Eine Pneumokokken-Infektion kann sich auf verschiedene Weise manifestieren, von lokal begrenzten Atemwegserkrankungen bis hin zu schweren systemischen Erkrankungen wie Pneumonie, Meningitis und Sepsis. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlung von Pneumokokken-Infektionen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Auftreten im Blut und Nervenwasser.
Einführung
Die bakterielle Meningitis (Hirnhautentzündung) ist eine lebensbedrohliche Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen). Häufigste Erreger bei Erwachsenen sind Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) und Meningokokken (Neisseria meningitidis). Typische Anzeichen sind starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und hohes Fieber. Es können auch Bewusstseinsstörungen hinzukommen. Eine bakterielle Meningitis ist ein medizinischer Notfall. Bei Verdacht muss sofort der Rettungsdienst gerufen werden. Die Behandlung erfolgt im Krankenhaus mit hochdosierten Antibiotika.
Was sind Pneumokokken?
Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae oder S. pneumoniae) sind Bakterien, die verschiedene Krankheiten verursachen können. So gelten sie als häufigste Erreger von Lungenentzündungen, bakteriellen Hirnhautentzündungen bei Erwachsenen und bakteriellen Infektionskrankheiten wie Mittelohrentzündungen bei Kindern.
Pneumokokken gehören zu den Streptokokken. Das ist eine große Bakteriengattung, zu der auch andere Krankheitserreger gehören, darunter die Gruppe-A-Streptokokken (z.B. Streptococcus pyogenes) und die Gruppe-B-Streptokokken (z.B. Streptococcus agalactiae).
Es gibt mehr als 90 Untergruppen (sogenannte Serotypen) von Pneumokokken. Nicht alle sind für den Menschen gleich gefährlich: Beispielsweise lässt sich die Mehrzahl aller Pneumokokken-bedingten Hirnhautentzündungen weltweit auf nur 23 Serogruppen des Erregers zurückführen.
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Virulenz und Verbreitung von Pneumokokken
Die Virulenz von Pneumokokken wird maßgeblich durch die Polysaccharidkapsel bestimmt, die das Bakterium vor der Phagozytose (Aufnahme und Zerstörung durch Immunzellen) schützt. Pneumokokken kommen weltweit vor und gehören zur normalen Nasen-Rachen-Flora vieler Menschen. Die Nasen-Rachen-Schleimhaut ist die Hauptpforte für Pneumokokken. Durch Läsionen (Verletzungen) der Schleimhäute oder bei bestehender Infektion (z. B. Im Bereich der Atemwege aktivieren die Bakterien die angeborene Immunantwort. Diese lokale Inflammation führt zu einer Schädigung der Schleimhäute und einer erhöhten Sekretproduktion, die die Symptome einer akuten Infektion (z. B.
Pneumokokken-Erkrankungen
Pneumokokken siedeln sich häufig schon im Säuglingsalter auf den Schleimhäuten des Nasen-Rachen-Raumes an. In vielen Fällen verursachen sie keine Symptome. Die Bakterien können aber auch vor Ort oder nach Einwandern in andere Körperregionen zum Teil schwere Infektionen auslösen.
Erkrankungen durch Pneumokokken sind etwa:
- Mittelohrentzündung (Otitis media)
- Mastoiditis (Entzündung des Warzenfortsatzes des Schläfenbeins - eine häufige Komplikation der Mittelohrentzündung)
- Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
- Bindehautentzündung (Konjunktivitis)
- Lungenentzündung (Pneumonie)
Besonders gefährlich sind sogenannte invasive Pneumokokken-Erkrankungen (IPD, engl. für invasive pneumococcal disease). Dabei breiten sich die Bakterien in ansonsten sterilen Körperflüssigkeiten (wie Blut, Nervenwasser) aus.
Gelangen Pneumokokken beispielsweise in den Blutkreislauf (Bakteriämie), kann eine lebensbedrohliche Sepsis (Blutvergiftung) entstehen.
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Außerdem sind Pneumokokken Haupterreger einer bakteriellen Hirnhautentzündung (Meningitis). Dabei birgt die Pneumokokken-Meningitis ein höheres Risiko für einen tödlichen Verlauf oder bleibende Schäden als andere bakterielle Hirnhautentzündungen.
Seltener lösen Pneumokokken beispielsweise folgende Krankheiten aus:
- Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis)
- Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis)
- Herzbeutelentzündung (Perikarditis)
- Bauchfellentzündung (Peritonitis)
- Septische Arthritis (entzündliche Gelenkerkrankung)
- Neugeborenensepsis (Sonderfall der Blutvergiftung)
- Weichteilinfektionen (z.B. der Muskeln oder des Bindegewebes)
Erhebungen deuten darauf hin, dass in Europa bis zu 20 von 100.000 Menschen pro Jahr neu an einer IPD erkranken.
Ursachen und Risikofaktoren einer Pneumokokken-Meningitis
Pneumokokken wandern manchmal von einer benachbarten Entzündung, wie einer Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündung, zu den Hirnhäuten. Dort können die Bakterien dann eine Meningitis verursachen. Vor allem bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem können auch Listerien (Listeria monocytogenes) eine Hirnhautentzündung verursachen.
Bestimmte Menschen haben ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf. Zu den Risikogruppen gehören:
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- Säuglinge und Kleinkinder
- ältere Menschen
- Menschen mit geschwächtem Immunsystem, zum Beispiel durch bestimmte Medikamente, Diabetes mellitus oder eine fehlende Milz
Immunschwäche als Risikofaktor
Personen mit geschwächtem Immunsystem (z. B.
Symptome einer Pneumokokken-Infektion
Nicht immer verursachen Pneumokokken Symptome. Wenn Beschwerden auftreten, dann in der Regel ein bis drei Tage nach der Ansteckung (Inkubationszeit).
Je nachdem, welche Erkrankung die Pneumokokken verursachen, unterscheiden sich auch die Symptome:
- Mittelohrentzündung: heftige Ohrenschmerzen, Rauschen oder Druck auf den Ohren
- Mastoiditis: schmerzhafte Schwellung, Fieber und vermindertes Hörvermögen
- Nasennebenhöhlenentzündung: Schnupfen, Kopfschmerzen und ein Druckgefühl im Kopf
- Bindehautentzündung: gerötete und tränende Augen, Juckreiz und Schmerzen im Bereich des erkrankten Auges
- Lungenentzündung: Fieber, Schüttelfrost und Husten mit Auswurf
Symptome einer bakteriellen Meningitis
Es ist wichtig, die Anzeichen frühzeitig zu deuten. Die vier Hauptsymptome, die auf eine bakterielle Meningitis hindeuten, sind:
- Kopfschmerzen: Die Schmerzen sind meist sehr stark und beginnen plötzlich.
- Nackensteifigkeit (Meningismus): Der Nacken ist schmerzhaft verspannt, das Kinn kann oft nicht mehr auf die Brust gesenkt werden.
- Fieber: Oft haben betroffene Personen hohes Fieber.
- Bewusstseinsstörungen (Vigilanzstörung): Dies reicht von extremer Schläfrigkeit und Benommenheit bis zu Verwirrtheit oder Koma.
Nicht immer treten alle Symptome gleichzeitig auf. Weitere mögliche Warnzeichen sind:
- Empfindlichkeit gegenüber hellem Licht
- Übelkeit und Erbrechen
- Krampfanfälle
- Hörstörungen
- Hautausschlag. Bei einer Infektion mit Meningokokken können kleine, punktförmige Einblutungen in die Haut auftreten (Petechien), die sich nicht wegdrücken lassen. Ursache ist eine durch die Infektion gestörte Blutgerinnung.
Bei kleinen Kindern können die Symptome unspezifisch sein. Hatten Sie engen Kontakt zu einer Person mit Meningokokken-Meningitis, weil sie zum Beispiel im gleichen Haushalt leben? Dann sollten Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin sprechen. Der Arzt oder die Ärztin kann Ihnen vorbeugend Antibiotika geben, um das Risko für eine Ansteckung zu verringern. Gängige Mittel sind Rifampicin, Ciprofloxacin oder Ceftriaxon und Azithromycin. Dies sollte so schnell wie möglich geschehen, maximal bis zehn Tage nach dem Kontakt mit dem Betroffenen.
Personen mit Meningokokken-Meningitis sind ansteckend und dürfen deshalb Gemeinschaftseinrichtungen nicht besuchen.
Meningitis-Symptome: Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen
Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome einer Meningitis oft weniger eindeutig. Sie bekommen möglicherweise Fieber, leiden unter Erbrechen, Reizbarkeit und Schläfrigkeit, verweigern die Nahrung und weinen viel. Im Gegensatz zu älteren Kindern und Erwachsenen zeigen die meisten Neugeborenen und Kleinkinder keine Nackensteifigkeit. Da die Schädelknochen von Säuglingen und Kleinkindern noch nicht vollständig zusammengewachsen sind, kann eine weitere Besonderheit auftreten: Wenn sich die Meningitis verschlimmert, können sich die weichen Stellen zwischen den Schädelknochen, die sogenannten Fontanellen, wegen des erhöhten Drucks im Schädel nach oben wölben. Bei Menschen im Seniorenalter kommt es möglicherweise weder zu Fieber noch zu Nackensteifigkeit. Stattdessen können frühzeitig unspezifische Symptome wie Verwirrtheit oder eine Beeinträchtigung des Bewusstseins auftreten.
Diagnose einer Pneumokokken-Meningitis
Bei Verdacht auf eine bakterielle Meningitis müssen betroffene Personen sofort ins Krankenhaus. Die Ärztinnen und Ärzte müssen schnell herausfinden, ob Bakterien oder Viren die Entzündung verursacht haben. Die wichtigsten Untersuchungen dafür sind:
- Blutentnahme: Den betroffenen Personen wird Blut abgenommen, um Entzündungswerte festzustellen und den Erreger nachzuweisen. Das Blut wird im Labor untersucht.
- Liquorpunktion (Lumbalpunktion): Dabei wird mit einer sehr dünnen Nadel am unteren Rücken Nervenwasser (Liquor) entnommen. Bei einer bakteriellen Meningitis ist diese Flüssigkeit oft trüb und enthält viele weiße Blutkörperchen.
- Bildgebung (CT/MRT): Liegen Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfälle vor, wird vor der Punktion ein CT des Kopfes gemacht. So können die behandelnden Ärztinnen und Ärzte einen erhöhten Hirndruck ausschließen.
Klinische Zeichen und Untersuchungsmethoden
Zusätzlich zu einer körperlichen Untersuchung und Blutuntersuchung wird Nervenwasser entnommen und analysiert (Liquorpunktion). Außerdem können als bildgebende Verfahren eine Computertomografie (CT) oder Kernspintomografie (MRT) zum Einsatz kommen.
Bei der körperlichen Untersuchung werden spezielle Techniken eingesetzt, die unter anderem dem Nachweis einer Meningitis dienen:
- Lasègue-Zeichen: Bei diesem Test liegt die betroffene Person auf dem Rücken. Eine medizinische Fachkraft hebt ein Bein der Patientin oder des Patienten an und beugt es in der Hüfte. Kommt es dabei zu Dehnungsschmerzen im Rücken, Gesäß oder Bein, gilt der Test als positiv.
- Brudzinski-Zeichen: Hierbei wird der Kopf der auf dem Rücken liegenden Person passiv nach vorn gebeugt. Lässt sich dadurch eine reflexhafte Bewegung von Knie- und Hüftgelenk auslösen, wird dies als positives Testergebnis gewertet.
- Kernig-Zeichen: Die betroffene Person liegt flach auf dem Rücken. Eine zweite Person beugt daraufhin ein Bein der betroffenen Person, sodass 90-Grad-Winkel in Hüft- und Kniegelenk entstehen. Dann versucht sie, das Kniegelenk bei gebeugter Hüfte zu strecken. Die Meningitis-Zeichen sind körperliche Untersuchungen zur Diagnose von Meningitis.
Behandlung einer Pneumokokken-Meningitis
Bei der Behandlung einer bakteriellen Meningitis zählt jede Minute. Je später Patientinnen und Patienten Medikamente bekommen, desto schlechter ist die Prognose.
Die Behandlung umfasst:
- Antibiotika: Patientinnen und Patienten erhalten hochdosierte Antibiotika über die Vene. Die Therapie beginnt oft schon beim Verdacht, bevor alle Testergebnisse vorliegen. Standard ist eine Kombination aus Ampicillin und einem Cephalosporin (wie Ceftriaxon). Sobald der genaue Erreger feststeht, wird die Therapie angepasst.
- Kortison: Zusätzlich erhalten sie Dexamethason (ein Kortison-Präparat).
- Intensivmedizinische Betreuung: Aufgrund möglicher Komplikationen wie einer Hirnschwellung oder Blutvergiftung werden Patientinnen und Patienten meist auf der Intensivstation überwacht.
Antibiotische Therapie und unterstützende Maßnahmen
Die notfallmäßige Gabe einer Kombination von Antibiotika ist entscheidend. Bei der Auswahl der Antibiotika ist es wichtig Substanzen zu wählen, die die sogenannte Blut-Hirn-Schranke überwinden können, d.h. in den Nervenwasserraum eindringen, den Erreger erreichen und abtöten. Vor der Ära der Antibiotika lag die Sterblichkeit bei Befall von Pneumokokken bei 100 Prozent. Hochdosiert wird bei bestimmten Formen der Hirnhautentzündung notfallmäßig über die Vene Kortison gegeben. Bei Patienten mit Pneumokokkenmeningitis konnte dadurch die Sterblichkeit von 34 auf 14 Prozent und verbleibende neurologische Behinderungen von 52 auf 14 Prozent gesenkt werden. Ist die Infektquelle bekannt, ist es wichtig diesen Herd chirurgisch zu sanieren. Weiter stehen Medikamente für die symptomatische Therapie zur Verfügung. Es erfolgt eine engmaschige Überwachung, in der Regel auf der Intensivstation, um weitere Komplikationen erkennen und behandeln zu können.
Vorbeugung von Pneumokokken-Infektionen
Gegen einige Erreger gibt es eine Impfung:
- Meningokokken: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfungen für Kinder sowie für bestimmte Risikogruppen.
- Pneumokokken:
Impfempfehlungen und Prophylaxe
Durch die Impfung gegen Haemophilus influenzae ist es bei Kindern in den letzten Jahren zu deutlich weniger Hirnhautentzündungen durch diesen Erreger gekommen. Weitere Impfungen gegen Pneumokokken und bestimmte Meningokokken stehen zur Verfügung.
Das Erkrankungsrisiko von engen Kontaktpersonen bei Infektion mit Haemophilus influenzae oder Meningokokken ist um 200 bis 1000fach erhöht. Daher ist dringend die Einnahme von Antibiotika als Chemoprophylaxe angeraten. Ideal ist eine Einnahme innerhalb der ersten 24 Stunden. Die Chemoprophylaxe ist aber bis zu 10 Tagen nach Kontakt mit dem Patienten sinnvoll.
Mögliche Komplikationen und Langzeitfolgen
Dank moderner Medizin überleben heute die meisten Patienten. Dennoch bleibt die Krankheit gefährlich. An einer Pneumokokken-Meningitis sterben trotz Therapie etwa 15 bis 20 % der Betroffenen. Die Sterblichkeit variiert je nach Erreger und Alter der Betroffenen.
Langfristig können beispielsweise Hörschäden, Gedächtnisprobleme, Konzentrationsstörungen oder Lähmungen zurückbleiben. Auch epileptische Anfälle sind als Folge möglich. Alle Patientinnen und Patienten sollten deshalb vor der Entlassung oder kurz danach auf Folgeschäden - insbesondere beim Hörvermögen - untersucht werden. So können frühzeitig Reha-Maßnahmen eingeleitet werden.
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