Die Forschung im Bereich neurodegenerativer und psychiatrischer Erkrankungen ist auf die Mithilfe von Probanden angewiesen. Ein wichtiger Bestandteil vieler Studien ist die Lumbalpunktion, ein etabliertes Verfahren zur Entnahme von Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis). Dieser Artikel gibt einen Überblick über verschiedene Studien, die Probanden für Lumbalpunktionen suchen, und beleuchtet die Hintergründe und Ziele dieser Forschung.
Einführung
Die Lumbalpunktion ist ein diagnostisches Verfahren, bei dem Nervenwasser aus dem Rückenmarkskanal entnommen wird. Sie dient dazu, Erkrankungen des zentralen Nervensystems, wie beispielsweise Entzündungen, Infektionen oder neurodegenerative Prozesse, zu erkennen oder auszuschließen. In der psychiatrischen Forschung gewinnt die Liquoranalytik zunehmend an Bedeutung, da sie Einblicke in die biologischen Grundlagen psychischer Erkrankungen ermöglicht.
Studien im Überblick
Biomarker-Studie zur Früh- und Differentialdiagnose neurodegenerativer Erkrankungen
Diese Studie unter der Leitung von Prof. Dr. untersucht die prädiktive Aussagekraft verschiedener Marker in Blut und Liquor für die Früherkennung und Verlaufsbeobachtung neurodegenerativer Erkrankungen. Patienten, bei denen eine Lumbalpunktion aus diagnostischen Gründen durchgeführt wird, können zustimmen, dass eine geringe zusätzliche Menge Nervenwasser für Forschungszwecke verwendet wird.
Patientenregister zur Liquoruntersuchung in der Psychiatrie (CAP-Konsortium)
Ziel dieses Patientenregisters ist es, die Bedeutung der Liquoruntersuchung in der Psychiatrie wissenschaftlich zu untersuchen und die gewonnenen Erkenntnisse für die Entwicklung neuer Diagnose- und Therapiemöglichkeiten zu nutzen. Es werden Daten und Biomaterialien von Patienten gesammelt, die an einer psychischen und/oder Verhaltensstörung leiden (Patientenkollektiv) und im Rahmen der Diagnostik eine Lumbalpunktion erhalten, sowie von Kontrollprobanden, bei denen eine neurologische Ausschlussdiagnostik durchgeführt wird und eine psychische Störung ausgeschlossen wurde. Die Studie wird durch das CAP-Konsortium (Cerebrospinal Fluid Analysis in Psychiatry) durchgeführt.
NoseLab-Studie: Vergleich von Nasensekret und Nervenwasser zur Diagnose von Alzheimer
Die NoseLab-Studie sucht Personen mit Hirnleistungsstörungen, bei denen eine Lumbalpunktion geplant ist oder bereits durchgeführt wurde. Ziel ist es, ein schonenderes Diagnoseverfahren für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer zu entwickeln, indem Proteine im Nasensekret gesammelt und mit den klinischen Daten des Nervenwassers verglichen werden. Die Methode der Materialgewinnung von Alzheimer-spezifischen Proteinen im Nasensekret ist schonend und behindert weder beim Atmen noch beim Reden.
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DESCRIBE-Studien: Klinische Registerstudien zu neurodegenerativen Erkrankungen
Die DESCRIBE-Studien sind klinische Registerstudien, die Untersuchungsergebnisse und Biomaterialien (Blut, Nervenwasser, Tränenflüssigkeit und Urin) von Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen für wissenschaftliche Zwecke nutzen. Ziel ist es, die Kenntnisse über diese Erkrankungen zu erweitern und die Voraussetzungen für bessere Therapien zu schaffen. Es gibt verschiedene DESCRIBE-Studien, die sich auf spezifische Erkrankungen konzentrieren, wie z.B. die frontotemporale Demenz (FTD).
DANCER-Studie: Etablierung einer Kontrollgruppe für Studien des DZNE
Die DANCER-Studie etabliert einen Rekrutierungspool von Studieninteressenten, Angehörigen und einer Vergleichsgruppe für Studien des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Ziel ist es, frühe, spezifische Veränderungen im Blut oder anderen Biomaterialien zu identifizieren, um neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz oder Parkinson bereits in einem sehr frühen Stadium diagnostizieren zu können.
Pro-DLB-Studie: Frühe Identifizierung von Vorstufen der Demenz mit Lewy-Körperchen
Die Pro-DLB-Studie zielt auf die frühe Identifizierung und Phänotypisierung von prodromaler Demenz mit Lewy-Körperchen (Lewy Bodies) durch etablierte und neue Biomarker. Wenn bei Patienten ein Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit, psychische Symptome oder ein Delir vorliegen, könnte es sich um eine Vorstufe einer dementiellen Erkrankung handeln.
Studie zur Liquoranalyse in der Psychiatrie
Diese Studie baut ein retro- und prospektives Biomaterialregister von Patienten auf, die im Rahmen der Differentialdiagnostik eine Liquorpunktion erhalten. Ziel ist es, systematische Erkenntnisse über die Art und Häufigkeit von Liquorauffälligkeiten bei psychiatrischen Patienten zu erheben.
Studie zur Untersuchung von Alzheimer-Biomarkern im Blut
Diese Studie untersucht ein innovatives, minimal-invasives Diagnostikverfahren für die Alzheimer-Demenz. Ziel ist es, Alzheimer-typische Biomarker im Blut zu untersuchen und so die für den diagnostischen Prozess bei kognitiven Einschränkungen oftmals notwendige Lumbalpunktion überflüssig zu machen.
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NEURO LC-19 DE: Studie zu neurologischen Manifestationen von Long Covid-19
Die NEURO LC-19 DE-Studie untersucht die Ursachen und Ausprägungen kognitiver Defizite bei Patienten mit einem neurologischen Post-COVID-Syndrom. Im Rahmen der Studie werden auch Lumbalpunktionen durchgeführt, um die neurologischen Auswirkungen von COVID-19 besser zu verstehen.
Bedeutung der Lumbalpunktion in der Forschung
Die Lumbalpunktion ermöglicht die Gewinnung von Liquor, einer Flüssigkeit, die das Gehirn und das Rückenmark umgibt. Die Analyse des Liquors kann wertvolle Informationen über den Zustand des zentralen Nervensystems liefern. In der Forschung wird die Lumbalpunktion eingesetzt, um:
- Biomarker zu identifizieren: Biomarker sind messbare Indikatoren für biologische Prozesse. Im Liquor können Biomarker gefunden werden, die auf bestimmte Erkrankungen hinweisen, wie z.B. Alzheimer-Demenz oder Multiple Sklerose.
- Die Pathophysiologie von Erkrankungen zu verstehen: Die Analyse des Liquors kann helfen, die Mechanismen zu verstehen, die zu bestimmten Erkrankungen führen.
- Neue Therapien zu entwickeln: Durch das Verständnis der Pathophysiologie von Erkrankungen können neue Therapien entwickelt werden, die gezielt auf die zugrunde liegenden Mechanismen wirken.
- Die Wirksamkeit von Therapien zu überwachen: Die Analyse des Liquors kann verwendet werden, um die Wirksamkeit von Therapien zu überwachen und gegebenenfalls anzupassen.
Ablauf einer Lumbalpunktion
Die Lumbalpunktion wird in der Regel im Sitzen oder in Seitenlage durchgeführt. Nach Desinfektion der Punktionsstelle wird eine dünne Nadel zwischen zwei Lendenwirbeln in den Rückenmarkskanal eingeführt. Durch die Nadel werden einige Milliliter Liquor entnommen. Der Eingriff dauert in der Regel nur wenige Minuten.
Risiken und Nebenwirkungen der Lumbalpunktion
Die Lumbalpunktion ist ein relativ sicheres Verfahren, aber wie bei jedem medizinischen Eingriff gibt es auch hier Risiken und Nebenwirkungen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:
- Kopfschmerzen: Kopfschmerzen treten bei etwa 10-30% der Patienten nach einer Lumbalpunktion auf. Sie werden in der Regel durch einen niedrigen Liquordruck verursacht und können durch Liegen und ausreichende Flüssigkeitszufuhr gelindert werden.
- Rückenschmerzen: Rückenschmerzen sind eine weitere häufige Nebenwirkung der Lumbalpunktion. Sie sind in der Regel mild und verschwinden innerhalb weniger Tage.
- Bluterguss an der Punktionsstelle: Ein Bluterguss an der Punktionsstelle ist in der Regel harmlos und verschwindet innerhalb weniger Tage.
Seltene, aber schwerwiegende Komplikationen der Lumbalpunktion sind:
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- Infektion: Eine Infektion an der Punktionsstelle ist sehr selten, kann aber schwerwiegende Folgen haben.
- Hirnblutung: Eine Hirnblutung ist eine sehr seltene Komplikation der Lumbalpunktion.
- Nervenschädigung: Eine Nervenschädigung ist eine sehr seltene Komplikation der Lumbalpunktion.
Teilnahmevoraussetzungen und Ablauf der Studienteilnahme
Die genauen Teilnahmevoraussetzungen für die einzelnen Studien variieren. In der Regel werden gesunde Kontrollpersonen und Patienten mit bestimmten Erkrankungen gesucht. Interessenten werden in der Regel von der Studienärztin bzw. dem Studienarzt über die Ziele, den Ablauf, die Risiken und den Nutzen der Studie aufgeklärt. Die Teilnahme an einer Studie ist immer freiwillig.
Der Ablauf der Studienteilnahme umfasst in der Regel:
- Aufklärungsgespräch: Die Studienärztin bzw. der Studienarzt informiert den Interessenten über die Studie.
- Einverständniserklärung: Der Interessent erklärt schriftlich sein Einverständnis zur Teilnahme an der Studie.
- Voruntersuchungen: Es werden Voruntersuchungen durchgeführt, um festzustellen, ob der Interessent für die Studie geeignet ist.
- Studienteilnahme: Der Teilnehmer nimmt an den in der Studie vorgesehenen Untersuchungen und Behandlungen teil.
Bedeutung der Studienteilnahme
Die Teilnahme an klinischen Studien ist ein wichtiger Beitrag zur medizinischen Forschung. Durch die Teilnahme an Studien können Patienten dazu beitragen, neue Diagnose- und Therapieverfahren zu entwickeln und die Versorgung von Patienten mit neurodegenerativen und psychiatrischen Erkrankungen zu verbessern.
Weitere bildgebende Verfahren
Neben der Lumbalpunktion werden in der Diagnostik neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen auch bildgebende Verfahren eingesetzt:
- Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist ein bildgebendes Verfahren, das auf der unterschiedlichen Magnetisierbarkeit verschiedener Gewebe beruht. Sie ermöglicht eine sehr differenzierte Darstellung des Gehirns und wird häufig zur Diagnose von Demenzerkrankungen eingesetzt. Patienten mit Herzschrittmachern oder magnetisierbaren Implantaten können diese Untersuchungsmethode nicht nutzen.
- Funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT): Die fMRT ist eine Weiterentwicklung der MRT, die es ermöglicht, aktive Bereiche des Gehirns von inaktiven zu unterscheiden. Der Patient löst während der Untersuchung spezifische Aufgaben, und der Arzt kann die aktiven Hirnbereiche den verschiedenen Funktionen zuordnen.
- Computertomografie (CT): Bei der CT wird ein eng fokussierter Röntgenstrahl verwendet, der den Körper aus mehreren Richtungen durchleuchtet. Sie wird insbesondere in der Notfalldiagnostik eingesetzt und wenn eine MRT-Untersuchung nicht möglich ist.
- Positronen-Emissions-Tomographie (PET): Die PET ist ein bildgebendes Verfahren, das der Darstellung von Stoffwechselvorgängen oder von spezifischen Proteinen bzw. Proteinablagerungen im Gehirn dient. Sie wird häufig zur besseren Abgrenzung verschiedener Demenzerkrankungen voneinander eingesetzt.
Weitere Biomarker
Neben der Liquordiagnostik werden auch andere Biomarker in der Forschung untersucht:
- Lipoprotein(a) (Lp(a)): Lp(a) ist ein Fett, dessen Erhöhung in Zusammenhang mit dem Auftreten von Engstellen und Gefäßverschlüssen, mit Herzinfarkten, Schlaganfällen und der Schaufensterkrankheit steht. Im Rahmen der ACCLAIM-Lp(a) Studie wird die Wirksamkeit und Sicherheit eines Prüfpräparats zur Senkung des Lp(a)-Wertes untersucht.
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