Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, die eine Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen verursacht. Zu den häufigsten motorischen Symptomen gehören Tremor, Rigor, Bradykinese und posturale Instabilität. Nicht-motorische Symptome können Depressionen, Angstzustände, Schlafstörungen und kognitive Beeinträchtigungen umfassen. Eines der Hauptprobleme bei der idiopathischen Parkinson-Erkrankung ist, dass 90 % aller Betroffenen an einer Veränderung des Sprechens leiden, was dazu führt, dass sie zunehmend schlechter verstanden werden und permanent nachgefragt werden, was für alle Beteiligten sehr anstrengend ist. Die Ursache dafür ist die parkinsonspezifische Hypophonie, das Leiser werden der Stimme, die mit monotonem und verwaschenem Sprechen einhergeht und häufig mit einer verminderten Mimik vergesellschaftet ist. Die Betroffenen ziehen sich aus der Kommunikation und dem sozialen Leben zurück. Unnötigerweise!
Die Behandlung von Parkinson-Patienten erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der Medikamente, Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie umfasst. In den letzten Jahren hat sich die PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation) als vielversprechende Therapieoption in der Rehabilitation von Parkinson-Patienten etabliert. PNF ist ein aus der Physiotherapie abgeleitetes Analyse- und Behandlungskonzept.
Was ist PNF?
Unter „PNF“, der „Propriozeptiven Neuromuskulären Fazilitation“, versteht man ein aus der Physiotherapie abgeleitetes Analyse- und Behandlungskonzept. Dabei wird das Bewegungsverhalten des Betroffenen verglichen mit der bei ihm selbst einst angelegten natürlichen physiologischen Bewegung. Ein PNF-Training mit den entsprechenden Übungen unterscheidet sich deutlich von anderen Behandlungsansätzen: Man arbeitet permanent diagonal über die Körpermitte, wobei speziell die geforderten Drehungen und Rotationen bei den Bewegungen gezielt hervorgehoben werden, um den Muskelverläufen optimal gerecht zu werden. Die PNF-Therapie nutzt die Tatsache, dass sämtliche Bewegungsmuster eine festgelegte Dreidimensionalität haben. So ist bei den physiologischen Mustern der Arm- und Beinbewegungen stets eine beugende oder streckende Komponente des Ellbogens oder Kniegelenks dabei. Letztlich ist PNF Konzept, Methode und Technik zugleich.
Die Grundlagen der PNF-Therapie
PNF ist eine wissenschaftlich fundierte Behandlungsmethode der Physiotherapie, die auf dem Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln aufbaut. Ziel der Therapie ist es, durch verstärkte Stimulation der Muskel-, Gelenk- und Sehnenrezeptoren das Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln zu fördern und somit physiologisch e Bewegungsmuster zu erleichtern. PNF hilft Menschen mit Störungen des Bewegungsverhaltens, sich sicher, selbständig und schmerzfrei zu bewegen. Gleichzeitig wird die bewusste und unbewusste Steuerung der Körperhaltung und Bewegung verbessert. Die PNF Therapie unterscheidet sich aber von anderen Übungsbehandlungen wie Bobath und Vojta. Sie verbessert die motorischen Organisation, also den Aufbau und das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln. Durch gezielte Stimulation werden bei der PNF-Therapie die Rezeptoren in Gelenken, Muskeln und Sehnen angeregt und somit aktiviert. Durch die Aktivierung wird, über die Wahrnehmung der Reize, die Bewegungsorganisation nach und nach verbessert. Das Zusammenspiel zwischen Nerven, Muskeln und Rezeptoren wird optimiert. Die PNF Therapie soll gestörte Bewegungsabläufe wieder möglich machen. Ohne hinzusehen, wie bei nicht Betroffenen alltäglich, soll man wieder automatisch wissen, ob zum Beispiel ein Knie gerade gestreckt oder beugt ist. Wenn die Bewegungsfähigkeiten oder der Stützapparat des Körpers gestört sind sollte man eine Behandlung nach PNF in Betracht ziehen. Das Ziel einer PNF-Therapie ist es, wie bei Bobath und Vojta, dass die Patienten wieder ihren normalen Alltag alleine bewältigen können. Das alles funktioniert nur, wenn die motorische Kontrolle wieder stimmt, und zwar den ganzen Tag, denn somit ist eine Mobilität möglich, die das Leben wieder etwas einfacher machen. Geschicklichkeit und Koordination muss so trainiert werden, dass man selbstständig durch den Tag kommt und das sich das wiederhergestellte gesunde Bewegungsverhalten nicht wieder in falsche Bahnen läuft.
Wie funktioniert PNF?
Jeder von uns nimmt über die sogenannten Bewegungsfühler (Rezeptoren) wahr, wie sich der eigenen Körper bewegt oder in welcher Position er sich befindet (propriozeptiv) - auch wie er dreidimensional im umgebenden Raum verortet ist. Man weiß beispielsweise ohne hinzusehen, ob das Knie gerade gestreckt oder gebeugt ist. Eine PNF-Therapie regt nun die Rezeptoren in Gelenken, Muskeln und Sehnen durch gezielte Stimulation an und aktiviert sie. Das fördert die für die Bewegungsorganisation entscheidende Wahrnehmung und damit das Zusammenspiel zwischen Rezeptoren, Nerven und Muskeln (neuromuskulär).
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Machen Sie folgendes kleines Experiment: Drücken Sie Ihre Hand kräftig auf den Tisch, vor dem Sie gerade sitzen. Sie werden sogleich merken, dass Ihre Bauchmuskeln zu arbeiten beginnen. So kann ein kräftiger Arm genutzt werden, um schwache Bauchmuskeln zu aktivieren.
PNF in der Logopädie
Auch in der Logopädie hat die PNF einen wichtigen Bereich. Der Fokus liegt hier besonders darauf, dass der Patient sein Gesicht und damit auch seinen Mund kontrolliert bewegen kann. Da auch für das Sprechen Muskeln benötigt werden, kann die PNF hier genutzt werden. Das Muskelsystem wird trainiert und hilft dem Patienten somit besser sprechen zu können.
Anwendungsbereiche von PNF in der Logopädie
Die PNF kann von Kopf bis Fuß fast überall angewandt werden. Sie kann bei orthopädischen Beschwerden und bei neurologischen Krankheiten eingesetzt werden. Sowohl an den Beinen, wie auch am Bauch und sogar im Gesicht zeigt die PNF Wirkung. Bei Schluck- oder Redeproblemen kommt die PNF häufig zum Einsatz. Auch bei Bewegungsstörungen oder Problemen mit der Koordination kann die Behandlung hilfreich sein. Nach einem Schlaganfall oder Borreliose kann es häufig dazu kommen, dass Nerven gestört sind. Das führt dazu, dass der Patient z.b. nicht mehr richtig reden oder schlucken kann. Bei der Behandlung benutzen wir bestimmte PNF Übungen und Techniken, um diese Funktionen wieder herzustellen. Kleine Reize an den zu behandelnden Stellen können schon reichen. Das können Gegenstände wie Federn oder Wattestäbchen sein. Es können aber auch thermische Reize, wie Eiswürfel oder warme Steine eingesetzt werden.
PNF im Gesicht
PNF im GesichtNach einem Schlaganfall oder Borreliose kann es häufig dazu kommen, dass Nerven gestört sind. Das führt dazu, dass der Patient z.b. nicht mehr richtig reden oder schlucken kann. Bei der Behandlung benutzen wir bestimmte PNF Übungen und Techniken, um diese Funktionen wieder herzustellen. Kleine Reize an den zu behandelnden Stellen können schon reichen. Das können Gegenstände wie Federn oder Wattestäbchen sein. Es können aber auch thermische Reize, wie Eiswürfel oder warme Steine eingesetzt werden.
Wie wird man bei einer PNF behandelt?
Die PNF ist eine aktive Behandlung. Das heißt, dass du selber Übungen durchführst, und nicht nur massiert wirst. Dabei wirst du verschiedene Trainings absolvieren, um die Bewegungsmuster der beschädigten Regionen zu verbessern. Die Übungen unterstützen deine Motorik und verbessern dein Bewegungsverhalten. Dein Physiotherapeut wird dir von außen helfen, und auf richtige Ausführung achten. Reize, Druck und Dehnung werden zudem von uns als Hilfsmittel eingesetzt, um dich bei den Übungen zu unterstützen.
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Was ist das Ziel der Behandlung?
Das allgemeine Ziel dieser Behandlungsform ist immer, die Selbstständigkeit des Patienten zu fördern oder wiederherzustellen. Diese ist vorher durch Krankheiten oder Verletzungen geschwächt worden. Durch Übungen und spezielle Handgriffe wird versucht, diese Bewegungsmuster wieder herzustellen. Dabei sind Bewegungsmuster verschiedenster Art zu erneuern. Die Patienten kommen meistens schon mit einem festgelegten Ziel zur PNF. Wir versuchen immer unsere bestes, damit du dein individuelles Ziel erreichen kannst.
PNF bei Parkinson: Ein vielversprechender Ansatz
Wissenschaftlichen Studien zufolge hilft PNF-Training eindeutig bei diversen neurologischen Störungen; genannt wird neben einem halben Dutzend weiterer gleich zuvorderst die Parkinson-Erkrankung. Das Hauptziel bei PNF ist die Optimierung und Ökonomisierung des Bewegungsverhaltens. Krankhaft veränderte Bewegungsabläufe, wie man sie etwa als Geh- und Gangstörungen von an Parkinson Erkrankten kennt, sollen wieder zu physiologisch funktionierenden rückgeformt werden. Dabei macht sich der PNF-Ansatz den Umstand zu Nutze, dass im Zentralnervensystem sämtliche physiologischen Bewegungsmuster der einzelnen Körperabschnitte und sämtliche Gesamtbewegungsmuster abgespeichert sind. Am Beginn jeder physiotherapeutischen Behandlung durch PNF steht die „Befundung“ der Bewegungsfähigkeiten. Anschließend legen Therapeut und Patient fest, welche körperlichen Fähigkeiten verbessert werden sollen. Eine Reihe internationaler Studien hat gezeigt, dass ein PNF-Training Menschen mit Beeinträchtigungen des Bewegungs- oder Stützapparates helfen kann, ihre Sicherheit und Selbstständigkeit zu verbessern sowie Schmerzen zu beheben oder zu lindern. Besonders hervorzuheben ist, dass PNF sich an den Ressourcen des Patienten orientiert und damit den individuell zur Verfügung stehenden Fähigkeiten und Möglichkeiten. Diese werden gezielt zur Verbesserung der Bewegungs- und Haltungskontrolle genutzt und einsetzt.
PNF zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten
PNF wird häufig angewandt zur Verbesserung von Bewegungsstörungen aufgrund von Multipler Sklerose, Parkinson, einem Schädel-Hirn-Trauma oder einem Schlaganfall. Alltägliche Bewegungsmuster wie das Aufstehen oder die Geschicklichkeit der Hände werden hierbei gefördert. Die Therapie fördert das Zusammenspiel der Rezeptoren, Nerven und Muskeln. Durch eine Stimulation der Propriozeptoren, also der Gelenk- und Muskelrezeptoren, soll die Leistung der Nerven und Muskeln verbessert werden.
Integration von PNF in den Therapieplan
Am Beginn jeder physiotherapeutischen Behandlung durch PNF steht die „Befundung“ der Bewegungsfähigkeiten. Anschließend legen Therapeut und Patient fest, welche körperlichen Fähigkeiten verbessert werden sollen.
Weitere logopädische Therapieansätze bei Parkinson
Neben PNF gibt es weitere logopädische Therapieansätze, die bei Parkinson-Patienten Anwendung finden.
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LSVT LOUD Training
Die einzige evidenzbasierte und wirksame Therapiemethode für Menschen mit M. Parkinson ist das LSVT LOUD Training, eine logopädische Behandlungsmethode, die bereits 1987 von den Sprachtherapeutinnen Dr. Lorraine Ramig und Carolyn Mead Bonitati an der Universität Colorado in den USA entwickelt wurde. Anreiz war der Wunsch der Familie von Mrs. Lee Silverman, die der Methode ihren Namen gab. Das LSVT Training ist ein intensives amplitudenbasiertes Therapieprogramm zur „Rekalibrierung“ der Lautstärke und gilt nun als „golden standard“ in der logopädischen Therapie. Das LSVT LOUD Training dient in erster Linie der Kräftigung der Stimme und somit der dauerhaften Erhöhung der Sprechlautstärke im Alltag. Das LSVT LOUD Training folgt einer strengen Hierarchie und darf ausschließlich von einem zertifizierten LSVT LOUD Therapeuten durchgeführt werden (Hilfe finden Sie unter www.lsvt.de oder www.lsvtglobal.com), um den maximalen Therapieerfolg zu sichern: es handelt sich um ein Intervalltraining, das in 16 Einzelsitzungen (à 60 min) möglichst an 4 aufeinanderfolgenden Tagen über einen Zeitraum von 4 Wochen durchgeführt wird. Während dieses Intervalltrainings werden tägliche Hausaufgaben absolviert, die nach Abschluss des Trainings fester Bestandteil des täglichen Lebens bleiben und den Therapieerfolg sichern. Nach den vorliegenden Erfahrungen ist von einer 12-24 Monate anhaltenden Wirkung auszugehen, wobei eine monatliche Auffrischung, jeweils im Rahmen einstündiger Gruppenbehandlungen, bei einigen Patienten empfehlenswert ist.
Sprachtraining und Dysphagie-Therapie
Ein Sprachtraining ist dann angezeigt, wenn Sprachstörungen im Sinne von Wortfindungsproblemen oder Kohärenzproblemen auftreten. Ein Training der Dysarthrie (Sprechstörung) in der Gruppe kann dabei besonders hilfreich sein, da man kommunizieren muss und sieht, dass man mit seinem Problem nicht allein ist. Beim Vorliegen einer Dysphagie (Schluckstörung) ist ein funktionelles, kompensierendes oder adaptatives Training im Rahmen der Sprachtherapie angezeigt. Eine Lungenentzündung als Folge eines massiven Verschluckens (Aspirationspneumonie) sollte unbedingt vermieden werden. Wichtig ist dabei, dass die Tabletteneinnahme immer zu festgesetzten Zeiten eingenommen werden sollte, grundsätzlich ohne Milchprodukte und unter Beachtung ausreichender Abstände zur Nahrungsaufnahme (1 Stunde vor dem Essen und 1 1/2h nach dem Essen). Die Einnahme von Apfelmus erleichtert das Abschlucken von Tabletten.