Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch Symptome wie Muskelsteifheit, verlangsamte Bewegungen und Zittern gekennzeichnet ist. Obwohl die Krankheit nicht heilbar ist, gibt es viele Möglichkeiten, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dieser Artikel beleuchtet durch Interviews mit einer betroffenen Patientin und einer Expertin in der Parkinson-Forschung die Bedeutung positiver Glaubenssätze und die neuesten Entwicklungen in der Behandlung.
Kathrin Wersing: Mit Optimismus und einem Podcast gegen Parkinson
Kathrin Wersing, eine 44-jährige Parkinson-Patientin aus Münster, erhielt ihre Diagnose im Alter von 40 Jahren. Anstatt sich von der Krankheit unterkriegen zu lassen, startete sie den Podcast "Jetzt erst recht! - Positiv leben mit Parkinson".
Die Diagnose und erste Reaktionen
Kathrin beschreibt ihre ersten Symptome als unspezifisch. Nach der Geburt ihres ersten Sohnes im Jahr 2009 hatte sie einen Bandscheibenvorfall und fühlte sich danach nie wieder richtig fit. Müdigkeit, Erschöpfung und eine Depression folgten. Erst im Januar 2019 bemerkte sie eine Steifigkeit und Schmerzen im rechten Arm beim Zähneputzen.
Die Diagnose Parkinson traf sie unerwartet. Sie hatte die Krankheit eher mit älteren Menschen assoziiert, da ihre Großmutter erst mit 80 Jahren erkrankte. Erst im Nachhinein verstand sie das Ausmaß der Diagnose und die Auswirkungen der Krankheit auf ihren Körper.
Der Weg aus der Verzweiflung
Trotz der anfänglichen Verzweiflung fand Kathrin einen Weg, mit der Krankheit umzugehen. Ihre langjährige Erfahrung in der Selbsthilfe, wo sie Familien mit rheumakranken Kindern betreute, half ihr, eine Perspektive zu entwickeln. Sie wusste aus ihrer Arbeit, dass es immer einen Weg gibt, trotz einer chronischen Erkrankung ein gutes Leben zu führen.
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Die Idee für ihren Podcast entstand aus dem Wunsch, Menschen zu finden, die ihr zeigen konnten, wie man mit Parkinson gut leben kann. Inspiriert von anderen Podcasts, startete sie "Jetzt erst recht! - Positiv leben mit Parkinson" im Oktober 2020.
Inspiration durch andere Betroffene
In ihrem Podcast interviewt Kathrin Betroffene und Angehörige und teilt deren Geschichten. Diese Begegnungen haben sie nachhaltig beeindruckt und ihr Kraft gegeben. Besonders berührt haben sie die Erzählungen von Menschen, die trotz schwerer Einschränkungen Lebensfreude und Mut bewahren.
Ein Mann sagte: "Ich möchte sehen, was passiert, wenn ich nicht aufgebe." Ruth, die seit 40 Jahren Parkinson hat, reiste trotz ihrer Erkrankung um die Welt. Jessica, die bereits mit elf Jahren erste Symptome zeigte, entscheidet sich jeden Tag dafür, ein fröhlicher Mensch zu sein.
Kathrin betont, dass sie den Podcast in erster Linie für sich selbst macht, um den Austausch und die positive Ausrichtung zu finden, die sie braucht, um nicht in ein Tief zu geraten.
Umgang mit der Krankheit in der Familie
Kathrins Söhne waren zehn und sieben Jahre alt, als sie die Diagnose erhielt. Sie entschied sich für einen offenen Umgang mit der Krankheit und erzählte ihren Kindern davon. Die Reaktion ihrer Söhne war ermutigend. Sie boten ihre Hilfe an und gaben ihr das Gefühl, nicht allein zu sein.
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Bewegung und Gemeinschaft als Therapie
Kathrin betont die Bedeutung von Bewegung für Parkinson-Patienten. Sie treibt täglich Sport, um der Muskelsteifigkeit und dem Fortschreiten der Erkrankung entgegenzuwirken. Tischtennis hat sie für sich entdeckt und leitet in Münster die Regionalgruppe von Ping Pong Parkinson e.V., einem Tischtennisverein für Parkinson-Erkrankte.
Die Gemeinschaft und der Austausch mit anderen Betroffenen sind für Kathrin von großer Bedeutung. Beim Tischtennis können sie über Parkinson reden, müssen es aber nicht. Die schnellen Bewegungen, die Reaktionsfähigkeit und die Auge-Hand-Koordination trainieren die Fähigkeiten, die durch Parkinson nach und nach verloren gehen.
Positive Glaubenssätze und Zukunftswünsche
Kathrin versucht, zur Ruhe zu kommen und sich an den Satz einer Gesprächspartnerin aus ihrem Podcast zu halten: "An schlechten Tagen habe ich mir abgewöhnt, über die Krankheit nachzugrübeln." Meditation, Treffen mit Freunden und das Aussprechen ihrer Gefühle in einem vertrauten Kreis helfen ihr, mit der Krankheit zurechtzukommen.
Sie hat gelernt, dem Universum zu vertrauen und offen für neue Wege zu sein. Durch Parkinson hat sie viele positive Erfahrungen gemacht, neue Menschen kennengelernt und gelernt, im Hier und Jetzt zu leben.
Für die Zukunft wünscht sich Kathrin, anderen Menschen zu vermitteln, dass sie ihrer Krankheit nicht hilflos ausgeliefert sind. Sie möchte dazu beitragen, dass Parkinson besser behandelbar oder sogar heilbar wird.
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PD Dr. Kathrin Brockmann: Einblicke in die Parkinson-Forschung
PD Dr. Kathrin Brockmann, eine Expertin in der Parkinson-Forschung, gibt Einblicke in die verschiedenen Symptome der Parkinson-Erkrankung und die neuesten Entwicklungen in der Behandlung.
Unterschiedliche Symptome und Formen von Parkinson
Die Parkinson-Erkrankung zeigt sich mit unterschiedlichen Symptomen. Der Tremor ist zwar häufig, muss aber nicht zwingend auftreten. Es gibt verschiedene Formen von Parkinson, die sich in ihren Symptomen unterscheiden:
- Tremor-dominante Form: Hier steht das Zittern im Vordergrund, während Akinese (Unbeweglichkeit) und Rigor (Steifigkeit der Muskulatur) nur minimal ausgeprägt sind.
- Akinetisch-rigider Typ: Dieser Typ hat keinen Tremor, sondern eher Bewegungsarmut und Steifigkeit.
- Mischform: Hier treten Tremor, Akinese und Rigor zusammen ähnlich stark auf.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Parkinson-Formen im Laufe der Zeit ihre Einteilung wechseln können.
Ursachen und Risikofaktoren
Das größte Risiko, an Parkinson zu erkranken, ist das Alter. Es gibt auch genetische Faktoren, die eine Rolle spielen können. Bei jungen Patienten wird oft eine Gendiagnostik durchgeführt, um eine genetische Disposition auszuschließen.
Therapieansätze und ihre Grenzen
Morbus Parkinson ist eine unheilbare Erkrankung des Nervensystems. Die aktuellen Therapieansätze können die Beschwerden jedoch deutlich lindern.
- Medikamentöse Therapie: Medikamente wie L-Dopa, Dopamin-Agonisten oder -Hemmer verschiedener Enzyme gleichen den Dopamin-Mangel im Gehirn aus.
- Chirurgische Behandlung: In bestimmten Fällen kann eine tiefe Hirnstimulation in Betracht gezogen werden. Dabei werden Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns eingesetzt, um diese elektrisch zu reizen.
Frühsymptome und Diagnose
Vor der Diagnose können unspezifische Frühsymptome auftreten, wie Schlafstörungen (REM-Schlafverhaltensstörung) oder Riechstörungen. Später treten die typischen motorischen Frühsymptome auf, wie Zittern, Verkrampfung oder Verlangsamung von Bewegungen.
Die Diagnose wird in der Regel anhand der klinischen Symptome und bildgebenden Verfahren gestellt. Eine Magnetresonanztomografie des Gehirns kann helfen, andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.
Fortschreiten der Erkrankung und Komplikationen
Im Laufe der Zeit kann sich die Wirkdauer der Parkinson-Medikamente verkürzen, was zu sogenannten Off-Phasen führt. In fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung können Symptome auftreten, die nicht mehr so gut auf die Medikamente ansprechen, wie z.B. Gehblockaden, Haltungsinstabilität, Sprechstörungen oder Schluckprobleme.
Bedeutung von Bewegung und nicht-medikamentösen Maßnahmen
Neben der medikamentösen Therapie spielen nicht-medikamentöse Maßnahmen eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Parkinson. Bewegung ist besonders wichtig, um den Verlauf der Erkrankung und die Symptome positiv zu beeinflussen.
Hoffnung auf neue Therapien
Trotz der Herausforderungen gibt es Hoffnung auf neue Therapien. Die Forschung zur Parkinson-Krankheit macht immer mehr Fortschritte, sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der anwendungsbezogenen Forschung zu Medikamenten oder einfacheren Testverfahren. Auch die Perspektiven der mRNA-Technologie sind vielversprechend.
Weitere Perspektiven und Erfahrungen
Neben den Interviews mit Kathrin Wersing und PD Dr. Kathrin Brockmann gibt es weitere Perspektiven und Erfahrungen, die im Umgang mit Parkinson hilfreich sein können.
Die Rolle von Angehörigen
Angehörige spielen eine wichtige Rolle bei der Betreuung von Parkinson-Patienten. Sie sollten sich Zeit nehmen, Geduld haben und dem Betroffenen helfen, seinen Alltag möglichst lange selbstständig zu bewältigen. Gespräche, Bewegungsübungen und die Anpassung des häuslichen Umfelds können die Lebensqualität des Betroffenen verbessern.
Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen bieten Betroffenen und Angehörigen die Möglichkeit, sich auszutauschen, Informationen zu erhalten und zu erfahren, dass sie nicht alleine sind.
Positive Erfahrungen und Lebensqualität
Trotz der Herausforderungen können Parkinson-Patienten ein erfülltes Leben führen. Eine positive Einstellung, Bewegung, soziale Kontakte und die Auseinandersetzung mit der Krankheit können dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern.
Geschlechtsspezifische Unterschiede
Es gibt Hinweise darauf, dass sich die Parkinson-Krankheit bei Frauen anders äußern kann als bei Männern. Hormonelle Schwankungen können die Symptome beeinflussen. Es ist wichtig, diese Unterschiede zu berücksichtigen und die Behandlung entsprechend anzupassen.
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