Richard Wagner, ein bedeutender deutschsprachiger Schriftsteller, setzte sich in seinem literarischen Schaffen intensiv mit seiner Parkinson-Erkrankung auseinander. Sein Werk "Herr Parkinson", erschienen 2015, ist ein eindringliches Zeugnis seiner persönlichen Erfahrungen und Reflexionen über das Leben mit dieser neurologischen Erkrankung. Dieser Artikel beleuchtet Wagners Auseinandersetzung mit Parkinson, seine literarische Verarbeitung der Krankheit und die Bedeutung seines Werkes.
Die Diagnose und ihre Folgen
Bei Richard Wagner traten zunächst unspezifische Symptome auf. Das rechte Bein zuckte, anfangs nur gelegentlich, dann immer häufiger. Es kamen leichte Taumelzustände und Gleichgewichtsstörungen hinzu. Nach Untersuchungen und einer Überweisung zum Neurologen erhielt Wagner die Diagnose Parkinson.
Wagner ignorierte die Krankheit zunächst. Die Medikamente milderten die Symptome, was kurzzeitig Euphorie auslöste. Doch die Besserung war nur von vorübergehender Natur. Im weiteren Verlauf kamen Gedächtnisprobleme, Stimmversagen und Stürze hinzu.
"Herr Parkinson": Eine literarische Auseinandersetzung mit der Krankheit
In seinem Werk "Herr Parkinson" thematisierte Wagner seine Erfahrungen mit der Krankheit auf eine literarisch anspruchsvolle Weise. Er beschreibt die Parkinson-Krankheit als einen herrischen Bekannten, der zunehmend die Kontrolle über sein Leben übernimmt.
Der Erzähler in Wagners Werk stellt fest, dass die Parkinson-Krankheit zwar keinen erkennbaren Plan habe, aber ein Prinzip. "Sie verlangt nicht ausdrücklich die Unterwerfung, doch wo der Parkinson Herr der Lage ist, hat der Erkrankte nicht mehr viel zu sagen."
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Wagner schildert die extremen Steifheit und die unkontrollierbaren Bewegungen, die ihn plagten. Parkinson sei eine Krankheit für Einzelgänger, sagte Richard Wagner. Es war ihm nur noch schwer möglich, zu anderen Menschen Kontakt zu halten. Und weil er fand: „Über Parkinson gibt es nur schlechte Bücher“, schrieb er ein eigenes, hochliterarisches, keinen Ratgeber und keine Biografie.
Inhaltliche Aspekte des Buches
"Herr Parkinson" ist keine typische Krankheitserzählung oder ein Ratgeber. Wagner verzichtet auf eine rein deskriptive Darstellung der Symptome und konzentriert sich stattdessen auf die subjektive Erfahrung des Krankseins. Er analysiert die Auswirkungen der Krankheit auf sein Leben, seine Beziehungen und seine Wahrnehmung der Welt.
Wagner beschreibt, wie "Herr Parkinson" zunehmend die Kontrolle über seinen Körper und sein Leben übernimmt. Er verliert die Fähigkeit, alltägliche Dinge zu tun, und zieht sich immer mehr von der Außenwelt zurück.
Stilistische Besonderheiten
Wagners Sprache in "Herr Parkinson" ist präzise, lakonisch und oft von schwarzem Humor geprägt. Er verwendet Aphorismen und philosophische Reflexionen, um seine Erfahrungen zu verarbeiten und dem Leser einen tieferen Einblick in seine Gedankenwelt zu ermöglichen.
Der Text spiegelt weitgehend die irritierte Körpermotorik wider. "Das Syndrom der ruhelosen Beine. Als ginge es bloß um die Beine, und nicht auch um den Kopf, der angeblich alles kontrolliert, aber kaum etwas unter Kontrolle hat. Fest steht, dass das Hirn um einiges größer ist, als für die menschliche Aufklärungstätigkeit nötig wäre. Was aber in diesen überschüssigen Territorien passiert, weiß bis heute kein Neurologe zu sagen."
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Wagners Blick auf die Krankheit
Wagner betrachtete Parkinson als eine Krankheit, die den Körper verwirrt und den Geist zuschauen lässt. Er beschreibt die Hilflosigkeit angesichts der fortschreitenden Symptome und die Schwierigkeit, mit den Einschränkungen des Körpers umzugehen.
"Herr Parkinson verwirrt den Körper und lässt den Kopf zuschauen."
Gleichzeitig betont Wagner die Bedeutung des Lebenswillens und der Fähigkeit, der Krankheit etwas abzutrotzen.
"Die Frage aber ist nicht, wie lange man lebt, sondern wie man so lange leben kann."
Das Vermächtnis von Richard Wagner
Richard Wagner starb im Alter von 70 Jahren in Berlin an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung. Sein Werk "Herr Parkinson" bleibt jedoch als ein wichtiges Zeugnis seiner Auseinandersetzung mit der Krankheit und seiner literarischen Meisterschaft bestehen.
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Und wenn doch eigentlich vieles bleiben sollte von seinen Büchern, den Romanen wie „In der Hand der Frauen“, „Giancarlos Koffer“ und Miss Bukarest“, den Bänden mit pointierten Kürzestgeschichten und den kühl assoziierenden Gedichten, ist es vor allem dieses eine Buch, das dringend seinen Tod überdauern sollte.
Wagners schonungsloser und zugleich humorvoller Blick auf seine eigene Erkrankung hat Leser und Kritiker gleichermaßen berührt. Sein Werk trägt dazu bei, das Bewusstsein für die Parkinson-Krankheit zu schärfen und Betroffenen Mut zu machen.
Weitere Werke und Auszeichnungen
Richard Wagner, 1952 im rumänischen Banat geboren, veröffentlichte bereits mit 17 erste Gedichte, studierte Germanistik und gründete bald mit Studienfreunden, zu denen auch der Autor, Übersetzer und langjährige Chef des Literaturhauses Berlin Ernest Wichner gehört, die Aktionsgruppe Banat. Die jungen Leute damals wollten anders auf Deutsch schreiben, keine Heimatliteratur, sondern modern und in die Gesellschaft wirkend. Die allerdings war sozialistisch organisiert, was für Wagner nach weiteren Gedichten den Verlust der Arbeitsstelle als Journalist bedeutete, und bald auch Bespitzelung.
Im Jahr 1984 stellte er gemeinsam mit seiner Ehefrau, der späteren Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, einen Ausreiseantrag. Sie mussten bis 1987 warten, ehe sie nach West-Berlin gehen konnten. Die Ehe hielt der Belastung nicht lange stand. Aber Wagner begann in Deutschland, sich der Prosa zuzuwenden, erst ganz kurz und knapp, dann wurden seine Texte immer länger. Doch auch den Romanen merkt man das Feilen des Dichters an, das Streichen alles Überflüssigen. 2017 erschien noch einmal ein Gedichtband, „Gold“, im Aufbau-Verlag, mit einer Auswahl aus den Jahrzehnten und einigen letzten Texten. „Ich bin nicht mehr mein Körper / Mein wegfallender Körper / Mein Abfall / von wessen Fahne / auch immer“, heißt es in dem Gedicht „Tapas“ direkt zwischen Versen, die Momentaufnahmen enthalten.
Parkinson im Spiegel der Literatur
Wagners Werk ist ein Beispiel dafür, wie die Literatur dazu beitragen kann, Krankheiten zu thematisieren und das Verständnis für die Erfahrungen von Betroffenen zu fördern. Es gibt zahlreiche weitere literarische Werke, die sich mit Parkinson und anderen neurologischen Erkrankungen auseinandersetzen.
- David Albahari: Heute ist Mittwoch. Schöffling und Co. Aus dem Serbischen von Mirjana und Klaus Wittmann. "Heute ist Mittwoch" - der Tag, an dem ein Mann seinen älteren, an Parkinson erkrankten Vater zu Untersuchungen begleiten muss.
- Julie Otsuka: Solange wir schwimmen. Aus dem amerikanischen Englisch von Katja Scholtz. Helmut Dubiel ist Hochschullehrer. Seit dreizehn Jahren leidet er an Parkinson. In seinem Kopf sitzt eine Sonde, die er mit einer Fernbedienung steuert.
- Douwe Draaisma: Geist auf Abwegen. Alzheimer, Parkinson und Co. - Von den Wegbereitern der Gehirnforschung und ihren Fällen. Aus dem Niederländischen von Verena Kiefer und Stefan Häring. Psychiater und Neurologen ehren ihre Fachgenossen oft, indem sie deren Entdeckungen nach ihnen benennen. Alois Alzheimer, James Parkinson,…
Diese Werke bieten unterschiedliche Perspektiven auf die Krankheit und ihre Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen.
Parkinson: Eine Krankheit mit vielen Facetten
Die Parkinson-Krankheit, im Deutschen auch als Schüttellähmung bezeichnet, ist eine langsam fortschreitende Erkrankung bestimmter Hirnbereiche. Sie wurde erstmals 1817 von dem englischen Arzt James Parkinson beschrieben.
Die Symptome der Parkinson-Krankheit sind vielfältig und können von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Zittern (Tremor)
- Muskelsteifigkeit (Rigor)
- Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese)
- Gleichgewichtsstörungen
- Posturale Instabilität
Die Parkinson-Krankheit ist nicht heilbar, aber es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die die Symptome lindern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern können.
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