Pneumonie und Meningitis: Ein Vergleich von Ursachen, Symptomen, Diagnose und Behandlung

Die Gesundheit unserer Atemwege und unseres Nervensystems ist für unser Wohlbefinden von entscheidender Bedeutung. Pneumonie (Lungenentzündung) und Meningitis (Hirnhautentzündung) sind zwei ernsthafte Erkrankungen, die erhebliche gesundheitliche Auswirkungen haben können. Obwohl beide Infektionen potenziell lebensbedrohlich sind, betreffen sie unterschiedliche Teile des Körpers und erfordern unterschiedliche Behandlungsansätze. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Vergleich von Pneumonie und Meningitis, einschließlich ihrer Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung.

Pneumonie: Eine Entzündung der Lunge

Eine Pneumonie ist eine akute oder chronisch verlaufende Entzündung der Lungenbläschen (alveoläre Pneumonie) und/oder des Lungengewebes (interstitielle Pneumonie). Je nach Ausdehnung kann man Pneumonien zusätzlich einteilen in lobäre und lobuläre Pneumonien.

Ursachen und Risikofaktoren

Pneumonien werden in der sogenannten „Pneumonie-Triade“ eingeteilt in:

  • ambulant erworben (community-acquired pneumonia, CAP)
  • nosokomial erworben (hospital-acquired pneumonia, HAP)
  • unter Immunsuppression (pneumonia in the immunosuppressed host)

Meist entsteht eine Pneumonie durch eine Infektion mit Erregern wie Bakterien, Viren oder Pilzen. Streptococcus pneumoniae ist dabei der häufigste bakterielle Auslöser für eine Lungenentzündung. Zur Risikogruppe für die Entwicklung einer Pneumonie gehören v. a. Säuglinge und Kleinkinder sowie ältere Patienten über 60 Jahren und Menschen mit schweren chronischen Erkrankungen.

Besonders gefährlich sind nosokomiale Pneumonien, da ihre Erreger häufig multiresistent sind. Die rasant steigende Zahl resistenter Erreger stellt weltweit ein gravierendes Problem dar.

Lesen Sie auch: Alles über Herpes-Meningitis

Ambulant erworbene Pneumonien

Die ambulant erworbene Pneumonie ist definiert als eine Pneumonie, die durch den Ort des Erwerbs (außerhalb des Krankenhauses) sowie die Immunkompetenz des Patienten bestimmt wird. Die nosokomiale Pneumonie (HAP) ist eine Pneumonie, die > 48 Stunden nach Krankenhausaufnahme bzw. bei Patienten mit einer vorbestehenden Hospitalisation bis vor 3 Monaten entsteht.

Nosokomial erworbene Pneumonien

Risikofaktoren für die Entwicklung einer nosokomialen Pneumonie mit multiresistenten Erregern sind:

  • antimikrobielle Therapie in den letzten 90 Tagen
  • Hospitalisierung ≥ 5 Tage (late-onset)
  • Kolonisation durch MRGN oder MRSA
  • medizinische Versorgung in Süd- und Osteuropa, Afrika, Naher Osten, Asien
  • septischer Schock, sepsisassoziierte Organdysfunktion

Pneumonie unter Immunsuppression

Lesen Sie auch: Seltene Fälle von Meningitis nach Impfung

Eine Pneumonie unter schwergradiger Immunsuppression liegt vor, wenn ein von der ambulant erworbener Pneumonie und HAP abweichendes, typisches, der jeweiligen Art der Immunsuppression entsprechendes Erregerspektrum zu erwarten ist bzw. ein erhöhtes Risiko für sogenannte opportunistische Erreger besteht. Typische Konditionen von Patienten mit schwerer Immunsuppression sind u. a. Neutropenie (< 1000/μl Neutrophile), iatrogen-medikamentöse Immunsuppression.

In Westeuropa ist die Pneumonie die häufigste zum Tode führende Infektion mit weltweit jährlich etwa drei bis vier Millionen Todesopfern. In Entwicklungsländern sind Pneumokokken-Infektionen besonders häufig und nehmen aufgrund der mangelhaften medizinischen Versorgung oft einen schweren Verlauf. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) versterben weltweit jährlich mindestens eine Million Kinder unter fünf Jahren an einer Pneumokokken-Pneumonie.

Für die ambulant erworbene Pneumonie ergibt sich für Deutschland eine Inzidenz von 9,7 Fällen pro 1.000 Personenjahre, was einer Gesamtzahl von mehr als 660.000 Patienten/Jahr entspricht. Bundesweit steht die Pneumonie als Todesursache auf Platz 5; ungefähr 3 bis 5% der Patienten sterben jährlich daran. Die Inzidenz der ambulant erworbenen Pneumonie steigt mit dem Lebensalter und ist bei älteren Menschen (≥ 65 Jahre) zudem mit einer erhöhten Letalität assoziiert. Pneumonien, die im Seniorenheim erworben werden (NHAP, nursing home-acquired pneumonia), stellen die größte Subgruppe der ambulant erworbenen Pneumonien dar. An einer Pneumonie erkranken vorrangig Menschen mit unvollständig entwickeltem oder geschwächtem Immunsystem, d. h.

Das Erregerspektrum der ambulant erworbenen Pneumonien unterscheidet sich bezüglich Alter und Komorbidität. In allen Patientengruppen sind jedoch Pneumokokken die häufigsten Erreger und durchschnittlich für ca. 50% der Fälle verantwortlich. Übertragen werden Pneumokokken in der Regel via Tröpfcheninfektion. Seltener werden Haemophilus influenzae, Enterobakterien (Klebsiella spp., Escheriachia coli), Staphylococcus aureus, Viren (in erster Linie Influenza) oder Legionellen nachgewiesen. Bei jüngeren Patienten tritt Mycoplasma pneumoniae häufiger auf. Das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b (Hib) ist bei Kleinkindern der häufigste Erreger, bei Säuglingen dagegen findet sich am häufigsten Staphylokokkus aureus als Haupterreger.

Sonderformen der ambulant erworbenen Pneumonie sind die ambulant erworbene Aspirations-, die Retentionspneumonie sowie Pneumonien im Zusammenhang mit Fernreisen, im Rahmen von Epidemien (z. B. Influenza) oder Ausbrüchen (z. B. Legionellen).

Lesen Sie auch: Erwachsene Meningitis: Ein umfassender Überblick

Bei nosokomialen Pneumonien stehen Bakterien im Vordergrund, während Pilze und Viren bei immunkompetenten Patienten nur selten als Pneumonieerreger identifiziert werden. Die häufigsten Erreger stellen aerobe und fakultativ anaerobe Gram-negative Stäbchenbakterien dar, wie Pseudomonas aeruginosa, Enterobacteriaceae (Escherichia coli, Klebsiella spp. und Enterobacter spp.), Haemophilus influenzae, Acinetobacter baumannii und Stenotrophomonas maltophilia. Unter den Gram-positiven Erregern nosokomialer Pneumonien stehen Staphylococcus aureus und Streptococcus pneumoniae im Vordergrund.

Patienten mit angeborenen und erworbenen Immundefekten erkranken häufiger an Pneumonien durch typische Erreger der CAP oder HAP, es besteht jedoch auch ein breiteres Erregerspektrum mit einem erhöhten Risiko für sogenannte opportunistische Erreger (z. B. Pneumocystis jirovecii, Zytomegalievirus, Mykobakterien, Pilze).

Symptome

Zu den klinischen Symptomen einer Pneumonie gehören:

  • Atemwegssymptome wie Husten mit oder ohne Auswurf, Dyspnoe, atemabhängige thorakale Schmerzen
  • Allgemeinsymptome wie Fieber oder Hypothermie, allgemeines Krankheitsgefühl, "„grippale“ Symptome wie Myalgien, Arthralgien, Cephalgien, Palpitationen, Kreislaufbeschwerden, Diarrhoe
  • neurologische Symptome wie „Desorientiertheit (confusion)“ insbesondere bei älteren Patienten

Die typische Pneumokokken-Pneumonie tritt meist während der kalten Jahreszeit auf, vorrangig bei älteren oder bereits vorerkrankten Personen. Häufig bestand zuvor ein Infekt im Hals- oder Rachenbereich. Die klassische Pneumonie beginnt mit Schüttelfrost und Fieber. Besonders bei älteren Patienten ist die Symptomatik allerdings häufig schwächer ausgeprägt.

Die atypische Pneumonie entwickelt sich deutlich langsamer, meist über mehrere Tage. Die Patienten sind im Allgemeinen jünger und gesünder als bei der klassischen Lungenentzündung. Im Vordergrund stehen Kopf- und Gliederschmerzen, wobei der Allgemeinzustand in der Regel wenig beeinträchtigt ist. Schüttelfrost, Fieber und Atemnot sind seltener und meist geringer ausgeprägt als bei der klassischen bakteriellen Pneumonie.

Klinische Befunde

Bei Patienten mit einer Pneumonie lassen sich folgende klinischen Befunde feststellen:

  • Dyspnoe mit erhöhter Atemfrequenz
  • Tachykardie, ggf. arterielle Hypotonie
  • ggf. abgeschwächter Klopfschall über dem Thorax bei Infiltrationen und/oder einem parapneumonischen Pleuraerguss
  • inspiratorische Rasselgeräusche bzw. Bronchialatmen

Diagnose

Weiterführende Untersuchungen

Bei der klinischen Verdachtsdiagnose einer CAP oder HAP sollte eine Röntgenaufnahme des Thorax angefertigt werden. Die Thoraxsonographie kann ergänzend zur Diagnosesicherung eingesetzt werden. Weitere wichtige Hinweise liefern bakterielle Sputumuntersuchungen, Blutkultur und Blutbild. Ergänzend kann beim Verdacht auf atypische Pneumonien der Antigen- bzw. Antikörper-Nachweis aus Urin, Auswurf (Sputum) und/oder bronchoskopisch gewonnenes Lungengewebe oder Spülwasser erfolgen.

Ambulant erworbene Pneumonie

Die objektive Erfassung des Schweregrades der ambulant erworbenen Pneumonie ist ein zentrales Element im Management der Erkrankung. Als einfacher Score mit guter Prädiktion eines geringen Letalitätsrisikos hat sich der CRB-65-Index etabliert, der auf das Vorliegen folgender Kriterien prüft:

  • Atemfrequenz ≥ 30/min
  • diastolischer Blutdruck ≤ 60 mmHg oder systolischer Blutdruck < 90 mmHg
  • Bewusstseinstrübung
  • Alter ≥ 65 Jahre

Für die Prädiktion von Patienten mit einem erhöhten Risiko für die Notwendigkeit einer Intensivtherapie bzw. einer maschinellen Beatmung und/oder Katecholamintherapie ohne unmittelbar erforderliche Einleitung einer Organersatztherapie (d. h. ohne Majorkriterien) wurden in den letzten Jahren mehrere Scoresysteme entwickelt und in Studien evaluiert. Die am besten validierten Parameter sind dabei die sogenannten Minorkriterien der ATS / IDSA aus dem Jahr 2007.

Nosokomial erworbene Pneumonie

Die Diagnose HAP sollte gestellt werden bei neuem, persistierendem oder progredientem Infiltrat in Kombination mit zwei von drei weiteren Kriterien: Leukozyten > 10.000 oder < 4.000/μl, Fieber > 38,3°C, purulentes Sekret. Alle Patienten mit HAP sollen auf das Vorliegen einer Sepsis evaluiert werden. Außerhalb der Intensivstation soll mindestens die Bestimmung der Vitalparameter unter Verwendung der qSOFA-Kriterien erfolgen.

Der direkte Erregernachweis (Kultur) steht bei Pneumokokken-Infektionen im Vordergrund. Dafür eignen sich je nach Infektfokus unterschiedliche Materialien:

  • Die Entnahme von Blutkulturen ist fast in jedem Fall sinnvoll und sollte insbesondere bei Verdacht auf eine invasive Infektion immer erfolgen.
  • Pneumonie (Erreger in ca. 40 - 50 % der Fälle Pneumokokken, auch akute Exazerbationen einer COPD): Atemwegssekret (je tiefer, desto besser - BAL oder geschützte Bürste sind ideal, Sputum am ungünstigsten), bei parapneumonischem Erguss auch Pleurapunktat, zusätzlich Blutkulturen
  • Sepsis (Erreger in knapp 10 % der Fälle Pneumokokken): Blutkulturen, zusätzlich Material vom vermuteten Infektfokus (z. B. BAL, Liquor)
  • Sinusitis (Erreger in ca. 40 % der Fälle Pneumokokken): Abstrich aus dem mittleren Nasengang
  • Otitis media (Erreger in ca. 25 % der Fälle Pneumokokken): in bestimmten Fällen (z. B.

Behandlung

Therapie der ambulant erworbenen Pneumonie

Die Therapie der ambulant erworbenen Pneumonie erfolgt entsprechend des Schweregrades der Pneumonie sowie vorhandener Komorbiditäten und Erregerempfindlichkeit. So sollten Patienten mit leichter Pneumonie ohne Komorbidität als initiale kalkulierte Therapie der Wahl eine Monotherapie mit einem hochdosierten Aminopenicillinpräparat erhalten. Alternativ kann bei Penicillinallergie oder Unverträglichkeit ein Fluorochinolon (Moxifloxacin, Levofloxacin), nachgeordnet ein Makrolid (Azithromycin, Clarithromycin), oder ein Tetracyclin (Doxycyclin) verabreicht werden. Der Therapiebeginn sollte möglichst rasch nach Diagnosestellung erfolgen. Bei hospitalisierten Patienten wird eine Zeit von 8 Stunden empfohlen, innerhalb welcher mit der antimikrobiellen Behandlung begonnen werden sollte. Bei Patienten mit schwerer Sepsis bzw. Schock sollte die erste Gabe innerhalb von einer Stunde erfolgen. Bei der leichten bis mittelschweren Pneumonie soll die Dauer der antimikrobiellen Therapie 5-7 Tage betragen. Supportiv kann eine Sauerstoffsubstitution indiziert sein sowie eine großzügige Flüssigkeitszufuhr.

Therapie der nosokomial erworbenen Pneumonie

Bei Patienten mit HAP ohne erhöhtes Risiko für multiresistente Erreger (MRE) gehören Aminopenicilline/Betalaktamaseinhibitoren, Cephalosporine der Gruppe 3a und pneumokokkenwirksame Fluorchinolone zu den empfohlenen Therapieoptionen. Die Substanzauswahl soll vor dem Hintergrund des lokalen Erregerspektrums und Resistenzprofils getroffen werden. Bei Patienten mit erhöhtem Risiko für MRE sollen zur kalkulierten Monotherapie oder initial in Kombination geeignete Substanzen vor dem Hintergrund des lokalen Erregerspektrums und Resistenzprofils getroffen werden.

In der Regel sollte mit einem β-Laktam-Antibiotikum behandelt werden. Bei ambulanten Patienten können neben Amoxicillin auch Amoxicillin+Clavulansäure, Ampicillin+Sulbactam (Sultamicillin), Cefuroxim(-Axetil), Cefpodoxim, Doxycyclin und neuere Fluorchinolone (Levofloxacin, Moxifloxacin) für die kalkulierte Therapie eingesetzt werden. Vor dem Einsatz von Penicillin V oder Makroliden (z. B. Clarithromycin) sollte ein sensibles Ergebnis in der Resistenztestung vorliegen. Bei stationären Patienten kommt neben den bei leichteren Verläufen ebenfalls eingesetzten o. g. Medikamenten eine intravenöse Therapie mit β-Laktam-Antibiotika in Betracht. Bei Pneumonien erfolgt die kalkulierte Therapie häufig mit 1x2 g Ceftriaxon, alternativ können 3x2 g Cefotaxim, 3x1,5 g Cefuroxim, 4x2 g Ampicillin oder 4x5 Mio. IE Penicillin G verwendet werden. Nach Erhalt eines sensiblen Ergebnisses für Penicillin in der Resistenztestung kann in der Regel auf 4x3 Mio. IE Penicillin G deeskaliert werden. Penicillin-resistente Isolate (in Deutschland bisher sehr selten, knapp 10 % der bei uns angezüchteten Stämme invasiver Infektionen sind allerdings intermediär sensibel) können z. B. mit Ceftriaxon±Vancomycin, Moxifloxacin oder Linezolid behandelt werden. Bei schwer verlaufenden Pneumokokken-Infektionen kommt nach vorläufigen Studienergebnissen eine Kombinationstherapie aus β-Laktam-Antibiotikum (z. B. Cefotaxim) und Makrolid in Betracht, diese ist möglicherweise mit einer höheren Überlebensrate assoziiert. Die Therapiedauer beträgt bei Pneumokokken-Infektionen in der Regel 5-10 Tage (bzw. weitere 3-5 Tage nach Entfieberung). Pneumokokken sind gegenüber einer Antibiotikatherapie äußerst empfindlich, so dass die Infektiosität - ähnlich wie bei β-hämolysierenden Streptokokken - wahrscheinlich bereits 24 Stunden nach Beginn einer wirksamen antibiotischen Therapie nicht mehr gegeben ist.

Prognose

Die Prognose einer Pneumonie hängt unter anderem vom Krankheitserreger, dem Immunstatus, der geeigneten Therapie sowie dem Lebensalter und vorbestehenden Erkrankungen ab. Pneumonien bei Patienten ohne Risikofaktoren können ambulant behandelt werden und haben eine günstige Prognose mit einer Mortalitätsrate unter 2%. Wenn eine stationäre Therapie notwendig wird, wird die Mortalität mit 2-10% angegeben. Bei einer stationär behandelten Pneumokokken-Pneumonie liegt die Letalität auch heute noch bei 20%. Bei schweren Formen einer Lungenentzündung versterben etwa 20-50% aller Patienten. Nosokomial erworbene Pneumonien haben aufgrund von Resistenzentwicklungen eine deutlich schlechtere Prognose. Insgesamt geht man davon aus, dass in Deutschland jährlich ca.

Prävention

Pneumokokken-Impfung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts empfiehlt eine Pneumokokken-Impfung bei folgenden Risikogruppen:

  • Babys ab einem Alter von 2 Monaten
  • Ältere Menschen über 60 Jahre
  • Menschen mit chronischen Herz-, Kreislauf- und Lungenerkrankungen
  • Menschen mit behandlungsbedürftigem Diabetes oder bestimmten neurologischen Krankheiten
  • Menschen mit Immundefizienz oder unter immunsuppressiver Therapie
  • Menschen mit z. B.

Die Immunität gegen Pneumokoken ist Typ-spezifisch (91 Kapseltypen) und im Wesentlichen durch Antikörper vermittelt. Sie kann durch Kolonisation, Infektion oder Impfung erworben werden. Gut wirksame Konjugatimpfstoffe sind insbesondere für die Anwendung bei Kindern etabliert und dringend anzuraten. Derzeit wird von der STIKO ein Schema mit vier Impfungen (im Alter von 2, 3, 4 und 11-14 Monaten) allgemein empfohlen, dieses könnte bei sinkendem Infektionsdruck zukünftig auf ein Schema mit drei Impfungen vereinfacht werden (dieses ist für beide Konjugatimpfstoffe bereits ab einem Alter von 2 Monaten zugelassen, bei späterem Impfbeginn verringert sich die Zahl der Injektionen ohnehin). Auf dem Markt sind ein 13valenter und ein 10valenter Konjugatimpfstoff. Der 13valente Impfstoff ist bei höherem Preis aus theoretischer Sicht besser für die Impfprophylaxe invasiver Pneumokokkeninfektionen geeignet, da zwei der darin im Unterschied zum 10valenten Impfstoff enthaltenen Serotypen auch in Deutschland zirkulieren und bei Kindern invasive Infektionen verursachen (3 und 19A). Für Kinder ab dem vollendeten 2. Lebensjahr sowie junge Erwachsene handelt es sich bei der Pneumokokken-Vakzine um eine Indikationsimpfung (z. B. bei angeborener und erworbener Immunschwäche, chronischen Krankheiten wie Diabetes, COPD und chronischen Nierenkrankheiten, Details siehe STIKO-Empfehlungen). Hier kommen je nach genauer Situation die Konjugatimpfstoffe und/oder der 23valente Polysaccharidimpfstoff in Betracht. Allgemein empfohlen ist die Polysaccharidimpfung für Senioren ab 60 Jahren. In der Regel wird nur eine einmalige Impfung im Alter von 60 Jahren verabreicht, Auffrischungen erfolgen nur bei ganz bestimmten Indikationen.

Meningitis: Eine Entzündung der Hirnhäute

Bei einer Hirnhautentzündung - in der Fachsprache Meningitis genannt - entwickelt sich aufgrund einer Infektion mit bestimmten Bakterien oder Viren eine Entzündung der Rückenmarkshäute und/oder der Hirnhäute.

Ursachen und Risikofaktoren

Bakterien, Viren und auch andere Erreger können eine Meningitis verursachen und haben unterschiedliche Auswirkungen auf den Verlauf bzw. die Schwere der Erkrankung. Von der jeweiligen Ursache hängt auch die geeignete Behandlung ab. Deshalb ist es besonders wichtig, dass das behandelnde medizinische Fachpersonal weiß, welche Erregergruppe die Erkrankung verursacht hat. In den meisten Fällen wird eine Meningitis in Deutschland durch Viren ausgelöst - wie etwa Arboviren oder Herpesviren. Sie verursacht grippeartige Symptome und heilt in der Regel nach zwei bis drei Wochen von selbst aus.

Zu den Auslösern zählen unter anderem:

  • Arboviren: Die Erreger werden durch Zecken oder Mücken übertragen, besonders häufig ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
  • Varizella-Zoster-Virus: Erkrankungen wie Windpocken werden durch dieses Virus ausgelöst.
  • Coxsackie-Viren: Dieser Virustyp verursacht beispielsweise die Hand-Fuß-Mund-Krankheit.
  • SARS-CoV-2: Der Erreger von COVID-19 kann auch eine Hirnhautentzündung auslösen.
  • Epstein-Barr-Virus: Dieses Virus kann z. B.

Bakterielle Hirnhautentzündungen - auch eitrige Hirnhautentzündungen genannt - sind in Deutschland seltener, aber deutlich gefährlicher als virale Hirnhautentzündungen. Der Krankheitsverlauf unterscheidet sich von der viralen Meningitis durch heftigere Symptome, die plötzlich auftreten. Komplikationen und schwere Verläufe sind bei der bakteriellen Hirnhautentzündung häufig. Deshalb ist eine bakterielle Meningitis immer ein medizinischer Notfall, der im Krankenhaus behandelt werden muss. Durch einen Zeckenstich können sogenannte Borrelien übertragen werden. Diese Bakterien können wiederum das Nervensystem befallen und so nach mehreren Wochen oder Monaten eine Neuroborreliose auslösen, die sich oft in einer (leichten) Meningitis manifestiert.

Eine Meningokokkeninfektion wird durch Neisseria-meningitidis-Bakterien ausgelöst und ist in Deutschland aufgrund der verfügbaren Impfung selten. Eine Infektion mit Meningokokken ist besonders gefährlich -in zwei Dritteln der Fälle führt sie zu einer Hirnhautentzündung, in einem Drittel der Fälle zu einer Sepsis. Die Behandlung erfolgt im Krankenhaus, da schwere Komplikationen und Folgeerkrankungen häufig vorkommen. Betroffene werden anfangs (bis 24 Stunden nach Beginn der Antibiose) isoliert behandelt, da die Infektion besonders ansteckend ist. Auch andere Bakterien und einige Pilze können zu einer Hirnhautentzündung führen. Menschen mit einem gesunden Immunsystem erkranken nur selten an einer Hirnhautentzündung durch Schimmelpilze oder Hefepilze.

Die aseptische bzw. nicht infektiöse Meningitis wird nicht durch Infektionen verursacht. Zu den Ursachen gehören vielmehr:

  • Autoimmunerkrankungen, z. B. rheumatoide Arthritis, Lupus,
  • bestimmte Medikamente, z. B.

Symptome

Insbesondere eine virale Hirnhautentzündung fühlt sich für die Betroffenen häufig wie ein grippaler Infekt an.

Typische Symptome einer Meningitis sind unter anderem:

  • heftige Kopfschmerzen
  • (hohes) Fieber → Achtung: Bei Kleinkindern ist auch eine zu niedrige Körpertemperatur möglich.
  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit
  • steifer Nacken: Entzündungsbedingte Schmerzen machen es Betroffenen oft unmöglich, den Kopf auf die Brust zu legen. Bei Neugeborenen ist die Nackensteifigkeit oft nicht erkennbar.
  • bei Kleinkindern: Veränderungen des Verhaltens, der Befindlichkeit und des Ess- und Trinkverhaltens
  • bei älteren Personen: Hier können Verwirrung und Bewusstseinsausfälle wichtige Anzeichen einer Hirnhautentzündung sein.
  • bei einer Infektion mit Meningokokken: Es treten charakteristische Veränderungen des Hautbildes durch punktförmige Blutungen auf.

Wenn Sie eine starke Verschlechterung der Symptome in kurzer Zeit beobachten oder wenn Bewusstseinsstörungen und/oder Krampfanfälle auftreten, kontaktieren Sie sofort die Notärztin/den Notarzt.

Eine Hirnhautentzündung äußert sich nicht bei jeder Patientin / jedem Patienten gleich. Prinzipiell siedeln sich die Erreger einer Hirnhautentzündung nicht von Anfang an im Rückenmark oder im Gehirn an. Der weitere Krankheitsverlauf unterscheidet sich je nach Erregertyp. Während die aseptische Meningitis meist schleichend verläuft und innerhalb von zwei bis drei Wochen von selbst ausheilt, ist die bakterielle Meningitis als medizinischer Notfall einzustufen. Die Symptome treten dann plötzlich auf und sind stark ausgeprägt, Komplikationen wie eine Sepsis sind häufig.

Diagnose

Da eine bakterielle Meningitis durch einen raschen und schweren Verlauf gekennzeichnet ist, ist eine schnelle Diagnostik besonders wichtig. Um die richtige Behandlung einleiten und geeignete Maßnahmen ergreifen zu können, ist neben der Differenzialdiagnose auch die Bestimmung der auslösenden Erreger notwendig.

Bei Verdacht auf Meningitis ist ein ausführliches Anamnesegespräch wichtig, um etwaige Ursachen der Erkrankung zu erkennen. Wie ist Ihr aktueller Impfstatus? Leben oder arbeiten Sie mit vielen Menschen zusammen? Eine Ausnahme bildet die bakterielle Meningitis. Die Erreger einer Hirnhautentzündung gelangen über das Blut in die Hirnhäute, daher können entsprechende Erreger auch in einer Blutprobe nachgewiesen werden.

tags: #pneumoni #und #meningitis