Plötzliche Migräne Ursachen ab 40: Ein umfassender Überblick

Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, von der etwa 20 Prozent der Frauen betroffen sind. Starke Kopfschmerzen, Orientierungsverlust, Übelkeit und Erbrechen sind typische Symptome. Die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken können jedoch im Laufe des Lebens variieren. Besonders Frauen in den Wechseljahren erleben oft Veränderungen ihres Migräneverlaufs. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen plötzlicher Migräneanfälle ab 40, insbesondere im Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen und anderen Auslösern.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine nicht ansteckende Krankheit, die sich durch sehr starke Kopfschmerzen auszeichnet. Diese Schmerzen treten in Anfällen (Attacken) auf und betreffen meist nur eine Seite des Kopfes oder den Hinterkopf. Betroffene beschreiben die Schmerzen als pulsierend, hämmernd oder bohrend. Körperliche Anstrengung verstärkt die Schmerzen oft. Häufig werden die Migränekopfschmerzen von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder Sehstörungen begleitet.

Die Dauer einer einzelnen Attacke beträgt zwischen vier und 72 Stunden. Sie kann sich - ebenso wie die Intensität der Beschwerden - von Attacke zu Attacke unterscheiden. Auch die Häufigkeit der Migräne-Anfälle und die zeitlichen Abstände dazwischen können variieren.

Ursachenforschung: Was steckt hinter Migräne?

Die genauen Ursachen der Migräne und die zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Man vermutet bei den Betroffenen eine genetische Veranlagung. Auf Basis dieser genetischen Neigung scheint es im Zusammenspiel mit verschiedenen inneren oder äußeren Faktoren (Triggern) zu den Migräne-Attacken zu kommen.

Genetische Veranlagung

Migräne ist vererbbar und kann innerhalb einer Familie weitergegeben werden. Nach Expertenmeinung liegt Migräne eine polygenetische Veranlagung zugrunde: Veränderungen (Mutationen) in mehreren Genen erhöhen das Migränerisiko. Manche dieser Gene sind an der Regulierung der neurologischen Schaltungen im Gehirn beteiligt, andere werden mit oxidativem Stress in Verbindung gebracht.

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Auslöser (Trigger)

Verschiedene Trigger können bei entsprechender genetischer Veranlagung eine Migräne-Attacke auslösen. Welche Faktoren im Einzelfall einen Anfall „triggern“, ist individuell verschieden. Einige Beispiele sind:

  • Stress: Ein häufiger Auslöser ist Stress im privaten oder beruflichen Umfeld.
  • Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus: Betroffen sind oft Menschen, die im Schichtdienst arbeiten.
  • Reizüberflutung: Wenn das Gehirn zu viele Eindrücke gleichzeitig verarbeiten muss, entsteht ebenfalls Stress.
  • Wetter/Wetterwechsel: Viele Betroffene reagieren empfindlich auf schwülwarme Gewitterluft, starken Sturm, Föhnwetter oder sehr helles Licht.
  • Bestimmte Nahrungsmittel: Bei einigen Produkten wie Bananen oder bestimmten Käsesorten hat man Tyramin im Verdacht. Achten Sie darauf, regelmäßig zu essen. Häufig setzen Migräne-Anfälle ein, wenn man zu wenig gegessen hat (Unterzuckerung).
  • Hormonelle Veränderungen: Geschlechtshormone haben einen starken Einfluss auf Migräne.

Hormonelle Einflüsse und Migräne bei Frauen ab 40

Frauen sind etwa doppelt so häufig von Migräne betroffen wie Männer. Dies liegt vor allem an den hormonellen Veränderungen, die Frauen im Laufe ihres Lebens durchmachen. Besonders die Östrogene spielen eine wichtige Rolle.

Migräne und Menstruation

Vielfach steht die Migräne in Zusammenhang mit der Menstruation. So löst der Abfall des Östrogenspiegels vor der Regelblutung bei manchen Frauen eine Migräne-Attacke aus. Darüber hinaus können hormonelle Verhütungsmittel („Pille“) ebenfalls Migräne verursachen. Deshalb heißt diese Form auch „hormonelle Migräne“.

Migräne und Wechseljahre

Der Beginn der Wechseljahre kann für Migräne-Patientinnen besonders schwierig sein. Für etwa jede zweite Frau bedeute die Zeit vor der letzten Regelblutung, die sogenannte Perimenopause, dass ihre Krankheit schlimmer wird. Bei rund 40% bessert sich die Migräne während der Wechseljahre, bei rund 10% gebe es keine Änderungen.

Der sinkende Östrogenspiegel in der Perimenopause kann zu einem verminderten Serotoninspiegel führen, was die körpereigene Schmerzhemmung beeinträchtigt. Auch die Bildung des Botenstoffs Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), der bei Migräne eine Schlüsselrolle spielt, scheint durch hormonelle Einflüsse gesteuert zu werden.

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Kristina F., eine 51-jährige Migräne-Patientin, berichtet, dass ihre Anfälle zwei Jahre zuvor plötzlich sehr viel häufiger wurden. Sie vermutete selbst einen Zusammenhang mit den Wechseljahren, was ihr jedoch kein Arzt erklärte.

Was tun bei plötzlicher Migränezunahme ab 40?

Wenn Migräneanfälle ab 40 plötzlich häufiger auftreten, ist es wichtig, die Ursachen abzuklären und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Ärztliche Beratung

Zunächst sollte ein Arzt aufgesucht werden, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen. Der Arzt kann auch helfen, die individuellen Triggerfaktoren zu identifizieren und einen geeigneten Behandlungsplan zu erstellen.

Hormonersatztherapie

Eine Hormonersatztherapie zur Anhebung des Östrogenspiegels kann die Migräne zwar lindern, muss jedoch sorgfältig abgewogen werden, da sie auch Risiken birgt, etwa ein erhöhtes Brustkrebsrisiko.

Nicht-medikamentöse Behandlungen

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es auch zahlreiche nicht-medikamentöse Ansätze, die bei Migräne helfen können:

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  • Entspannungsverfahren: Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training oder achtsamkeitsbasierte Programme wie MBSR können helfen, Stress abzubauen.
  • Regelmäßiger Ausdauersport: Dreimal wöchentlich Joggen wirkt nachweislich günstig.
  • Stressmanagement: Da sich in dem Alter bei Frauen oft Belastungen häufen, sei Stressmanagement wichtig.
  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus.
  • Ausreichend trinken: Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Achten Sie darauf, regelmäßig zu essen, um Unterzuckerung zu vermeiden.
  • Vermeidung von Triggerfaktoren: Identifizieren Sie Ihre individuellen Triggerfaktoren und vermeiden Sie diese.
  • Migräne-Tagebuch: Führen Sie ein Migräne-Tagebuch, um die Häufigkeit, Intensität und Dauer Ihrer Anfälle zu dokumentieren und mögliche Auslöser zu identifizieren.

Medikamentöse Behandlung

Migräne ist auch mit Medikamenten behandelbar. Es gibt neue und spezifische Therapien, die sehr gut helfen, sowohl bei der Prophylaxe als auch im akuten Fall.

  • Akutbehandlung: Bei leichten bis mittelstarken Migräneattacken sind NSAR (Nichtsteroidale Antirheumatika) die bevorzugten Medikamente. Bei mittelschweren bis schweren Migräneattacken werden hauptsächlich Triptane behandelt.
  • Prophylaxe: Bei häufigen Migräneanfällen können Medikamente zur Prophylaxe eingesetzt werden, um die Häufigkeit und Intensität der Anfälle zu reduzieren.

Migräne im Alter: Veränderungen und Besonderheiten

Migräne unterliegt im Laufe des Lebens immer wieder Veränderungen. Im Alter berichten viele Patienten, dass sich die Kopfschmerzerkrankung bessert. Dennoch muss das nicht sein. Vorsicht ist geboten, wenn ältere Menschen zum ersten Mal über Migräne klagen. Zudem bedarf die Behandlung einiger Besonderheiten.

Abnahme der Migräne im Alter

Ein Großteil der Patienten erhält die Diagnose Migräne bereits im Jugendalter oder als junge Erwachsene. Im Alter beobachten Experten die Tendenz, dass Migräne abnimmt und bei einigen Patienten sogar ganz verschwindet. Dazu ändert sich zumeist die Ausprägung der Attacken:

  • Die Kopfschmerzzeiten verkürzen sich.
  • Begleitsymptome wie Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit sind schwächer ausgeprägt.
  • Bei Patienten, die in jüngeren Jahren an Migräne mit Aura gelitten haben, kommt es im Alter manchmal zu Auraerscheinungen, aber ohne das Kopfschmerzen entstehen.

Ein Faktor könnten, zumindest bei Frauen, die Wechseljahre sein. Sind diese überstanden, fällt die monatliche Schwankung des Hormons Östrogen weg, ein häufiger Trigger für Migräne.

Kopfschmerzen im Alter: Migräne oder andere Ursachen?

Auch wenn die Migräneneigung bei älteren Menschen eher sinkt, leiden auch sie unter Kopfschmerzen. Im Alter treten Kopfschmerzen vorranging als Folge einer anderen Erkrankung auf. Fachleute sprechen von sekundären Kopfschmerzen. Mögliche Ursachen sind unter anderem:

  • Schlecht angepasste Brillengläser
  • Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer)
  • Bluthochdruck
  • Neuralgien (Nervenschmerzen)
  • Neuropathien (Nervenerkrankung)
  • Nebenwirkung von Arzneimitteln

Dazu leiden Menschen im höheren Alter nicht selten an Spannungskopfschmerzen. Dahinter stecken mitunter Verspannungen der Halswirbelsäule oder depressive Verstimmungen. Auch die besonders heftigen Clusterkopfschmerzen können bei Senioren auftreten, jedoch selten zum ersten Mal.

Migräne mit Aura im Alter

Bei älteren Menschen können visuelle Erscheinungen oftmals auch ohne Kopfschmerzen entstehen. Nicht immer sind sie einer Migräne zuzuschreiben, vor allem dann nicht, wenn sie zuvor noch nie aufgetreten sind. Es können zum einen harmlose Ursachen dahinterstecken, aber ebenso ernsthafte. Vor allem ein Schlaganfall äußert sich ähnlich, zudem kann eine Aura in einen Schlaganfall übergehen (migränöser Infarkt).

Besonderheiten der Behandlung bei Migräne im Alter

Zur medikamentösen Behandlung von Migräne kommen vorrangig Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) sowie Triptane zum Einsatz. Für ältere Migränepatienten müssen jedoch einige Punkte vor der Anwendung beachtet werden:

  • Funktionsstörungen der Nieren oder der Leber können eine veränderte Wirksamkeit der Medikamente hervorrufen.
  • Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck müssen besondere Beachtung finden.
  • Augenmerk sollte auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, zum Beispiel Psychopharmaka oder Herz-Kreislauf-Mittel, gelegt werden.
  • Patienten, die unter Gefäßerkrankungen leiden, beispielsweise der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), dürfen keine Triptane einnehmen.

Migräne-Prophylaxe im Alter

Leiden ältere Menschen häufig unter Migräne oder wird die Erkrankung gar chronisch, sollte über Maßnahmen zur Vorbeugung nachgedacht werden. Allerdings weichen auch hier die Empfehlungen gegenüber jungen Patienten ab. Fachleute raten dazu, bei der Auswahl der Substanzen auf mögliche Nebenwirkungen zu achten und den Gesundheitszustand des Patienten zu berücksichtigen.

Formen der Migräne

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society, IHS) unterscheidet verschiedene Arten von Migräne. Dazu gehören:

  1. Migräne ohne Aura, mit drei Unterformen:

    • Rein menstruelle Migräne ohne Aura
    • Menstruationsassoziierte Migräne ohne Aura
    • Nicht-menstruelle Migräne ohne Aura
  2. Migräne mit Aura, mit verschiedenen Unterformen:

    • Migräne mit typischer Aura (Unterformen: Typische Aura mit Kopfschmerzen, typische Aura ohne Kopfschmerzen)
    • Migräne mit Hirnstammaura (früher: basiläre Migräne)
    • Hemiplegische Migräne
    • Retinale Migräne
    • Rein menstruelle Migräne mit Aura
    • Menstruationsassoziierte Migräne mit Aura
    • Nicht-menstruelle Migräne mit Aura
  3. Chronische Migräne

  4. Migränekomplikationen, zum Beispiel:

    • Status migraenosus
    • Migränöser Infarkt
    • Epileptischer Anfall, durch Aura getriggert
  5. Wahrscheinliche Migräne mit oder ohne Aura

  6. Episodische Syndrome, die mit einer Migräne einhergehen können, zum Beispiel:

    • Wiederkehrende Magen-Darm-Störungen (z. B. abdominelle Migräne)
    • Vestibuläre Migräne

Die Hauptformen sind Migräne ohne Aura und Migräne mit Aura.

Symptome der Migräne

Anders als beispielsweise bei Spannungskopfschmerzen tut bei einer Migräne nicht nur der Kopf weh. Die Symptome der Migräne sind vielfältig, betreffen den ganzen Körper und schränken Betroffene oft stark ein.

Die häufigsten Begleitsymptome sind Übelkeit und Erbrechen. Fast alle Migräniker berichten, dass ihnen während und oft schon vor Migräneattacken übel ist. Viele Betroffene übergeben sich auch aufgrund der Migräne. Hinzu kommt oft auch völlige Appetitlosigkeit.

Auch verschiedene Formen von Hypersensibilität sind nicht selten. Ob Licht, laute Geräusche oder sogar Gerüche - im Zusammenhang mit Migräne sind Erkrankte oft besonders empfindlich gegenüber solchen Reizen. Daraus resultiert meist das Bedürfnis, sich in einen dunklen, stillen Raum zurückzuziehen.

Die Kopfschmerzen selbst sind bei der Migräne ebenfalls sehr charakteristisch. In den meisten Fällen beginnt der Schmerz im Nacken und wandert von dort über die Schläfen bis zu den Augen. Häufig ist dieses Areal nur auf einer Seite betroffen, aber auch bilaterale Migräne kann auftreten. Dabei fühlen sich die Schmerzen pulsierend, hämmernd oder pochend an. Ebenfalls typisch ist, dass schon geringe körperliche Aktivität die Schmerzen verschlimmert.

Diagnose der Migräne

Die Diagnose basiert vor allem auf der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Wenn Patienten sich mit dem Leitsymptom „Kopfschmerz“ vorstellen, ist es für Ärzte wichtig, andere Ursachen für den Schmerz auszuschließen. So wird der neurologische Status erhoben, bei dem die Funktion des Nervensystems überprüft wird. Die „trigeminalen Nervenaustrittspunkte“ sind Stellen am Kopf, an denen der Trigeminusnerv, der oft bei Kopfschmerzen beteiligt ist, austritt. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Beweglichkeit der Halswirbelsäule (HWS). Einschränkungen hier können ebenfalls Kopfschmerzen verursachen. Ebenso wird die „perikranielle Muskulatur“, also die Muskulatur rund um den Schädel, auf Druckschmerzhaftigkeit überprüft. Die Gesundheit des Mundes ist ebenfalls wichtig. Daher wird eine Beurteilung der Schleimhäute und des Zahnstatus vorgenommen. Die Diagnose basiert auf den klinischen Symptomen. Bildgebende Untersuchungen, wie z.B. Bei Migräne, besonders bei jenen mit sichtbaren Symptomen oder untypischen Verläufen, müssen andere Erkrankungen berücksichtigt werden.

Differenzialdiagnose

Es ist wichtig, Migräne von anderen Kopfschmerzarten und Erkrankungen zu unterscheiden:

  • Spannungskopfschmerz: Ein dumpfer, allumfassender Schmerz, ohne Übelkeit oder sichtbare Symptome.
  • Clusterkopfschmerz: Sehr starker Schmerz, aber kürzer und immer auf derselben Seite. Begleitet von Symptomen wie tränende Augen.
  • Meningitis: Begleitet von Fieber, schlechtem Allgemeinbefinden und Steifheit des Nackens.
  • Schlaganfall oder Gehirnblutung: Plötzlicher Beginn, oft mit Halbseitenschwäche, ohne Überempfindlichkeit gegenüber Licht oder Lärm.

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