Sehnerv-Finger-Täuschung: Ursachen und Auswirkungen auf das Sehen

Sehstörungen bei Kindern können frühzeitig auftreten und bei rechtzeitiger Behandlung oft vollständig zurückgebildet werden. Allerdings werden viele Sehstörungen bei Kindern zu spät erkannt, da die Kleinen oft nicht wissen, dass sie schlecht sehen. Im Folgenden werden verschiedene Aspekte von Sehstörungen, visuellen Illusionen und deren Ursachen beleuchtet, um ein umfassendes Verständnis dieses komplexen Themas zu ermöglichen.

Kindliche Sehstörungen: Symptome und Früherkennung

Frühe kinderärztliche Untersuchungen, wie die U3, U5, U7a und U8, sind entscheidend, um mögliche Sehprobleme frühzeitig zu erkennen. Bei der U3 wird beispielsweise auf Linsentrübungen geachtet, während bei der U5 das Schielen mithilfe eines Augenspiegels festgestellt werden kann. Die U7a und U8 überprüfen das dreidimensionale Sehen des Kindes.

Risikofaktoren für Augenerkrankungen bei Babys sind Frühgeburt, erbliche Augenerkrankungen in der Familie sowie starke Fehlsichtigkeit oder Schielen bei den Eltern oder Geschwistern. Für Kinder ohne besondere Risikofaktoren wird eine erste augenärztliche Untersuchung im Alter zwischen zwei und drei Jahren empfohlen.

Häufige Sehprobleme bei Kindern sind Schielen (Strabismus), Weitsichtigkeit (Hyperopie), Kurzsichtigkeit (Myopie) und Hornhautverkrümmung (Astigmatismus).

Schielen (Strabismus)

Beim Schielen weicht ein oder beide Augen nach innen, außen, oben oder unten ab. Es ist meist harmlos, sollte aber behandelt werden, um langfristige Sehstörungen zu vermeiden. In seltenen Fällen ist Strabismus die Folge einer Linsentrübung, einer Augenverletzung oder einer Gehirnstörung.

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Es gibt auch das sogenannte Pseudo-Schielen, das bei kleinen Kindern durch eine breite, flache Nase oder eine Hautfalte am inneren Augenlid entstehen kann. Dieses Phänomen verschwindet in der Regel mit dem Wachstum des Kindes.

Weitsichtigkeit (Hyperopie)

Weitsichtige Kinder sehen in der Ferne scharf, in der Nähe jedoch verschwommen. Ursache ist ein zu kurzer Augapfel. Weitsichtigkeit ist bei Kindern bis zum achten Lebensjahr häufig und lässt oft mit dem Wachstum des Kindes nach. Eine Korrektur mit einer Brille ist dennoch wichtig.

Kurzsichtigkeit (Myopie)

Kurzsichtige Kinder sehen in der Nähe scharf und in der Ferne verschwommen. Grund für die Myopie ist ein zu langer Augapfel. Kurzsichtigkeit bei Kindern hat in den letzten Jahren zugenommen, was laut dem Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) auf die vermehrte Nutzung von Smartphones, Tablets und Computern zurückzuführen ist. Um Kurzsichtigkeit vorzubeugen, sollten Kinder viel Zeit im Freien verbringen.

Hornhautverkrümmung (Astigmatismus)

Beim Astigmatismus ist die Hornhaut des Auges nicht gleichmäßig gekrümmt, wodurch Punkte als Striche wahrgenommen werden.

Symptome von Sehstörungen bei Kindern

Typische Symptome für Sehstörungen bei Babys und Kleinkindern sind:

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  • Schielen, das länger als ein paar Sekunden anhält
  • Häufiges Blinzeln, Reiben oder Zusammenkneifen der Augen
  • Ein ständig schräg gehaltener oder auffällig gedrehter Kopf
  • Häufiges Stolpern
  • Augenentzündungen
  • Äußerliche Auffälligkeiten der Augen

Zusätzliche Symptome bei älteren Kindern sind:

  • Fehlende Lust beim Malen, Basteln oder Lesen
  • Ängstliches oder ungeschicktes Verhalten
  • Lernschwierigkeiten in der Schule
  • Rasches Ermüden bei Konzentration
  • Häufige Kopfschmerzen

Funktionelle Sehstörungen und ihre Ursachen

Funktionelle Sehstörungen, auch psychogene Sehstörungen oder visuelle Konversionsstörungen genannt, sind dadurch gekennzeichnet, dass ophthalmologische und neurologische Untersuchungen keinen pathologischen, organischen Befund ergeben, der die Sehstörungen erklären könnte. Es handelt sich um eine subjektive Sehstörung, die in ihrer Ausprägung nicht in Relation zu einer vorliegenden Augenerkrankung steht.

Pathophysiologie

Die Pathophysiologie der funktionellen Sehstörung ist bislang ungeklärt. Nach Sigmund Freud handelt es sich bei einem Konversionssyndrom um eine Umkehrung eines seelischen Konfliktes in ein körperliches Symptom. Im Gegensatz zu Aggravation und Simulation ist der Konversionsvorgang eine unbewusste Reaktion des Körpers auf eine Stresssituation oder auf ein erlittenes Trauma.

Mögliche Auslöser für funktionelle Sehstörungen bei Kindern sind Probleme im schulischen oder familiären Umfeld, physischer und psychischer Missbrauch oder Traumata. Bei Erwachsenen können emotionale Stresssituationen und physische Traumata, wie sie beispielsweise bei Soldaten im Krieg auftreten, eine Rolle spielen.

Symptome

Die häufigsten Symptome bei funktionellen Sehstörungen sind Visusverschlechterung bis hin zum Visusverlust, Verschwommensehen und/oder Gesichtsfelddefekte, die sich häufig als konzentrische Einengung äußern. Bei Kindern ist die Bilateralität der Sehstörungen häufiger, während bei Erwachsenen die Symptome häufiger einseitig auftreten. Weitere Symptome können Augenbewegungsstörungen, Blinzeltics, Augenverdrehen, Blickparesen, Farbsehstörungen und Trichotillomanie sein.

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Diagnose

Die Diagnose einer funktionellen Sehstörung ist eine Ausschlussdiagnose. Zunächst müssen organische Ursachen für die Sehstörungen ausgeschlossen werden. Hierzu werden verschiedene Untersuchungsmethoden eingesetzt, wie Refraktionsbestimmung, Visusprüfung, Spaltlampenuntersuchung, Gesichtsfeldprüfung, Tonometrie und Fundusuntersuchung. Bei Diskrepanzen zu den Angaben des Patienten muss in diesem speziellen Bereich genauer untersucht werden.

Elektrophysiologische Untersuchungen wie das Elektroretinogramm (ERG) und visuell evozierte Potenziale (VEP) können die normale Funktion der Netzhaut und die regelrechte Weiterleitung der Sehinformationen über den Sehnerven zum Gehirn objektiv nachweisen.

Differenzialdiagnosen

Bei Verdacht auf eine funktionelle Sehstörung müssen andere mögliche Ursachen für die Sehstörungen ausgeschlossen werden. Hierzu gehören Netzhauterkrankungen, Sehnervenerkrankungen, internistische Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder dekompensierte Hypertonie, neurologische Erkrankungen und psychiatrische Erkrankungen wie Schizophrenie oder dissoziative Syndrome.

Therapie

Eine standardisierte Therapie bei funktionellen Sehstörungen gibt es nicht. Eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung ist die Basis für einen Rückgang oder ein Verschwinden der Sehstörung. Die Aufgabe des Untersuchers ist keinesfalls eine Bloßstellung oder eine Verurteilung der Patienten.

Visuelle Illusionen und ihre Ursachen

Visuelle Illusionen zeigen, dass unsere visuelle Wahrnehmung nicht immer die Realität widerspiegelt. Sie entstehen durch die Art und Weise, wie unser Gehirn visuelle Informationen verarbeitet und interpretiert.

Das Hermann-Gitter

Ein bekanntes Beispiel ist das Hermann-Gitter, bei dem an den Schnittpunkten weißer Linien graue Punkte erscheinen, die verschwinden, wenn man sie direkt ansieht. Diese Illusion entsteht durch die Arbeitsweise der Sehnerven auf der Netzhaut. Die Sehnerven reagieren besonders stark auf Kontraste zwischen hellen und dunklen Bereichen. An den Schnittpunkten der weißen Linien ist der Kontrast nicht so stark wie in den Linien selbst, wodurch die Schnittpunkte weniger weiß erscheinen und als graue Punkte wahrgenommen werden.

Unmögliche Figuren

Weitere Beispiele für visuelle Illusionen sind unmögliche Figuren, die auf den ersten Blick vernünftig aussehen, aber bei genauerer Betrachtung die Gesetze der Physik außer Kraft setzen. Diese Figuren setzen sich aus korrekt gemalten Teilen zusammen, die jedoch so miteinander verbunden sind, dass sie im normalen Leben nicht existieren können. Unser räumliches Sehen spielt uns hier einen Streich.

Größenillusionen

Auch die Größe von Objekten kann durch die Umgebung beeinflusst werden. Gleich große Figuren wirken unterschiedlich groß, je nachdem, was daneben abgebildet ist. So kann ein Kreis größer erscheinen, wenn er von kleineren Kreisen umgeben ist, als wenn er von größeren Kreisen umgeben ist.

ADHS und visuelle Probleme

Studien haben verschiedene visuelle Probleme bei Kindern mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) festgestellt. Dazu gehören visuell-perzeptive Probleme, Konvergenzinsuffizienz, beeinträchtigte Stereoakuität, häufigere refraktive Fehler, ein erhöhtes Risiko für Strabismus und Astigmatismus sowie Abweichungen in den Augenbewegungen und der Akkommodation.

Darüber hinaus finden sich bei ADHS neurophysiologische Veränderungen der Sehnerven, genetische Zusammenhänge mit dem DRD4-Dopaminrezeptor-Gen und asymmetrische Pupillendurchmesser.

Augenbewegungen bei ADHS

Kinder mit ADHS zeigen oft langsamere und variablere sakkadische Reaktionszeiten. Willkürliche Augenbewegungen werden durch den dlPFC (dorsolateralen präfrontalen Kortex) gesteuert, der eng mit der Aufmerksamkeitslenkung verbunden ist.

Pupillenreaktion bei ADHS

Eine Studie fand eine verringerte Leistung der Pupillenoszillationen bei Passivität mit minimaler Ablenkung ebenso wie bei Ruhebedingung ohne Ablenkung. Pupillenunruhe korreliert in hohem Maße zwischen den beiden Augen, was auf eine Steuerungsquelle auf der Ebene des Edinger-Westphal-Komplexes im Mittelhirn hindeutet. Der Edinger-Westphal-Komplex ist der wichtigste parasympathische präganglionäre motorische Knotenpunkt für den Pupillenschließmuskel und über verschiedene Bahnen mit dem katecholaminergen Netzwerk verbunden, unter anderem dem Locus Coeruleus.

Akkommodation bei ADHS

Kinder mit ADHS zeigten eine reduzierte Akkommodationsreaktion, die nicht durch den Akkommodationsreiz beeinflusst wurde.

Genetische Faktoren bei ADHS und Sehproblemen

Das D4-Dopaminrezeptor-Gen, DRD4, ist maßgeblich an der Umwandlung von Licht in elektrische Signale in der Retina beteiligt. Die DRD4 7R-Variante ist eines der stärksten Einzelgenrisiken für ADHS. Eine Dysfunktion des retinalen Dopamins könnte das neuroentwicklungsbedingte Wachstums des Auges beeinflussen, was zu refraktiven Fehlern führt. ADHS-Betroffene haben ein erhöhtes Kurzsichtigkeitsrisiko.

Evulsio nervi optici

Die Evulsio nervi optici ist eine seltene Form der traumatischen Optikusneuropathie, bei der der Sehnerv aus dem Augapfel herausgerissen wird.

Eine Literaturrecherche ergab, dass das Durchschnittsalter der Patienten mit Evulsio nervi optici 22 Jahre beträgt. In 65 % der Fälle lag eine komplette Evulsio nervi optici vor. Bei 30 % der Patienten war ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und bei 70 % ein Gesichtstrauma vorhanden.

Weitere Ursachen für Sehstörungen

Neben den bereits genannten Ursachen gibt es noch weitere Faktoren, die zu Sehstörungen führen können.

Glaukom

Als Glaukom bezeichnen Mediziner Augenkrankheiten, bei denen der Sehnerv geschädigt und oftmals ein erhöhter Augeninnendruck vorhanden ist. Eine Flüssigkeitsansammlung in den Augenkammern zwischen der Hornhaut vorne und der Linse hinten lässt den Innendruck des Auges steigen. Unbehandelt kann ein Glaukom zur Erblindung führen.

Augenlidentzündung (Blepharitis)

Eine Augenlidentzündung kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, wie Bakterien, Viren oder Allergien. Symptome sind gerötete, geschwollene und juckende Augenlider.

Hornhautentzündung (Keratitis)

Eine Hornhautentzündung wird häufig durch Bakterien, Viren oder Pilze verursacht. Auch Fremdkörper oder Kratzer auf der Hornhaut können eine Entzündung auslösen.

Entzündung der mittleren Augenhaut (Uveitis)

Eine Uveitis kann verschiedene Ursachen haben, wie Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder Verletzungen. Symptome sind gerötete Augen, Schmerzen und Sehstörungen.

Entzündung der Lederhaut (Skleritis)

Eine Skleritis ist eine seltene, aber schmerzhafte Entzündung der Lederhaut. In bis zu 50 Prozent der Fälle geht die Skleritis auf Autoimmunerkrankungen zurück.

Ursachen für Augenschmerzen im Umfeld der Augen

Auch Ursachen im Umfeld der Augen können zu Augenschmerzen führen. So können Kopfschmerzen zu Sehstörungen und entzündete Nasennebenhöhlen zu Schmerzen im Augenbereich führen.

Neuroophthalmologische Syndrome

Neuroophthalmologische Syndrome können in Form von Sehstörungen die visuelle Afferenz betreffen oder als Augenbewegungsstörungen die okulomotorische Efferenz.

Die primäre Funktion von Augenbewegungen ist es, durch stabile Positionierung der Abbilder der visuellen Welt auf der Netzhaut einen ungestörten Sehvorgang und eine konstante Raumwahrnehmung zu ermöglichen.

Okulomotorische Systeme

Die sechs okulomotorischen Systeme (sakkadisches System, Augenfolgesystem, vestibulookulärer Reflex, Vergenzbewegung, Fixation und optokinetischer Nystagmus) ergänzen sich in idealer Weise, um die Stabilität unserer visuellen Wahrnehmung unter den verschiedensten Bedingungen zu gewährleisten.

Klinische Untersuchung

Der klinische Untersuchungsgang umfasst die Beurteilung der spontanen Augenstellung, der allgemeinen Bulbusmotilität, der Fixationsstörungen und der Sakkaden.

Blickparese

Eine Blickparese ist eine Lähmung der konjugierten Wendung beider Bulbi in eine bestimmte Richtung.

Nystagmus

Nystagmusphänomene stellen rhythmische, in 2 Phasen ablaufende, unwillkürliche okuläre Oszillationen dar, die in aller Regel aus einer schnellen und einer langsamen Komponente von etwa gleicher Amplitude bestehen.

Halluzinationen

Halluzinationen sind Wahrnehmungsstörungen, die unsere fünf Sinne betreffen. Sie können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, wie Schlafentzug, Flüssigkeitsmangel, hohes Fieber, Drogen- oder Alkoholentzug oder psychische Erkrankungen.

Bei einer Halluzination reagieren die Gehirnnerven nicht auf äußere Sinnesreize, sondern auf von innen kommende Störsignale.

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