Plötzlich einsetzende Migräne: Ursachen, Symptome und Behandlung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der allein in Deutschland etwa 10 Millionen Menschen betroffen sind. Sie äußert sich durch plötzlich auftretende, oft einseitige Kopfschmerzen, die von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein können. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.

Was ist Migräne?

Ein Migräne-Anfall unterscheidet sich von gewöhnlichen Kopfschmerzen. Der Schmerz tritt plötzlich auf, ist oft sehr ausgeprägt und konzentriert sich meist auf nur eine Kopfseite. Viele Migränepatienten berichten zudem von weiteren Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen. Der Schmerz ist oft einseitig und stärker. Manche Menschen mit Migräne reagieren während eines Anfalls empfindlicher auf Geräusche und Licht. Manche nehmen im Vorfeld des eigentlichen Migräne-Anfalls auch Lichtblitze oder ungewöhnliche Strukturen wahr. Ohne Behandlung dauert ein Migräne-Anfall in der Regel zwischen 4 Stunden und 3 Tagen an.

Migräne vs. Spannungskopfschmerz vs. Clusterkopfschmerz

Es ist wichtig, Migräne von anderen Kopfschmerzarten zu unterscheiden:

MerkmalMigräneSpannungskopfschmerzClusterkopfschmerz
SchmerzcharakterPulsierend, pochendDumpf, drückendStechend, bohrend
LokalisationMeist einseitig, kann die Seite wechselnBeidseitig, wie ein Band um den KopfEinseitig, meist hinter einem Auge
Dauer4 bis 72 Stunden30 Minuten bis mehrere Tage15 Minuten bis 3 Stunden, oft nachts
BegleitsymptomeÜbelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit, ggf. AuraSelten leichte Übelkeit, keine SinnesüberempfindlichkeitTränenfluss, Nasenlaufen, Unruhe
Typische AuslöserStress, Hormonschwankungen, Schlafmangel, bestimmte Nahrungsmittel, ReizeStress, Muskelverspannung, FehlhaltungAlkohol, Schlafmangel, Tageszeit, Jahreszeit
Häufigkeit1-10x pro Monat (episodisch), >15x (chronisch)Unregelmäßig bis häufig, teils chronischClusterphasen: Attacken über Wochen hinweg täglich
Reaktion auf RuheRuhe und Dunkelheit helfenOft durch Bewegung linderbarUnruhe - Patient:innen sind rastlos
BehandlungTriptane, NSAR, Antiemetika, ggf.

Symptome der Migräne

Menschen mit Migräne beschreiben die typischen, meist einseitig auftretenden Kopfschmerzen in der Regel als pochenden oder pulsierenden Schmerz. Bei vielen steigert körperliche Anstrengung diesen Schmerz noch einmal deutlich - manchmal reichen hierfür bereits einfache Bewegungen.

Aura

Manche Menschen haben eine Migräne mit sogenannter Aura. Diese Patientinnen und Patienten sehen im Vorfeld des eigentlichen Migräne-Anfalls beispielsweise Lichtblitze, ungewöhnliche Formen oder nehmen ihre Umgebung plötzlich verschwommen oder verzerrt wahr. Auch vorübergehende Schwierigkeiten beim Sprechen, zeitweilige Lähmungserscheinungen und Missempfindungen wie ein Kribbeln können einen unmittelbar bevorstehenden Migräne-Anfall ankündigen. Eine solche Aura lässt nach etwa einer Stunde nach und bleibt in der Regel ohne anhaltende Folgen. Unmittelbar danach stellen sich die für Migräne typischen Kopfschmerzen ein.

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Arten von Aura-Symptomen

  • Sehstörungen: Flimmersehen, Zickzack-Linien, Gesichtsfeldausfälle (Skotome), verzerrte Wahrnehmung.
  • Empfindungsstörungen: Kribbeln, Taubheitsgefühl in Händen, Armen oder Wangen.
  • Sprachstörungen: Schwierigkeiten beim Sprechen oder Finden der richtigen Worte (Aphasie).
  • Weitere Einschränkungen: Selten Orientierungsstörungen, Lähmungserscheinungen (Paresen), Gleichgewichtsstörungen.

Atypische Migräne-Aura

Von der typischen Migräne-Aura werden atypische Auren unterschieden. Darunter fällt die Migräne mit Hirnstammaura. Betroffene leiden an Hirnstammsymptomen wie Drehschwindel, Tinnitus, Doppelbildern oder Bewusstseinsstörungen. Eine hemiplegische Migräne diagnostizieren Ärzte, wenn die Aura mit motorischen Störungen wie einer halbseitigen Lähmung einhergeht. Die motorischen Symptome können länger andauern als andere Aura-Symptome, sie bilden sich aber innerhalb von 72 Stunden ebenfalls wieder vollständig zurück. Sind in der Familie (ersten oder zweiten Verwandtschaftsgrades) ähnliche Migränefälle bekannt, wird die Migräne noch spezifischer als familiär hemiplegische Migräne definiert. Eine weitere atypische Form ist die retinale Migräne. Charakteristisch für diese sehr seltene Migräneform sind vorübergehende, visuelle Phänomene wie plötzliches Flimmern vor dem Auge, Gesichtsfeldausfälle (Skotome) oder eine Erblindung.

Weitere Symptome

Neben den Kopfschmerzen und der Aura können weitere Symptome auftreten, wie:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht (Photophobie), Geräuschen (Phonophobie) und Gerüchen (Osmophobie)
  • Schwindel
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Müdigkeit
  • Nackenschmerzen
  • Gereiztheit oder Heißhunger

Migräne bei Kindern

Auch Kinder können Migräne bekommen. Bei ihnen können die migränetypischen Kopfschmerzen mitunter fehlen.

Ursachen und Auslöser

Es ist bislang nicht bekannt, wodurch genau eine Migräne verursacht wird. Entzündliche Vorgänge an Blutgefäßen des Gehirns könnten an der Entstehung von Migräne beteiligt sein. Aber auch die Art, wie Schmerzsignale im Gehirn verarbeitet werden, wird unter Medizinerinnen und Medizinern als mögliche Ursache diskutiert. Zusätzlich kann ein stressiger und hektischer Alltag die Entwicklung von Migräne, anderen Kopfschmerzen und weiteren Schmerzarten fördern. Manchmal treten Migräne-Anfälle zwar erst in den Ruhephasen auf - etwa zu Beginn des Urlaubs oder Wochenendes.

Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt eine Reihe von Faktoren, die eine Attacke auslösen können. Die sogenannten Trigger, die eine Migräne auslösen können, sind sehr individuell. Zu den häufigsten Triggern gehören:

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  • Stress: Besonders bei unregelmäßigem Tagesablauf, emotionalem Stress oder auch nach einer anstrengenden, stressigen Zeit treten Migräneanfälle auf.
  • Schlafmangel: Zu wenig Schlaf oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus erhöhen das Risiko.
  • Flüssigkeitsmangel: Häufig beginnen Migräneanfälle, wenn zu wenig getrunken wurde.
  • Hormonelle Schwankungen: Viele Frauen berichten von Migräneanfällen kurz vor und während der Menstruation.
  • Ernährung: Bestimmte Lebensmittel gelten als Auslöser, wie zum Beispiel Rotwein. Aber auch der Verzicht auf Lebensmittel kann Anfälle triggern. So kann beispielsweise Fasten Migräne fördern.
  • Wetter und Reizüberflutung: Migräne kann außerdem durch Überflutung mit Licht- und Lärmreizen ausgelöst werden.
  • Genetische Faktoren: Studien haben gezeigt, dass das Risiko, an Migräne zu erkranken, bei Personen mit Familienangehörigen, die ebenfalls an Migräne leiden, deutlich erhöht ist.

Diagnose

Ärztinnen und Ärzte erhalten in einem zielgerichteten, ausführlichen Gespräch bereits die wesentlichen Hinweise auf eine Migräne. Zu den wichtigen Fragen des Gesprächs gehören:

  • Wie lassen sich die Kopfschmerzen beschreiben?
  • Wo genau treten die Schmerzen auf und seit wann sind sie vorhanden?
  • Sind die genannten Symptome früher schon mal aufgetreten?
  • Gibt es neben den Kopfschmerzen noch andere Symptome?
  • Werden Arzneimittel eingenommen? Wenn ja: welche, wie oft, seit wann?

Im Anschluss an das Gespräch untersucht die Ärztin oder der Arzt die Patientin oder den Patienten auch körperlich. Meist kann bereits nach diesen Diagnostikschritten eine Migräne festgestellt oder ausgeschlossen werden.

Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, die Häufigkeit und Dauer der Anfälle, Art und Stärke der Kopfschmerzen und Begleitsymptome zu dokumentieren.

Behandlung

Ein feuchtes Handtuch, Kühlelemente aus dem Kühlschrank, ein abgedunkeltes Schlafzimmer: Viele Menschen mit Migräne wissen aus eigener Erfahrung, mit welchen Maßnahmen sie einen Anfall am besten lindern können. Darüber hinaus nehmen viele bei starken Schmerzen auch Medikamente ein. Dazu gehören Paracetamol, entzündungshemmende Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac oder Ibuprofen sowie spezielle Migräne-Medikamente wie Triptane. In Apotheken sind Paracetamol, ASS und Ibuprofen ohne Rezept erhältlich, mit Einschränkungen auch einige Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane in niedriger Dosierung. Bei Kindern und Jugendlichen darf ASS nur auf ärztliche Anweisung gegeben werden, da der Wirkstoff das Reye-Syndrom auslösen kann - eine seltene, aber gefährliche Nebenwirkung.

Akuttherapie

  • Schmerzmittel: Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure sowie koffeinhaltige Kombinationspräparate.
  • Triptane: Migränespezifische Medikamente, die wirksam gegen starke Symptome sind und frühzeitig eingenommen werden sollten.
  • Antiemetika: Gegen Übelkeit helfen zum Beispiel Metoclopramid und Domperidon.
  • Gepante: Eine neue Wirkstoffgruppe, die eingesetzt werden kann, wenn Schmerzmittel oder Triptane nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden.
  • Remote Electrical Neuromodulation (REN): Eine Ergänzung oder Alternative zur Standardtherapie, bei der Nervenfasern außerhalb der Migräneschmerzregion stimuliert werden.

Vorbeugung

  • Regelmäßiger Sport und Entspannungsübungen: Können helfen, die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
  • Akupunktur: Die Daten zur Wirksamkeit sind widersprüchlich.
  • Medikamentöse Prophylaxe: Bei häufigen oder schweren Migräne-Attacken können Medikamente wie bestimmte Betablocker oder Krampflöser (Topiramat oder das Antidepressivum Amitriptylin) helfen vorzubeugen.
  • Antikörpertherapie: Seit einigen Jahren ist in Deutschland eine besondere Antikörpertherapie zur Vorbeugung von Attacken bei chronischer Migräne zugelassen.
  • Gepante: Eine neue Wirkstoffgruppe, die auch zur Vorbeugung eingesetzt werden kann.
  • Remote Electrical Neuromodulation (REN): Eine weitere Möglichkeit, einer Migräne vorzubeugen oder sie zu behandeln.
  • Migräne-Apps: Können dabei helfen, Trigger zu meiden und Migräne-Attacken vorzubeugen.
  • Kognitive Verhaltenstherapie: Kann helfen, negative Denkmuster und Verhaltensweisen zu ändern.
  • Entspannungsverfahren: Autogenes Training kann helfen, sich in einen tiefen Entspannungszustand zu versetzen.
  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Ein regelmäßiger Schlafrhythmus und ausreichend Schlaf können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Ausreichend trinken: Flüssigkeitsmangel kann Migräneattacken auslösen.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Unregelmäßige Mahlzeiten können Migräneattacken auslösen.
  • Migräne-Tagebuch führen: Ein Migräne-Tagebuch kann helfen, Trigger zu identifizieren und zu vermeiden.
  • Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport kann helfen, Migräneattacken vorzubeugen.

Auswirkungen auf den Alltag

Ein Migräne-Anfall kann große Auswirkungen auf den Alltag haben: Viele Menschen mit Migräne können in dieser Zeit ihren Beruf nicht oder nur sehr eingeschränkt ausüben. Generell ist die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit aufgrund der Schmerzen und weiterer Beschwerden stark eingeschränkt. Das Auftreten von Migräne-Anfällen kann vorhersehbar sein, wenn diese vor allem zu bestimmten Zeiten auftreten. Bei Frauen sind das häufig die Tage vor der monatlichen Regelblutung. Oft treten Anfälle aber auch ohne erkennbares Muster auf. Dadurch können die Betroffenen Verabredungen, Termine oder Freizeitaktivitäten nur schwer in die Zukunft planen. Zu der Angst vor einem erneuten Anfall mit all seinen Einschränkungen kommt oft also noch die Sorge hinzu, wie sich der nächste Migräne-Anfall auf die Familie und den Beruf auswirken wird.

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Unterstützung finden

Ärztinnen und Ärzte können Menschen mit Migräne eine Gesundheits-App verschreiben. In Deutschland gibt es zahlreiche Unterstützungsangebote wie Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen.

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