung der Tibialis-posterior-Sehne: Beurteilung der Funktion der Sehne
Behandlung
Die Behandlung eines Plattfußes richtet sich nach der Ursache, dem Schweregrad der Fehlstellung und den vorhandenen Beschwerden.
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Therapie beim angeborenen Plattfuß:
- Gipsbehandlung: Vorbereitung auf eine Operation durch Korrektur der Fehlstellung
- Operation: Korrektur der falschen Position der Fußwurzelknochen, meist bis zum dritten Lebensjahr
- Nachbehandlung: Spezielle Einlagen und Gipsverbände über Monate oder Jahre
Therapie beim erworbenen Plattfuß:
- Konservative Therapie:
- Geeignetes Schuhwerk
- Barfußlaufen
- Orthesen und/oder Einlagen zur Unterstützung des Fußgewölbes
- Physiotherapie zur Kräftigung der Fuß- und Wadenmuskulatur
- Medikamente zur Schmerzlinderung
- Operative Therapie:
- In Betracht ziehen, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen
- Häufig bei Plattfüßen, die durch Arthrose oder eine gerissene Tibialis-posterior-Sehne entstehen
- Verschiedene operative Verfahren möglich, z.B. Calcaneus-Osteotomie, Transfer der Tibialis-posterior-Sehne, Arthrodese
Konservative Therapie im Detail
Die konservative Therapie zielt darauf ab, den Fuß zu entlasten, die Muskulatur zu stärken und Schmerzen zu lindern.
- Orthopädische Schuheinlagen: Einlagen mit einer Supinationsstütze an der Innenseite verlagern die Hauptbelastung beim Gehen wieder auf den Außenfuß. Spezielle Einlagen können auch die Ferse unterstützen und fixieren. Propriozeptive Einlagen regen die Muskeln im Fuß an und fördern die Stärkung des Längsgewölbes.
- Plattfuß Übungen:
- Fußspirale: Im Sitzen den Fuß auf das Knie der Gegenseite legen und mit beiden Händen umfassen. Die eine Hand hält die Ferse, die andere den Vorfuß. Die Fußsohle anspannen, den Vorfuß nach innen und gleichzeitig die Ferse nach außen drehen.
- Fußschraube: Im Sitzen einen Fuß aufstellen und das Knie abstützen. Den Fuß auf die Fußaußenseite legen und mit einer Hand die Ferse und mit der anderen den Vorfuß umfassen. Die Hand an der Ferse stabilisiert den Fuß, während die Hand am Vorfuß diesen in einer leichten Drehbewegung Richtung Boden führt.
- Weitere Übungen:
- Gymnastikband um den Fuß legen und gegen den Widerstand des Bandes den Fuß zum Boden drücken.
- Quergewölbe mobilisieren, indem ein sanfter Druck in der Mitte der Fußsohle ausgeübt wird.
- Fußmuskeln trainieren, um das Quergewölbe aufzurichten.
- Mit den Zehen einen Ball umschließen und das Quergewölbe aufrecht halten.
- Beim Gehen das Quergewölbe aktivieren und darauf achten, dass die Zehengrundgelenke gebeugt sind, ohne dass die Zehen krallen.
Operative Therapie im Detail
Eine operative Versorgung des Plattfußes wird dann notwendig, wenn die konservative Therapie versagt und die Beschwerden sich nicht bessern lassen.
- Calcaneus-Osteotomie (Fersenbein-Osteotomie): Das Fersenbein wird kontrolliert durchtrennt und das entstandene Knochenfragment an eine geeignete Position verbracht, um die Verspannung des abgeflachten Längsgewölbes wieder zu verstärken. Die Verschiebung des Knochenstücks wird mittels Schrauben fixiert.
- Transfer der Tibialis-posterior-Sehne: Die Zugrichtung oder Zugkraft der Tibialis-Sehne kann umgelenkt oder verstärkt werden, um die Wölbung des Fußes in Längsrichtung zu korrigieren.
- Knochenimplantate an den einzelnen Fusswurzelknochen: Durch kontrollierte Frakturierung und Einfügung von Abstandshaltern aus körpereigenem Knochenmaterial können einzelne Fußknochen verlängert werden.
- Arthrodese (Gelenkversteifung): Bei schweren Fällen oder degenerativem Abbau von Knorpelmaterial kann zusätzlich eine Arthrodese durchgeführt werden, um die Schmerzsymptomatik zu lindern.
Nervenschmerzen im Zeh bei Plattfuß
Nervenschmerzen im Zeh können im Zusammenhang mit einem Plattfuß auftreten, insbesondere wenn dieser mit einem Spreizfuß kombiniert ist. Durch die Fehlstellung kann es zu einer Kompression oder Reizung von Nerven im Vorfußbereich kommen, was zu Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Kribbeln in den Zehen führen kann.
Eine häufige Ursache für Nervenschmerzen im Zeh ist das Morton Neurom, eine Verdickung des Mittelfußnerven, die durch Druck und Reibung zwischen den Mittelfußknochen entsteht. Das Morton Neurom tritt meist zwischen dem 3. und 4. Zeh auf, seltener zwischen dem 2. und 3. Zeh.
Morton Neurom: Ursachen, Symptome und Behandlung
Das Morton Neurom entsteht meist vor dem Hintergrund eines Spreizfußes. Durch die Spreizfußfehlstellung sind die Mittelfußknochen verlagert und üben bei der Abrollbewegung einen stärkeren Druck auf die an der Fußsohle verlaufenden Nerven aus. Die dauernde Reizung führt zu einer Entzündung des Nerven und einer Anschwellung der bindegewebigen Hülle.
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Symptome des Morton Neuroms:
- Schmerzen im Mittelfuß, die bis in die Zehen ausstrahlen können
- Brennende, stechende Schmerzen
- Taubheitsgefühle oder Kribbeln in den Zehen
- Missempfindungen an den Zehenunterseiten
Diagnose des Morton Neuroms:
- Klinische Untersuchung und Tastuntersuchung des Fußes
- Mulder-Zeichen: Der Arzt ertastet das Morton Neurom zwischen den Zehenstrahlen und löst einen spezifischen Druckschmerz aus.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Zur Größenbestimmung der Nervenschwellung und zum Ausschluss anderer Ursachen für die Beschwerden
Behandlung des Morton Neuroms:
- Konservative Therapie:
- Weite Schuhe mit ausreichend Platz für die Zehen
- Einlagen zur Unterstützung des Quergewölbes und zur Entlastung der Nerven
- Injektionen mit Schmerzmitteln an die Nervenenden
- Physiotherapie zur Entlastung und Mobilisation des Fußes
- Operative Therapie:
- Nervenerhaltende Operation (Neurolyse/Dekompression): Weitung des Bandes zwischen den Mittelfußknochen oder Umstellung der Zehenknochen
- Nervenentfernung (Neurektomie): In seltenen Fällen, wenn die konservative Therapie nicht erfolgreich ist
Verlauf und Prognose
Im Allgemeinen kann durch die verschiedenen Therapien der Großteil der Betroffenen gut behandelt werden und beschwerdefrei durchs Leben gehen. Die Belastbarkeit und Stabilität des Fußes werden durch den Plattfuß zwar oft dauerhaft eingeschränkt, jedoch entstehen dadurch für den Patienten keine allzu großen Einschnitte im Alltag.
Bei Kindern wachsen sich die Fehlstellungen oft aus oder sind mit orthopädischen Einlagen oder Physiotherapie gut behandelbar. Auch Erwachsenen können diese Maßnahmen helfen, das Fußgewölbe wieder aufzurichten. Konservativ nicht mehr reversible Deformitäten erfordern Operationen.
Vorbeugung
Gänzlich Vorbeugen lässt sich Plattfüßen nicht. Vor allem für den angeborenen Pes planus besteht keine Möglichkeit zur Vorbeugung.
Das Risiko, einen erworbenen Plattfuß zu bekommen, senkt man, indem man zu große und einseitige Belastungen auf die Füße vermeidet. Außerdem ist es hilfreich, die Fußmuskulatur zu kräftigen: Wer regelmäßig barfuß geht, trainiert die Muskeln und Bänder am Fuß und beugt somit einem erworbenen Plattfuß vor. Außerdem ist es empfehlenswert, auf ein gesundes Körpergewicht zu achten, um Sehnen, Bänder und Gelenke der Füße zu entlasten. Dies schont zudem weitere Gelenke wie Knie und Hüfte.