Rückenmarkbetäubung, auch bekannt als Spinalanästhesie, ist eine gängige Methode zur Schmerzlinderung, insbesondere bei Operationen im Unterleib, an den Beinen oder während der Geburt. Obwohl sie im Allgemeinen als sicher gilt, kann sie in einigen Fällen zu unerwünschten Nebenwirkungen führen, darunter Juckreiz. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für Juckreiz nach einer Rückenmarkbetäubung und bietet einen Überblick über verschiedene Behandlungsansätze.
Rückenmarkbetäubung: Ein Überblick
Bei einer Rückenmarkbetäubung wird ein Lokalanästhetikum in den Raum um das Rückenmark (Epiduralraum) oder direkt in die Rückenmarksflüssigkeit (Spinalraum) injiziert. Dies blockiert die Nervenimpulse und führt zu einem vorübergehenden Verlust von Schmerz- und Gefühlsempfindungen in den unteren Körperregionen.
Die Rückenmarkbetäubung wird häufig bei folgenden Eingriffen eingesetzt:
- Geburtshilfe (Periduralanästhesie/PDA)
- Kaiserschnitt
- Operationen an Hüfte, Knie und Füßen
- Schmerztherapie bei chronischen Rückenschmerzen
Juckreiz als Nebenwirkung der Rückenmarkbetäubung
Juckreiz (Pruritus) ist eine bekannte, wenn auch unangenehme Nebenwirkung der Rückenmarkbetäubung. Er kann lokal an der Injektionsstelle oder generalisiert am ganzen Körper auftreten. Die Intensität des Juckreizes kann von leichtem Kribbeln bis hin zu quälendem, unerträglichem Jucken reichen.
Ursachen für Juckreiz nach Rückenmarkbetäubung
Mehrere Faktoren können zum Auftreten von Juckreiz nach einer Rückenmarkbetäubung beitragen:
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- Opioide: Opioide werden oft zusammen mit Lokalanästhetika in der Rückenmarkbetäubung eingesetzt, um die Schmerzlinderung zu verstärken. Opioide können jedoch die Freisetzung von Histamin aus Mastzellen in der Haut stimulieren. Histamin ist ein starker Juckreiz-Auslöser, der die Nervenenden in der Haut aktiviert und das Juckreizsignal an das Gehirn weiterleitet.
- Andere Medikamente: Auch andere Medikamente, die während oder nach der Rückenmarkbetäubung verabreicht werden, können Juckreiz als Nebenwirkung haben. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Antibiotika, Antidepressiva und Antiemetika (Mittel gegen Übelkeit).
- Allergische Reaktionen: In seltenen Fällen kann Juckreiz ein Symptom einer allergischen Reaktion auf das Lokalanästhetikum oder andere verwendete Medikamente sein.
- Hautreizung: Die Desinfektion der Haut vor der Injektion oder das Pflaster, das zur Fixierung des Katheters verwendet wird, können bei manchen Menschen Hautreizungen und Juckreiz verursachen.
- Vorerkrankungen: Personen mit bereits bestehenden Hauterkrankungen wie Ekzemen oder Psoriasis neigen möglicherweise eher zu Juckreiz nach einer Rückenmarkbetäubung.
- Psychische Faktoren: Stress, Angst und Nervosität können Juckreiz verstärken.
- Neuropathischer Juckreiz: In seltenen Fällen kann die Rückenmarkbetäubung selbst Nervenfasern schädigen und zu neuropathischem Juckreiz führen. Dieser Juckreiz wird durch eine Fehlfunktion der Nerven verursacht und kann schwer zu behandeln sein.
Behandlung von Juckreiz nach Rückenmarkbetäubung
Die Behandlung von Juckreiz nach einer Rückenmarkbetäubung richtet sich nach der Ursache und der Intensität des Juckreizes. In den meisten Fällen kann der Juckreiz mit einfachen Maßnahmen gelindert werden.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen:
- Kühlen: Kühlende Umschläge oder Lotionen können helfen, den Juckreiz zu lindern.
- Feuchtigkeitsspendende Cremes: Trockene Haut kann Juckreiz verstärken. Regelmäßiges Eincremen mit feuchtigkeitsspendenden Cremes kann helfen, die Haut mit Feuchtigkeit zu versorgen und den Juckreiz zu reduzieren.
- Lockere Kleidung: Das Tragen von lockerer, atmungsaktiver Kleidung kann helfen, Hautreizungen zu vermeiden.
- Ablenkung: Ablenkung von dem Juckreiz durch Aktivitäten wie Lesen, Fernsehen oder Musik hören kann helfen, das Juckempfinden zu reduzieren.
- Vermeidung von Kratzen: Kratzen kann den Juckreiz verstärken und zu Hautschäden führen. Versuchen Sie, dem Kratzimpuls zu widerstehen.
Medikamentöse Behandlung:
- Antihistaminika: Antihistaminika blockieren die Wirkung von Histamin und können helfen, Juckreiz zu lindern, der durch Histamin freisetzende Medikamente verursacht wird. Antihistaminika sind als Tabletten, Tropfen oder Cremes erhältlich. Topische Präparate mit Bamipin oder Dimetinden können in der Selbstmedikation empfohlen werden.
- Lokalanästhetika: Das Lokalanästhetikum Polidocanol reduziert reversibel und örtlich begrenzt die Erregbarkeit von sensiblen Nervenfasern. Dadurch bewirkt es eine lokale Betäubung und unterdrückt den Schmerz- und Juckreiz gleichermaßen. Bepanthen® Sensiderm oder Physiogel® Calming Relief A.I. können hier helfen.
- Capsaicin: Die topische Anwendung von Capsaicin desensibilisiert juckreizvermittelnde Nervenfasern. Das Alkaloid aus den Früchten von Capsicum-Arten führt zu einer Entleerung der Speicherbläschen des schmerz- und juckreizvermittelnden Botenstoffs Substanz P. Ärzte setzen Capsaicin vor allem bei neuropathischem Pruritus ein sowie bei Pruritus, der durch eine Nierenerkrankung hervorgerufen wird.
- Kortikosteroide: Kortikosteroide sind entzündungshemmende Medikamente, die als Cremes, Salben oder Tabletten erhältlich sind. Sie können helfen, Juckreiz zu lindern, der durch Hautentzündungen verursacht wird. Bei leichteren Beschwerden genügt eine Formulierung mit Hydrocortison, das in Konzentrationen von 0,25 und 0,5 Prozent auch für die Selbstmedikation zur Verfügung steht. Chronischen Pruritus mit entzündeten Kratzläsionen behandeln Dermatologen häufig mit stärkeren topischen Corticoiden wie Fluticason, Methylprednisolon oder Mometasonfuroat.
- Opioidrezeptor-Antagonisten: In schweren Fällen von Juckreiz, der nicht auf andere Behandlungen anspricht, können Opioidrezeptor-Antagonisten wie Naloxon oder Naltrexon eingesetzt werden. Diese Medikamente blockieren die Wirkung von Opioiden und können helfen, den Juckreiz zu lindern.
- Gabapentin und Pregabalin: Die Antiepileptika Gabapentin und Pregabalin können die Weiterleitung von Juckreiz im Rückenmark blockieren. Sie werden bei nephrogenem, das heißt von den Nieren ausgehendem, Pruritus und bei neuropathischem Pruritus zur Off-label-Anwendung empfohlen.
Prävention von Juckreiz nach Rückenmarkbetäubung
Einige Maßnahmen können helfen, das Risiko von Juckreiz nach einer Rückenmarkbetäubung zu verringern:
- Verwendung von Nicht-Opioid-Schmerzmitteln: Wenn möglich, sollten Nicht-Opioid-Schmerzmittel wie Paracetamol oder NSAR anstelle von Opioiden zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Niedrigere Opioiddosis: Wenn Opioide erforderlich sind, sollte die niedrigstmögliche wirksame Dosis verwendet werden.
- Antihistaminika: Die prophylaktische Gabe von Antihistaminika vor der Rückenmarkbetäubung kann helfen, Juckreiz zu verhindern.
- Hautpflege: Eine gute Hautpflege vor und nach der Rückenmarkbetäubung kann helfen, Hautreizungen und Juckreiz zu vermeiden.
Weitere mögliche Ursachen für Taubheitsgefühle im Oberschenkel
Es ist wichtig zu beachten, dass Taubheitsgefühle im Oberschenkel nicht immer mit einer Rückenmarkbetäubung zusammenhängen müssen. Es gibt eine Reihe anderer möglicher Ursachen, darunter:
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- Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule kann auf Nerven drücken und Taubheitsgefühle im Oberschenkel verursachen.
- Muskelverspannungen: Starke Muskelverspannungen im Rücken oder in der Hüfte können ebenfalls Nerven einklemmen und Taubheitsgefühle verursachen.
- Vitamin-B12-Mangel: Ein Mangel an Vitamin B12 kann zu Nervenschäden und Taubheitsgefühlen führen.
- Restless-Legs-Syndrom: Dieses Syndrom kann Taubheitsgefühle, Kribbeln und unruhige Beine verursachen.
- Rückenmarksverletzung: Eine Verletzung des Rückenmarks kann zu Taubheitsgefühlen, Schwäche und anderen neurologischen Symptomen führen.
- Meralgia paraesthetica: Diese Erkrankung wird durch die Einklemmung eines Nervs im Oberschenkel verursacht und führt zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln und Schmerzen an der Außenseite des Oberschenkels.
- Guillain-Barré-Syndrom: Dies ist eine seltene Autoimmunerkrankung, die zu Nervenschäden und Taubheitsgefühlen führen kann.
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