Etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Krebs. Bei den drei häufigsten Tumorarten - Brust-, Prostata- und Lungenkrebs - finden sich bis zu 85 % der Metastasen in der Wirbelsäule. Prostatakrebs stellt damit die dritthäufigste Krebserkrankung nach Lungen- und Darmtumoren dar.
Wenn Krebs die Vorsteherdrüse (Prostata) befällt, kann er auch in die Knochen streuen. Für die Patienten kann dies unerträgliche Schmerzen, Gefühlsstörungen oder sogar Lähmungen zur Folge haben, da diese Metastasen das neurologische Gewebe schädigen und die Struktur der Wirbelkörper schwächen.
Ursachen und Entstehung von Wirbelsäulenmetastasen bei Prostatakrebs
Knochenmetastasen bedeuten, dass der Prostatakrebs schon weiter fortgeschritten ist und sich ausgebreitet hat. Bei etwa 80 Prozent der Männer mit metastasiertem Prostatakrebs haben die bösartigen Tumorzellen auch die Knochen befallen. Besonders in Gefahr sind die Wirbelsäule, das Becken und der Brustkorb.
Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Prostatakarzinoms sind weiterhin nicht abschließend geklärt. Die Krebszellen breiten sich über die Blut- und Lymphwege auf die Knochen aus - dort entstehen Krebsabsiedelungen oder Tochtergeschwülste des ursprünglichen Prostatatumors. Es handelt sich um ein multifaktorielles Geschehen, bei dem genetische Prädisposition, Lebensstil und Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Gesichert ist jedoch, dass bestimmte Risikofaktoren das Erkrankungsrisiko deutlich erhöhen.
Symptome von Knochenmetastasen in der Wirbelsäule
Oftmals werden Knochentumor oder Metastasen an der Wirbelsäule lange Zeit nicht bemerkt, weil sie zunächst keine Symptome verursachen. Die Symptome bei Knochenmetastasen sind oft unspezifisch und lassen sich nicht immer sofort genau einordnen, weil sie auch bei vielen bei anderen Erkrankungen vorkommen. Manche Männer haben keine Beschwerden und bemerken nichts von den Metastasen in ihren Knochen.
Lesen Sie auch: Symptome von Hirnmetastasen bei Prostatakrebs
Treten erste Schmerzsymptome auf, werden die oft erst anderen Ursachen zugerechnet. So können Schmerzen im Nacken auf Metastasen in der Hals- und oberen Brustwirbelsäule zurückzuführen sein. Metastasen der Lendenwirbelsäule können Kreuzschmerzen im unteren Rückenbereich verursachen. Metastasen des Kreuzbeins lösen Schmerzen im tiefen Bereich des Rückens und am Becken aus. In den meisten Fällen jedoch haben diese Schmerzen tatsächlich andere, weniger gravierende Ursachen. Wenn der Tumor oder eine Knochenmetastase auf das Rückmarkt drückt, äußert sich das meist durch mehr oder minder gravierende Ausfallerscheinungen, etwa in Armen oder Beinen.
Anhaltspunkte dafür, dass sich in den Knochen Unheil anbahnt, sind:
- Knochenschmerzen: Knochenschmerzen sind der häufigste Hinweis auf Metastasen bei Prostatakrebs. Allerdings treten sie längst nicht bei jedem Mann auf. Der Schmerzort hängt davon ab, an welcher Stelle im Körper sich die Metastasen genau gebildet haben. So deuten zum Beispiel Rückenschmerzen (unterer Rücken) auf Metastasen in der Lendenwirbelsäule hin.
- Knochenbrüche: Knochenbrüche, die sich nicht durch einen Sturz oder Unfall erklären lassen, können ein Alarmzeichen sein und auf Knochenmetastasen hindeuten. Manchmal genügen schon geringste mechanische Einwirkungen, zum Beispiel ein leichter Stoß, um den Knochen brechen zu lassen.
- Wirbelbrüche: Wenn die Knochenmetastasen die Wirbelsäule betreffen, können die Wirbelkörper brechen und die Nerven oder das Rückenmark einquetschen. Missempfindungen (beispielsweise Kribbeln), Taubheitsgefühle und Lähmungen können die Folgen und Anzeichen für Metastasen in den Knochen sein.
- Erhöhter Kalziumspiegel: Erhöhte Kalziumwerte im Blut (Hyperkalzämie) können auf Knochenmetastasen hindeuten. Aufgrund der Umbauprozesse im Knochen steigt der Kalziumspiegel im Blut an und der Mineralhaushalt gerät aus dem Lot.
- Störungen im Knochenmark: Störungen im Knochenmark (Knochenmarkkarzinose) entstehen, wenn sehr viele Krebszellen das Knochenmark befallen haben und somit die Blutbildung im Knochenmark gestört ist.
Diagnostik von Wirbelsäulenmetastasen
Ärzte und Ärztinnen haben verschiedene Möglichkeiten, Knochenmetastasen bei einem Verdacht auf die Spur zu kommen. Die Tochtergeschwulste lassen sich vor allem mit Hilfe bildgebender Verfahren erkennen. Sie liefern Aufnahmen von den Knochen und den umgebenden Strukturen. Medizinische Fachleute sehen aber nicht nur, ob Metastasen vorhanden sind, sondern auch wie viele und wie groß diese sind. Erkennbar ist zudem, wie stabil die Knochen noch sind. Darüber hinaus lassen sich Metastasen in anderen Organen aufdecken, etwa der Leber oder Lunge. Von diesen Faktoren hängt die Wahl der Therapie entscheidend ab. Weil keine der folgenden Diagnoseverfahren 100-prozentig sichere Ergebnisse liefert, kommen meist mehrere Methoden in Kombination zum Einsatz.
- Szintigrafie: Radiologen oder Radiologinnen injizieren schwach radioaktive Teilchen in die Blutbahn. Sie reichern sich verstärkt in jenen Bereichen des Knochens an, in denen größere Umbauprozesse stattfinden.
- Röntgenuntersuchung: Sie zeigt, ob und inwieweit der Knochen durch die Metastasen zerstört ist.
- Computertomografie (CT): Diese Methode arbeitet ebenfalls mit Röntgenstrahlen und liefert sehr genaue Bilder aus dem Körperinneren. Das CT zeigt schon kleinere Veränderungen der Knochen.
- PSMA-PET/CT: PSMA ist die Abkürzung für prostataspezifisches Membranantigen - ein Eiweiß, das auf Prostatakrebszellen vermehrt vorkommt. Die Bilder zeigen die Stoffwechselaktivität von Tumorzellen (PET) im aufgenommenen Körperbereich (CT).
- Magnetresonanztomografie (MRT oder Kernspintomografie): Dabei arbeiten radiologische Fachleute mit starken Magnetfeldern und Radiowellen. Die MRT liefert zusätzlich Bilder vom Rückenmark und den Nerven, die sich mittels Röntgenstrahlen nicht abbilden lassen.
- Knochenbiopsie: Dabei entnehmen Ärzte und Ärztinnen eine Gewebeprobe (Biopsie) aus dem verdächtigen Knochenbereich. Diese untersucht ein Pathologe oder eine Pathologin anschließend im Labor unter dem Mikroskop auf Krebszellen.
Behandlungsmöglichkeiten von Wirbelsäulenmetastasen
Es gibt verschiedenen Möglichkeiten zur Behandlung von Knochenmetastasen. Welche Therapie in Frage kommt, hängt von der Anzahl der Metastasen, deren Ausdehnung und den Beschwerden eines Mannes ab. Die Behandlungen zielen darauf ab, die Schmerzen und andere Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Alle Maßnahmen sind Teil der palliativen Behandlungen, weil metastasierter Prostatakrebs in der Regel nicht mehr heilbar ist.
STAR-Ablation: Da die operative Entfernung von Wirbelkörpertumoren bisher nicht zufriedenstellend war, entwickelten Experten eine hitzebasierte Technik namens STAR-Ablation. Mittels Radiofrequenzenergie lassen sich Wirbelkörpermetastasen nun erstmals auch gezielt an der Wirbelsäule beseitigen. Mit dem minimalinvasiven Eingriff werden Metastasen präzise und kontrolliert beseitigt. Die STAR-Ablation verspricht deutlich bessere Resultate als konventionelle Verfahren. Sie ermöglicht die zielgerichtete Behandlung von strahlungsresistenten Tumoren. Zunächst wird Tumorgewebe im Wirbelkörper punktuell mithilfe der Radiofrequenzenergie, also Hitze, zerstört, ohne dabei die empfindlichen Nachbarstrukturen zu gefährden. Sofern notwendig wird der entstandene Hohlraum mit einem sehr zähflüssigen Knochenzement wieder aufgefüllt.
Lesen Sie auch: Mögliche Verbindung: Prostatakrebs und Alzheimer
Operation: Metastasen oder Knochentumore an der Wirbelsäule müssen in der Regel operativ entfernt oder zumindest soweit reduziert werden, dass sie nicht mehr auf den Spinalkanal drücken. Anschließend muss der durch den Tumor angegriffene Wirbelkörper meist stabilisiert werden. Das kann mit Knochenzement im Rahmen einer Vertebroplastie oder einer Kyphoplastie, wie bei oesteoporotischen Wirbelbrüchen, geschehen oder auch durch eine Versteifung zweier Wirbelkörper. Eine Operation bei Knochenmetastasen kommt in Frage, wenn die Gefahr des Knochenbruchs besteht, der Knochen schon gebrochen ist oder Lähmungserscheinungen bestehen. Chirurgen und Chirurginnne versuchen, den Knochen mit Schrauben oder Drähten wieder zu stabilisieren.
Hormontherapie: Die Hormontherapie eignet sich für Männer mit Knochenmetastasen und „hormonnaivem“ Prostatakrebs. Das bedeutet: Tumor und Metastasen wachsen unter Hormoneinfluss und lassen sich noch durch den Entzug des männlichen Geschlechtshormons Testosteron aufhalten.
Chemotherapie: In diesem Fall kann eine Chemotherapie mit Zellgiften (Zytostatika) helfen, die ebenfalls im gesamten Körper wirkt. Zum Einsatz kommt meist das Chemotherapeutikum Docetaxel, das alle zwei bis drei Wochen verabreicht wird. Wenn die Krebserkrankung dennoch fortschreitet, ist Cabazitaxel eine Möglichkeit. Die Hormontherapie lässt sich auch mit der Chemotherapie kombinieren.
Bestrahlung: Eine Bestrahlung über die Haut (perkutane Strahlentherapie) wählen Radiologen und Radiologinnen, wenn nur wenige Knochenmetastasen - also einzelne Herde - nachweisbar sind. Die Metastasen im Knochen lassen sich mit Hilfe der Strahlen gezielt behandeln. Sie kommt zum Einsatz, wenn:
- das Risiko für Knochenbrüche erhöht ist
- Sie unter Knochenschmerzen leiden
- eine Operation die Knochen stabilisiert hat
- Schäden an der Wirbelsäule, Querschnittslähmung oder Nervenschäden durch den Druck der Metastasen drohen
Die Bestrahlung lindert die Schmerzen nach wenigen Tagen bei mehr als 80 Prozent der Männer. Bei mindestens 50 Prozent hält die schmerzlindernde Wirkung sechs Monate oder sogar länger an. Außerdem stabilisiert die Strahlentherapie den Knochen wieder.
Lesen Sie auch: Urologische Perspektive: Prostatakrebs und Alzheimer
Radionuklidtherapie: Dann bestrahlen Ärzte die Knochen „von innen“ mit Hilfe sogenannter Radionuklide, zum Beispiel mit Strontium-89, Rhenium-186, Samarium-153 oder Radium 223. Ärzte und Ärztinnen injizieren die radioaktiven Strahler einmalig ins Blut. Sie wandern zu den Knochen, lagern sich dort ein und entfalten dann ihre Wirkung direkt vor Ort: Sie schädigen die Krebszellen. Radionuklide lindern die Schmerzen bei 60 bis 80 Prozent der Männer für durchschnittlich zwei bis vier Monate. Daneben bremsen die Substanzen Entzündungen und verkleinern die Metastasen meist - ganz verschwinden sie in der Regel jedoch nicht.
Bisphosphonate und Antikörper: Bisphosphonate sind Medikamente, die den Knochenabbau bremsen. Für Männer mit Prostatakrebs eignet sich das Bisphosphonat Zoledronsäure in Kombination mit Vitamin D. Bisphosphonate lindern die Schmerzen, stabilisieren die Knochen und senken die Gefahr, dass sie brechen. Eine Kiefernekrose müssen Sie sofort behandeln lassen.
In manchen Fällen ist der Antikörper Denosumab, ebenfalls kombiniert mit Vitamin D, eine Alternative zu Bisphosphonaten. Das Medikament bremst die Aktivität der knochenabbauenden Zellen.
Schmerztherapie: Prostatakrebs kann im fortgeschrittenen Stadium sehr schmerzhaft werden. Das gilt vor allem, wenn sich die Knochenmetastasen in der Wirbelsäule gebildet haben. Der gesamte Körper, Geist und die Psyche leiden, wenn ein Mensch Schmerzen hat. Auch der Alltag und die Lebensqualität sind oft erheblich eingeschränkt. Deswegen ist eine gute Schmerztherapie so wichtig.
Palliativmedizin
Die Palliativmedizin soll die Lebensqualität von Patienten (und ihrer Angehörigen) verbessern, bei deren Erkrankung keine kurative (heilende) sondern nur noch eine palliative (lindernde) Behandlung möglich ist. Dies geschieht durch Vorbeugung gegen körperliche, psychische, soziale und spirituelle Probleme sowie deren Behebung oder Linderung.
Nach der aktuellen Behandlungsleitlinie ist das Ziel der Palliativtherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom das Verbessern ihrer Lebensqualität durch wirksame Behandlung von belastenden Symptomen. Häufig kommt es demnach in diesem Fall zu Schmerzen, Erschöpfung (Fatigue-Syndrom), Gewichtsverlust, Angst, Depression und Beschwerden an betroffenen Organen.
Die Möglichkeiten der Palliativtherapie sollen nach der Leitlinie mit dem Patienten und seinen Angehörigen frühzeitig und ausführlich besprochen werden. Dies beinhaltet auch Informationen über alle verfügbaren Betreuungsangebote und Behandlungsmethoden sowie das Erstellen eines umfassenden Behandlungsplans. Letzterer soll unter Berücksichtigung der Wünsche des Patienten und interdisziplinär (unter Beteiligung von Personen aus verschiedenen Fachrichtungen) festgelegt werden.
Psychoonkologische Betreuung
Die Diagnose Krebs kann sich erheblich auf das seelische und soziale Leben von Betroffenen auswirken. Psychoonkologen (psychosoziale Onkologen) sind speziell auf diesem Gebiet geschulte Ärzte oder Psychologen, die Krebspatienten und ihre Angehörigen begleiten, beraten und behandeln. Ziel ist, sie bei der Bewältigung der Krankheit zu unterstützen, körperliche Beschwerden (z. B. Schmerz) und psychische Belastungen zu verringern und die Lebensqualität zu verbessern.
Forschung für neue Therapieansätze
Leider wirken in diesem Stadium etablierte Therapieoptionen nicht mehr, deshalb suchen Forscher nach neuen Wirkstoffen. Ein internationales Forscherteam unter maßgeblicher Beteiligung von Prof. Dr. Michael Muders von der Universität Bonn zeigt, dass eine Blockade des Proteins Neuropilin 2 neue innovative Behandlungsmethoden des knochenmetastasierten Prostatakarzinoms ermöglichen könnte.
Zusammen mit seinen Kollegen aus der Pathologie der Mayo Clinic begutachtete Prof. Muders Gewebe, das sowohl aus dem Krebs in der Prostata als auch aus den Knochenmetastasen stammte. “Dabei zeigte sich, dass insbesondere die Metastasen viel Neuropilin 2 enthielten”, schildert Prof. Muders seine Forschungsergebnisse. „Daneben konnten wir zeigen, dass auch spezialisierte Knochenzellen, die sogenannten Osteoklasten, viel Neuropilin 2 aufweisen“, sagt Prof. Datta, zusammen mit Muders Korrespondenzautor der Studie. Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass NRP2 bei der Absiedlung der Prostatakarzinome in das Skelett eine wichtige Rolle spielt.
tags: #prostatakrebs #metastasen #ruckenmark