Prostatakrebs und Alzheimer: Ein möglicher Zusammenhang in der Urologie

Die Urologie befasst sich intensiv mit dem Prostatakrebs, einer der häufigsten Krebserkrankungen bei Männern. Jüngste Forschungsergebnisse deuten auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Behandlungen für Prostatakrebs und dem Auftreten von Alzheimer-Demenz hin. Dieser Artikel beleuchtet diesen Zusammenhang, basierend auf aktuellen Studien und Erkenntnissen.

Prostatakrebs: Eine Übersicht

Prostatakrebs ist in Europa die häufigste Krebsart und die dritthäufigste Ursache für Krebstodesfälle bei Männern. Der Verlauf der Erkrankung ist jedoch sehr unterschiedlich. Einige Patienten leiden an aggressiven Formen, während andere indolente (wenig aggressive) Varianten aufweisen. Dies führt oft zu unnötigen Operationen, da bestehende Biomarker und Klassifikationsmodelle nicht immer zuverlässig sind. Daher besteht ein großer Bedarf an besseren Biomarkern, die eine frühzeitige Prognose des Krankheitsverlaufs ermöglichen.

Frühe Diagnose und Bildgebung

Eine aktuelle Studie untersuchte den Nutzen der PSMA-PET/CT (Prostata-Spezifisches Membran-Antigen Positronen-Emissions-Tomographie/Computertomographie) für die Erstdiagnostik von Prostatakrebs. Das PSMA ist ein Protein, das vermehrt auf der Oberfläche von Prostatakrebszellen vorkommt. Bei der PSMA-PET/CT wird eine schwach radioaktiv markierte Variante von PSMA injiziert, die sich an diese Zellen anreichert. Die nachfolgende PET/CT ermöglicht die Lokalisierung der markierten Zellen, sowohl in der Prostata als auch in umliegenden Lymphknoten oder entfernten Geweben.

Die Studie ergab, dass die PET/CT-gestützte Biopsie mehr Tumoren identifizieren konnte als die herkömmliche MRT-geführte Biopsie. Die Kombination beider Verfahren ermöglichte eine differenziertere Aussage über die Tumorausdehnung und -aggressivität. In rund einem Drittel der Fälle beeinflussten diese Erkenntnisse die Therapieentscheidung, meist in Form einer Therapieintensivierung.

Der ProstaTrend-Score

Einem Forschungsteam ist es gelungen, prognostische Biomarker für das Prostatakarzinom zu identifizieren, die eine genauere Vorhersage des Krankheitsverlaufs ermöglichen. Die Forschenden analysierten Veränderungen im gesamten Transkriptom, also der Genaktivität aller Gene. Sie waren auf der Suche nach Gensignaturen, die eine zuverlässige prognostische Aussage ermöglichen. Mehr als zweihundert Gewebeproben von operierten Prostatakarzinompatienten wurden dafür analysiert.

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In einer Überlebenszeitanalyse wurde die Expression einzelner Gene dann mit dem klinischen Verlauf abgeglichen. Dafür wurde die gewonnene Evidenz aus Kohorten von unterschiedlichen Arten von Probenmaterial mittels einer statistischen Meta-Analyse zusammengeführt. Für jeden Patienten wurden alle selektierten Gene in einem prognostischen Genexpressions-Score, dem ProstaTrend-Score zusammengeführt. Der ProstaTrend-Score zeigte sehr gute prognostische Effekte und korrelierte mit den Überlebenszeiten der Patienten. Mit Hilfe des ProstaTrend-Score ließ sich genau einordnen, ob es sich um eine aggressive Form des Prostatakarzinoms handelt oder um eine indolente Variante.

Androgendeprivationstherapie und Demenzrisiko

Einige Studien deuten auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der Androgendeprivationstherapie (ADT), einer gängigen Behandlungsmethode für fortgeschrittenen Prostatakrebs, und einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Alzheimer-Demenz hin.

Was ist Androgendeprivationstherapie?

Die Androgendeprivationstherapie, auch Hormontherapie genannt, zielt darauf ab, die Produktion von Androgenen, insbesondere Testosteron, zu reduzieren. Testosteron fördert das Wachstum von Prostatakrebszellen, daher kann die Reduktion des Testosteronspiegels das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Dies kann durch operative Entfernung der Hoden (Orchiektomie) oder durch Medikamente erreicht werden, die die Testosteronproduktion unterdrücken.

Studienergebnisse zum Zusammenhang

Eine retrospektive Analyse von US-Krankenhausdaten ergab, dass Männer, die sich einer ADT unterzogen, häufiger an Alzheimer-Demenz erkrankten. Eine Studie, die im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht wurde, wertete die elektronischen Krankenakten von 16.888 Patienten aus. Bei 2.397 Patienten (14,2 Prozent) war über median 2,7 Jahre ein Androgenentzug durchgeführt worden. Diese Patienten wurden signifikant häufiger mit Alzheimer-Demenz diagnostiziert als Patienten ohne Hormontherapie. Das Risiko war in der traditionellen Multivariat-Analyse um 66 Prozent und in der moderneren „Propensity Score“-Analyse um 88 Prozent erhöht.

Besonders auffällig war ein Anstieg des Risikos mit der Dauer der Therapie: Patienten, bei denen der Androgenentzug über mehr als 12 Monate fortgesetzt wurde, hatten ein 2,12-fach erhöhtes Risiko. Diese Dosis-Wirkungsbeziehung deutet auf einen kausalen Zusammenhang hin.

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Eine andere Studie, die die Daten von 154.089 Männern analysierte, die zwischen 1996 und 2003 die Diagnose Prostatakrebs erhalten hatten, zeigte ähnliche Ergebnisse. Eine bei 62.330 Patienten durchgeführte Androgendeprivationstherapie ließ über den durchschnittlichen Beobachtungszeitraum von 8,3 Jahren das Alzheimer- und Demenz-Risiko jeweils um 19 % nach oben schnellen. Bei acht und mehr Dosen betrug der Anstieg sogar 24 bzw. 21 %.

Mögliche Mechanismen

Der genaue Mechanismus, der diesen Zusammenhang erklärt, ist noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Hypothesen:

  • Modifizierende Wirkung: Die ADT könnte bestehende Alzheimer-Risikofaktoren wie Diabetes, Depression oder kardiovaskuläre Probleme verstärken.
  • Testosteronmangel: Zu niedrige Testosteronlevel könnten neuronalem Wachstum und Nervenzellen schaden.
  • Kognitive Beeinträchtigung: Die ADT könnte sich negativ auf die kognitive Leistungsfähigkeit der Patienten auswirken und so die Entstehung von Demenzen begünstigen.

Einschränkungen und weitere Forschung

Es ist wichtig zu beachten, dass die meisten Studien zu diesem Thema retrospektiv sind. Das bedeutet, dass sie auf bereits vorhandenen Daten basieren und keine direkten Kausalitätsbeweise liefern können. Weitere prospektive Studien sind erforderlich, um den Zusammenhang zwischen ADT und Demenzrisiko besser zu verstehen.

Implikationen für die klinische Praxis

Die Erkenntnisse über den möglichen Zusammenhang zwischen ADT und Demenzrisiko haben wichtige Implikationen für die klinische Praxis:

  • Sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung: Ärzte sollten die Vor- und Nachteile der ADT bei Patienten mit Prostatakrebs sorgfältig abwägen, insbesondere bei Patienten mit einer längeren Lebenserwartung.
  • Berücksichtigung von Alternativen: In einigen Fällen könnten alternative Behandlungsoptionen in Betracht gezogen werden, um das Demenzrisiko zu minimieren.
  • Aufklärung der Patienten: Patienten sollten über den möglichen Zusammenhang zwischen ADT und Demenzrisiko informiert werden, damit sie informierte Entscheidungen treffen können.
  • Früherkennung und Management von Risikofaktoren: Ärzte sollten Patienten, die sich einer ADT unterziehen, auf Anzeichen von kognitiven Beeinträchtigungen überwachen und Risikofaktoren für Demenz wie Diabetes, Depression und kardiovaskuläre Probleme frühzeitig erkennen und behandeln.

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