Der Plexus coeliacus: Versorgung, Anatomie und klinische Bedeutung

Im menschlichen Körper bilden Leitungsbahnen wie Gefäße und Nerven komplexe Verflechtungen, die als Plexus bezeichnet werden. Es gibt eine Vielzahl dieser Netzwerke, so dass dieser Artikel eine Orientierung zu diesem Thema bietet. Ein Plexus beschreibt ein Netzwerk oder eine Verflechtung einzelner Leitungsbahnen des Körpers, darunter Arterien und Venen sowie Lymphgefäße und Nerven.

Ähnlich wie in einem elektrischen Verteilerkasten eines Hauses winden sich die Nervenplexus durch den Körper. Die Spinalnerven treten entlang der Wirbelsäule aus ihren jeweiligen Rückenmarkssegmenten aus. Ihre Nervenfasern verbinden sich netzartig miteinander und ziehen zu ihrer Zielregion. Dadurch werden in der Nähe des Rückenmarks alle Nerven gebündelt, die einen bestimmten Bereich des Körpers versorgen. Sie führen Fasern für das somatische Nervensystem, das alle bewussten und willentlich beeinflussbaren Prozesse steuert.

Überblick über Plexus im Körper

Um die Rolle und Bedeutung des Plexus coeliacus besser zu verstehen, ist es hilfreich, einen Überblick über andere wichtige Plexus im Körper zu geben:

  • Plexus cervicalis: Dieses Nervengeflecht entsteht aus den ventralen (vorderen) Ästen der zervikalen Spinalnerven (C1 bis C5). Es innerviert sensorisch die Hals- und Nackenregion, während seine motorischen Anteile die infrahyoidale Muskulatur und das Zwerchfell innervieren. Zu den motorischen Ästen gehören die Ansa cervicalis, der Nervus phrenicus, der Ramus sternocleidomastoideus und der Ramus trapezius. Seine sensiblen Äste umfassen den Nervus occipitalis minor, Nervus auricularis magnus, Nervus transversus colli und die Nervi supraclaviculares.

  • Plexus brachialis: Er bildet sich aus den ventralen Ästen der Spinalnerven von C5 bis Th1. Sie lagern sich zu drei Primärstämmen aneinander, woraus sich einerseits die Nerven des Pars supraclavicularis über dem Schlüsselbein (Clavicula) erstrecken, andererseits aber auch die Nerven der Pars infraclavicularis.

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  • Plexus lumbalis und sacralis: Diese können auch zum Plexus lumbosacralis zusammengefasst werden. Er innerviert die untere Extremität und entsteht aus den Rami anteriores der Spinalnerven von Th12 bis S4. Der Plexus lumbalis versorgt motorisch die untere Bauchmuskulatur und die vordere Seite des Oberschenkels. Sensibel innerviert er den Unterbauch, die Genitalregion und den vorderen Oberschenkel. Der Plexus sacralis innerviert die untere Extremität und das Becken.

  • Vegetative Nervenplexus: Aus den Fasern des vegetativen Nervensystems entstehen die vegetativen Nervenplexus. Das vegetative System umfasst die unwillkürlichen, autonomen Vorgänge im Körper, die ohne die bewusste Steuerung vom Gehirn ablaufen.

Der Plexus coeliacus: Anatomie und Zusammensetzung

Der Plexus coeliacus ist ein zentraler Bestandteil des vegetativen Nervensystems, das die unwillkürliche Steuerung vieler lebenswichtiger Funktionen übernimmt. Das Nervengeflecht spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation der Bauchorgane und ist sowohl für die medizinische Anatomie als auch für die klinische Praxis von großer Bedeutung. Der Plexus coeliacus ist ein dichtes Nervengeflecht (Plexus) im oberen Abdomen, das zum vegetativen Nervensystem gehört. Der Plexus coeliacus gehört zu den prävertebralen Nervengeflechten, die sich im Bereich der großen abdominellen Gefäße befinden.

Der Plexus coeliacus setzt sich aus sympathischen Fasern des Nervus splanchnicus major und den parasympathischen Fasern des Nervus vagus zusammen. Topographisch findet er sich um den Truncus coeliacus, die Arteriae phrenicae inferiores und die Arteria mesenterica superior sowie die Arteriae renales.

Lage und Struktur

Der Plexus coeliacus liegt im oberen Abdomen, direkt vor der Aorta abdominalis, etwa auf Höhe des ersten Lendenwirbels (L1). Die zentrale Struktur des Plexus bilden die Ganglia coeliaca. Diese paarig angelegten Ganglien sind die Hauptumschaltstation für präganglionäre sympathische Fasern. Die genaue Größe und Form der Ganglia coeliaca können individuell variieren, doch sie befinden sich meist symmetrisch zu beiden Seiten der Aorta und sind in das dichte Netzwerk des Plexus coeliacus eingebettet.

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Wichtig ist jedoch herauszustellen, dass über diese Ganglien ausschließlich sympathische Fasern verschaltet werden. Die parasympathischen Fasern des Nervus vagus verlaufen zwar durch den Plexus, ziehen aber direkt zu ihren Zielorganen.

Nervenfasern

Der Plexus coeliacus besteht aus verschiedenen Arten von Nervenfasern:

  • Sympathische Fasern: Der Hauptanteil der sympathischen Innervation des Plexus coeliacus erfolgt durch die Nervi splanchnici major und minor. Präganglionäre sympathische Fasern, die aus dem thorakalen Rückenmark stammen, erreichen den Plexus coeliacus über die Nervi splanchnici major und minor. Hier werden sie auf postganglionäre Fasern umgeschaltet, die direkt zu den Bauchorganen ziehen und dort ihre Wirkung entfalten.
  • Parasympathische Fasern: Der Nervus vagus (X. Hirnnerv) stellt die parasympathische Komponente des Plexus coeliacus dar.
  • Sensorische Fasern: Neben motorischen Fasern enthält der Plexus coeliacus auch sensorische Anteile, die viszerale Schmerzen und andere Signale aus den Innervationsgebieten an das zentrale Nervensystem weiterleiten.

Versorgung der Bauchorgane

Der Plexus coeliacus versorgt alle großen Organe des Oberbauchs mit sympathischen und parasympathischen Nervenfasern. Zu diesen Organen gehören:

  • Magen
  • Leber
  • Gallenblase
  • Pankreas
  • Milz
  • Dünndarm
  • Teile des Dickdarms
  • Nieren
  • Nebennieren

Funktion des Plexus coeliacus

Die Hauptaufgabe des Plexus coeliacus besteht in der autonomen Steuerung der Bauchorgane. Ein wesentlicher Bestandteil seiner Funktion ist die Umschaltung von präganglionären auf postganglionäre sympathische Nervenfasern.

Funktionell dient er der Steuerung der Aktivität des Gastrointestinaltrakts. Darunter fällt beispielsweise die Darmperistaltik.

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Viszerale Schmerzen

Der Plexus coeliacus spielt eine zentrale Rolle in der Übermittlung viszeraler Schmerzen. Über seine sensorischen Anteile leitet er Schmerzreize von den Organen des oberen Abdomens an das zentrale Nervensystem weiter. Diese viszeralen Schmerzen sind häufig diffus und schwer lokalisierbar, da sie über dieselben neuronalen Bahnen wie somatische Schmerzen projiziert werden können.

Klinische Bedeutung des Plexus coeliacus

Die anatomische Lage und die funktionelle Bedeutung des Plexus coeliacus machen ihn zu einem wichtigen Ziel für diagnostische und therapeutische Interventionen.

Pathologien und Erkrankungen

Verschiedene Pathologien können den Plexus coeliacus beeinträchtigen und zu Schmerzen oder Funktionsstörungen führen:

  • Kompression oder Irritation: Tumoren, entzündliche Prozesse oder vaskuläre Veränderungen in der Umgebung des Plexus coeliacus können zu einer Kompression oder Irritation des Nervengeflechts führen.
  • Viszeraler Schmerz: Chronische viszerale Schmerzen, wie sie zum Beispiel beim Pankreaskarzinom auftreten, werden häufig mit einer Überaktivierung der sympathischen Fasern im Plexus coeliacus in Verbindung gebracht.

Diagnostische Verfahren

Die Diagnose von Pathologien im Bereich des Plexus coeliacus erfolgt häufig mittels Bildgebung wie CT oder MRT.

Therapeutische Interventionen: Plexusblockade

Eine interventionelle Therapieform bei chronischen Schmerzen ist die Blockade des Plexus coeliacus. Dabei wird unter Bildgebungskontrolle (etwa CT- oder Ultraschall-gestützt) ein Lokalanästhetikum oder ein Neurolytikum in die Nähe des Plexus injiziert. Diese Technik wird insbesondere bei Schmerzen aufgrund eines Pankreaskarzinoms oder anderer schwerer abdominaler Erkrankungen angewandt.

Die klinische Anwendung der anatomischen Grundlagen der Plexus zeigt sich auch in der Technik der Plexusblockaden. Dabei wird im Rahmen der Regionalanästhesie der entsprechende Plexus mittels eines lokalem Betäubungsmittel betäubt. Dieses Verfahren findet vorwiegend bei operativen Eingriffen seine Anwendung.

Der Plexus solaris: Eine umgangssprachliche Bezeichnung

Der Plexus coeliacus und der Plexus mesentericus superior bilden gemeinsam den Plexus solaris, umgangssprachlich als Solarplexus bekannt. Zu ihnen fügen sich noch parasympathische Fasern des Nervus vagus an, während die anderen beiden Plexus sympathische Fasern über den Nervus splanchnicus major und Nervus splanchnicus minor führen. Er befindet sich hinter dem Magen und der Bursa omentalis, direkt vor den Schenkeln des Zwerchfells auf Höhe des ersten Lendenwirbelkörpers.

Das Geflechtsystem reagiert sehr sensibel auf mechanische Einwirkungen. Bei starker mechanischer Irritation, etwa durch einen Schlag, lösen die Fasern des Nervus vagus und der Nervi splanchnici major und minor Übelkeit, Blutdruckabfall und Ohnmacht aus.

Weitere vegetative Nervenplexus

Im Körper existieren noch viele weitere organspezifische Nervenplexus, die sich jeweils aus sympathischen und parasympathischen Fasern zusammensetzen. Exemplarisch zu nennen sind hierbei etwa:

  • Plexus cardiacus: für das Herz
  • Plexus pulmonalis: für die Trachea, Bronchien und pulmonalen Gefäße
  • Plexus oesophagus: für die Speiseröhre (Ösophagus)
  • Plexus mesentericus superior: Er besteht aus sympathischen Fasern des Nervus splanchnicus minor, wobei der Nervus vagus auch hier die parasympathischen Fasern beisteuert. Er innerviert beispielsweise den größten Teil des Dünndarms und des Colons und das Pankreas.
  • Plexus mesentericus inferior: Die sympathischen Nervi splanchnici lumbales bilden gemeinsam mit den parasympathischen Nervi splanchnici pelvis den Plexus mesentericus inferior.

Die Leber: Ein wichtiges Organ im Versorgungsgebiet des Plexus coeliacus

Die Leber ist die größte Drüse des Körpers.

Anatomie der Leber

  • Lage: Obere Grenze: auf Höhe des 5. Rippenraums rechts; Untere Grenze: Rippenbogen rechts.
  • Funktionelle Trennung: durch die V. hepatica dextra und sinistra sowie die Cantlie-Linie (imaginäre Linie von der Fossa vesicae felleae bis zur V. cava inferior).
  • Lobus caudatus: zwischen Ligamentum venosum hepatis und der Furche der V. cava inferior.
  • Facies visceralis: Beachten Sie die ungleichmäßige Struktur, die durch Abdrücke der Nachbarorgane entsteht. Die Impressio colica wird durch die Flexura coli dextra des Dickdarms verursacht; die Impressio duodenalis ist auf den Pars descendens des Duodenums zurückzuführen.
  • Lebersegmente: Die Einteilung in Lebersegmente basiert auf der Blutversorgung durch die beiden Äste der V. portae hepatis und orientiert sich an einer imaginären transversalen Ebene durch die Bifurkation der V. portae hepatis.
  • Inhalt: A. hepatica propria, Ductus hepaticus dexter und sinister, Lymphgefäße und der Plexus hepaticus (postganglionäre sympathische Fasern vom Plexus coeliacus und präganglionäre parasympathische Fasern vom N. vagus).
  • Ligamente: Ligg. triangularia, Lig. teres hepatis und Lig. coronarium. Beachten Sie, dass sich das Lig. teres hepatis vom freien Rand des Ligamentum falciforme aus erstreckt. Das Omentum minus setzt sich aus dem Ligamentum hepatogastricum und hepatoduodenale zusammen. Diese Duplikatur des Peritoneums verbindet die Leber mit der kleinen Kurvatur des Magens und dem Duodenum.

Blutversorgung der Leber

Die Leber weist eine spezielle, duale Blutversorgung auf. Sie enthält eine Mischung aus sauerstoffreichem, sauerstoffarmem und nährstoffreichem Blut.

  • Arterielle Versorgung: A. Aorta abdominalis → Truncus coeliacus → A. hepatica communis → A. hepatica propria. Der Truncus coeliacus ist der erste Hauptast der Aorta abdominalis. Er versorgt Leber, Magen, Milz, Pankreas sowie Teile des Ösophagus und des Duodenums mit sauerstoffreichem Blut. Der Truncus coeliacus gibt die A. gastrica sinistra, die A. splenica und die A. hepatica communis ab. Die A. hepatica communis teilt sich in die A. hepatica propria, die A. gastroduodenalis und die A. gastrica dextra.
  • Venöser Abfluss: Sinusoide → Zentralvenen der Leberläppchen → Vv. hepaticae → V. cava inferior. Die Pfortader wird am häufigsten durch die Vereinigung der V. splenica und der V. mesenterica superior gebildet. Direkte Zuflüsse sind die V. mesenterica inferior, V. cystica, V. gastrica dextra und sinistra. Insgesamt sammelt das Portalsystem den venösen Abfluss der Milz, des Magens, der Gallenblase, des Dünn- und Dickdarms und des Pankreas.
  • Portokavale Anastomosen: alternative Umgehungskreisläufe, die den venösen Abfluss der Bauchorgane auch bei einer Blockade des Pfortadersystems gewährleisten. V. gastrica sinistra und dextra und Vv. oesophageales, V. rectalis superior und V. rectalis inferior, Vv. paraumbilicales und V. epigastrica inferior, Ductus venosus und V. cava inferior.

Innervation der Leber

  • Plexus hepaticus (verläuft mit der A. hepatica propria).
  • Innervation der Glisson-Kapsel durch die unteren Nn. intercostales und N. phrenicus. Die A. hepatica propria enthält adrenerge Rezeptoren, die über die Nn. splanchnici stimuliert werden.

Funktion der Leber

Die Leber ist ein zentrales Stoffwechselorgan mit vielfältigen Funktionen:

  • Die Leber eliminiert Abbauprodukte, die durch Resorption aus dem Gastrointestinaltrakt entstehen. Durch enzymatische Modifikation werden fettlösliche Stoffe in wasserlösliche Substanzen umgewandelt.
  • Synthese von Albumin, Globulinen, Akute-Phase-Proteinen, Transaminasen, Gerinnungsfaktoren (z. B. Fibrinogen, Prothrombin, Faktor V, VII, IX, X).
  • Ort der fetalen Erythrozytenbildung von der 6. SSW bis zum 6. Lebensmonat. Erythrozyten ist im Erwachsenenalter nach Knochenmarkbestrahlung bei verschiedenen Knochenmarkerkrankungen (z. B. Myelodysplastische Syndrome, Polyzythämie) und chronischen Anämien (z. B. Thalassämie) reaktiviert.

Untersuchung der Leber

  • Die Untersuchung der Leber basiert hauptsächlich auf Palpation und Perkussion. Mithilfe der Leberpalpation kann die Lebergröße eingeschätzt und nach Empfindlichkeiten und Resistenzen getastet werden.
  • Laborwerte: Parameter der Cholestase (z. B. γ-GT, alkalische Phosphatase, Bilirubin).
  • Bildgebende Verfahren: Die Bildgebung ist für die Erkennung fokaler Leberläsionen (z. B. Abszesse, Tumore) essentiell. Die Identifikation und Diagnose von diffusen hepatozellulären Erkrankungen (z. B. Leberzirrhose) ist nur eingeschränkt möglich.

Erkrankungen der Leber

  • Gutartige Lebertumore: Kavernöses Hämangiom, hepatozelluläres Adenom und fokal-noduläre Hyperplasie.
  • Maligne Lebertumore: Hepatozelluläres Karzinom (HCC), Cholangiokarzinom, Metastasen (z. B. Bildgebung des Mediastinums, Dottersacktumore, Karzinoidtumore und Lymphome).
  • Virushepatitis: Meist durch die Hepatitisviren A, B, C, D und E verursachte Leberentzündung. Erbrechen im Kindesalter, Anorexie und Bauchschmerzen. Auch durch andere Viren wie z. B. Zytomegalievirus (CMV) oder Epstein-Barr-Virus (EBV).
  • Parasitäre Erkrankungen: Diffuse Beteiligung, z. B. Schistosoma/ Schistosomiasis (Bilharziose) spp., Plasmodium spp. (Malaria).
  • Autoimmunhepatitis: Fortschreitender nekroinflammatorischer Prozess, der zu einer chronischen Hepatitis oder Zirrhose führt. Gekennzeichnet durch das Vorhandensein von zirkulierenden Autoantikörpern und hohen Serumglobulinkonzentrationen.
  • Hämochromatose: Genetische autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung, die auf einer Mutation des HFE-Gens beruht und zu einer erhöhten Eisenaufnahme im Darm führt.
  • Morbus Wilson: Autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselerkrankung, bei der die Kupferausscheidung beeinträchtigt ist.
  • Porphyrie: Gruppe von genetisch bedingten Stoffwechselerkrankungen, bei denen Defekte in der Biosynthese von Hämstoffwechsel, Eisenstoffwechsel und Hämoglobin im Serum auftreten.
  • Leberzirrhose: Erkrankung, die durch eine chronische Schädigung der Leber verursacht wird.
  • Budd-Chiari-Syndrom (BCS): Seltene Erkrankung, bei der ein Verschluss der Lebervenen vorliegt.

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