Spastik, eine Folge neurologischer Erkrankungen wie Schlaganfall, Hirnblutung oder Schädel-Hirn-Trauma, ist durch eine krankhafte Zunahme der Muskelaktivität und einen erhöhten Muskeldehnungswiderstand gekennzeichnet. Dies kann zu Schmerzen, Veränderungen der Muskelstruktur, Gelenkfehlstellungen, Kontrakturen und pflegerischen Problemen führen. Die Funktion der Extremitäten ist oft erheblich eingeschränkt. Eine frühzeitige und adäquate Spastikbehandlung durch ein spezialisiertes, interdisziplinäres Team ist daher von großer Bedeutung.
Interdisziplinäre Behandlungsteams und realistische Therapieziele
Der heutige Therapiestandard beinhaltet ein Team aus Ärzten (Neurologen, Neurochirurgen, Unfallchirurgen/Orthopäden), Pflegepersonal, Ergo- und Physiotherapeuten. Vor Beginn einer stationären Rehabilitationsbehandlung sollten realistische Ziele mit dem Patienten und seinen Angehörigen besprochen und festgelegt werden. Diese Ziele können die Verbesserung des Transfers, die Schmerzreduktion, die Erleichterung der Pflege oder in Einzelfällen auch eine funktionelle Verbesserung umfassen.
Physio- und Ergotherapie nach dem Bobath-Konzept
Im Mittelpunkt der Spastiktherapie stehen physio- und ergotherapeutische Maßnahmen, die beispielsweise in der RehaNova vor allem nach dem Bobath-Konzept durchgeführt werden. Dieses Konzept zielt darauf ab, die Bewegungsfähigkeit des Patienten zu verbessern und ihm zu ermöglichen, seinen Alltag selbstständiger zu gestalten.
Ergotherapie im Detail
Die Ergotherapie zielt darauf ab, beeinträchtigte Funktionen und Fähigkeiten wiederherzustellen, Kompensationsmöglichkeiten zu erarbeiten und eine grösstmögliche Eigenständigkeit trotz bestehender Defizite zu erreichen. Spezifische Therapien dienen dazu, die Handlungsfähigkeit im Alltag, die gesellschaftliche Teilhabe und die Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören:
- Feinmotoriktraining
- Schreibtraining
- Haushaltstraining
- Hilfsmittelberatung und Wohnumfeldanpassung
- Wasch- und Anziehtraining
- Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungstraining
Neuropsychologische und psychotherapeutische Behandlung
Die neuropsychologische Behandlung konzentriert sich auf Veränderungen der geistigen Fähigkeiten wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Wahrnehmung. Rehabilitanden werden auch psychotherapeutisch begleitet.
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Redressierende Maßnahmen und Hilfsmittel
Zusätzlich zu den Physio- und Ergotherapeutischen Maßnahmen können redressierende Maßnahmen wie Splinting (Schienenversorgung), Taping (Klebebandanwendung) oder Casting (Gipsanlage) angewendet werden, um verkürzte Sehnen und Muskeln zu dehnen. Darüber hinaus werden bei Bedarf spezielle Orthesen (Stützen) eingesetzt.
Hilfsmittelversorgung als Teil des Rehaprozesses
Die Versorgung mit Hilfsmitteln ist ein wesentlicher Bestandteil der interdisziplinären Versorgung, Behandlung und Therapie. Sie ist nicht isoliert, sondern wird immer als Teil des gesamten Rehaprozesses betrachtet, um funktionelle Einschränkungen auszugleichen oder zu kompensieren und so eine verbesserte Partizipation des Patienten an den sozialen und ggf. beruflichen Aktivitäten zu ermöglichen. Vor der ärztlichen Verordnung findet ein umfangreiches Assessment statt. Die enge Zusammenarbeit mit Rehawerkstätten, Sanitätshäusern und Orthopädiewerkstätten ermöglicht eine individuelle Betreuung, Absprache und Versorgung.
Medikamentöse Therapie und Spastikpumpen
Je nach individueller Verteilung der Spastik können unterschiedliche medikamentöse Möglichkeiten unterstützend eingesetzt werden. Dazu gehören:
- Systemische Therapie mit Tabletten wie Baclofen oder Tizanidin
- Lokale, ultraschall- oder EMG-kontrollierte Injektionstherapie mit Botulinum Toxin A
- Intrathekale Baclofentherapie mittels implantierter Spastikpumpe bei schwerster, therapieresistenter Spastik.
Die intrathekale Baclofentherapie wird in der Regel im Zentrum für Stereotaxie und funktionelle Neurochirurgie der Universität Köln implantiert. Die Einstellung der optimalen Pumpendosis und die begleitenden Therapiemaßnahmen erfolgen nach der Implantation im Rahmen der stationären Rehabilitationsbehandlung.
Orthopädisch-chirurgische Eingriffe
In schweren Fällen bereits länger bestehender oder sich schnell entwickelnder Spastik können in Zusammenarbeit mit der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie des Krankenhauses Merheim auch orthopädisch-chirurgische Eingriffe in Betracht gezogen werden.
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Rehabilitationseinrichtungen und spezielle Therapieangebote
Verschiedene Rehakliniken haben sich auf die Behandlung von Patienten mit Spastik spezialisiert, darunter auch solche mit Zerebralparese. Bei der Auswahl einer geeigneten Klinik sollten die Bewertung der Klinik und die Anzahl der Behandlungsfälle berücksichtigt werden.
MEDIAN Kliniken
MEDIAN ist ein großer Anbieter von Rehabilitationskliniken in Deutschland, der eine erstklassige medizinische Versorgung und Betreuung mit hohen Qualitätsansprüchen bietet. Die Kliniken verfügen über hochkompetente interdisziplinäre Teams und arbeiten eng zusammen, um die Gesundheit der Patienten kontinuierlich zu verbessern. MEDIAN bietet vielfältige Behandlungsangebote und legt großen Wert auf eine qualitativ hochwertige und menschlich persönliche Behandlung.
MEDIAN bietet erstklassige Versorgung in allen neurologischen Rehabilitationsphasen, von der Frührehabilitation bis zur beruflichen Wiedereingliederung.
Behandlungsschwerpunkte bei MEDIAN
MEDIAN Kliniken decken ein breites Spektrum an Behandlungsgebieten ab, darunter:
- Orthopädie
- Neurologie
- Psychosomatik
- Kardiologie
- Innere Medizin
- Kinder- und Jugendreha
- Psychiatrie
- Eingliederungshilfen
- Abhängigkeitserkrankungen
- Spezialdisziplinen
MEDIAN bietet auch ein Premium-Angebot mit besonderem Komfort und Service an einigen Standorten.
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Reha-Zentrum prosper
Das Reha-Zentrum prosper ist auf die neurorehabilitative Behandlung von Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems spezialisiert. Das Behandlungsspektrum umfasst Patienten mit:
- Schlaganfällen
- Schädelhirnverletzungen
- Morbus Parkinson und anderen neurodegenerativen Erkrankungen
- Multiple Sklerose
- Wirbelsäulenerkrankungen/Bandscheibenvorfällen
- Polyneuropathien
- Tumorerkrankungen des Gehirns und Rückenmarks
- Muskelerkrankungen
- Querschnittlähmungen
- Sonstigen Krankheiten des Nervensystems
Das Reha-Zentrum prosper ist unmittelbar an das Knappschaftskrankenhaus Bottrop angegliedert und kann die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten verschiedener Fachabteilungen nutzen.
Rehabilitationsplan im Reha-Zentrum Prosper
Das Ärzteteam der Reha-Klinik legt nach der ärztlichen Aufnahmeuntersuchung gemeinsam mit den Patienten die Rehabilitationsziele und das individuelle Therapiekonzept fest. Dabei stehen folgende Angebote zur Verfügung:
- Physiotherapie
- Ergotherapie
- Neuropsychologie
- Logopädie
- Masseure und medizinische Bademeister
Gemeinsam mit den Patienten werden Behandlungsziele vereinbart, wie die Rückkehr in die häusliche Umgebung mit einem grösstmöglichen Maß an Unabhängigkeit oder die Verbesserung des Umgangs mit bestehenden Defiziten. Für viele Patienten ist die Reintegration in den Beruf Ziel der Behandlung. Der Wiedereingliederungsprozess wird gemeinsam vorbereitet.
Spezielle Therapieangebote im Reha-Zentrum Prosper
- Forced-use-Gruppe: Für Patienten mit Lähmungen nach Schlaganfall und beginnender Arm- und Handfunktion gibt es die Möglichkeit der mehrstündlich täglichen intensiven Behandlung in der sogenannten "Forced-use-Gruppe" unter multiprofessioneller Anleitung.
- Spiegeltherapie: Im dorsalen Anteil des prämotorischen Kortex befinden sich Spiegelneurone, die während der Umsetzung einer visuellen Information in eine motorische Aktion aktiviert werden. Während der Beobachtung der eigenen Bewegung sowie auch der Bewegungen anderer Personen werden die Spiegelneurone aktiviert. Der Patient soll das Spiegelbild betrachten und nicht seine nicht betroffenen Extremitäten. Die erforderliche Aufmerksamkeit bedingt ausreichende kognitive Fähigkeiten.
- Beckenbodentraining: Das Beckenbodentraining soll in die bestehenden Therapiekonzepte eingebaut werden, so dass ein Beckenbodentraining ab der Frührehabilitationsphase möglich ist.
- Tanzen: Klinische Erfahrungen zeigen, dass sowohl Patienten zum Beispiel nach Schlaganfall als auch Parkinson-Patienten beim Tanzen häufig sicherer werden als beim Gehen. Die Schritte zum Rhythmus der Musik fallen leichter, die Bewegungen sind schneller und fließender möglich als ohne diesen externen Stimulus.
- Therapeutisches Bogenschießen: Therapeutisches Bogenschießen hat nicht den Wettkampf z. B. nach einem Punktesystem im Vordergrund. Jedoch kann durch diesen Aspekt das eigentliche Ziel, die Verbesserung des körperlichen Zustandes, evt. besser bzw. unverkrampft erreicht werden.
Gesundheitsförderung und Angehörigenbetreuung
Ein zentraler Aspekt der Rehabilitation ist die Förderung der Gesundheitskompetenz des Patienten durch gezielte Informationen, Motivation und Training. Gesundheitstraining ist ein patientenorientierter Behandlungsbaustein in der medizinischen Rehabilitation. Schulungen werden mit unterschiedlichen Vermittlungsmethoden durchgeführt und umfassen Themen wie bewusster Umgang mit Alkohol, Leben ohne Nikotin, Stoffwechsel und Risikofaktoren sowie Stressbewältigung und Lebensführung.
Auch die Angehörigenbetreuung erfolgt interdisziplinär, um den relevanten Bezugspersonen des Patienten ein verlässliches und stabiles Informations- und Unterstützungssystem zu bieten. Als erste Ansprechpartner fungieren der Arzt und die Stationsschwester. Bei weitergehenden Fragen können sich die Angehörigen mit den behandelnden Therapeuten in Verbindung setzen und - sofern der Patient damit einverstanden ist - bei der Durchführung der Therapiemaßnahmen hospitieren; dies dient auch der Entlassungsvorbereitung. Für Patienten mit bleibenden Mobilitätseinschränkungen und deren Angehörige gibt es Gesprächsangebote und Beratungen mit der Peer Counselorin. Schwerpunktthemen sind der Umgang mit der Behinderung, daraus entstehenden Rechte und Pflichten, Fragen des Alltags u. ä. Ein Mal wöchentlich findet darüber hinaus eine Informationsveranstaltung für Angehörige mit Vorträgen zu medizinischen, pflegerischen und therapeutischen Themen bzw. mit themenzentrierten Gesprächsgruppen statt. Im Wesentlichen soll eine Nähe zum Patienten hergestellt werden. Die Sorgen der Angehörigen und ihre Ängste werden fachmännisch aufgenommen und Strategien entwickelt, um Ressourcen im häuslichen Bereich zu öffnen.
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