Porphyrie: Muskelkrämpfe, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Die Porphyrie ist eine Gruppe von seltenen Stoffwechselerkrankungen, die durch eine gestörte Produktion des Blutfarbstoffs Häm gekennzeichnet sind. Diese Störung kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter auch Muskelkrämpfe. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Muskelkrämpfen im Zusammenhang mit Porphyrie und gibt einen Überblick über mögliche Behandlungsansätze.

Einführung in die Porphyrie

Porphyrie ist ein Überbegriff für eine Gruppe von acht verschiedenen Stoffwechselerkrankungen. Ihnen allen ist gemeinsam, dass der Körper einen Bestandteil des Blutfarbstoffs Hämoglobin, das sogenannte Häm, nicht richtig herstellen kann. Stattdessen produziert der Körper nur Vorstufen davon, die sogenannten Porphyrine.

Häm ist essenziell für den Sauerstofftransport im Blut, da es ein Bestandteil des Hämoglobins ist, das sich in den roten Blutkörperchen befindet. Hämoglobin ermöglicht es den roten Blutkörperchen, Sauerstoff in der Lunge aufzunehmen und zu den Organen und Geweben zu transportieren.

Die Häm-Produktion erfolgt im Knochenmark und in der Leber in acht Schritten, wobei jedes Schritt von einem spezifischen Enzym katalysiert wird. Bei Menschen mit Porphyrie ist eines dieser Enzyme defekt oder in unzureichender Menge vorhanden. Dies führt zu einer Ansammlung von Häm-Vorstufen (Porphyrinen) im Körper, was verschiedene gesundheitliche Probleme verursachen kann.

Akute intermittierende Porphyrie (AIP)

Die akute intermittierende Porphyrie (AIP) ist eine der häufigsten Formen der Porphyrie und gehört zu den akuten hepatischen Porphyrien. Sie wird in der Regel durch einen erblichen Gendefekt verursacht, dessen Auswirkungen sich jedoch meist erst im Erwachsenenalter zeigen.

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Ursachen der AIP

Die AIP wird durch einen Gendefekt verursacht, der die Aktivität des Enzyms Porphobilinogen-Desaminase (PBGD), das für den dritten Schritt der Häm-Produktion benötigt wird, um bis zu 50 Prozent reduziert. Dieser Gendefekt wird in der Regel vererbt. Allerdings bedeutet der Besitz des Gendefekts nicht zwangsläufig, dass die Krankheit ausbricht. Nur etwa 10 bis 20 Prozent der Träger des Gendefekts entwickeln tatsächlich Symptome.

Die Symptome treten oft erst im Erwachsenenalter auf, meist nach der Pubertät, etwa ab dem 30. Lebensjahr. Solange kein erhöhter Bedarf an Häm besteht, funktioniert die Häm-Produktion in der Regel ausreichend. Daher treten bei Betroffenen meist keine Beschwerden auf, solange normale Bedingungen herrschen.

Symptome der AIP

Die Symptome der AIP sind vielfältig und oft unspezifisch, was die Diagnose erschweren kann. Häufige Symptome sind:

  • Heftige Bauchschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Verstopfung
  • Muskelschwäche und -schmerzen
  • Muskelkrämpfe
  • Neurologische Symptome wie Angstzustände, Verwirrtheit und Krampfanfälle
  • Psychiatrische Symptome wie Depressionen und Halluzinationen
  • Braun-rote Verfärbung des Urins

Die Symptome treten oft anfallsweise in Schüben auf, die Tage bis Wochen andauern können.

Auslöser für AIP-Schübe

Es gibt verschiedene Faktoren, die einen AIP-Schub auslösen können, darunter:

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  • Hunger oderFasten
  • Alkohol
  • Infektionen
  • Bestimmte Medikamente (z.B. Barbiturate, Sulfonamide)
  • Stress
  • Hormonelle Veränderungen (z.B. Menstruation)

Muskelkrämpfe bei Porphyrie

Muskelkrämpfe sind ein häufiges Symptom bei Porphyrie, insbesondere bei der AIP. Die genauen Mechanismen, die zu Muskelkrämpfen führen, sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt verschiedene Theorien:

  • Nervenschädigung: Die Ansammlung von Porphyrin-Vorstufen kann Nervenzellen schädigen, was zu einer Fehlfunktion der Nervenimpulse führen kann, die die Muskelkontraktion steuern.
  • Elektrolytstörungen: Porphyrie kann zu Elektrolytstörungen führen, insbesondere zu einem Mangel an Natrium, Kalium oder Magnesium. Diese Elektrolyte sind wichtig für die normale Funktion der Muskeln.
  • Direkte Wirkung auf die Muskeln: Es wird vermutet, dass Porphyrin-Vorstufen eine direkte toxische Wirkung auf die Muskelzellen haben können, was zu Muskelkrämpfen und -schmerzen führt.

Diagnose von Porphyrie

Die Diagnose von Porphyrie kann aufgrund der unspezifischen Symptome schwierig sein. Wichtige diagnostische Schritte sind:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der Symptome des Patienten.
  • Körperliche Untersuchung: Untersuchung des Patienten auf körperliche Anzeichen von Porphyrie.
  • Laboruntersuchungen:
    • Urinuntersuchung: Bestimmung der Porphyrin- und Porphobilinogen-Konzentration im Urin.
    • Blutuntersuchung: Bestimmung der Porphyrin-Konzentration im Blut und Untersuchung auf genetische Mutationen, die mit Porphyrie in Verbindung stehen.
    • Stuhluntersuchung: Bestimmung der Porphyrin-Konzentration im Stuhl (weniger häufig).
  • Genetische Tests: Identifizierung von Gendefekten, die Porphyrie verursachen.

Behandlung von Muskelkrämpfen bei Porphyrie

Die Behandlung von Muskelkrämpfen bei Porphyrie zielt darauf ab, die zugrunde liegende Ursache zu behandeln und die Symptome zu lindern. Zu den wichtigsten Behandlungsansätzen gehören:

  • Akutbehandlung von AIP-Schüben:
    • Hämin-Infusionen: Hämin ist eine synthetische Form von Häm, die die Häm-Produktion in der Leber unterdrückt und die Ansammlung von Porphyrin-Vorstufen reduziert.
    • Glukose-Infusionen: Glukose kann die Häm-Produktion ebenfalls unterdrücken und die Symptome lindern.
    • Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich: Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten, die durch Erbrechen und Durchfall entstehen können.
    • Schmerzmittel: Behandlung von Schmerzen mit Analgetika.
    • Symptomatische Behandlung: Behandlung anderer Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Angstzustände.
  • Langzeitbehandlung von Porphyrie:
    • Vermeidung von Auslösern: Identifizierung und Vermeidung von Faktoren, die Porphyrie-Schübe auslösen können (z.B. Alkohol, bestimmte Medikamente, Stress).
    • Givosiran (Handelsname Givlaari): Ein Medikament, das die Produktion von ALAS1 in der Leber reduziert. ALAS1 ist ein Enzym, das eine Schlüsselrolle bei der Porphyrinsynthese spielt. Durch die Reduktion von ALAS1 können die Porphyrinwerte gesenkt und die Häufigkeit von Porphyrie-Attacken reduziert werden.
    • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Kohlenhydraten kann helfen, die Häm-Produktion zu regulieren.
    • Regelmäßige Bewegung: Moderate körperliche Aktivität kann die allgemeine Gesundheit verbessern und Stress reduzieren.
    • Psychologische Unterstützung: Porphyrie kann eine erhebliche psychische Belastung darstellen. Eine psychologische Beratung oder Therapie kann helfen, mit der Krankheit umzugehen.
  • Spezifische Behandlung von Muskelkrämpfen:
    • Dehnübungen: Regelmäßiges Dehnen der betroffenen Muskeln kann helfen, Krämpfe zu reduzieren.
    • Massage: Eine sanfte Massage der betroffenen Muskeln kann die Durchblutung fördern und Krämpfe lösen.
    • Wärme- oder Kälteanwendungen: Wärme- oder Kälteanwendungen können helfen, Muskelverspannungen zu lösen und Schmerzen zu lindern.
    • Elektrolyte: Bei Elektrolytmangel kann die Einnahme von Elektrolyten in Form von Nahrungsergänzungsmitteln oder Elektrolytlösungen helfen.
    • Medikamente: In einigen Fällen können Medikamente wie Muskelrelaxantien oder Antikonvulsiva eingesetzt werden, um Muskelkrämpfe zu behandeln. Diese Medikamente sollten jedoch nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden, da sie Nebenwirkungen haben können.

Weitere Ursachen für Muskelkrämpfe

Es ist wichtig zu beachten, dass Muskelkrämpfe viele verschiedene Ursachen haben können, die nicht mit Porphyrie in Zusammenhang stehen. Dazu gehören:

  • Elektrolytstörungen: Ein Mangel an Natrium, Kalium, Kalzium oder Magnesium kann Muskelkrämpfe verursachen.
  • Dehydration: Flüssigkeitsmangel kann die Muskelkontraktion beeinträchtigen und zu Krämpfen führen.
  • Muskelüberlastung: Überanstrengung der Muskeln durch intensive körperliche Aktivität kann Krämpfe verursachen.
  • Durchblutungsstörungen: Eine schlechte Durchblutung der Muskeln kann zu Sauerstoffmangel und Krämpfen führen.
  • Neurologische Erkrankungen: Einige neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson-Krankheit können Muskelkrämpfe verursachen.
  • Medikamente: Einige Medikamente wie Diuretika oder Statine können Muskelkrämpfe als Nebenwirkung haben.

Polyneuropathie und Muskelkrämpfe

Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die mehrere periphere Nerven betrifft und zu einer Vielzahl von Symptomen führen kann, darunter Muskelkrämpfe. Die Polyneuropathie kann unterschiedliche Ursachen haben, wie z.B. Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch, Vitaminmangel oder genetische Faktoren.

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Bei Polyneuropathie können die Nerven, die die Muskeln steuern, geschädigt werden, was zu einer Fehlfunktion der Muskelkontraktion und -entspannung führen kann. Dies kann zu Muskelkrämpfen, Muskelschwäche und anderen neurologischen Symptomen führen.

Die Behandlung von Muskelkrämpfen bei Polyneuropathie zielt darauf ab, die Grunderkrankung zu behandeln und die Symptome zu lindern. Dazu gehören:

  • Behandlung der Grunderkrankung: Einstellung des Diabetes mellitus, Vermeidung von Alkohol oder Ausgleich von Vitaminmangel.
  • Schmerzmittel: Medikamente zur Linderung von Schmerzen und Missempfindungen.
  • Physiotherapie: Stärkung der Muskulatur und Verbesserung der Beweglichkeit.
  • Nervenstimulationsverfahren: Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) zur Schmerzlinderung.

Stoffwechselstörungen und Muskelverhärtungen

Stoffwechselstörungen können ebenfalls zu Muskelverhärtungen und -krämpfen führen. Einige Beispiele für Stoffwechselstörungen, die Muskelprobleme verursachen können, sind:

  • Hypothyreose: Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann zu einem verlangsamten Stoffwechsel führen, was Muskelschwäche, Schmerzen und Verhärtungen verursachen kann.
  • Elektrolytstörungen: Ein Ungleichgewicht von Elektrolyten wie Kalium, Kalzium und Magnesium kann die Muskelkontraktion und -entspannung stören.
  • Mitochondriale Myopathien: Diese Gruppe von Erkrankungen betrifft die Mitochondrien, die "Kraftwerke" der Zellen, und beeinträchtigt die Energieproduktion.
  • Glykogen-Speicherkrankheiten: Bei diesen genetischen Störungen ist die Fähigkeit des Körpers, Glykogen zu speichern und abzubauen, beeinträchtigt.
  • Porphyrie: Wie bereits erwähnt, kann Porphyrie zu Muskelverhärtungen und -krämpfen führen.

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