Eine Querschnittslähmung ist ein schwerwiegender neurologischer Defekt, bei dem die motorische und sensorische Funktion unterhalb der Verletzungsstelle im Rückenmark beeinträchtigt ist. Sie stellt einen gravierenden Einschnitt im Leben der Betroffenen dar, vor allem, wenn sie dauerhaft besteht.
Was ist eine Querschnittslähmung?
Von einer Querschnittlähmung spricht man, wenn die Nerven im Rückenmark teilweise oder vollständig durchtrennt sind. Das Rückenmark kann man sich als eine Nervenleitung vorstellen, die im Wirbelkanal den Rücken entlangläuft und Signale zwischen Körper und Gehirn austauscht. Sind die Nerven im Rückenmark durchtrennt, ist diese Leitung unterbrochen. Dann kann der Informationsaustausch zwischen Körper und Gehirn nicht mehr oder nur noch eingeschränkt stattfinden. Es kommt zu Lähmungen, Empfindungsstörungen und anderen Symptomen.
Eine Querschnittlähmung ist eine neurologische Erkrankung, bei der die Übertragung von Nervenimpulsen zwischen dem Gehirn und Rückenmark gestört ist. Eine Querschnittlähmung tritt häufig infolge einer Verletzung, eines Unfalls oder einer Erkrankung des Rückenmarks auf. Durch die Schädigung des Rückenmarks werden die Nervenbahnen unterbrochen, die normalerweise motorische und sensorische Signale zwischen dem Gehirn und anderen Körperteilen übermitteln. Durch die Unterbrechung der Nervenbahnen ist die Übermittlung gestört, was zu einer dauerhaften Beeinträchtigung der motorischen, sensorischen und autonomen Funktionen führt.
Ursachen einer Querschnittslähmung
Eine Querschnittlähmung kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden. Überwiegend tritt die Plegie als Unfallfolge oder erkrankungsbedingt auf. Bei einem Unfall kann das Rückenmark stark verletzt oder durchtrennt werden. Dabei sind meist Verletzungen im Bereich der Hals- oder Brustwirbelsäule die Ursache für eine Querschnittlähmung und somit eine Beeinträchtigung der Funktionen unterhalb der Verletzungsstelle.
Zu den häufigsten Auslösern zählen:
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- Unfälle/Traumata: Die meisten Querschnittlähmungen entstehen durch einen Unfall. Schwere Stürze, Sportverletzungen oder Verkehrsunfälle beispielsweise führen dazu, dass starke Kräfte auf das Rückenmark einwirken und dieses geschädigt wird. Insbesondere sind Verkehrs- und Sportunfälle die häufigsten unfallbedingten Ursachen.
- Erkrankungen: Abgesehen von Verletzungen können verschiedene Erkrankungen eine Querschnittlähmung zur Folge haben. Dazu gehören zum Beispiel Bandscheibenvorfälle, Tumore, Multiple Sklerose, bakterielle Rückenmarksentzündungen oder Blutungen im Spinalkanal der Wirbelsäule, Rückenmarksinfarkte, Colitis ulcerosa (chron. Colitis ulcerosa (chron.
- Angeborene Fehlbildungen: In seltenen Fällen kann eine Querschnittlähmung angeboren sein, zum Beispiel bei Spina bifida, umgangssprachlich auch als offener Rücken bekannt. In seltenen Fällen ist die Querschnittslähmung angeboren, und zwar wenn sich in der embryonalen Entwicklung im Mutterleib das Neuralrohr, das sich später zum Rückenmark entwickelt, nicht schließt und ein Wirbelspalt offenbleibt.
- Gewalteinwirkung: Schuss- oder Stichverletzungen können das Rückenmark direkt schädigen.
- Wirbelbrüche: Durch starke Krafteinwirkung, wie sie bei Stürzen oder Unfällen auftreten kann, können die Wirbel brechen und das Rückenmark eingeklemmt oder durchtrennt werden.
Im Jahr 2018 war die Ursache für eine Querschnittlähmung in etwa 55 Prozent der Fälle eine Erkrankung. 45 Prozent waren Folge eines Unfalls.
Arten von Querschnittslähmungen
Querschnittlähmungen lassen sich einmal nach der Höhe der Verletzung unterscheiden:
- Tetraplegie/Tetraparese: Hier liegt die Höhe der Verletzung oberhalb des obersten Brustwirbels im Bereich der Halswirbelsäule. Beide Arme und Beine sowie der Rumpf sind gelähmt. Je nach Höhe der Verletzungen haben Betroffene außerdem schwere Probleme beim Atmen. Bei einer Schädigung der Halswirbelsäule oberhalb des vierten Halswirbels kann es zu einer Zwerchfelllähmung mit Atmungsversagen kommen. Liegt die Läsionshöhe in der HWS (Halswirbelsäule) an den Wirbeln C1 oder C2, ist sogar die Halsmuskulatur betroffen. Beatmet wird invasiv mit einem Atemhilfsgerät oder einer maschinellen Beatmung.
- Paraplegie/Paraparese: Hier liegt die Höhe der Verletzung im Bereich von Brust- oder Lendenwirbelsäule. Die Beine und ein Teil des Rumpfs sind gelähmt.
Außerdem unterscheidet man Querschnittlähmungen danach, wie schwerwiegend die Verletzung der Nerven ist:
- Komplette Querschnittlähmung (Plegie, Paralyse): In diesem Fall sind die Nerven an der betroffenen Stelle komplett durchtrennt. Arme und/oder Beine und der jeweilige Teil des Rumpfes sind vollständig gelähmt. Zusätzlich sind Körperfunktionen wie die Entleerung von Harnblase und Darm gestört. Bei einer kompletten Querschnittslähmung fallen die motorischen und sensorischen Nervenfasern unterhalb der Rückenmarksverletzung gänzlich aus, sodass die Körperteile von einer Lähmung betroffen sind.
- Inkomplette Querschnittlähmung (Parese): Besteht eine Schädigung des Rückenmarks, sind die Nerven aber nicht komplett durchtrennt, bleiben Empfindungsvermögen und Muskelkraft teils erhalten. Bei einer Parese können Betroffene auch unterhalb der Verletzung Berührungen spüren, sich bewegen und beispielsweise weiterhin Blase und Darm kontrollieren. Bei unvollständigen Verletzungen, bei denen die Nervenbahnen teilweise erhalten bleiben, kann sich die Funktion verbessern.
Noch genauer lässt sich das Lähmungsausmaß mithilfe der „American Spinal Injury Association (ASIA) Impairment Scale“ klassifizieren. Diese reicht von ASIA A, was einer kompletten Querschnittlähmung von Armen und Beinen entspricht, bis zu ASIA E, dem gesunden Normalzustand.
Symptome einer Querschnittslähmung
Die Symptome einer Querschnittlähmung hängen von der betroffenen Stelle der Wirbelsäule ab. Je nach Schwere und Lage der Verletzung kann eine Querschnittlähmung somit unterschiedliche Auswirkungen haben. Bei einer inkompletten Lähmung sind die Symptome variabler.
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Das zentrale Symptom einer Querschnittlähmung ist der Ausfall der Muskulatur und der Sensibilität (das heißt, dass beispielsweise Berührungen, Kälte und Wärme nicht mehr wahrgenommen werden). Das Ausmaß, in dem beides auftritt, hängt von der Art der Querschnittlähmung ab beziehungsweise davon, wie das Rückenmark geschädigt ist. Hinzu kommen oft Nervenschmerzen.
Weitere Symptome können sein:
- Motorische Beeinträchtigungen: In der Regel sind die Funktionen der Muskeln, die unterhalb der Verletzung liegen, beeinträchtigt oder komplett gelähmt. Gelähmte Arme und Beine, medizinisch Tetraplegie, oder gelähmte Beine, medizinisch Paraplegie.
- Sensorische Beeinträchtigungen: Häufig kommt es zu einem Verlust der Empfindungsfähigkeit bis hin zu vollständigen Gefühlsstörungen in den betroffenen Körperregionen. Geringes bis gar kein Temperatur- und Schmerzempfinden, eventuell Phantomschmerzen.
- Vegetative Beeinträchtigungen: Es können Störungen bis hin zum vollständigen Verlust der Kontrolle über Blasen- und Darmfunktion sowie Beeinträchtigungen der Sexualfunktion auftreten. Inkontinenz.
- Weitere Symptome: Verstärkte Muskelreflexe, spastische Muskelkrämpfe, Störung des vegetativen Nervensystems, zum Beispiel Bluthochdruck.
Außerdem kann eine Querschnittlähmung durch fehlende Bewegung zu Komplikationen wie Druckgeschwüren und Osteoporose führen. Fast alle Menschen mit einer Querschnittlähmung leiden unter Störungen der Darm- und Blasenentleerung sowie der Sexualfunktion. Langzeitfolgen sind unter anderem chronische Schmerzen, verkürzte Muskeln oder ein erhöhtes Risiko für Adipositas. Auch Druckgeschwüre durch Bettlägerigkeit beziehungsweise funktionseingeschränkte Gelenke, medizinisch Kontrakturen, sind eine mögliche Folgeerkrankung.
Diagnose einer Querschnittslähmung
Da eine Querschnittlähmung ein schwerwiegendes und sich multipel auswirkendes Ereignis ist, ist eine genaue Diagnose essentiell. Diese wird meist in einer Fachklinik oder in einem spezialisierten Behandlungszentrum vorgenommen. Anhand komplexer Tests und Verfahren wird untersucht, inwiefern sich Betroffene bewegen können, Reize spüren oder sich Reflexe auslösen lassen. Weiterhin werden Vitalfunktionen im Hinblick auf Herz, Atmung oder Verdauung geprüft. Zudem helfen bildgebende Verfahren, betroffene Segmente oder das Ausmaß einer Querschnittlähmung zu ermitteln bzw. einzugrenzen. Weiterhin können Punktionen oder Blutuntersuchungen erfolgen. Erst in der Summe aller Untersuchungen und Erkenntnisse wird die Diagnose gestellt sowie der Schweregrad anhand einer fünfstufigen Skala klassifiziert.
Erleiden Sie eine Querschnittlähmung, werden Sie im Krankenhaus oder in einem spezialisierten Behandlungszentrum gründlich untersucht. Der Arzt testet, ob Sie sich bewegen können oder Reize spüren, die er beispielsweise mit einer Nadel auslöst. Außerdem werden Ihre Reflexe sowie die Atem-, Blasen-, Darm- und Herzfunktion überprüft. Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computer- oder Magnetresonanztomografie können Aufschluss über das betroffene Segment und das Ausmaß der Rückenmarksschädigung geben. Proben der Rückenmarksflüssigkeit und des Blutes können im Labor untersucht werden, um beispielsweise eine bakterielle Infektion auszuschließen. Eine Diagnose zu eventuell bleibenden Schäden ist jedoch erst möglich, nachdem der spinale Schock abgeklungen ist. Ärzte unterscheiden bei bleibenden Lähmungen zwischen einer kompletten Lähmung, medizinisch Plegie, und einer inkompletten Lähmung, medizinisch Parese.
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Behandlung einer Querschnittslähmung
Die Behandlung einer Querschnittlähmung zielt darauf ab, die bestmögliche funktionale Unabhängigkeit und Lebensqualität zu erreichen. Sie beinhaltet in der Regel eine intensive medizinische Betreuung und umfasst medizinische Maßnahmen wie Operationen, Medikamente und physiotherapeutische Übungen, um die verlorenen motorischen Funktionen zu verbessern und den Alltag der Betroffenen zu erleichtern. Die Reha bei Querschnittlähmung umfasst meist verschiedene Therapieansätze, um die Mobilität, Selbstständigkeit, emotionale Bewältigung und soziale Integration zu fördern. Hilfsmittel und technische Unterstützung spielen eine wichtige Rolle im Alltag. In einigen Fällen können auch operative Eingriffe notwendig sein. Es ist wichtig zu beachten, dass die Auswirkungen einer Querschnittlähmung individuell unterschiedlich sind und von Fall zu Fall variieren. Um die optimale, individuelle Behandlung und Reha zu erhalten, gibt es spezialisierte Rehakliniken, die individuelle Programme anbieten, um die Betroffenen bestmöglich zu unterstützen und ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
Eine Querschnittlähmung ist bisher nicht heilbar. Während des spinalen Schocks werden Sie intensivmedizinisch versorgt, um alle Körperfunktionen engmaschig zu überwachen. Auf Basis der Voruntersuchungen entscheidet ein Ärzteteam darüber, ob mit einer Operation geschädigte Nerven entlastet oder weitere Verletzungen versorgt werden können. Ist keine Operation notwendig, wechselt ein Pflegender regelmäßig und fachgerecht Ihre Liegeposition, um möglichen Komplikationen wie Wundliegen, medizinisch Dekubitus, vorzubeugen. Leiden Sie beispielsweise unter chronischen Schmerzen, erhalten Sie eine Schmerztherapie.
Akutphase
Bei Rückenmarksverletzungen durch einen Verkehrsunfall oder Sturz kommt es in der Regel zu einem spinalen Schock. In dieser Phase benötigt der Patient eine intensivmedizinische Betreuung. Ziel ist, lebenswichtige Körperfunktionen zu stabilisieren, Komplikationen vorzubeugen und Schmerzen zu behandeln. Wie lange der spinale Schock andauert, ist nicht vorherzusagen - möglich sind wenige Tage bis mehrere Wochen.
Operation
Durch eine Operation lässt sich zwar die Querschnittlähmung selbst nicht beseitigen, trotzdem ist sie oft in der Akutphase nach einer Verletzung notwendig, um beispielsweise Knochensplitter aus dem Rückenmark zu entfernen. Es gilt, die Wirbelsäule zu stabilisieren, weitere Verletzungen zu vermeiden und den Nerven die Möglichkeit zu geben, sich zu regenerieren. Bei vielen Patienten ist nach dem Unfall eine Operation notwendig. Sie dient dazu, das Rückenmark zu entlasten. Das ist etwa bei Wirbelbrüchen oder Bandscheibenvorfällen der Fall. Hier versucht der Chirurg, eventuell vorhandene Knochensplitter zu entfernen beziehungsweise die Wirbelsäule zu stabilisieren.
Medikamentöse Behandlung
Medikamente dienen zum Beispiel dazu, chronische Schmerzen zu senken oder Tumore beziehungsweise Gerinnungsstörungen zu behandeln. In der Regel bekommen Querschnitt-Patienten Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Metamizol, Mefenaminsäure oder Paracetamol. Eine frühe Behandlung ist wichtig, um zu verhindern, dass die Schmerzen chronisch werden. In der akuten Therapie erhalten die Patienten meist innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden hochdosiert Kortison, um Schwellungen des Rückenmarks zu verhindern. Oftmals ist auch der Herzschlag verlangsamt oder der Blutdruck gefährlich niedrig, was mit bestimmten Medikamenten therapiert wird.
Rehabilitation
Solange es nicht möglich ist, eine Querschnittlähmung zu heilen, spielt die Rehabilitation eine Schlüsselrolle in der Behandlung. Ziel ist es, dass Betroffene möglichst gut mit ihren Einschränkungen umgehen und ihren Alltag selbstständig meistern können. Die Rehabilitation wird in sechs Phasen unterteilt und beginnt bereits direkt nach der Notfallversorgung. Ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Pflegenden, Physio- und Ergotherapeuten unterstützt Sie dabei, Schritt für Schritt in den Alltag zurückzufinden. Je intensiver Sie bei den Therapiemaßnahmen mitarbeiten, desto höher sind die Chancen, dass Ihre Symptome gelindert werden können und Folgeerkrankungen vorgebeugt werden kann.
Die Reha hat das Ziel, intensivmedizinische Maßnahmen in eine ambulante Behandlung zu überführen. Außerdem können Sie sich dabei Fähigkeiten aneignen, die es Ihnen ermöglichen, selbstbestimmt zu leben. Verschiedene Ansätze können Sie dabei unterstützen:
- Gezielte Maßnahmen zur Darmkontrolle: Gegen Inkontinenz helfen gezielte Maßnahmen zur Darmkontrolle. Hier steht an erster Stelle das „intermittierende Katheterisieren“: Betroffene lernen, ihre Blase in regelmäßigen Abständen mit einem Einmalkatheter zu entleeren. Darüber hinaus gibt es mehrere Möglichkeiten, den Stuhlgang zu kontrollieren.
- Physiotherapie und Rollstuhltraining: Mit Physiotherapie und Rollstuhltraining stärken Sie Ihre Kraft und Ausdauer. Hier lernen die Patienten z.B. im täglichen Stehtraining mithilfe eines Stehbrettes, in die aufrechte Position zu kommen, das Gleichgewicht im Sitzen zu halten und noch intakte Muskeln mit gezielten Übungen zu stärken. So ist eine kräftige Armmuskulatur enorm wichtig, um sich später mit dem Rollstuhl fortbewegen zu können oder sich aus dem Bett auf einen Stuhl zu bewegen. Die Betroffenen müssen mit der gesamten Armkraft ihren Körper versetzen. Ein weiteres Ziel ist es, auch wieder eine gute Rumpfstabilität zu erreichen.
- Ergotherapie: In der Ergotherapie können Sie neue Bewegungsabläufe trainieren, um Alltagstätigkeiten wie Anziehen oder Essenszubereitung wieder selbstständig auszuführen. In der Ergotherapie lernen die Patienten, im Haushalt selbstständig klarzukommen. Dazu gehört es, sich trotz der Behinderung anzuziehen, zu waschen, Mahlzeiten zuzubereiten und zu essen. Je nach Lähmungsausmaß lernen sie z.B., einen Löffel oder eine Gabel zu halten, zum Mund zu führ
- Psychotherapie: In einer Psychotherapie können Sie Strategien erlernen, die dabei helfen, Ihre neue Situation besser zu bewältigen.
- Logopädie: Leiden Sie unter Sprach- oder Schluckstörungen, können logopädische Übungen hilfreich sein.
- Atemhilfstechniken: Selbst wenn Ihr Zwerchfell vollständig gelähmt ist, können Sie lernen, mithilfe von Atemhilfstechniken tagsüber mehrere Stunden selbstständig zu atmen.
- Sexualberatung: Störungen der Sexualfunktion werden von vielen Querschnittgelähmten - unabhängig vom Geschlecht - als sehr belastend empfunden. Je nach Ausmaß der Störung gibt es unterschiedliche Ansätze, dennoch zu einem erfüllten Sexualleben zu finden.
Forschung
Forscher hoffen, zukünftig auch Querschnittlähmungen heilen zu können. 2018 gelang es unterschiedlichen Forscherteams, einzelne Patienten wieder zum Laufen zu bringen. Dazu stimulierten sie bestimmte Rückenmarksnerven bei den Gelähmten mit elektrischen Impulsen. Monatelange, intensive Physiotherapie unterstützte diese Nervenreanimation. Nach Einschätzung der Forscher überbrücken bei etwa der Hälfte der Querschnittgelähmten noch einzelne Nervenbahnen die Verletzung. Diese könnten möglicherweise für diese Funktion genutzt werden. Trotz guter Ergebnisse steht die Forschung aber erst ganz am Anfang.
Aktuelle Forschungsprojekte verfolgen verschiedene Ansätze. Einige konzentrieren sich darauf, Wege zu finden, wie sich die Regeneration von Zellen im Rückenmark stimulieren lässt. Große Hoffnungen ruhen auf Stammzelltherapien. Schließlich feiern Therapien erste Erfolge, die auf die Kombination aus Physiotherapie und Elektrostimulation, eine Art Rückenmarkschrittmacher, setzen.
Leben mit einer Querschnittslähmung
Wer nicht mehr laufen kann, muss sein Leben komplett neu organisieren. Nun stellen sich viele Fragen - zum Beispiel, wie sich Ihre Wohnsituation verändert oder ob Sie Ihren Beruf weiterhin ausüben können. Ein Sozialarbeiter kann Sie zu diesen Themen beraten und Sie gegebenenfalls bei der Antragstellung für Heil- und Hilfsmittel unterstützen. Informationen zur Teilhabe am gesellschaftlichen und am Arbeitsleben finden Sie auch auf der Plattform Einfach teilhaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.
Über einen Verein wie die Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten in Deutschland e. V. können Sie sich mit anderen Betroffenen austauschen. Manche bieten auch ein Tandemprogramm, bei dem ein erfahrener Rollstuhlfahrer Ihnen im Alltag zur Seite steht.
Möchten Sie sich mehr bewegen und suchen Kontakt zu anderen Rollstuhlfahrern? Probieren Sie Rollstuhlsport aus. Über den Deutschen Rollstuhl-Sportverband e. V.
Unterstützung für Angehörige
Eine Querschnittlähmung stellt auch für Menschen im engeren Umfeld von Betroffenen eine Herausforderung dar. Auf der einen Seite wollen diese der betroffenen Person so gut wie möglich helfen. Auf der anderen Seite ist es wichtig, eine Überforderung und Folgen wie einen Burn-out zu vermeiden. Dazu kommt, dass der anfängliche Schock, den die Diagnose Querschnittlähmung bedeutet, verarbeitet werden muss.
Deshalb sollten Angehörige möglichst früh Unterstützung in Anspruch nehmen. Neben Ärzten bieten sich dafür Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen an. Die Möglichkeit, sich an andere wenden zu können, kann entscheidend dazu beitragen, gemeinsam die Herausforderungen durch die Diagnose Querschnittlähmung zu meistern.
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