Ein Wirbelbruch, auch Wirbelfraktur genannt, ist ein Bruch eines oder mehrerer Wirbel der Wirbelsäule. Die Wirbelsäule besteht aus 33 Wirbeln, die in fünf Abschnitte unterteilt sind: Hals-, Brust-, Lenden-, Kreuzbein- und Steißbeinwirbel. Wirbelbrüche können an jeder Stelle der Wirbelsäule auftreten, betreffen aber oft die Brust- und Lendenwirbelsäule.
Einführung
Die Wirbelsäule ist ein komplexes und wichtiges Gebilde, das den Körper aufrecht hält und das Rückenmark schützt. Ein Wirbelbruch kann die Stabilität der Wirbelsäule beeinträchtigen und zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und neurologischen Ausfällen führen. Die Behandlung eines Wirbelbruchs zielt darauf ab, die Stabilität der Wirbelsäule wiederherzustellen, Schmerzen zu lindern und neurologische Schäden zu verhindern.
Was ist ein Wirbelbruch?
Die Wirbelsäule besteht aus 33 knöchernen Wirbeln. Man unterscheidet vom Kopf abwärts fünf Gruppen: Hals-, Brust-, Lenden-, Kreuzbein- und Steißbeinwirbel. Mit Ausnahme der ersten zwei Halswirbel sowie der zum Kreuz- und Steißbein zusammengewachsenen Wirbel bestehen die Wirbel aus einem Wirbelkörper, einem Wirbelbogen, den Quer- und Gelenkfortsätzen und dem Dornfortsatz. In der Mitte dieser miteinander verbundenen Wirbelteile befindet sich ein Hohlraum, das Wirbelloch. Die übereinander liegenden Wirbellöcher bilden den Wirbelkanal, in dem das Rückenmark liegt. Das Rückenmark ist Teil des zentralen Nervensystems aus Nervenfasern und Blutgefäßen. Es leitet Nervenimpulse vom Gehirn zum Körper und zurück.
Ursachen von Wirbelbrüchen
Wirbelbrüche treten häufig infolge von Knochenschwund (Osteoporose) auf. Seltener sind schwere Verkehrs- oder Sportunfälle die Ursache.
- Osteoporose: Bei Osteoporose baut der Körper vermehrt Knochenmasse ab, was die Knochen schwächt und sie anfälliger für Brüche macht. Solche Wirbelbrüche treten spontan auf, meist infolge einer Stauchung (Kompression) der Bandscheiben oder Wirbelkörper. Man spricht daher auch von Stauchungsbruch oder Kompressionsfraktur. Ein Wirbelbruch, der durch Osteoporose entstanden ist, wird auch als "Sinterungsbruch" bezeichnet. Dabei brechen die Grund- und Deckplatten als sogenannter Fischwirbel oder die Vorderwand des Wirbelkörpers als sogenannter Keilwirbel ein. Besonders oft passiert dies in der unteren Brustwirbelsäule und der oberen Lendenwirbelsäule.
- Trauma: Wirbel können auch durch einen starken Aufprall brechen, etwa bei Autounfällen, Stürzen aus großer Höhe oder direkter Gewalteinwirkung. Beckengurtverletzungen ("seat belt injuries") können einen Wirbelbruch zusammen mit Verletzungen im Bauchraum hervorrufen. Beim Sturz aus großer Höhe tritt oft ein Fersenbeinbruch zusammen mit einem Bruch der Brust- und Lendenwirbelsäule auf. Bandscheibe und Bandstrukturen können reißen, wenn eine schnelle Körperbewegung abrupt gestoppt wird (Dezelerationstrauma).
- Andere Erkrankungen: Abgesehen von Osteoporose können auch Knochenmetastasen, Knochentumoren, Morbus Bechterew, Plasmozytom (Multiples Myelom - eine Form von Blutkrebs) oder Wirbelkörperentzündung (Spondylitis) zu einem unerwarteten Wirbelbruch bei leichtem Bagatelltrauma führen.
Risikofaktoren für Wirbelbrüche
- Alter: Mit zunehmendem Alter erhöht sich das Risiko für Wirbelbrüche. Je älter man wird, umso mehr nimmt die Knochenmasse natürlicherweise ab. Menschen über 50 Jahre sind daher insgesamt anfälliger für Knochenbrüche.
- Osteoporose: Bei Menschen mit Osteoporose nimmt die Knochenmasse stärker ab als normal.
- Sport: Wer Kontakt- oder Kollisionssportarten wie Ringen oder Eishockey betreibt, ist einem höheren Risiko für Wirbelbrüche ausgesetzt.
- Medikamente: Einige Medikamente erhöhen ebenfalls das Risiko, darunter hochdosiertes Kortison über mehrere Monate, Antihormontherapie mit Aromatasehemmern, z. B. bei Brustkrebs, Glitazone (blutzuckersenkende Medikamente) bei Frauen, hochdosiertes L-Thyroxin zur Behandlung von Schilddrüsenkrebs nach einer Operation (Suppressionstherapie) und Arzneimittel gegen Epilepsie (Antiepileptika).
Symptome eines Wirbelbruchs
Bei Menschen mit Osteoporose sind die Knochen geschwächt, was zu Wirbelbrüchen führen kann. Rund die Hälfte der Betroffenen hat keine Beschwerden. Es können aber auch akute oder chronische Rückenschmerzen auftreten. Diese sind beim Stehen und Laufen stärker als im Liegen. Es ist dann schwierig, die Muskelspannung und die Balance beim Stehen zu halten. Sind mehrere Wirbel betroffen, sackt die Wirbelsäule zusammen und man wird kleiner. Brüche der Halswirbelsäule können je nach Schwere der Verletzung von außen erkennbar sein - beispielsweise wenn sich Knochen verschoben haben. Auch kann es zu Blutergüssen oder Schwellungen kommen.
Lesen Sie auch: Der Conus Medullaris: Eine detaillierte Analyse
- Schmerzen: Lokale Schmerzen, die bei Ruhe, Bewegung oder Belastung auftreten. Schmerzbedingt nimmt der Patient meist eine Schonhaltung ein. Dadurch können sich die umgebenden Muskeln verspannen (Muskelhartspann).
- Bewegungseinschränkungen: Eingeschränkte Beweglichkeit in dem Segment, welches der Höhe der Verletzung entspricht.
- Neurologische Ausfälle: Bei Nervenschäden können anfallsartig einschießende und starke Schmerzen (neuropathische Schmerzen) sowie schmerzhaftes Brennen oder Stechen (neurogene Schmerzen) auftreten. Auch Gefühlsstörungen (Parästhesien) sind möglich. In schweren Fällen kann es zu Lähmungen bis hin zur Querschnittlähmung kommen. Bei Rückenmarksquetschung treten dann unterhalb der Schädigung Lähmungen, Gefühlstörung und eine Stuhl- und Harninkontinenz auf.
- Weitere Symptome: Bei Halswirbelbrüchen stützen Betroffene oft wegen der instabilen Kopfhaltung den Kopf mit den Händen ab. Eventuell zeigt sich zudem ein Bluterguss (Hämatom) auf der Rückseite des Halses. Sacken die Wirbelkörper aufgrund einer Osteoporose zusammen, führt dies oft im Laufe der Zeit zu einem Größenverlust und zu Hautfalten am Rücken. Die Hautfalten verlaufen schräg, was zu einem tannenbaumartigen Muster führen kann.
Diagnose eines Wirbelbruchs
Durch Abtasten der Wirbelsäule können Ärzte zunächst die Bereiche der Wirbelsäule erkennen, die genauer untersucht werden müssen. Um einen Wirbelbruch sicher festzustellen, werden bildgebende Verfahren eingesetzt.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt prüft, ob das Gehen oder Stehen möglich ist. Außerdem testet er die allgemeine Beweglichkeit des Patienten. Als nächstes werden Hirnnerven, Sensibilität und Motorik geprüft, um zu sehen, ob neurologische Ausfälle vorliegen. Darüber hinaus kontrolliert der Arzt, ob Verspannungen oder Verhärtungen im Muskel (Muskelhartspann) oder ein Schiefhals (Torticollis) vorliegen.
- Röntgenuntersuchung: Eine Röntgenuntersuchung in zwei Ebenen ist ein wichtiger Bestandteil bei der Diagnostik der Wirbelfraktur. Des Weiteren werden Funktionsaufnahmen gemacht. Sie erlauben eine genaue Beurteilung, ob Bandscheiben oder Bänder mitverletzt wurden. Außerdem werden die Abstände der Dornfortsätze der Wirbel, die Wirbelkörperhöhlen und die Wirbelform beurteilt.
- Computertomographie (CT): Mit der Computertomographie (CT) lässt sich die Wirbelsäule in drei Ebenen anschauen, um den genauen Ort und die Schwere des Bruchs zu bestimmen. Für schlecht einsehbare Bereiche eignet sich die Computertomografie (CT) besonders gut als bildgebendes Verfahren. Das gilt vor allem für den Übergangsbereich der Halswirbelsäule zur Brustwirbelsäule. Verletzungen in diesem Bereich lassen sich mittels CT exakt einschätzen. Liegen Nervenausfälle vor, wird immer ein CT gemacht.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Eine Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) ist bei akuten Verletzungen in der Regel nicht erforderlich. Sie wird nur dann eingesetzt, wenn auch Rückenmark und Bandscheiben verletzt sein könnten. Die MRT ist strahlenfrei. Alternativ kann eine Computertomografie (CT) erfolgen, um ein genaueres Bild der Knochenstrukturen zu liefern.
- Knochendichtemessung (Osteodensitometrie, DEXA): Bei Verdacht auf eine osteoporotische Fraktur wird Ihre Knochendichte gemessen (Osteodensitometrie, DEXA). Dazu wird eine spezielle Röntgenuntersuchung durchgeführt.
- Neurologische Untersuchung: Besteht die Möglichkeit, dass auch das Rückenmark verletzt ist, ist auch immer eine ausführliche neurologische Untersuchung notwendig.
Behandlung eines Wirbelbruchs
Nach schweren Unfällen mit Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung ist es wichtig, rasch einen Rettungswagen unter der Nummer 112 anzurufen. Bis die Notärztin oder der Notarzt eintrifft, sollte die oder der Verletzte ruhig liegen, möglichst nicht bewegt und keinesfalls transportiert werden. Ziel der Behandlung eines Wirbelbruchs ist es, die Stabilität der Wirbelsäule wiederherzustellen und die Funktion der Nerven und des Rückenmarks aufrechtzuerhalten.
Die Behandlung eines Wirbelbruchs hängt von der Art und Schwere des Bruchs ab. Es gibt konservative und operative Behandlungsmethoden.
Konservative Behandlung
Bei leichteren Brüchen helfen meist Schmerzmedikamente und eine Bewegungstherapie. Stabile Wirbelbrüche ohne eine Einengung des Wirbelkanals oder einer Verletzung des Rückenmarks heilen meist von selbst. Das heißt, sie müssen nicht operiert werden.
- Schmerztherapie: Damit der Heilungsprozess ungestört verlaufen kann, sind zunächst Bettruhe und eine Schmerztherapie angezeigt. Die Schmerztherapie dient insbesondere dazu, chronischen Rückenschmerzen vorzubeugen. Bei weniger schweren Wirbelbrüchen kommt eine Kombination aus Medikamenten, Physio- und Ergotherapie sowie verhaltenstherapeutischen Maßnahmen infrage. Das hilft, sich nach einem Wirbelbruch möglichst bald wieder bewegen zu können.
- Bettruhe: Dem Patienten wird empfohlen, sich zu schonen und Bettruhe einzuhalten, bis sich die Schmerzen gebessert haben. Allerdings kann es in einigen Fällen vorkommen, dass sich durch die veränderte Form des gebrochenen Wirbelkörpers die Wirbelsäule krümmen kann. Eine starke Krümmung kann zu dauerhaften Beschwerden führen.
- Physiotherapie: Physiotherapeutische Unterstützung und eine adäquate Schmerztherapie sind unerlässlich.
- Orthese: Bei der konservativen Therapie von Wirbelbrüchen im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule kommt ein Drei-Punkte-Korsett oder ein Gips-(Kunststoff-)Korsett zum Einsatz. Bei einem stabilen Bruch der Halswirbelsäule kann dieser gegebenenfalls mit einer Extension (Crutchfield) unter Röntgenkontrolle wieder ausgerichtet werden - die Wirbelgelenke werden dabei in axialer Richtung gestreckt. Anschließend wird die Halswirbelsäule mit einem weichen Kragen (Schanz-Krawatte), einem harten Kragen (Philadelphia-Krawatte), einem Minerva-Gips oder einem Halo-Fixateur ruhig gestellt.
Operative Behandlung
Ist der Bruch so schwer, dass der Wirbelkanal eingeengt oder das Rückenmark beschädigt ist, muss sofort operiert werden. Ist das Rückenmark verletzt oder besteht das Risiko neurologischer Ausfälle, handelt es sich um einen instabilen Bruch.
Lesen Sie auch: Rückenmarksanatomie im Detail erklärt
- Ziel der Operation: Das Ziel der operativen Behandlung ist es, die Wirbelsäule rasch wieder auszurichten und zu stabilisieren, um den Druck auf die Nerven so schnell wie möglich zu nehmen. Dies gilt auch bei kompletter Querschnittlähmung - selbst wenn sich nicht abschätzen lässt, ob nach einer Operation eine Besserung eintritt. Es ist nämlich immer schwer vorherzusehen, inwieweit das Rückenmark der Betroffenen geschädigt ist.
- Laminektomie: Sind Nerven mitbetroffen, wird eine sogenannte Laminektomie durchgeführt. Dabei entfernt der Chirurg Teile eines oder mehrerer Wirbelkörper. Hier wird der Wirbelbogen und der Dornfortsatz entfernt, um das Rückenmark zu entlasten.
- Kyphoplastie und Vertebroplastie: Bei spontanen Frakturen, die zum Beispiel durch Osteoporose entstanden sind, wird entweder eine Kyphoplastie oder eine Vertebroplastie durchgeführt.
- Kyphoplastie: Die Kyphoplastie ist eine minimalinvasive Methode, bei der der eingebrochene Wirbelkörper mit einem Ballon wieder aufgerichtet wird. Anschließend stabilisiert der Chirurg die Höhe des Wirbels, indem er Zement einspritzt. Bei der Kyphoplastie richtet der Chirurg minimalinvasiv mit Hilfe eines Ballons den Wirbelkörper wieder auf und stabilisiert ihn im Anschluss mit einer Art Kunststoff (PMMA) oder Kalziumphosphat.
- Vertebroplastie: Die Vertebroplastie ist ebenfalls eine minimalinvasive Methode, um den gebrochenen Wirbelkörper zu stabilisieren. Auch hier wird Zement in den Wirbelkörper eingespritzt. Hier wird der Wirbelkörper auch mit Zement stabilisiert, jedoch ohne Ballon.
- Osteosynthese: Bei der Osteosynthese wird der Knochenbruch verschraubt oder verplattet. Ein Bruch des Dens (dornartiger Fortsatz des zweiten Halswirbels) oder ein beidseitiger Bruch des Wirbelbogens wird in der Regel verschraubt. Brüche der Brust- und Lendenwirbelsäule werden über mehrere Segmente fixiert (Fixateur interne).
- Spondylodese: Bei einer Spondylodesebehandlung (Versteifungs-Operation) werden zwei oder mehr Wirbel mit einem Knochenspan oder einer Platte versteift. Dieser Eingriff kommt in der Regel bei Verletzungen der Bänder und Bandscheiben der Halswirbelsäule in Frage. Dabei werden Platten von vorne und von hinten an der Halswirbelsäule angebracht. Ist die Wirbelsäule durch einen Stauchungsbruch im Brust- und Lendenwirbelsäulenbereich über 20 Grad nach vorne gewölbt, wird der Wirbelbruch von vorne und hinten fusioniert. Distraktions- und Torsionsverletzungen der Brust- und Lendenwirbelsäule werden ebenfalls von beiden Seiten miteinander versteift.
Rehabilitation nach einer Wirbelbruch-OP
Eine frühzeitige Reha trägt dazu bei, dass Menschen nach einem stabilen Bruch, also ohne neurologische Einschränkungen, möglichst schnell in ihren Alltag zurückfinden. Am besten ist es, wenn die Reha schon während der Behandlung beginnt. Je nachdem, wie mobil man nach einem Wirbelbruch ist und wie stark die Verletzungen waren, kann die Reha ambulant oder stationär stattfinden. In der Reha geht es vor allem darum, die normale Körperhaltung und Beweglichkeit bestmöglich zurückzuerlangen. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Bewegungstherapie; sie umfasst zum Beispiel Sport, Physiotherapie und Ergotherapie. Auch eine psychologische Betreuung kann sinnvoll sein.
Nachsorge bei Wirbelbrüchen
Zur Förderung des Heilungsprozesses sollten nach einer Wirbelsäulen-OP extreme Bewegungen und Belastungen vermieden werden. Sobald die Knochen verheilt sind, kann man die Wirbelsäule wieder stärker belasten. Um nach einer Operation den Wiedereinstieg in Beruf und Alltag zu erleichtern, werden gezielte ambulante Nachsorgeprogramme angeboten. Die berufliche Wiedereingliederung beginnt in der Regel drei Monate nach dem Unfall. Die Programme vermitteln Strategien, wie man durch Änderungen des Lebensstils und des Verhaltens den Alltag besser meistern und den Behandlungserfolg aufrechterhalten kann. Der Sozialdienst im Krankenhaus sowie in der Reha-Einrichtung berät dazu, welche Leistungsansprüche man hat und welche Maßnahmen am besten geeignet sind. Er informiert auch, welche Kosten von den Krankenkassen übernommen werden. Gesetzlich Krankenversicherte, die sich nach einer Wirbelsäulen-Operation nicht selbst versorgen können, haben Anspruch auf Hilfe im Haushalt auf Rezept, eventuell auch auf Übergangspflege.
Verlauf und Prognose
Stabile Wirbelbrüche ohne eine Einengung des Wirbelkanals oder einer Verletzung des Rückenmarks heilen meist von selbst. Bis zu 40 Prozent der Menschen mit einem Wirbelbruch, der zu einer schweren Verletzung am Rückenmark geführt hat, entwickeln chronische Nervenschäden. Inwiefern es zu neurologischen Einschränkungen kommt, hängt von der Schwere der Verletzung ab. Bei leichteren Problemen kann eine frühe Behandlung den Heilungsverlauf verbessern. Auch bei Anzeichen einer teilweisen Lähmung durch Verletzung des Rückenmarks sind die Chancen gut, dass sich Beschwerden wie Muskelschwäche oder Empfindungsstörungen wieder zurückbilden.
Krankheitsverlauf und Prognose bei einem Wirbelbruch sind in der Regel gut. Dabei spielt es jedoch eine große Rolle, ob Nervengewebe verletzt wurde. Zudem besteht auch nach dem Trauma noch die Gefahr, dass der Wirbelsäulenkanal eingeengt wird oder Nachbarsegmente sich degenerativ verändern.
Folgende Spätfolgen können nach Wirbelsäulenverletzungen auftreten:
Lesen Sie auch: Diagnose und Behandlung
- Statikstörung: Nachdem der Wirbelbruch ausgeheilt ist, können sich orthopädische Probleme hinsichtlich der Statik ergeben.
- Rückenmarksläsion: Bei allen Wirbelverletzten besteht das Risiko einer Verletzung des Rückenmarks oder der Nervenwurzeln. Im äußersten Fall tritt eine Querschnittslähmung ein.
- Posttraumatische Kyphose: Brechen die Wirbel von vorne ein, kann sich die nach hinten konvexe Ausbiegung der Wirbelsäule verstärken. In der Brustwirbelsäule kann sich die Ausbiegung im Brustbereich vermehren ("Witwenbuckel") und im Lendenwirbelsäulenbereich vermindern.
- Posttraumatische Skoliose: Eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule (Skoliose) entsteht, indem sich die Seitenkanten erniedrigen. Diese Skoliose ist kurzbogig. Die Statik wird beeinflusst, indem der Rumpf überhängt, und die darüber- und darunterliegenden Bandscheiben vermehrt beansprucht werden.
- Schipperkrankheit: Bei schwerer körperlicher Arbeit wie "Schippen" können die Dornfortsätze von Wirbeln brechen, besonders vom siebten Hals- oder ersten Brustwirbel. Das verursacht jedoch keine wesentlichen Beschwerden.
Vorbeugung von Wirbelbrüchen
Verletzungen der Wirbelsäule lassen sich vermeiden, indem man bestimmte Sicherheits- und Schutzmaßnahmen im Sport, im Straßenverkehr und in der Arbeitswelt beherzigt. Regelmäßige Bewegung und Übungen zum Muskelaufbau stärken die Knochen. Unterstützend wirken außerdem eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf Zigaretten und Alkohol. Bei Osteoporose können manche Medikamente das Risiko für weitere Wirbelbrüche etwas senken. So hemmen beispielsweise Bisphosphonate den Knochenabbau. Bei älteren Menschen gilt es zudem, Stürzen vorzubeugen - indem man beispielsweise Stolperfallen in der Wohnung beseitigt oder Haltegriffe anbringt. Unterstützend wirken Bewegungsprogramme und Gehhilfen. Wichtig ist außerdem, auf Neben- und Wechselwirkungen von Medikamenten zu achten.
Heilungsdauer
Die Heilungsdauer bei einem Wirbelbruch hängt davon ab, wie schwer die Verletzung ist. Ein stabiler Bruch ist nach einigen Wochen bis Monaten wieder knöchern durchbaut. Die Patienten können jedoch, wenn es die Schmerzen zulassen, direkt nach der Operation wieder aufstehen. Eine frühzeitige Bewegung soll bei allen Wirbelbrüchen angestrebt werden. Bei instabilen Brüchen kann sich die Heilungsdauer auch über einen längeren Zeitraum erstrecken und hängt von vielen Faktoren ab.
tags: #ruckenmark #fraktur #dach