Die Polyneuropathie, insbesondere die diabetische Polyneuropathie, kann die Fähigkeit zum Autofahren beeinträchtigen. Aktuelle Forschungsprojekte und technologische Entwicklungen zielen darauf ab, Menschen mit Polyneuropathie das Autofahren zu erleichtern und sicherer zu gestalten. Dieser Artikel beleuchtet die Herausforderungen, die mit dem Autofahren und Polyneuropathie einhergehen, und untersucht innovative Lösungsansätze sowie rechtliche Aspekte.
Forschung zur Unterstützung von Autofahrern mit Polyneuropathie
An der Universitätsmedizin Göttingen wird in einer Studie untersucht, wie moderne Technik Diabetikern mit peripherer Polyneuropathie das Autofahren erleichtern kann. Die Grundlagenstudie sucht noch Teilnehmer. Die Simulation beinhaltet ein Lenkrad, Pedale und eine Virtual-Reality-Brille, die den Blick auf die Straße simuliert. Dies ermöglicht es, alltägliche Verkehrssituationen realitätsnah zu simulieren, ohne dass die Person den Raum verlässt.
Ziel der Studie
Ziel ist es, herauszufinden, wie sich eine diabetische periphere Polyneuropathie auf das Fahrverhalten auswirkt, um dann mit spezieller Technik diese Auswirkungen zu minimieren. Ein besonderer Fokus liegt auf der Entwicklung von Feedback-Tools, die das Empfinden für die Pedalbedienung verbessern sollen, da die Sensibilitätsverminderung in den Füßen eine der Folgen der Polyneuropathie ist.
Beteiligung an der Studie
Für die Studie werden Typ-1- und Typ-2-Diabetiker mit peripherer Neuropathie gesucht, aber auch Nicht-Diabetiker und regelmäßige Autofahrer sind als Kontrollgruppe willkommen. Die Teilnehmer sollten etwa 4,5 Stunden Zeit mitbringen, wobei die Experimentdauer inklusive An- und Abfahrtszeit vergütet wird.
Entwicklung von Feedback-Tools
Nach Auswertung der Studie soll untersucht werden, wie Feedback-Tools, ähnlich denen in der Prothesensteuerung, im Auto eingebaut werden können. Diese Tools sollen deutlich wahrnehmbar sein, ohne zu stören. Die genaue Ausgestaltung des Signals (z.B. Vibration oder Ton) ist noch offen.
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Auswirkungen der diabetischen Neuropathie auf das Autofahren
Die diabetische Neuropathie, insbesondere die Polyneuropathie der Beine und Füße, kann durch unzureichende Pedaltätigkeit zu einer Beeinträchtigung beim Autofahren führen.
Einschränkungen der Kraft und Sensomotorik
Eine Studie aus England verglich die Fahrtüchtigkeit von Menschen mit und ohne diabetische Neuropathie. Dabei zeigte sich, dass Diabetiker mit Neuropathie weniger Kraft im Sprunggelenk und den Waden hatten. Sie waren ungeschickter bei der Kontrolle des Gaspedals, veränderten die Fußstellung öfter und drückten das Pedal mehrfach zu tief. Die Propriozeption (Wahrnehmung von Körperbewegungen) war deutlich eingeschränkt.
Ausgleich durch Übung
Die Studie zeigte auch, dass Menschen mit Neuropathie ihre Defizite durch Übung ausgleichen können. In einer Fahrsimulator-Studie fuhren die Teilnehmer mit Neuropathie zunächst langsamer und machten extremere Lenkbewegungen, aber bereits in der zweiten Runde gab es keine wesentlichen Unterschiede mehr zu den Diabetikern ohne Neuropathie.
Lernprogramme zur Verbesserung des Fahrvermögens
Die Autoren der Studie schlugen vor, dass untersucht werden sollte, ob standardisierte Lernprogramme das Fahrvermögen bei Neuropathie langfristig erhalten und verbessern können.
Rechtliche Aspekte und Verantwortlichkeiten beim Autofahren mit Diabetes
Im Alltag von Diabetikern ergeben sich immer wieder juristische Fragen. Bei der Führerscheinanmeldung wird nach dem Vorhandensein eines Diabetes gefragt, was wahrheitsgemäß beantwortet werden muss. Ein Verkehrsgutachten kann gefordert werden. Wer bereits eine Fahrerlaubnis besitzt und erst dann einen Diabetes entwickelt, ist nicht verpflichtet, die Krankheit der Behörde zu melden.
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Fahrsicherheit vs. Fahreignung
Prinzipiell muss die Fahrsicherheit von der allgemeinen Fahreignung unterschieden werden. Die Fahrsicherheit ist der aktuelle, rasch änderbare Gesundheitszustand, während die Fahreignung die zeitlich weitgehend stabile Fähigkeit zum Führen eines Kraftfahrzeuges beschreibt.
Unfallrisiko und Unterzuckerung
Eine Übersichtsarbeit aus den USA zeigte, dass das Unfallrisiko bei Diabetikern 19 % höher ist als in der Allgemeinbevölkerung. Unterzuckerungen können zu Einschränkungen der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung, des Reaktionsvermögens und des Sehvermögens führen. Im schlimmsten Fall kann es zur Bewusstlosigkeit kommen.
Maßnahmen bei Unterzuckerung
Bei einer Unterzuckerung sollte die Fahrt nicht angetreten oder sofort unterbrochen werden. Es wird empfohlen, zwei schnelle und eine langsame Kohlenhydrateinheit einzunehmen. Ständig wiederkehrende Unterzuckerungen können zu einer Reduzierung der Alarmsignale führen (Hypoglykämiewahrnehmungsstörung), was eine rechtzeitige Reaktion erschwert.
Überzuckerung und Fahruntauglichkeit
Auch Überzuckerungen können eine Fahruntauglichkeit bewirken, insbesondere bei Typ-1-Diabetikern, bei denen eine akute Stoffwechselentgleisung (diabetische Ketoazidose) zu einer Bewusstseinseintrübung führen kann.
Individuelle Entscheidung und ärztliche Aufklärung
Bei jedem neu diagnostizierten Diabetiker muss individuell entschieden werden, ob er am Straßenverkehr teilnehmen kann oder nicht. Folgeerkrankungen des Diabetes können ebenfalls zu einer Einschränkung der Fahreignung führen. Über ein (vorrübergehendes) Fahrverbot klärt der behandelnde Arzt auf. Es liegt in der Eigenverantwortung des Patienten, diese Anweisung zu befolgen.
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Eigenverantwortung und Schulungen
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die meisten Diabetiker die Voraussetzungen zum Führen von Kraftfahrzeugen erfüllen können. Allerdings liegt es in der Eigenverantwortung des Diabetikers, vor jeder Fahrt individuell zu überprüfen, ob er am Straßenverkehr teilnehmen kann. Die Stoffwechsellage muss stabil und ausgeglichen sein. Menschen mit stark zuckersenkenden Medikamenten müssen die Blutzuckerwerte kontrollieren und bei Unterzuckerungen Gegenmaßnahmen ergreifen können. Es ist wichtig, eine ausreichende Kenntnis der Erkrankung zu haben, verantwortungsvoll damit umzugehen und vorausschauend zu handeln. Dazu sollte jeder Diabetiker, der sich motorisiert im Straßenverkehr bewegt, an einer strukturierten Schulung teilnehmen.
Leitlinien und Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
Die medizinische und rechtliche Beurteilung der Fahrsicherheit und Fahreignung orientieren sich an den Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Die Fahrerlaubnis darf nur erteilt werden, wenn die erforderliche Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen vorliegt.
Hypoglykämierisiko und Blutzuckerkontrolle
Bei erhöhtem Hypoglykämierisiko oder einem Hypoglykämie-Wahrnehmungsproblem sind besondere Maßnahmen erforderlich. Vor Fahrtantritt sollte der Blutzucker möglichst nicht unter 90 mg/dl liegen. Hypoglykämien beeinträchtigen die Fahrsicherheit.
Sehfähigkeit und Augenärztliche Untersuchung
Bei Menschen mit Diabetes kann die Sehfähigkeit und damit die Fahrsicherheit vorübergehend eingeschränkt sein, z.B. bei Diabetes-Neueinstellung. Bei neu auftretender Sehverschlechterung soll eine zeitnahe Untersuchung beim Augenarzt erfolgen.
Weitere Risikofaktoren
Diabetes kann zu einer schweren Schädigung der Nerven, insbesondere im Bereich der Beine und Füße (periphere Polyneuropathie), führen. Diabetes, insbesondere Typ 2, ist überdurchschnittlich häufig mit dem Schlafapnoesyndrom vergesellschaftet. Auch Depressionen können die Fahrsicherheit beeinträchtigen.
Schulungen und Aufklärung
Menschen mit Diabetes können mithilfe von Schulungen die verkehrsrechtlichen Voraussetzungen der Fahreignung sowie Verhaltensmaßnahmen zur sicheren Teilhabe am Straßenverkehr erlernen. Jeder Patient muss individuell über das therapiespezifische Hypoglykämierisiko, die damit potenziell verbundenen Gefahren im Straßenverkehr, sowie geeignete Verhaltensmaßnahmen zur Risikominimierung aufgeklärt werden.
Technologische Hilfsmittel und ihre Grenzen
Der Umgang mit Blutzucker-Messmethoden bietet Chancen, aber auch Risiken. Kontrollmessungen sind unerlässlich, und die Veränderungsdynamik von Blutzuckerwerten muss erkannt werden. Mögliche Zwischenfälle lassen sich durch eine systematische Schulung vermeiden.
Therapieansätze bei Polyneuropathie
Die Chemotherapie-induzierte Polyneuropathie kann verschiedene Beschwerden im Alltag verursachen. Es gibt jedoch viele Behandlungsmöglichkeiten und Therapien, die die Lebensqualität verbessern können.
Medikamentöse Therapie
Man wird zunächst Medikamente einsetzen, die nicht als Schmerzmittel stärkere Nebenwirkungen befürchten lassen, sondern eher nebenwirkungsärmer sind, also Antidepressiva wie Pregabalin und Gabapentin. Medikamente, die die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin in die Synapsen hemmen (z.B. Duloxetin), können ebenfalls eingesetzt werden. Antikonvulsiva sind Medikamente, die eigentlich zur Behandlung von Epilepsien entwickelt worden sind. Es ist wichtig, diese Medikamente einzuschleichen, um den Körper daran zu gewöhnen.
Physikalische Therapie
Bei den physikalischen Maßnahmen handelt es sich zum einen um ein Training für die geschädigten Nerven (Ergotherapie und Physiotherapie) und zum anderen um elektrische Behandlungen (Elektrotherapie). Ergänzend können Kohlensäurebäder die Durchblutung verbessern.
Ergotherapie und Physiotherapie
Ergotherapeuten helfen Patienten mit funktionalen Defiziten, im Alltag optimal zurechtzukommen. Bei der Polyneuropathie spielen Gangsicherheit, Sturzprävention, medizinische Trainingstherapie (Aufbau von Kraft und Ausdauer) sowie Schmerzbewältigung eine Rolle.
Elektrotherapie
Es gibt verschiedene Formen der Elektrotherapie, wie galvanische Bäder, Reizstrombehandlung (TENS) und Hochtontherapie.
Weitere Maßnahmen
Sensibilisierungstraining (z.B. mit Reis), Achtsamkeit im Alltag, Beseitigung von Sturzfallen in der Wohnung und das Tragen von rutschfesten Schuhen können ebenfalls hilfreich sein.
Rehabilitation bei Polyneuropathie
Im Reha-Aufenthalt erhalten die Patienten neben der ärztlichen und pflegerischen Betreuung Therapien zur Behandlung der Polyneuropathie und anderer Beschwerden.
Einzel- und Gruppentherapien
Die Patienten nehmen an Einzeltherapien in der Ergotherapie und der Physiotherapie teil, ebenso an Gruppen, in denen zum Beispiel die Sensibilität der Füße trainiert wird. Es werden Physiotherapie-Bewegungsabläufe trainiert, und es kann eine Vibrationstherapie (z.B. mit dem Galileo Gerät) erfolgen.
Ambulante und stationäre Reha
Die ambulante Reha hat den Vorteil, dass man zuhause leben kann. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die Entfernung nicht zu weit ist. Die stationäre Reha ist von Vorteil, wenn die Anfahrtswege für eine ambulante Reha-Maßnahme zu weit sind. Reha-Anträge können selbst mit Hilfe vom Hausarzt oder mit Hilfe von behandelnden Onkologen gestellt werden.
Ziele der Reha
Das Ziel der Reha ist, die Anleitung zu bekommen, die einem anschließend im Alltag die Unterstützung und die Hilfe gibt.
Tipps für den Alltag mit Polyneuropathie
- Grad der Behinderung feststellen lassen: Patienten mit Krebs können meistens ohne Schwierigkeiten einen Grad der Behinderung von 50 Prozent bekommen, befristet auf drei Jahre.
- Unterstützung suchen: Lymphdrainage, Massagen und die Teilnahme am Leben (z.B. Konzertbesuche) können Unterstützung bieten.
- Sicherheit erhöhen: Handläufe an Treppen montieren, rutschfeste Schuhe tragen und Sturzfallen in der Wohnung beseitigen.
- Körperwahrnehmung schulen: Achtsamkeit im Alltag, Musiktherapie und aktive Beteiligung am Therapieprozess können helfen, sich mit dem Körper wieder wohler zu fühlen.
- Walking-Stecken verwenden: Walking-Stecken können eine tolle Unterstützung sein, um die Sicherheit zu erhöhen und einen flüssigen Gehablauf zu fördern.
Fahruntüchtigkeit und Verantwortung
Wer Auto fährt, muss den körperlichen und geistigen Anforderungen entsprechen. Bei Erkrankungen bestehen daran oftmals Zweifel. Der behandelnde Arzt muss den Patienten sagen, wenn es Zweifel an der Fahrtüchtigkeit gibt.
Gutachten und Kompensationsmöglichkeiten
Bestehen Zweifel, kann ein Gutachten Klarheit bringen. Erkrankte können Einschränkungen durch technische Umbauten des Autos, Automatikgetriebe oder den Verzicht auf das Autofahren bei Dunkelheit kompensieren.
Sofortiges Beenden der Fahrt bei Warnzeichen
Besonders wichtig ist es, bei Warnzeichen eines Schlaganfalls die Fahrt sofort und unmittelbar zu beenden. Der Gesetzgeber verpflichtet jeden, Vorsorge für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr zu treffen.
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