Mutterkraut: Wirkung auf das Gehirn und Anwendung bei Migräne

Das Mutterkraut (Tanacetum parthenium) ist eine traditionelle Heilpflanze, die seit Jahrhunderten in der Volksmedizin eingesetzt wird. In den letzten Jahren hat das Interesse an ihren vielfältigen gesundheitlichen Vorteilen, insbesondere im Hinblick auf die Gehirnfunktion und die Behandlung von Migräne, zugenommen. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungen des Mutterkrauts auf das Gehirn, seine Anwendung bei Migräne und weitere potenzielle Anwendungsgebiete.

Mutterkraut: Eine Pflanze mit langer Tradition

Das Mutterkraut, auch bekannt als Zierkamille oder falsche Kamille, ist eine mehrjährige Staude, die zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) gehört. Es stammt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum, hat sich aber durch Kultivierung und Handel in vielen Teilen der Welt verbreitet. Bereits in der Antike wurde das Mutterkraut in der griechischen und römischen Medizin zur Behandlung verschiedener Beschwerden eingesetzt, darunter Menstruationsbeschwerden, Fieber und Kopfschmerzen.

Im Laufe der Geschichte wurde das Mutterkraut in Kloster- und Bauerngärten angebaut und in Kräuterbüchern des Mittelalters und der Renaissance ausführlich beschrieben. Im 20. Jahrhundert erlebte das Mutterkraut eine Renaissance in der Komplementärmedizin, insbesondere im Zusammenhang mit der Migräneprophylaxe.

Inhaltsstoffe und Wirkmechanismen

Die gesundheitlichen Wirkungen des Mutterkrauts werden hauptsächlich auf seine Inhaltsstoffe zurückgeführt, insbesondere auf Sesquiterpenlactone wie Parthenolid, ätherische Öle (Campher, Chrysanthenol) und Flavonoide.

Parthenolid, ein pflanzlicher Gegenspieler zu Serotonin, gilt als der wichtigste Wirkstoff bei der Migräneprophylaxe. Es hemmt die Ausschüttung des Neuropeptids CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide), das eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Gefäßerweiterungen und Entzündungen im Gehirn spielt, die mit Migräneattacken einhergehen. Durch die Hemmung der CGRP-Freisetzung kann Mutterkraut den Verlauf der Migräne positiv beeinflussen und die Intensität der Schmerzphasen verringern.

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Darüber hinaus besitzt das Mutterkraut entzündungshemmende, beruhigende und antioxidative Eigenschaften, die zu seinen vielfältigen gesundheitlichen Vorteilen beitragen können.

Mutterkraut bei Migräne: Prophylaxe und Linderung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der etwa 10-15 % der Bevölkerung betroffen sind. Sie äußert sich inForm von starken Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und anderen Symptomen. Eine spezielle Form ist die Migräne mit Aura, die bei etwa 30 % der Migränepatienten auftritt. Die Aura äußert sich durch neurologische Symptome wie Sehstörungen (Flimmern, Zickzack-Linien, blinde Flecken), sensorische Störungen (Kribbeln, Taubheitsgefühle) oder Sprachstörungen, die typischerweise 10 bis 60 Minuten vor dem eigentlichen Kopfschmerz auftreten.

Mutterkraut hat sich als wirksame pflanzliche Prophylaxe bei Migränekopfschmerzen erwiesen. Klinische Studien haben gezeigt, dass die regelmäßige Einnahme von Mutterkraut die Häufigkeit von Migräneattacken um bis zu 67 % reduzieren kann. Auch Begleitsymptome wie Übelkeit und Lichtempfindlichkeit treten seltener auf.

Die Wirkung von Mutterkraut setzt nach einigen Wochen ein, daher ist Geduld gefragt. Es wird empfohlen, mit einer Dosis von 200 mg Mutterkrautpulver pro Tag zu starten und bei Bedarf auf 400 bis 600 mg zu erhöhen. Mutterkraut ist gut verträglich und eignet sich für eine langfristige Prophylaxe.

Weitere potenzielle Anwendungsgebiete

Neben der Migräneprophylaxe wird Mutterkraut auch bei anderen Beschwerden eingesetzt, darunter:

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  • Entzündungen: Die entzündungshemmenden Eigenschaften des Mutterkrauts können bei der Behandlung von Arthritis, Rheuma und anderen entzündlichen Erkrankungen von Vorteil sein.
  • Verdauungsbeschwerden: Mutterkraut kann helfen, Magenkrämpfe, Blähungen und andere Verdauungsbeschwerden zu lindern.
  • Stress und Angstzustände: Mutterkraut wirkt als natürliches Beruhigungsmittel und kann helfen, Nervosität zu lindern und das seelische Wohlbefinden zu fördern.
  • Menstruationsbeschwerden: Mutterkraut kann bei der Linderung von Menstruationsbeschwerden wie Krämpfen und Schmerzen helfen.
  • Hauterkrankungen: Äußerlich angewendet kann Mutterkraut bei Hautkrankheiten und Insektenstichen helfen.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die wissenschaftliche Datenlage für diese Anwendungen oft dünner ist als bei der Migräneprophylaxe.

Mutterkraut und die Regeneration von Nervenfasern

Ein Düsseldorfer Forscherteam unter der Leitung von Prof. Dr. Dietmar Fischer hat entdeckt, dass ein Inhaltsstoff aus dem Mutterkraut, Parthenolid, das Nachwachsen von geschädigten Nervenfasern bei Mäusen erheblich beschleunigen und verbessern kann.

In einer Studie wurde festgestellt, dass Mäuse mit einem genetisch veränderten Enzym sich deutlich schneller und besser nach Nervenverletzungen erholten als normale Tiere. Die Forscher entschlüsselten den zugrundeliegenden Mechanismus und fanden heraus, dass Parthenolid das Nachwachsen von Nervenfasern (Axonen) erheblich beschleunigt. Sie behandelten daraufhin Mäuse mit geschädigten Ischiasnerven mit Parthenolid und beobachteten, dass diese bereits nach weniger als einer Woche ihre durch die Verletzung gelähmten Zehen wieder bewegen und sensorische Reize wahrnehmen konnten.

Diese Erkenntnisse könnten von großer klinischer Bedeutung sein, da es bisher in der Klinik noch keine Medikamente gibt, die Ähnliches bewirken können.

Ein weiteres Kölner Forscherteam unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Dietmar Fischer fand heraus, dass Parthenolid gezielt die dynamischen Prozesse in den Faserspitzen anregt und dadurch die axonale Regeneration deutlich gesteigert werden konnte. Die tägliche Gabe von Parthenolid alleine zeigte bereits einen leichten Effekt auf die Regeneration im verletzten Sehnerv und Rückenmark.

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Die Wissenschaftler konnten die Wirkung von Parthenolid auch an echten, kultivierten menschlichen Nervenzellen nachweisen, die aus gespendeten Augen gewonnen wurden.

Diese Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Parthenolid ein vielversprechendes Mittel zur Förderung der Nervenfaserregeneration bei Verletzungen des Gehirns, Rückenmarks oder Sehnervs sein könnte.

Anwendung und Dosierung

Mutterkraut ist in verschiedenen Formen erhältlich, darunter:

  • Kapseln: Mutterkraut-Kapseln sind eine praktische Möglichkeit, Mutterkraut einzunehmen, da sie eine genaue Dosierung ermöglichen.
  • Tee: Mutterkrauttee kann aus getrockneten Blättern und Blüten zubereitet werden.
  • Tinktur: Mutterkraut-Tinktur ist eine konzentrierte Form, die eine einfache Einnahme ermöglicht.
  • Frisches oder getrocknetes Kraut: Frisches oder getrocknetes Mutterkraut kann in der Küche verwendet werden, um Salaten, Kräuterbuttern oder Quark eine besondere Note zu verleihen.

Die empfohlene Dosierung von Mutterkraut variiert je nach Form und Anwendungsgebiet. Es ist wichtig, die Anweisungen auf der Produktverpackung oder die Empfehlungen eines Arztes oder Heilpraktikers zu befolgen.

Sicherheitshinweise und Nebenwirkungen

Mutterkraut ist im Allgemeinen gut verträglich, aber es gibt einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:

  • Schwangerschaft und Stillzeit: Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Mutterkraut nicht eingenommen werden.
  • Allergien: Manche Menschen können allergisch auf Mutterkraut oder andere Korbblütler reagieren.
  • Wechselwirkungen mit Medikamenten: Mutterkraut kann die Wirkung von blutverdünnenden Medikamenten verstärken.
  • Nebenwirkungen: In seltenen Fällen können leichte Nebenwirkungen wie Schleimhautreizungen, Verdauungsbeschwerden oder allergische Reaktionen auftreten.

Bei der Einnahme von Mutterkraut ist es wichtig, auf die empfohlene Dosierung zu achten, da eine zu hohe Aufnahme zu unerwünschten Wirkungen führen kann.

Mutterkraut im Garten

Mutterkraut ist nicht nur eine Heilpflanze, sondern auch eine attraktive Zierpflanze für den Garten. Seine weißen Blüten mit gelber Mitte und das filigrane Laub machen es zu einem Blickfang in Staudenbeeten, Bauerngärten oder naturnah gestalteten Gärten. Mutterkraut ist relativ anspruchslos und eignet sich gut für den Anbau im Hausgarten. Es bevorzugt einen sonnigen Standort und einen durchlässigen Boden.

Mutterkraut lässt sich leicht aus Samen vermehren oder durch Teilung der Pflanze. Es neigt zur Selbstaussaat und kann sich im Garten rasch ausbreiten. Ein Rückschnitt nach der Blüte regt einen zweiten Blütenflor an.

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