Alpha-Liponsäure-Infusion bei Polyneuropathie: Dosierung, Anwendung und Wirkung

Die Alpha-Liponsäure ist eine körpereigene Substanz, die im Stoffwechsel höherer Lebewesen gebildet wird. Sie beeinflusst bestimmte Stoffwechselleistungen und besitzt antioxidative Eigenschaften, die Nervenzellen vor schädlichen Abbauprodukten schützen. In der Behandlung der diabetischen Polyneuropathie, einer Nervenschädigung, die durch Diabetes verursacht wird, spielt die Alpha-Liponsäure eine wichtige Rolle. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung, Dosierung und Wirkungsweise von Alpha-Liponsäure-Infusionen bei dieser Erkrankung.

Was ist diabetische Polyneuropathie?

Taubheitsgefühl, Brennen und Schmerzen sind belastende Symptome einer diabetischen Neuropathie, unter denen bis zu einem Viertel aller Menschen mit Diabetes leiden. Chronisch erhöhter Blutzucker verursacht Nervenschäden, welche die Lebensqualität stark beeinträchtigen.

Anwendungsgebiete der Alpha-Liponsäure

Das Arzneimittel wird angewendet bei Missempfindungen bei diabetischer Nervenschädigung (Polyneuropathie). Alpha-Liponsäure ist ein Therapieansatz, der einem Entstehungsmechanismus der diabetischen Neuropathie entgegenwirkt.

Anwendungshinweise für die Infusion

Das Präparat darf ausschließlich als Infusion in isotonischer Kochsalzlösung verabreicht werden. Die intravenöse Gabe soll, nachdem der Inhalt mit 250 ml isotonischer Kochsalzlösung gemischt wurde, über mindestens 30 Minuten als Kurzinfusion erfolgen. Wegen der Lichtempfindlichkeit des Wirkstoffs soll die Kurzinfusion erst kurz vor der Anwendung zubereitet werden. Die Infusionslösung ist mit Alufolie gegen Licht zu schützen. Die lichtgeschützte Infusionslösung ist ca. 6 Stunden haltbar. Es ist sicherzustellen, dass die Mindestinfusionsdauer von 30 Minuten eingehalten wird.

Zubereitung und Haltbarkeit

Aufgrund der Lichtempfindlichkeit des Wirkstoffs sollte die Infusionslösung erst unmittelbar vor der Anwendung zubereitet und mit Alufolie vor Licht geschützt werden. Die lichtgeschützte Infusionslösung ist etwa 6 Stunden haltbar.

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Dosierung der Alpha-Liponsäure-Infusion

Falls vom Arzt nicht anders verordnet, ist die übliche Dosis: Bei stark ausgeprägten Missempfindungen einer diabetischen Polyneuropathie wird bei Erwachsenen einmal täglich die Infusion von 1 Ampulle (entsprechend 600 mg alpha-Liponsäure) in isotonischer Kochsalzlösung empfohlen.

Anfangsphase der Behandlung

Das Arzneimittel wird in der Anfangsphase der Behandlung über einen Zeitraum von 2 - 4 Wochen als Infusion mit isotonischer Kochsalzlösung angewendet.

Weiterführende Therapie

Als weiterführende Therapie sollten 300 - 600 mg alpha-Liponsäure täglich in Form von Kapseln, Tabletten oder überzogenen Tabletten eingenommen werden.

Wirkungsweise der Alpha-Liponsäure

Alpha-Liponsäure ist eine bei höheren Lebewesen im körpereigenen Stoffwechsel gebildete Substanz, die bestimmte Stoffwechselleistungen des Körpers beeinflusst. Darüber hinaus besitzt alpha-Liponsäure die Nervenzelle vor reaktiven Abbauprodukten schützende (antioxidative) Eigenschaften. Die für ihre antioxidative Wirkung bekannte Alpha-Liponsäure verbessert im Tierversuch unter anderem die Nervenleitgeschwindigkeit und die Nervendurchblutung.

Studienergebnisse zur Wirksamkeit

Eine umfangreiche Metaanalyse zum Nutzen von Alpha-Liponsäure mit Daten von über 1.200 Patienten ergab im Jahr 2004 einen signifikanten Rückgang der neuropathischen Symptome wie Schmerzen, Taubheit und Kribbelgefühle nach dreiwöchiger Infusionsbehandlung mit 600 mg Alpha-Liponsäure täglich. Zu den vier randomisierten placebokontrollierten klinischen Studien, die hierbei ausgewertet wurden, gehörte auch die Studie Symptomatic Diabetic Neuropathy (SYDNEY).

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Professor Dan Ziegler vom Deutschen Diabetes-Zentrum und Kollegen untersuchten in einer Multicenter-Studie bei 181 Patienten mit symptomatischer Polyneuropathie die therapeutische Wirksamkeit und Sicherheit der Alpha-Liponsäure als Tabletten, wobei sie drei verschiedene Wirkstoffdosierungen mit Placebo verglichen. Nach einer einwöchigen Placebo-Gabe nahmen die Studienteilnehmer einmal täglich 600 mg, 1.200 mg, 1.600 mg Alpha-Liponsäure oder Placebo ein über 5 Wochen. Das durchschnittliche Ausmaß aller Beschwerden verbesserte sich nach fünfwöchiger Behandlung signifikant in allen drei Wirkstoffgruppen und auch speziell bei brennenden und stechenden Schmerzen. Die Symptome besserten sich unter der höchsten Dosierung (1.800 mg Alpha-Liponsäure) schon binnen einer Woche, unter den beiden niedrigeren Dosierungen (600 und 1.200 mg) nach zwei Wochen. Die durchschnittliche Symptomabnahme war für alle drei Dosierungen ähnlich. Die Prozentzahl der Patienten mit einer Rückbildung der Symptome um mindestens 50 % nach 5 Wochen betrug unter 600-1800 mg/Tag 50-62 % im Vergleich zu 26 % unter Placebo.

Gegenanzeigen

Das Arzneimittel darf nicht angewendet werden, wenn Sie überempfindlich (allergisch) gegen alpha-Liponsäure oder einen der sonstigen Bestandteile sind.

Nebenwirkungen

Wie alle Arzneimittel kann das Präparat Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeitsangaben zugrunde gelegt:

  • sehr häufig: mehr als 1 von 10 Behandelten
  • häufig: weniger als 1 von 10, aber mehr als 1 von 100 Behandelten
  • gelegentlich: weniger als 1 von 100, aber mehr als 1 von 1000 Behandelten
  • selten: weniger als 1 von 1000, aber mehr als 1 von 10.000 Behandelten
  • sehr selten: weniger als 1 von 10.000 Behandelten, einschließlich Einzelfälle

Häufig treten nach rascher intravenöser Injektion Kopfdruck und Atembeklemmung auf, die spontan abklingen. Sehr selten treten Geschmacksstörungen auf. Sehr selten wurde über Reaktionen an der Injektionsstelle berichtet. Allergische Reaktionen der Haut mit Nesselsucht (Urtikaria), Juckreiz, Ekzem und Hautausschlag sowie auch Überempfindlichkeiten des ganzen Körpers bis hin zum Schock können auftreten. Sehr selten wurden nach intravenöser Gabe von alpha-Liponsäure Krampfanfälle, Doppelbildersehen, spontane kleinfleckige Blutungen in der Haut (Purpura) und Funktionsstörungen der Blutplättchen und damit der Blutgerinnung (Thrombopathien) beobachtet. Sehr selten kann aufgrund einer verbesserten Glucoseverwertung der Blutzuckerspiegel absinken. Dabei wurden Beschwerden wie bei einer Unterzuckerung mit Schwindel, Schwitzen, Kopfschmerzen und Sehstörungen beschrieben.

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Gegenmaßnahmen bei Nebenwirkungen

Sollten Sie die oben genannten Nebenwirkungen bei sich beobachten, soll das Arzneimittel nicht nochmals angewendet werden. Benachrichtigen Sie Ihren Arzt, damit er über den Schweregrad und gegebenenfalls über weitere erforderliche Maßnahmen entscheiden kann. Bei den ersten Anzeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion ist das Arzneimittel abzusetzen und sofort Kontakt mit einem Arzt aufzunehmen. Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht angegeben sind.

Patientenhinweis

Besondere Vorsicht bei der Anwendung ist erforderlich. Im Zusammenhang mit der Anwendung von alpha-Liponsäure als Injektions- oder Infusionslösung wurden allergische Reaktionen (Überempfindlichkeitsreaktionen bis hin zum lebensbedrohlichen Schock (plötzliches Kreislaufversagen) beobachtet. Deswegen wird Ihr behandelnder Arzt Sie während der Anwendung auf das Auftreten von Frühsymptomen (z. B. Juckreiz, Übelkeit, Unwohlsein, etc.) überwachen. Falls diese auftreten, ist die Therapie sofort zu beenden; ggf. sind weitere Therapiemaßnahmen erforderlich.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Bitte informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden bzw. vor kurzem eingenommen/angewendet haben, auch wenn es sich um nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel handelt. Es ist nicht auszuschließen, dass die gleichzeitige Anwendung zum Wirkungsverlust von Cisplatin (einem Krebsmittel) führt. Die blutzuckersenkende Wirkung von Insulin bzw. oralen Antidiabetika kann verstärkt werden. Daher ist insbesondere im Anfangsstadium der Therapie eine engmaschige Blutzuckerkontrolle angezeigt. In Einzelfällen kann es zur Vermeidung von Unterzuckerungserscheinungen erforderlich werden, die Insulindosis bzw. die Dosis des oralen Antidiabetikums gemäß den Anweisungen des behandelnden Arztes zu reduzieren.

Alpha-Liponsäure und Alkohol

Der regelmäßige Genuss von Alkohol stellt einen bedeutenden Risikofaktor für die Entstehung und das Fortschreiten neuropathischer Krankheitsbilder dar und kann dadurch auch den Erfolg einer Behandlung beeinträchtigen. Daher wird Patienten mit diabetischer Polyneuropathie grundsätzlich empfohlen, den Genuss von Alkohol weitestgehend zu vermeiden. Dies gilt auch für therapiefreie Intervalle.

Überdosierung

Bei Überdosierung können Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen auftreten. In Einzelfällen wurden bei Einnahme von mehr als 10 g alpha-Liponsäure, insbesondere bei gleichzeitigem starkem Alkoholkonsum, schwere, z. T. lebensbedrohliche Vergiftungserscheinungen beobachtet (wie z. B. generalisierte Krampfanfälle, Entgleisung des Säure-Base-Haushalts mit Laktatazidose, schwere Störungen der Blutgerinnung). Deshalb ist bei Verdacht auf eine erhebliche Überdosierung eine unverzügliche Klinikeinweisung und die Einleitung von Maßnahmen nach den allgemeinen Behandlungsgrundsätzen von Vergiftungsfällen erforderlich.

Anwendung bei Kindern und Jugendlichen

Kinder und Jugendliche sind von der Behandlung auszunehmen, da keine klinischen Erfahrungen für diese Altersgruppe vorliegen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangere und Stillende sollten sich einer Behandlung mit alpha-Liponsäure nur nach sorgfältiger Empfehlung und Überwachung durch den Arzt unterziehen, da bisher keine Erfahrungen mit dieser Patientengruppe vorliegen. Spezielle Untersuchungen an Tieren haben keine Anhaltspunkte für Fertilitätsstörungen oder fruchtschädigende Wirkungen ergeben. Über einen möglichen Übertritt von alpha-Liponsäure in die Muttermilch ist nichts bekannt.

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