Selbstständig wohnen und gleichzeitig versorgt sein - das Konzept des Wohnens mit Service erfreut sich wachsender Beliebtheit, um ein angenehmes und würdevolles Altern zu ermöglichen. Die Riehler Heimstätten in Köln bieten hierzu ein umfassendes und vielschichtiges Angebot, das sowohl auf die Bedürfnisse von Senioren im Allgemeinen als auch speziell auf die von Menschen mit Demenz zugeschnitten ist.
Service-Wohnen: Selbstständigkeit und Sicherheit im Alter
Das Service-Wohnen stellt eine attraktive Option für ältere Menschen dar, die ihre Selbstständigkeit bewahren möchten, aber gleichzeitig Wert auf Sicherheit und Unterstützung legen. Karl-Leo Dohr, ein 85-jähriger Witwer, schätzt die Vorzüge dieser Wohnform im Theo-Burauen-Haus, dem Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Neu-Ehrenfeld. Er lebt seit 2021 in einer barrierefreien Einzimmerwohnung mit separater Küche und Balkon und genießt die Annehmlichkeiten des Hauses.
Was ist Service-Wohnen?
Im Theo-Burauen-Haus umfasst das Service-Wohnen einen Wohnblock mit 53 Ein- und Zweizimmerwohnungen, der sich direkt gegenüber dem Pflegeheim befindet. Beide Gebäude teilen sich einen Garten, ein Café und ein Hausrestaurant. Zum Standard gehört ein 24-Stunden-Hausnotruf. Ansprechpartner stehen den Mietern für alltägliche Fragen und die Suche nach geeigneten Ärzten zur Verfügung.
Service-Wohnen vs. Betreutes Wohnen
Obwohl der Begriff Service-Wohnen nicht so bekannt ist, ist das Konzept bei älteren Menschen sehr beliebt. Oft wird es mit "Betreutem Wohnen" verwechselt, was jedoch nicht ganz korrekt ist. Betreutes Wohnen richtet sich an kranke oder pflegebedürftige Menschen jeden Alters mit einem Pflegegrad und bietet eine Rundum-Betreuung in einer Wohneinheit eines Pflegeheims. Service-Wohnen hingegen eignet sich für weitgehend gesunde Menschen ab sechzig Jahren, ein Pflegegrad ist nicht zwingend erforderlich. Bei Bedarf können jedoch alle Dienste der Einrichtung in Anspruch genommen werden, insbesondere wenn ein Pflegeheim angeschlossen ist.
Vielfalt und Kosten des Service-Wohnens
Das Angebot an Service-Wohnungen in Köln ist groß, wobei die Ausstattung und der Umfang der Betreuung variieren. Daher unterscheiden sich die Kosten je nach Anbieter, Wohnungsgröße und Leistungsumfang. Die Kaltmiete liegt in der Regel etwa 10 Prozent über dem örtlichen Mietspiegel, was auf die Barrierefreiheit der Wohnung zurückzuführen ist. Hinzu kommen Nebenkosten wie Strom, Wasser, Heizung, Kabelfernsehen und Müllabfuhr. Für Menschen mit geringerem Einkommen gibt es auch geförderte Wohnungen, wie beispielsweise bei den Sozial-Betrieben-Köln (SBK) in Riehl.
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Service- und Betreuungsvertrag
Vor dem Einzug in eine Service-Wohnung wird neben dem Mietvertrag in der Regel auch ein Service- und Betreuungsvertrag mit dem Anbieter abgeschlossen. Die monatlichen Kosten hierfür liegen zwischen 75 und 180 Euro, abhängig vom Leistungsumfang. Zusätzlich können die Mieter weitere Dienstleistungen wie Wohnungsreinigung, Einkaufsservice, Begleitung zu Ärzten und Behörden oder Mahlzeiten hinzubuchen.
Gemeinschaft und Struktur im Alltag
Service-Wohnen ist ideal für Alleinstehende oder Paare, die sich mehr Sicherheit wünschen und Wert auf Gemeinschaft legen. Begegnungen am Briefkasten, im Garten oder beim gemeinsamen Mittagessen im Restaurant fördern den Kontakt und die soziale Interaktion. Freizeitangebote wie Sportkurse, Konzerte, Ausflüge und Gedächtnistraining bringen Abwechslung und Struktur in den Alltag, was sich positiv auf die Gesundheit auswirkt.
Planung und Auswahl der passenden Einrichtung
Die Wartezeiten für Service-Wohnungen können lang sein, daher ist eine frühzeitige Planung ratsam. Bei der Suche nach einer geeigneten Einrichtung sollte man sich genau überlegen, welche Hilfe man benötigt und eine Checkliste erstellen. Es ist sinnvoll, mehrere Einrichtungen zu besichtigen und eine Vertrauensperson zu den Informationsterminen mitzunehmen. Regelmäßige Besuche zum Mittagstisch oder zu Festen können helfen, die Atmosphäre der Einrichtung kennenzulernen und festzustellen, ob man sich dort wohlfühlt.
Riehler Heimstätten: Tradition und Innovation seit 1927
Die Riehler Heimstätten, gegründet am 1. November 1927 auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne an der Boltensternstraße, blicken auf eine lange Tradition in der Betreuung und Versorgung von Senioren und Menschen mit Behinderung zurück. Die Initiative zur Gründung ging von Hertha Kraus aus, die ein Konzept einer dreigliedrigen Einrichtung mit den Bereichen Wohnstift, Pflegeheim und Versorgungsheim nach amerikanischem Vorbild entwickelte.
Das Konzept der Riehler Heimstätten
Das Konzept von Hertha Kraus sah vor, älteren Kölner Bürgern Wohnmöglichkeiten zu bieten und pflegebedürftige Menschen adäquat zu pflegen und zu betreuen, anstatt sie in großen Schlafsälen zu verwahren. Im Versorgungsbereich wurden Menschen untergebracht, die nicht für sich selbst sorgen konnten, aber auch nicht pflegebedürftig waren und in den betriebseigenen Werkstätten und landwirtschaftlichen Betriebsteilen mitarbeiteten.
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Die Entwicklung der Riehler Heimstätten
Der erste Bauabschnitt der Riehler Heimstätten, das Wohnstift, wurde im Herbst 1927 fertiggestellt und umfasste neben ausgedehnten Gartenanlagen neun Wohngebäude, das Klubhaus, die Wäscherei und das Kesselhaus. Das Wohnstift bot minderbemittelten Personen im vorgerückten Alter billige und behagliche Kleinstwohnungen mit wirtschaftlichen Erleichterungen wie Zentralwäscherei, Zentralheizung und elektrischer Kochvorrichtung. Im Pflegebereich waren Sechs-Bett-Zimmer üblich, die von examinierten Krankenschwestern und Vinzentinerinnen betreut wurden.
Die Riehler Heimstätten heute
Heute sind die Riehler Heimstätten unter dem Dach der SBK Sozial-Betriebe-Köln gemeinnützige GmbH zusammengefasst und bieten ein umfassendes Wohn- und Betreuungsangebot für Seniorinnen und Senioren sowie für Menschen mit Behinderung. Das Gelände umfasst eine 25 Hektar große Parklandschaft und gilt als eine der größten Pflegeeinrichtungen Europas.
Demenzkonzept in den Riehler Heimstätten
Die Riehler Heimstätten haben sich auch auf die Betreuung von Menschen mit Demenz spezialisiert und bieten verschiedene Betreuungsdienste an.
Ehrenamtliche Assistenz für Demenzkranke
Seit rund 15 Jahren gibt es in Köln Betreuungsdienste für Menschen mit Demenz, die von ehrenamtlich tätigen Kölnern angeboten werden. Diese Ehrenamtler absolvieren eine Schulung bei einem der Kölner Wohlfahrtsverbände und stellen sich für mindestens zwei Stunden wöchentlich zur Verfügung, um Demenzkranke zuhause zu betreuen und damit die Angehörigen zu entlasten. Für ihr Engagement erhalten die Demenzbetreuer eine Aufwandsentschädigung. Ansprechpartner für die "Ehrenamtliche Assistenz für demenzkranke Menschen" ist im Stadtbezirk 9 (Mülheim) "SenioAss", eine Initiative der Sozial-Betriebe-Köln gGmbH (SBK).
Das Mitmach-Haus: Konzeptuelle Inhalte
Das neue Pflegeheim "Haus 2" des Seniorenzentrums Riehl wurde unter dem Konzept des "Mitmach-Hauses" eröffnet. Einrichtungsleiterin Gabriele Patzke erläuterte die konzeptionellen Inhalte, die darauf abzielen, die Bewohner aktiv in den Alltag einzubeziehen und ihre Fähigkeiten zu fördern.
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Tiergestützte Therapie: Besuch von Therapieschwein Felix
Eine besondere Attraktion für die Bewohner des Pflegeheims "Haus 1" war der Besuch von Therapieschwein Felix, der zusammen mit seinem Therapeuten Daan Vermeulen die Einrichtung besuchte. Therapien unter Mitwirkung von Tieren erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, da sie bei kognitiv eingeschränkten Personen Emotionen anregen können, wo menschliche Therapeuten oft an ihre Grenzen stoßen. Felix, ein zehn Jahre altes und 85 Kilogramm schweres Minischwein, sorgte für viel Freude und Gesprächsstoff unter den Senioren.
Unterstützung bei Sehbehinderung
Zur Unterstützung der Orientierung blinder und sehbehinderter Menschen sollten alle Bereiche in der häuslichen Umgebung oder in einer Senioreneinrichtung besonders hell und blendfrei ausgeleuchtet sein.
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