Juvenile Myoklonische Epilepsie (JME) beim Rhodesian Ridgeback: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Die Juvenile Myoklonische Epilepsie (JME) ist eine vererbbare neurologische Erkrankung, die insbesondere beim Rhodesian Ridgeback auftritt. Diese Erkrankung ist durch unwillkürliche Muskelzuckungen und epileptische Anfälle gekennzeichnet und kann das Leben der betroffenen Hunde erheblich beeinträchtigen. Die genetische Prädisposition spielt eine entscheidende Rolle, aber auch Umweltfaktoren können das Auftreten der Symptome beeinflussen.

Was ist Juvenile Myoklonische Epilepsie (JME)?

Die Epilepsie bei Hunden ist keine Seltenheit. Sie ist eine Fehlfunktion im Gehirn, bei der es zu einer Störung zwischen der elektrischen Ladung und Entladung von Nervenzellen kommt. Das Großhirn reagiert auf die überschüssige Energie mit einem epileptischen Anfall, der unterschiedliche Symptome hervorrufen kann. Tierärzte unterscheiden grob zwischen partieller und generalisierter Epilepsie. Bei der partiellen Epilepsie ist nur ein Teilbereich des Körpers betroffen, während bei der generalisierten Epilepsie der gesamte Hundekörper betroffen ist.

Die Juvenile Myoklonische Epilepsie (JME) ist eine spezielle Form der Epilepsie, die durch plötzliche, unkontrollierbare Muskelzuckungen gekennzeichnet ist. Diese Zuckungen resultieren aus abnormen elektrischen Aktivitäten im Gehirn, die sich auf die motorischen Nerven auswirken.

Symptome der JME

Erste Symptome der JME treten schon früh auf, typischerweise im Alter von etwa 6 Monaten. Die Hunde leiden unter unwillkürlichen, plötzlichen Muskelzuckungen (Myoklonien), die insbesondere im Ruhezustand auftreten. Diese Zuckungen dauern zwar nur kurz an (weniger als eine Sekunde), treten jedoch oft in Serie auf und variieren stark in ihren Ausmaßen. Viele Hunde wirken während und kurz nach diesen Episoden verwirrt und ängstlich. In über 85 % der Fälle treten die Anfälle täglich auf. Im Verlauf der Erkrankung kann es bei einigen Hunden zu den typischen epileptischen Anfällen kommen.

Hunde, die unter JME leiden, haben immer wieder unwillkürliche Muskelzuckungen, die meist im Ruhezustand auftreten. Meistens dauern diese Zuckungen nur kurz an, aber sie treten in Serie auf und können stark im Ausmaß variieren. Nach einem epileptischen Anfall sind die Hunde verwirrt, ängstlich und kennen sich nicht mehr aus.

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Weitere Symptome können sein:

  • Unruhe
  • Vermehrtes Speicheln
  • Unkontrolliertes Lösen
  • Rückzug oder auffällige Nähe zum Besitzer

Ursachen und genetische Grundlagen

Die Ursache für JME ist eine genetische Mutation. Ein internationales Forscherteam hat 2017 einen Gendefekt identifiziert, der für eine Epilepsieform verantwortlich ist, an der bis zu zwei Prozent der Rhodesian Ridgebacks leiden. In diesem Fall wird die Krankheit autosomal-rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass die Nachkommen nur dann erkranken, wenn beide Elternteile den Gendefekt tragen. Trägt nur ein Elternteil den Gendefekt, erkranken die Nachkommen nicht, können die Epilepsie aber weitervererben, ohne selbst krank zu sein.

Konkret handelt es sich um die Mutation c564_567delAGAC im Gen DIRAS1. Der Erbgang ist monogen autosomal-rezessiv, d.h. nur wenn beide Genkopien defekt sind, erkranken die Tiere.

Die bisherigen Zahlen sprechen von ca. 15 % Trägern. Das bedeutet, dass 15 % der getesteten Rhodesian Ridgebacks das defekte Gen in sich tragen und dieses auch an ihre Nachkommen weitergeben werden, aber nicht selbst erkranken. Ca. 5 % der getesteten Rhodesian Ridgebacks sind betroffen, das heißt, dass sie an JME erkrankt sind.

Diagnose von JME

Die Diagnose von JME basiert auf einer Kombination aus klinischen Beobachtungen und diagnostischen Tests.

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  1. Anamnese: Der Tierarzt erhebt eine ausführliche Anamnese, um die Symptome und ihr Auftreten genau zu dokumentieren.
  2. Neurologische Untersuchung: Eine neurologische Untersuchung dient dazu, andere Ursachen für die Krampfanfälle auszuschließen.
  3. Bildgebende Verfahren: Mittels MRT (Magnetresonanztomographie) oder CT (Computertomographie) können strukturelle Veränderungen im Gehirn festgestellt werden. Die Kosten für ein MRT liegen je nach Größe des Hundes bei etwa 200 bis 300 Euro. Eine Computertomographie schlägt je nach Umfang mit mindestens 150 Euro zu Buche.
  4. Genetische Tests: Genetische Tests können Mutationen in Genen identifizieren, die mit der Erkrankung in Verbindung gebracht werden, und helfen, eine definitive Diagnose zu stellen. LABOKLIN bietet einen Gentest an (Leistungs-ID: 8557), der untersucht, ob der Hund die Mutation c564_567delAGAC im Gen DIRAS1 trägt.

Es ist wichtig zu beachten, dass vor der Diagnose JME andere mögliche Ursachen für epileptische Anfälle ausgeschlossen werden müssen. Dazu gehören:

  • Strukturelle Epilepsie (z.B. Hirntumor, Schädel-Hirn-Trauma, Hirnhautentzündung)
  • Metabolische Epilepsie (z.B. Leberschäden, Veränderungen der Blutsalze, Unterzuckerung)

Behandlung von JME

Die Behandlung der Juvenilen Myoklonischen Epilepsie zielt darauf ab, die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu reduzieren und die Lebensqualität des betroffenen Hundes zu verbessern.

  • Antiepileptika: Antiepileptika sind die Hauptstütze der Therapie und werden eingesetzt, um die elektrische Aktivität im Gehirn zu stabilisieren. Häufig verwendete Medikamente sind Phenobarbital und Levetiracetam. Die Dosierung und Kombination der Medikamente können je nach Schweregrad der Symptome und der individuellen Reaktion des Hundes variieren.
  • Lebensstil-Anpassungen: Zusätzlich zur medikamentösen Therapie können Änderungen im Lebensstil des Hundes hilfreich sein, um Stress und mögliche Anfallsauslöser zu minimieren.
  • Anfallstagebuch: Es ist wichtig, dass der Hundehalter ein Anfallstagebuch führt, in dem er festhält, wann die Krampfanfälle auftreten und wie lange diese dauern. Alle diese Faktoren sind wichtig für die Therapieform und die Dosierung von Medikamenten.

Eine Therapie ist dann notwendig, wenn ein epileptischer Anfall mehr als einmal im Quartal auftritt oder länger als fünf Minuten andauert. Kommt es zu Serienanfällen, sodass der Hund zweimal oder häufiger innerhalb eines Tages krampft, ist die therapeutische Behandlung ebenfalls notwendig.

Prognose und Nachsorge

Die Prognose für Hunde mit Juveniler Myoklonischer Epilepsie variiert je nach Schwere der Symptome und der Wirksamkeit der Behandlung. Bei vielen Hunden kann die Erkrankung durch eine geeignete medikamentöse Therapie gut kontrolliert werden, sodass sie ein weitgehend normales Leben führen können. In einigen Fällen können die Symptome im Laufe der Zeit abnehmen, insbesondere wenn die Anfälle frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Ein enger Kontakt und regelmäßige Kontrollen beim Tierarzt sind wichtig, um die Therapie optimal anzupassen und mögliche Nebenwirkungen der Medikamente zu überwachen.

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Prävention

Da Juvenile Myoklonische Epilepsie eine genetisch bedingte Erkrankung ist, gibt es keine sichere Methode zur Prävention. Züchter können jedoch Maßnahmen ergreifen, um das Risiko der Weitergabe der Krankheit zu verringern. Dazu gehört der Ausschluss von Trägern und betroffenen Hunden aus der Zucht.

Für Hundebesitzer ist es wichtig, auf die ersten Anzeichen von JME zu achten und bei Verdacht frühzeitig einen Tierarzt zu konsultieren. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können dazu beitragen, die Lebensqualität des Hundes deutlich zu verbessern.

Aktuelle Forschung

Die Forschung zur Juvenilen Myoklonischen Epilepsie (JME) bei Hunden hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Neueste Studien haben sich auf die genetische Kartierung konzentriert, um potenziell verantwortliche Gene zu identifizieren. Ein wichtiger Aspekt der aktuellen Forschung ist die Untersuchung der epigenetischen Faktoren, die zur Expression der JME beitragen könnten.

In Bezug auf die Therapieoptionen arbeiten Wissenschaftler an der Entwicklung neuer Antiepileptika, die speziell für Hunde sicher und effektiv sind. Ein weiterer Bereich der Forschung konzentriert sich auf die Verbesserung der diagnostischen Werkzeuge. Internationale Forschungskooperationen spielen eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung der JME bei Hunden.

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