Polyneuropathie (PNP), auch Polyneuritis genannt, ist eine Erkrankung, die durch Funktionsstörungen mehrerer peripherer Nerven gekennzeichnet ist. Diese Störungen äußern sich oft durch Symptome wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Schmerzen, die das tägliche Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Schätzungen zufolge leiden allein in Deutschland etwa 3 bis 4 Millionen Menschen an Polyneuropathien.
Was ist Polyneuropathie?
Als Polyneuropathie wird eine systemische Erkrankung bezeichnet, bei der es zu Schädigungen des peripheren Nervensystems kommt. Infolgedessen ist die Funktion der betroffenen Nerven gestört. Da mehrere Nerven bzw. Nervenstrukturen betroffen sind, spricht man von Polyneuropathie (griechisch poly = mehrere). Die Prävalenz der Polyneuropathie beläuft sich in Deutschland auf 2-3 % in der Allgemeinbevölkerung. In der Gruppe der über 55-Jährigen beträgt sie sogar 8 %. Am häufigsten treten Beschwerden symmetrisch, im Bereich von Unterschenkel/Fuß bzw. Unterarm/Hand auf. Deshalb spricht man von einer strumpf- bzw. handschuhartigen Verteilung, wobei in der Regel Beine stärker betroffen sind als Arme.
Symptome der Polyneuropathie
Polyneuropathien beginnen in der Regel schleichend, häufig mit strumpf- oder handschuhförmigen Empfindungsstörungen an Beinen bzw. Armen. Typische Symptome sind:
- Symmetrische, distal betonte, strumpf- oder handschuhförmige schmerzhafte oder brennende Missempfindungen
- "Ameisenlaufen" oder Kribbeln auf der Haut
- "Burning feet"
Sind Nerven beeinträchtigt, die für Muskelbewegungen zuständig sind, kann es zu Muskelschwäche oder Lähmungen kommen. Sind Nerven des vegetativen Nervensystems betroffen, können Magen-Darm-Beschwerden, sexuelle Störungen und Blasen- oder Darmentleerungsstörungen folgen. Führt die Nervenschädigung zu einer gestörten Blutdruckregulation, entwickelt sich manchmal eine orthostatische Dysregulation mit Schwindelgefühl beim Aufstehen aus dem Liegen. Auch die Hautdurchblutung kann leiden, was sich z. B.
Ursachen und Diagnose
Unzählige Erkrankungen und Substanzen können die Nerven schädigen. Dazu gehören:
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- Stoffwechsel- oder hormonelle Erkrankungen (Diabetes mellitus, Akromegalie, Schwangerschaft)
- Mangelernährung
- Infektionen (Borreliose, Lepra, Syphilis, HIV-Infektion, Zytomegalie, Influenza)
- Entzündungen (rheumatische Erkrankungen, Guillain-Barré-Syndrom)
- Therapeutische Bestrahlung, z. B. als Begleiterscheinung einer Krebserkrankung.
Die Ursachenforschung kann schwierig sein und bleibt in etwa 20 % der Fälle erfolglos. Die Diagnostik beginnt mit neurologischen Untersuchungen, bei denen Sensibilität, Vibrationsempfinden, Motorik und Reflexe geprüft werden. Außerdem folgen Blutuntersuchungen auf mögliche Auslöser. Erhärtet wird der Verdacht auf eine Polyneuropathie durch eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und eine Elektromyografie. Im Zweifel werden auch Gewebeproben entnommen. Eine Schädigung der Blasennerven äußert sich zumeist durch die inkomplette Blasenentleerung der Blase, d. h., es verbleibt nach dem Wasserlassen Restharn in der Blase. Diesen Restharn wird z. B.
Rezeptfreie Optionen zur Linderung von Symptomen
Neben der Behandlung der Grunderkrankung gibt es verschiedene rezeptfreie Medikamente und Maßnahmen, die zur Linderung der Symptome einer Polyneuropathie beitragen können. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Mittel die Ursache der Erkrankung nicht beheben, sondern lediglich die Beschwerden lindern. Vor der Anwendung sollte immer ein Arzt konsultiert werden.
Alpha-Liponsäure
Alpha-Liponsäure ist eine natürliche Fettsäure, die im Körper als Antioxidans wirkt. Sie kann helfen, oxidativen Stress zu reduzieren, der bei Diabetes eine Rolle bei der Entstehung von Nervenschäden spielt. Studien deuten darauf hin, dass Alpha-Liponsäure Schmerzen und Empfindungsstörungen bei diabetischer Polyneuropathie verbessern kann. Die Wirkung ist jedoch umstritten, weshalb die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine solche Behandlung in der Regel nicht übernehmen.
Anwendungsempfehlung: Täglich 600 mg Alpha-Liponsäure, idealerweise auf nüchternen Magen, ca. 30 Minuten vor der ersten Mahlzeit einnehmen. Nicht gemeinsam mit metallhaltigen Medikamenten (z. B. Magnesium oder Eisen) einnehmen.
Capsaicin-Creme
Capsaicin ist der Wirkstoff, der in Cayennepfeffer enthalten ist. Capsaicin-haltige Cremes können bei leichten Fuß-/Unterschenkelschmerzen infolge einer schmerzhaften diabetischen Polyneuropathie eingesetzt werden. Der Wirkstoff reduziert die Empfindlichkeit der Schmerzrezeptoren in der Haut. Nach mehrmaliger Anwendung lässt der brennende Schmerz nach.
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Anwendung: 3-mal täglich 2 cm Creme auf die betroffene Hautstelle auftragen und einziehen lassen. Nicht auf offene Wunden, entzündete Haut oder Ekzeme auftragen. Nach der Anwendung gründlich die Hände waschen. Nicht länger als 3 Wochen ohne ärztlichen Rat anwenden.
Kältetherapie
Die Anwendung von Kälte kann bei Polyneuropathien herausragende Effekte auf das Nervensystem haben und zur direkten Linderung der Symptome beitragen. Kälte verlangsamt die Übertragungsgeschwindigkeit von Nervenimpulsen, was dazu führen kann, dass unangenehme Empfindungen wie Kribbeln, Brennen oder Schmerzen reduziert werden. Zudem kann Kälte Entzündungsreaktionen reduzieren, die zur Symptomverstärkung beitragen können.
Ein Beispiel für ein Produkt, das die Kältetherapie nutzt, ist das Kühlgel "Kalter Bruder®". Es enthält Inhaltsstoffe wie Aloe Vera, Arnika, Menthol und Kampfer, die kühlend und entzündungshemmend wirken.
Anwendung: Das Gel auf die betroffenen Stellen auftragen und einmassieren.
Weitere Maßnahmen
- Magnesium: Bei Wadenkrämpfen kann die Einnahme von Magnesium versucht werden.
- B-Vitamine und Folsäure: Eine ausreichende Versorgung mit B-Vitaminen und Folsäure ist wichtig für die Nervenfunktion. Bei einem Mangel können entsprechende Präparate eingenommen werden.
- Homöopathie: Einige homöopathische Mittel wie Aconitum C3, D4 oder Agaricus muscarius D6 und D12 werden bei Missempfindungen empfohlen. Die Wirksamkeit ist jedoch wissenschaftlich nicht belegt.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann helfen, Mangelzustände zu vermeiden und die Nervenfunktion zu unterstützen.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung wie Yoga, Schwimmen oder Spazierengehen kann Stress reduzieren, die Durchblutung verbessern und die Muskeln stärken.
- Physiotherapie: Gezielte Physiotherapie kann helfen, Schmerzen zu lindern und die Funktionsfähigkeit zu verbessern.
- Füße gut pflegen: Die Empfindungsstörungen bei Polyneuropathien können gefährliche Folgen haben, da Druckstellen oder kleine Fußverletzungen nicht mehr bemerkt werden. Daher ist eine sorgfältige Fußpflege besonders wichtig.
Schulmedizinische Behandlungen
Neben den rezeptfreien Optionen gibt es auch eine Reihe von verschreibungspflichtigen Medikamenten, die zur Behandlung von Polyneuropathie eingesetzt werden können. Dazu gehören:
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- Schmerzmittel: Bei leichten Schmerzen können Paracetamol oder Metamizol helfen. Bei starken Schmerzen können Opioide verschrieben werden, die jedoch aufgrund des Risikos von Gewöhnung und Abhängigkeit nur unter strenger ärztlicher Kontrolle eingenommen werden sollten.
- Antiepileptika: Substanzen wie Gabapentin, Pregabalin oder Carbamazepin können die Erregbarkeit der Nervenzellen dämpfen und dadurch Schmerzen und Missempfindungen lindern.
- Antidepressiva: Medikamente wie Amitriptylin oder Duloxetin können die Weiterleitung von Schmerzsignalen unterdrücken.
- Schmerzlindernde Pflaster: Capsaicin-Pflaster oder Lidocain-Pflaster können auf die Haut geklebt werden, um die Schmerzen lokal zu lindern.
Wichtige Hinweise
- Die Behandlung der Polyneuropathie sollte immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen.
- Die genannten rezeptfreien Medikamente und Maßnahmen können die Symptome lindern, aber nicht die Ursache der Erkrankung beheben.
- Bei starken oder anhaltenden Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden.
- Diabetiker sollten besonders auf eine gute Blutzuckereinstellung achten, um Nervenschäden vorzubeugen.
- Alkoholiker sollten ihren Alkoholkonsum reduzieren oder ganz einstellen.
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