Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das viele Menschen in ihrem täglichen Leben beeinträchtigt. Die Ursachen für diese Schmerzen sind vielfältig und reichen von harmlosen Muskelverspannungen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen der Wirbelsäule. Um die richtige Behandlung zu finden, ist es wichtig, die möglichen Ursachen von Rückennervschmerzen zu kennen.
Einführung
Rückenschmerzen können in verschiedenen Bereichen der Wirbelsäule auftreten und unterschiedliche Qualitäten aufweisen. Sie können stechend, dumpf oder diffus sein und sowohl plötzlich als auch chronisch auftreten. Um die Ursache der Schmerzen zu finden, ist eine genaue Diagnose erforderlich, die sowohl eine körperliche Untersuchung als auch bildgebende Verfahren umfassen kann.
Häufigkeit von Rückenschmerzen
Circa 5 Millionen Menschen der deutschen Gesamtbevölkerung leiden unter chronischen Schmerzen. Dabei sind weltweit chronische Rückenschmerzen und Kopfschmerzen unter den häufigsten Ursachen für Erwerbsunfähigkeit und/oder Behinderung. Akute Rückenschmerzen sind sehr viel häufiger, in Deutschland leiden circa 60 % der Erwachsenen unter mindestens einer Episode mit Rückenschmerzen im Jahr. Bei Nervenschmerzen, die bei einer Nervenschädigung auftreten können, geht man von einer Häufigkeit von immerhin 7-8 % in der Bevölkerung europaweit aus.
Ursachen von Rückenschmerzen
Rückenschmerzen lassen sich grob in spezifische und nicht-spezifische Ursachen einteilen.
Nicht-spezifische Rückenschmerzen
In den meisten Fällen (80-90 %) lassen sich keine eindeutigen körperlichen Ursachen für die Rückenschmerzen finden. Diese werden als nicht-spezifische Rückenschmerzen bezeichnet. Mögliche Auslöser sind:
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- Muskelverspannungen: Diese können durch Fehlhaltungen, Bewegungsmangel, Stress oder Überlastung entstehen.
- Psychische Faktoren: Stress, Angst und Depressionen können zu Muskelverspannungen und einer erhöhten Schmerzwahrnehmung führen.
- Arbeitsplatzbezogene Faktoren: Schweres Heben, monotone Körperhaltungen und ständige Erschütterungen können Rückenschmerzen begünstigen.
- Mangelnde Unterstützung durch das soziale Umfeld
- Berufliche Unzufriedenheit oder Verlust des Jobs
- Andauernde Konflikte am Arbeitsplatz und Mobbing
- Psychische Tiefs wie Depressivität, Stress oder Angst
- Ignorieren und Unterdrücken von Schmerzen
Spezifische Rückenschmerzen
In einigen Fällen lassen sich spezifische Ursachen für die Rückenschmerzen identifizieren. Dazu gehören:
- Bandscheibenvorfall: Hierbei tritt Gewebe der Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern hervor und drückt auf Nervenwurzeln.
- Spinalkanalstenose: Eine Verengung des Wirbelkanals kann zu Druck auf die Nervenbahnen führen.
- Angeborene Spinalkanalstenose: In seltenen Fällen ist die Verengung des Wirbelkanals angeboren.
- Degenerative Spinalkanalstenose: Viel häufiger entsteht sie aber durch den normalen Alterungsprozess des Körpers.
- Wirbelgleiten: Hierbei verschieben sich Wirbel gegeneinander und können auf Nerven und Gefäße drücken.
- Spondylodiszitis: Eine bakterielle Infektion der Bandscheiben und Wirbel kann zu Entzündungen und Schmerzen führen.
- Spondylitis: Eine Entzündung der Wirbelkörper, oft durch bakterielle Infektionen verursacht.
- Spondylarthritis: Eine Gruppe von entzündlichen Erkrankungen, die hauptsächlich die Gelenke der Wirbelsäule und des Beckens betreffen.
- Ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew): Eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die zu einer Versteifung der Wirbelsäule führen kann.
- Osteoporose: Der Abbau von Knochensubstanz kann zu Wirbelbrüchen und Rückenschmerzen führen.
- Andere Erkrankungen: In seltenen Fällen können auch Erkrankungen anderer Organe wie Nierenbeckenentzündung, Prostatitis oder Herzinfarkt Rückenschmerzen verursachen.
Symptome von Rückenschmerzen
Die Symptome von Rückenschmerzen können je nach Ursache variieren. Typische Symptome sind:
- Schmerzen im unteren Rücken: Dies ist die häufigste Lokalisation von Rückenschmerzen.
- Ausstrahlung in die Beine: Bei einem Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose können die Schmerzen bis ins Bein ausstrahlen (Ischialgie).
- Taubheitsgefühle und Kribbeln: Diese können auftreten, wenn Nerven eingeklemmt oder gereizt werden.
- Muskelverspannungen: Die Rückenmuskulatur kann sich verhärten und schmerzhaft verspannen.
- Bewegungseinschränkungen: Die Beweglichkeit der Wirbelsäule kann eingeschränkt sein.
- Neurologische Ausfälle: In schweren Fällen können Lähmungen oder Störungen der Blasen- oder Darmfunktion auftreten.
- Fieber und Schüttelfrost: Diese Symptome können auf eine Entzündung im Rücken hindeuten.
- Nacht- und Ruheschmerzen: Treten ebenfalls häufig auf und beeinträchtigen die Schlafqualität teilweise erheblich.
Ischiasschmerzen
Ischias-Schmerzen äußern sich typischerweise einseitig im unteren Rücken und ziehen über das Gesäß bis in das Bein, manchmal bis in den Fuß. Die Beschwerden sind oft stechend, brennend oder ziehend und verstärken sich bei bestimmten Bewegungen wie Husten und Niesen oder bei langem Sitzen. Auch Taubheitsgefühle oder Kribbeln im Bein können auftreten. Ischias-Schmerzen entstehen, wenn der Ischiasnerv gereizt oder eingeklemmt wird - meist durch einen Bandscheibenvorfall, eine Verengung des Wirbelkanals oder Wirbelgleiten. Der Druck auf die Nervenwurzeln oder den Nerv löst die typischen ins Bein ausstrahlenden Schmerzen aus.
Diagnose von Rückenschmerzen
Um die Ursache von Rückenschmerzen zu finden, ist eine umfassende Diagnose erforderlich. Diese umfasst in der Regel:
- Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten nach Art, Dauer und Lokalisation der Schmerzen sowie nach Vorerkrankungen und Risikofaktoren.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Körperhaltung, die Beweglichkeit der Wirbelsäule, die Muskelkraft und die Reflexe.
- Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) können Veränderungen an der Wirbelsäule sichtbar machen.
- Blutuntersuchung: Bei Verdacht auf eine Entzündung oder andere Erkrankungen können Blutwerte untersucht werden.
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt prüft die Sensibilität, Motorik und Koordination des Patienten, um Nervenschädigungen festzustellen.
- Ganganalyse: Die dynamische Ganganalyse kann den Zusammenhang zwischen Bewegung, Haltung und Rückenschmerzen herstellen.
- 3D-Wirbelsäulenmessung: Die 3D-Wirbelsäulenmessung ist ein optisches Verfahren ohne belastende Röntgenstrahlen und ohne Nebenwirkungen.
Behandlung von Rückenschmerzen
Die Behandlung von Rückenschmerzen richtet sich nach der Ursache der Schmerzen. In den meisten Fällen kommen konservative Therapien zum Einsatz.
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Konservative Therapien
- Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAID) wie Ibuprofen oder Diclofenac können Schmerzen und Entzündungen lindern. In schweren Fällen können auch Opioide kurzfristig eingesetzt werden.
- Muskelentspannende Medikamente: Diese können bei Muskelverspannungen helfen.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen können die Muskulatur stärken, die Beweglichkeit verbessern und die Schmerzen lindern.
- Entlastungshaltungen, etwa das Beugen des Oberkörpers oder das Kippen des Beckens
- Manuelle Therapie, bei der der betroffene Wirbelsäulenabschnitt und die Nervenwurzeln am Übergang zum Kreuzbein gezielt mobilisiert werden.
- Dehnung und Mobilisierung der Gelenke im Hüft-, Becken- und Wirbelsäulenbereich sowie Rumpfübungen gehören dazu.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme kann Muskelverspannungen lösen, während Kälte Entzündungen reduzieren kann.
- Massagen: Diese können die Muskulatur lockern und die Durchblutung fördern.
- Akupunktur: Diese traditionelle chinesische Behandlungsmethode kann bei einigen Patienten Schmerzen lindern.
- Rückenschule: In der Rückenschule lernen Patienten, wie sie ihren Rücken im Alltag schonen und Fehlhaltungen vermeiden können.
- Psychotherapie: Bei chronischen Schmerzen können psychotherapeutische Maßnahmen helfen, den Umgang mit den Schmerzen zu erlernen.
- Multimodale Schmerztherapie: Hierbei wird man von Fachleuten aus verschiedenen therapeutischen Bereichen betreut, etwa aus der Medizin, Physiotherapie und Psychologie. Sie unterstützen dabei, in Bewegung zu bleiben und mit den Beschwerden umzugehen.
- Entspannungsverfahren: Atmen Sie durch und finden Sie Ruhe durch Autogenes Training und Meditation oder beim Yoga, Qigong und Tai-Chi.
Operative Therapien
In seltenen Fällen ist eine Operation erforderlich, beispielsweise bei einem schweren Bandscheibenvorfall mit Lähmungserscheinungen oder bei einer Spinalkanalstenose, die auf konservative Therapien nicht anspricht.
- Minimalinvasive Verfahren: Bei einem Bandscheibenvorfall können minimalinvasive Verfahren eingesetzt werden, um den Druck auf die Nervenwurzel zu reduzieren.
- Dekompression: Bei einer Spinalkanalstenose kann eine Operation durchgeführt werden, um den Wirbelkanal zu erweitern und die Nerven zu entlasten.
- Versteifung: In einigen Fällen kann eine Versteifung von Wirbeln erforderlich sein, um die Wirbelsäule zu stabilisieren.
Vorbeugung von Rückenschmerzen
Es gibt verschiedene Maßnahmen, um Rückenschmerzen vorzubeugen:
- Regelmäßige Bewegung: Sport und Bewegung stärken die Rückenmuskulatur und fördern die Durchblutung.
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine korrekte Sitzhaltung und eine gute Unterstützung des Rückens.
- Richtiges Heben und Tragen: Heben Sie Lasten aus den Beinen und halten Sie den Rücken gerade.
- Stressmanagement: Lernen Sie, Stress abzubauen und zu entspannen.
- Gesundes Gewicht: Übergewicht belastet die Wirbelsäule und kann Rückenschmerzen begünstigen.
- Ausreichend Bewegung im Alltag und aktive Pausen in den Tagesablauf integrieren
- Einseitige Belastungen möglichst vermeiden
- Übergewicht reduzieren, um anhaltenden Rückenschmerzen entgegenzuwirken
Zusammenfassung
Rückenschmerzen sind ein komplexes Problem mit vielfältigen Ursachen. Eine genaue Diagnose und eine individuelle Behandlung sind wichtig, um die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Neben konservativen Therapien kann in einigen Fällen auch eine Operation erforderlich sein. Vorbeugende Maßnahmen können helfen, Rückenschmerzen zu vermeiden.
Wichtige Hinweise
- Bei starken oder länger anhaltenden Rückenschmerzen sollte ein Arzt aufgesucht werden.
- Eine Selbstbehandlung kann die Beschwerden verschlimmern.
- Es ist wichtig, aktiv zu bleiben und den Rücken nicht zu schonen.
- Psychische Faktoren können eine wichtige Rolle bei Rückenschmerzen spielen.
- Eine Operation ist nicht immer die beste Lösung.
- Eine Rehabilitation kann helfen, die Erholung nach einer Operation zu fördern.
- Chronische Schmerzen können jedoch körperlich und psychisch so zu schaffen machen, dass sie manchmal sogar zu Problemen wie einer Depression führen.
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