Polyneuropathie, eine Erkrankung, die mehrere periphere Nerven betrifft, kann eine Vielzahl von Symptomen hervorrufen, darunter auch die Fußheberschwäche. Diese Schwäche, bei der die Fähigkeit, den Fuß anzuheben, beeinträchtigt ist, kann das Gangbild erheblich stören und zu Kompensationsmechanismen führen, die wiederum weitere Probleme verursachen können. Glücklicherweise gibt es verschiedene Arten von Fußorthesen, die Patienten mit Polyneuropathie und Fußheberschwäche unterstützen können, um ihre Mobilität und Lebensqualität zu verbessern.
Ursachen und Auswirkungen der Fußheberschwäche
Zahlreiche neuro-orthopädische Erkrankungen, wie Multiple Sklerose, ein Schlaganfall oder ein Schädel-Hirn-Trauma, können eine Fußheberschwäche auslösen. Beim Gehen ist der Patient während der Schwungphase des Beins daher nicht in der Lage, den Fuß anzuheben. Er verliert folglich die Kontrolle über sein Gangbild. Grund dafür: Die Kommunikation zwischen Gehirn und dem zum Gehen nötigen Peroneus-Nerv im Unterschenkel ist gestört. Das kann das Leben im Alltag stark beeinträchtigen.
Patienten kompensieren dieses Symptom oft damit, dass sie den Fuß entweder hinter sich herziehen oder sie nutzen ihre Hüfte, um das Bein in einem weiten Halbkreis nach vorn zu schwingen. Dieser Bewegungsablauf ist typisch für Patienten mit einer Fußheberschwäche und führt zu einer Reihe von Folgeproblemen wie Hüft-, Becken-, Knie-, oder Rückenschmerzen.
Optionen für die Behandlung mit Orthesen
Der Markt bietet Orthesen, mit dem das Problem entschärft werden kann. Die Wahl der geeigneten Orthese hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich des Schweregrads der Fußheberschwäche, der individuellen Bedürfnisse des Patienten und eventueller Kontraindikationen.
Unterschenkel-Manschettenlösung
So genügt bei einem Kraftgrad nach Janda von 3-4 eventuell eine reine Unterschenkel-Manschettenlösung. Zwischen Manschette und Schuh sind Züge gespannt, sodass die Plantarflexion begrenzt wird, der Fuß also nicht „fallen“ kann. Diese Art von Orthese ist geeignet für Patienten mit leichter bis mittelschwerer Fußheberschwäche, bei denen noch eine gewisse Restkraft vorhanden ist.
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Funktionelle Elektrostimulation (FES)
Liegt der Kraftgrad jedoch unter 3, kann ein FES-System die Lösung sein: Elektrische Impulse direkt am Bein übernehmen die Aufgabe, den Peroneus-Nerv direkt anzusteuern. FES-Geräte werden unterhalb des Knies um den Unterschenkel angelegt. Empfindliche Sensoren erkennen die Bewegungsabsicht. Dann lösen sie im richtigen Moment durch die auf der Haut liegenden Elektroden einen elektrischen Impuls aus.
Für FES-Systeme gibt es jedoch Kontraindikationen, die die Benutzung vereiteln. Dazu gehören beispielsweise Herzschrittmacher, Schwangerschaft, Hautirritationen oder -infektionen im Anwendungsbereich sowie bestimmte neurologische Erkrankungen.
Carbon-Orthesen
Kommen FES-Systeme nicht in Frage und geht die Lähmung über einen Kraftgrad von unter 3 hinaus, können Carbon-Orthesen in diese Bresche springen, wie beispielsweise die ProGo Vitalis und ProGo Invictum. Diese Orthesen zeichnen sich durch ein funktionales Design aus, das Druck auf empfindliche Stellen verhindert. Die Orthese ist aus Carbon gefertigt und unterstützt das Fußheben in der Schwungphase und begrenzt die Fußsenkung. Das Carbon-Material speichert dabei die Energie in der Abrollphase des Schrittes und gibt sie am Ende der Standphase bei der Zehenablösung wieder ab, was den Schritt dynamischer und symmetrischer macht. Das macht das Gehen einfacher und natürlicher. Die besonders dünnwandige Konstruktion ist zudem angenehm leicht, die abgerundeten Kanten schonen das Schuhwerk.
Die Rolle der Carbonfasern in modernen Orthesen
Carbonfasern haben sich als revolutionäres Material in der Orthopädietechnik etabliert, insbesondere bei der Herstellung von Orthesen. Ihre einzigartigen Eigenschaften ermöglichen es, Orthesen herzustellen, die sowohl leicht als auch äußerst stabil sind.
Vorteile von Carbon-Orthesen
- Leichtigkeit: Carbon ist ein sehr leichtes Material, was den Tragekomfort der Orthese deutlich erhöht. Dies ist besonders wichtig für Patienten, die die Orthese über längere Zeiträume tragen müssen.
- Stabilität: Trotz ihres geringen Gewichts sind Carbonfasern extrem stabil und widerstandsfähig. Dies ermöglicht es der Orthese, den Fuß effektiv zu unterstützen und die Bewegung zu kontrollieren.
- Dynamische Unterstützung: Carbon-Orthesen können so konstruiert werden, dass sie die natürliche Bewegung des Fußes unterstützen. Das Carbon-Material speichert dabei die Energie in der Abrollphase des Schrittes und gibt sie am Ende der Standphase bei der Zehenablösung wieder ab, was den Schritt dynamischer und symmetrischer macht.
- Individuelle Anpassung: Carbon-Orthesen können individuell an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden, um eine optimale Passform und Funktionalität zu gewährleisten.
- Druckverteilung: Das funktionale Design verhindert Druck auf empfindliche Stellen.
- Schonung des Schuhwerks: Die abgerundeten Kanten schonen das Schuhwerk.
Auswahl der richtigen Orthese
Die Auswahl der richtigen Orthese sollte in enger Zusammenarbeit mit einem Arzt oder Orthopädietechniker erfolgen. Dieser kann eine umfassende Beurteilung des Patienten vornehmen und die am besten geeignete Orthese empfehlen. Bei der Auswahl sollten folgende Faktoren berücksichtigt werden:
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- Schweregrad der Fußheberschwäche: Je nach Schweregrad der Fußheberschwäche kommen unterschiedliche Orthesen in Frage.
- Aktivitätsniveau des Patienten: Aktive Patienten benötigen möglicherweise eine dynamischere Orthese, die eine größere Bewegungsfreiheit ermöglicht.
- Individuelle Bedürfnisse und Vorlieben: Jeder Patient hat individuelle Bedürfnisse und Vorlieben, die bei der Auswahl der Orthese berücksichtigt werden sollten.
- Kontraindikationen: Bestimmte Erkrankungen oder Umstände können die Verwendung bestimmter Orthesen ausschließen.
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