Rhodiola Rosea: Studien zur Wirkung bei Alzheimer und kognitiven Beeinträchtigungen

Rhodiola Rosea, auch bekannt als Rosenwurz, ist eine Pflanze, die traditionell zur Verbesserung der Gehirnfunktion eingesetzt wird. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Studienlage zur Wirkung von Rhodiola Rosea, insbesondere im Hinblick auf Alzheimer, Demenz und andere kognitive Beeinträchtigungen. Dabei werden sowohl die potenziellen Vorteile als auch die Einschränkungen und Risiken der Anwendung betrachtet.

Was ist Rhodiola Rosea?

Die 5 bis 35 cm hohe Rhodiola rosea L. gehört zur Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae). Weitere Bezeichnungen sind Rodia Riza, Goldwurzel, King‘s Crown, Hong Jing Tian. Die Pflanze wächst in den kalten Regionen Nordeuropas und Asiens und hat sich an die dortigen unwirklichen Lebensbedingungen angepasst.

Rhodiola Rosea ist ein sogenanntes Adaptogen. Der Begriff „Adaptogen“ wurde vom russischen Wissenschaftler Dr. Nicolai Lazarev bereits im Jahr 1958 geprägt. Er bezeichnete damit Pflanzen, deren Inhaltstoffe die Resistenz des Körpers gegenüber Stress erhöhen. Laut einer Definition des Committee on Herbal Medicinal Products (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur EMA sollen Adaptogene die Resistenz des Organismus gegen ein breites Spektrum an widrigen biologischen, chemischen und physikalischen Faktoren steigern. Weltweit wurden nur fünf Pflanzen als Adaptogen klassifiziert, welche die vier Kriterien (lt. EMA) erfüllen: Chinesisches Spaltkörbchen (Schisandra chinensis), Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus), Ginsengwurzel (Panax ginseng) und die Rosenwurz (Rhodiola rosea).

Inhaltsstoffe und Standardisierung

Als Arzneidroge werden die Wurzel und das Rhizom verwendet. Inzwischen konnten zahlreiche Inhaltsstoffe ausgemacht werden, wobei nach heutigem Wissensstand vor allem Inhaltsstoffe aus der Gruppe der phenolischen Glykoside für die Wirksamkeit verantwortlich sind: die Phenylpropanderivate Rosavin, Rosin, Rosarin sowie die Phenylethylderivate Salidrosid, Triandrin und p-Tyrosol. Die Inhaltstoffe der Wurzeln von Pflanzen unterschiedlicher Herkunft unterscheiden sich deutlich.

Rhodiola-rosea-Präparate liegen meist in Kapselform vor und sollten in jedem Falle standardisiert sein. Das bedeutet, dass sie garantierte Wirkstoffmengen enthalten. Andernfalls könnte es sich auch um Fälschungen (z. B. mit anderen Rhodiola-Arten) handeln oder die Rosavin-Gehalte sind zu niedrig. Hochwertige Rhodiola-Präparate bestehen aus Wurzelextrakten, also nicht nur aus dem Pulver der gemahlenen Wurzel. Sie müssen auf 0,8 bis 1 Prozent Salidrosid sowie auf mindestens 3 Prozent Rosavine standardisiert sein.

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Studienlage zu Rhodiola Rosea und Alzheimer/Demenz

Die Forschung zu Rhodiola Rosea und ihren Auswirkungen auf kognitive Funktionen, insbesondere im Zusammenhang mit Alzheimer und Demenz, ist ein wachsendes Feld. Es gibt Hinweise darauf, dass Rhodiola Rosea das Gedächtnis verbessern kann. Warum dies so ist, war allerdings lange unbekannt. Nun ist es Forschern erstmals gelungen, eine konkrete Gedächtnis-fördernde Substanz aus Rhodiola zu identifizieren und zu isolieren.

Identifizierung von FAE-20 als Gedächtnis-fördernde Substanz

In einer Studie haben Forscher aus Rhodiola die Gedächtnis-fördernde Substanz Ferulasäure-Eicosyl-Ester (FAE-20) entdeckt. Aufwändige Biotests wurden mit der phytochemischen Analyse kombiniert. Dadurch gelang es schließlich, die Substanz Ferulasäure-Eicosyl-Ester (FAE-20), welche die Gedächtnisleistung fördert, aus der Pflanze zu isolieren und chemisch eindeutig zu bestimmen.

Die Magdeburger Forscher konnten zeigen, dass nach Zugabe von FAE-20 in das Fliegenfutter die Gedächtnisleistung von gealterten Fruchtfliegen um ein Drittel besser war als bei ihren nicht behandelten Artgenossen. Außerdem konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass FAE-20 die altersbedingte übermäßige Ansammlung von Proteinen an den Verbindungen der Nervenzellen im Gehirn der Fliege verhindert. In Zusammenarbeit mit Kollegen der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen konnten die positiven Effekte auf die Gedächtnisleistungen auch bei über zwei Jahre alten Mäusen bestätigt werden.

Weitere Studien und Erkenntnisse

  • Neuroprotektive Effekte: Eine Studie von Zhang et al. (2016) zeigte, dass Salidrosid, ein Inhaltsstoff von Rhodiola Rosea, in Alzheimer-Modellen neuroprotektive Effekte durch die Aktivierung des PI3K/Akt-Signalwegs hat.
  • Traditionelle Chinesische Medizin: Eine Studie von Sun et al. (2013) deutet darauf hin, dass traditionelle chinesische Medizin, einschließlich Rhodiola, ein vielversprechender Kandidat für die Behandlung von Alzheimer sein könnte.
  • Ginkgo Biloba: Für die Indikation Alzheimer-Demenz gibt es für EGb 761® auch eine positive Nutzenbewertung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Die aktuelle S3-Leitlinie „Demenzen“ der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie attestiert EGb 761® bei einer Tagesdosis von 240 mg positive Effekte auf die Kognition bei Patienten mit leichter bis mittelgrader Alzheimer-Demenz oder vaskulärer Demenz und spricht eine „Kann“-Empfehlung aus.
  • Weitere Heilpflanzen: Auch Salbei, vor allem die beiden Arten Salvia officinals (Echter Salbei) und Salvia lavendulaefolia (Spanischer Salbei) könnten sich als unterstützend bei leichter bis moderater Alzheimer-Erkrankung erweisen. Der besonders im asiatischen Raum verbreitete Ginseng, allen voran der Rote Ginseng, der einen besonders hohen Anteil an wertvollen Ginsenosiden aufweist, steht wegen seiner potenziellen neuroprotektiven Eigenschaften ebenfalls im Fokus der Alzheimer-Forschung.

Einschränkungen und Perspektiven

Es ist wichtig zu beachten, dass viele Studien zu Rhodiola Rosea im Zusammenhang mit Alzheimer und Demenz noch in einem frühen Stadium sind und hauptsächlich an Tiermodellen durchgeführt wurden. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen muss noch in größeren klinischen Studien bestätigt werden. Dennoch geben die bisherigen Erkenntnisse Anlass zur Hoffnung, dass Rhodiola Rosea und insbesondere der Wirkstoff FAE-20 in Zukunft eine Rolle bei der Prävention und Behandlung von Demenzerkrankungen spielen könnten.

Weitere Anwendungsgebiete von Rhodiola Rosea

Neben den potenziellen Vorteilen bei Alzheimer und Demenz wird Rhodiola Rosea auch in anderen Bereichen eingesetzt:

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Stress und Müdigkeit

Extrakte der Rosenwurz werden bei Depressionen, Müdigkeit, Erschöpfung sowie zur Steigerung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit eingesetzt. In klinischen Studien kamen vor allem standardisierte Extrakte zum Einsatz - allen voran SHR‑5 und WS 1375. Diese Produkte enthalten definierte Marker (z. B. Rosavine und Salidrosid), was Vergleiche zwischen Studien erst möglich macht.

Eine Studie von Dimpfel zeigte, dass die Frequenzen in bestimmten Hirnarealen unterdrückt, in anderen aktiviert wurden. So zeigte sich zum Beispiel in einigen Arealen eine höhere Aktivität von Alpha-Wellen, die in entspanntem Zustand dominieren. Panossian empfahl zwei Kapseln SHR-5-Extrakt 200 mg täglich für einen Zeitraum von ein bis drei Monaten gefolgt von einer zweiwöchigen Auswaschphase.

Angststörungen

Bystritsky et al. zeigten eine Wirksamkeit von Rhodiola-rosea-Extrakt bei generalisierten Angststörungen.

Herz-Kreislauf-System

Rhodiola ist believed to help protect the cardiovascular system while also possessing anti-anxiety, anti-depressant, energy and memory-enhancement properties.

Diabetes

Rhodiola may be helpful in those who are afflicted with type 2 diabetes. A 2016 study by Dr. Chen using an animal model showed Rhodiola made the diabetes hormone insulin more efficient.

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Leberschutz

A 2014 study using an animal model showed that Rhodiola could be protective against drug-induced liver damage while a 2016 study in BMC Pharmacology and Toxicology demonstrated that salidroside, the active ingredient in Rhodiola, could protect the liver from oxidative damage which occurs from a fatty liver.

Risiken und Nebenwirkungen

Rhodiola rosea ist im Allgemeinen gut verträglich. Mögliche unerwünschte Wirkungen: Kopfschmerz, gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Bauchschmerz, Durchfall) sowie Hautreaktionen; Häufigkeit unbekannt. Für Schwangerschaft/Stillzeit liegen unzureichende Daten vor - daher nicht empfohlen. Anwendung unter 18 Jahren wird nicht empfohlen.

Eine Arbeitsgruppe hat in der Wurzel 0,12 mg/g das Cyanoglykosid Lotaustralin nachgewiesen (Akgul et al., 2004). Dieser Prozess kann durch eine Inaktivierung der Enzyme (z. B. durch Kochen) verhindert werden.

Rhodiola rosea sollte ohne Zustimmung des Arztes nicht mit Antidepressiva (SSRI) kombiniert werden. Dies könnte u. U. zu unerwünschten Wechselwirkungen führen.

Dosierung und Anwendung

Die empfohlene Tagesdosis liegt zwischen 200 und 600 mg standardisierten Rhodiola Extrakts, die man auf zwei Dosen/Kapseln pro Tag aufteilen kann. Empfehlenswert ist es, mit kleinen Dosen zu beginnen (z. B. mit 100 mg). Auf diese Weise kann sich der Körper einerseits langsam an Rhodiola gewöhnen. Andererseits erkennt man so am besten die individuell passende Dosis.

Zur Behandlung bereits eingetretener Müdigkeitserscheinungen und Erschöpfungszuständen werden 300 bis 600 mg empfohlen.

Auch sollten Sie vor, zu oder nach der Einnahme von Rhodiola-Extrakt weder Zucker noch Kaffee oder andere koffeinhaltigen Getränke zu sich nehmen. Dies könnte zu Hyperaktivität oder Angstgefühlen führen. Koffein pusht den stimulierenden Effekt von Rhodiola sehr stark.

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