Ursachen und Behandlung von Rückenmarkschmerzen in den Beinen

Haben Sie seit einiger Zeit schleichende und andauernde Rückenschmerzen, die manchmal sogar bis ins Bein spürbar sind? Dann könnte die Ursache eine Spinalstenose sein, eine relativ häufig auftretende Verengung des Spinalkanals. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten von Rückenmarkschmerzen, die bis in die Beine ausstrahlen, insbesondere im Zusammenhang mit Spinalkanalstenose.

Was ist Spinalkanalstenose?

"Spinalkanalstenose" bezeichnet eine Verengung des Rückenmarkskanals, in dem sich das Rückenmark und die Nervenfasern befinden. Alle drei Arten der Spinalkanalverengung teilen sich folgende Symptome: Schmerz, Schwäche und Probleme beim Gehen. So kann das Treppensteigen mit Spinalkanalstenose z. B. aufgrund der Beinschmerzen schnell ein schweres Hindernis darstellen.

Angeborene und erworbene Ursachen

Die primäre Spinalkanalstenose ist eine angeborene Verengung des Rückenmarkskanals. Diese tritt aufgrund anatomischer Gegebenheiten auf, bei denen der Wirbelsäulenkanal von Geburt an enger ist. Viel häufiger entsteht sie aber durch den normalen Alterungsprozess des Körpers (degenerative Spinalkanalstenose). Denn mit zunehmendem Alter kommt es zu Abnutzungserscheinungen an Bandscheiben, Knochen und Bändern der Wirbelsäule.

Die Bandscheiben verlieren an Flüssigkeit, werden spröde und rissig, wodurch die Wirbelsäule an Stabilität verlieren kann. Manchmal versucht der Körper, dies durch Knochenbildung an den Wirbeln auszugleichen (Spondylophyten). Die Wirbelkörper reagieren auf diese vermehrte Belastung mit der Bildung von zusätzlichen Knochenrändern (Osteophyten) und vergrößern so ihre Oberfläche und stabilisieren die Gelenkverbindung zu den benachbarten Wirbelkörpern. Diese Knochenränder wachsen auch in den Spinalkanal hinein, der jedoch frei bleiben muss für das Rückenmark und die austretenden Nerven. So kommt es, dass der Wirbelkanal oder Spinalkanal in seinem Durchmesser abnimmt und die neu gebildeten Knochenstrukturen auf das Rückenmark drücken.

Weitere Ursachen

  • Bandscheibenvorfall: Beim Bandscheibenvorfall verliert vor allem bei älteren Personen der Bandscheibenkern deutlich an Höhe und gleitet aus seiner Hülle (Anulus fibrosus) in den Spinalkanal. Die Wirbelkörper rücken dadurch näher zusammen. Die abgerutschte Hülle wölbt sich vor und engt das Rückenmark im Wirbelkanal ein.
  • Wirbelgleiten (Spondylolisthesis): Die altersbedingten Veränderungen der Wirbelsäule können dazu führen, dass die Wirbel sich stärker gegeneinander verschieben. Das wird Wirbelgleiten genannt. Die Wirbel können dann ebenfalls auf Nerven und Gefäße drücken. Wirbelgleiten tritt häufig zusammen mit einer Spinalkanalstenose auf.
  • Ventrale Abstützreaktion: Neben der Verknöcherung der Wirbelsäule kommt es zu einer sogenannten ventralen Abstützreaktion. Bei dieser Abstützreaktion der Wirbelsäule baut der Wirbelkörper seitlich zum Rückenmarkskanal Knochen an, um den erhöhten Druck auszugleichen.

Symptome der Spinalkanalstenose

Eine Spinalkanalstenose kann sich durch Schmerzen im unteren Rücken äußern, die bis in Gesäß und Oberschenkel ziehen - manchmal auch bis in den Unterschenkel. Es kann auch sein, dass nur das Bein wehtut oder dass es sich müde und schwer anfühlt. Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen, nennt man Ischialgien (umgangssprachlich „Ischias“). Typischerweise macht sich eine Spinalkanalstenose bei Belastung bemerkbar, besonders beim langsamen Gehen oder Stehen. Leichtes Vorbeugen entlastet die Nerven. Deshalb lehnen sich Betroffene beim Gehen oft leicht nach vorne oder setzen sich zwischendurch, um den Oberkörper nach vorne zu beugen. Längere Strecken können sie nicht so gut zurücklegen.

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Es kann auch zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen in den Beinen oder Lähmungserscheinungen kommen. Das kann dazu führen, dass man sich etwas unsicher auf den Beinen fühlt. Selten weisen Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen auf ein ernsthaftes Problem hin, etwa eine Nervenschädigung. Beim sogenannten Kauda-Syndrom kommt es zu Lähmungen oder einer plötzlichen Störung der Blasen- oder Darmfunktion.

Symptome nach Höhe der Stenose

Die Symptome, die bei einer Spinalkanalstenose auftreten, hängen von der Höhe der Spinalkanalstenose ab. Zudem verläuft in der Halswirbelsäule ein Nervengeflecht, das für die Arme verantwortlich ist. Deshalb kann es auch zu brennenden Schmerzen, einem Kribbelgefühl oder bei fortgeschrittener Stenose sogar zu Taubheitsgefühlen im Schulter- und Armbereich kommen. Die meisten Patienten klagen über eine Mattheit in den Armen. Diese Schmerzen strahlen in die Beine aus, weil in der Lendenwirbelsäule die Nerven liegen, die die Beine versorgen. Außerdem fühlen sich die Beine schwach an. Insbesondere beim Gehen kommt es zu starken Schmerzen oder Krämpfen in den Waden, weshalb Betroffene gezwungen sind, Pausen einzulegen. Manche versuchen die Schmerzen mit einem Hinkgang zu vermindern. Das Gleichgewicht kann auch gestört sein, weil Betroffene das Gefühl haben, wie auf Watte zu gehen. Bei einer sehr stark fortgeschrittenen Stenose mit einer deutlichen Verengung des Spinalkanals kann es zu einem Querschnittsyndrom mit erschlafften Beinen und Inkontinenz kommen.

In den meisten Fällen erscheinen die Beschwerden wenig charakteristisch. Betroffene leiden an Rückenschmerzen, Verspannungen und Schmerzen beim Gehen. Im Unterschied zu den anderen Erkrankungen des Rückens hören die Schmerzen bei der Beugung des Rückens zu einem Rundrücken oder Katzenbuckel plötzlich auf.

Differentialdiagnose

Eine ähnliche Symptomatologie kann durch die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) verursacht werden. Bei pAVK ist die Ursache der Beinschmerzen die Verengung arterieller Gefäße und die damit einhergehende verminderte Durchblutung. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der Spinalkanalstenose von der pAVK ist die Verbesserung der Symptome bei Vorbeugung des Oberkörpers, beispielsweise beim Fahrradfahren.

Diagnose der Spinalkanalstenose

Um die Ursache der Beschwerden herauszufinden, fragt der Arzt oder die Ärztin nach der Art der Beschwerden. Zusammen mit einer körperlichen Untersuchung reicht das oft schon aus, weil die Beschwerden bei einer Spinalkanalstenose sehr typisch sind. Um abzuklären, ob eine Spinalkanalstenose vorliegt oder Sie an unspezifischen Rückenschmerzen leiden, kann der Arzt Sie bitten, Bewegungen auszuführen, die Schmerzen verursachen. Er wird Ihnen vorgeben, ins Hohlkreuz zu gehen, also Ihren Oberkörper nach hinten zu beugen. Wenn dies starke Schmerzen verursacht, wird der Arzt Sie bitten mit aufgestützten Hände einen Rundrücken zu machen. Nehmen die Schmerzen in dieser Körperhaltung stark ab, so ist das ein Hinweis für eine Spinalkanalstenose.

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Eine bildgebende Untersuchung wie eine Magnetresonanz-Tomografie (MRT) wird nötig, wenn die Schmerzen trotz Behandlung nicht besser werden, sehr stark sind oder wenn es zu Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen in den Beinen kommt. Dann ist es wichtig, abzuklären, ob etwas anderes als eine Spinalkanalstenose hinter den Beschwerden steckt. Eine Röntgenuntersuchung kann bei einem Verdacht auf Wirbelgleiten sinnvoll sein, weil das in einer Röntgenaufnahme in der Regel gut sichtbar ist. Bildgebende Verfahren werden immer eingesetzt, bevor operiert wird oder Spritzen gegen die Beschwerden in den Rücken gegeben werden.

Neurologische Untersuchung

Zu guter Letzt wird im Rahmen einer neurologischen Untersuchung die genaue Höhe und Länge der Spinalkanalstenose ermittelt und die darauf zurückzuführenden Symptome werden benannt. Der Neurologe kann die Funktion der Nerven mit dem sogenannten Elektromyographen (EMG) beurteilen. Bei dieser Methode werden die einzelnen Nerven elektrisch erregt, sodass die provozierte Reaktion, z.B.

Behandlung von Spinalkanalstenose

Nicht operative (konservative) Behandlungen stehen bei der Therapie einer Spinalkanalstenose im Vordergrund. Wenn die Beschwerden viele Monate oder Jahre andauern und trotz konservativer Behandlungen nicht besser werden, kann eine Operation infrage kommen. Vor einem solchen Eingriff hat man das Recht auf eine zweite ärztliche Meinung bei einer Spezialistin oder einem Spezialisten.

Konservative Behandlung

  • Entlastung der Wirbelsäule: Erster Schritt bei der Behandlung der Spinalstenose ist die Entlastung der Wirbelsäule, z. Platzieren Sie die Beine auf eine Erhöhung wie z. B. Hinweis: Achten Sie bei der Stufenlagerung darauf, den unteren Rückenbereich bewusst auf den Boden zu drücken.
  • Wärme und Massage: Wärmebehandlungen und Massagen können Ihnen bei einer Spinalstenose vorübergehende Linderung bieten. Sie entspannen Ihre Muskeln, verbessern die Durchblutung und reduzieren den Schmerz (vorübergehend). Aufgrund dessen müssen wir die Ursache gezielt mit einer ganzheitlichen Behandlung angehen.
  • Krankengymnastik: Krankengymnastische Übungen können die Beschwerden einer Spinalkanalverengung effektiv lindern. Wechseln Sie danach die Seite. Halten Sie das Knie mit beiden Händen fest und die Position für ca.
  • Physiotherapie: Physiotherapie, bei der gezielte Übungen und Haltungen zur Entlastung der Wirbelsäule erlernt werden, die man dann selbstständig durchführen kann.
  • Manuelle Therapie: Manuelle Therapie, bei der der betroffene Wirbelsäulenabschnitt und die Nervenwurzeln am Übergang zum Kreuzbein gezielt mobilisiert werden. Auch eine Dehnung und Mobilisierung der Gelenke im Hüft-, Becken- und Wirbelsäulenbereich sowie Rumpfübungen gehören dazu.
  • Schmerzmittel: Schmerzstillende Medikamente, um Rückenschmerzen zu lindern und sich trotz Beschwerden weiter zu bewegen. Meist werden entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen empfohlen. Am besten nimmt man sie nur bei Bedarf und in der geringsten wirksamen Dosierung ein. Von den meisten anderen schmerzstillenden Medikamenten wird wegen fehlender oder unklarer Wirksamkeit und Nebenwirkungen eher abgeraten. Bei Beinschmerzen, Rückenschmerzen oder anderweitigen Schmerzen durch eine Spinalstenose können wir entzündungshemmende Schmerzmittel, Nervenschmerzmittel, muskelentspannende Medikamente und entzündungshemmende Injektionen einsetzen.
  • Multimodale Schmerztherapie: Besonders wenn Beschwerden länger andauern und chronisch werden, kann eine sogenannte multimodale Schmerztherapie sinnvoll sein. Hierbei wird man von Fachleuten aus verschiedenen therapeutischen Bereichen betreut, etwa aus der Medizin, Physiotherapie und Psychologie. Sie unterstützen dabei, in Bewegung zu bleiben und mit den Beschwerden umzugehen.
  • Akupunktur und Yoga: Zuletzt können Akupunktur und Yoga ebenfalls die Schmerzen lindern und die Flexibilität und Beweglichkeit Ihrer Wirbelsäule bei einer Stenose verbessern. Während Akupunktur den Energiefluss im Körper ausgleichen kann, stärken Yoga-Übungen Ihre Muskulatur.

Operative Behandlung

Eine Operation ist sofort nötig, wenn die Nerven so stark beeinträchtigt sind, dass Lähmungserscheinungen beispielsweise an den Beinen auftreten oder die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren. Letzteres sind Zeichen des sogenannten Kauda-Syndroms.

"Ist eine Spinalkanalstenose symptomatisch relevant, ist eine operative Erweiterung des Spinalkanals eine sinnvolle Therapie, um die Schmerzproblematik und Lebensqualität zu verbessern." Bei der OP einer Spinalkanalverengung (vor allem im Alter) muss in der Regel kein Bandscheibenmaterial entfernt werden. In der Bandscheibenklinik in Gensingen erweitern wir mittels Hochfrequenz-Mikrodiamantfräsen den Wirbelkanal durch teilweises oder vollständiges Abnehmen eines Halbbogens.

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Rehabilitation

Manchmal schließt sich an eine Operation eine Rehabilitation an. Sie hat das Ziel, die Erholung zu fördern und dazu beizutragen, dass man sich nach einer Operation auch langfristig wieder möglichst gut bewegen kann. Eine Rehabilitation kann Übungen zur Kräftigung, Dehnung und für das Gleichgewicht umfassen. Die Übungen werden meist von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten angeleitet.

Fachleute geben keine allgemeine Empfehlung für oder gegen eine Rehabilitation nach einer Spinalkanalstenose-Operation.

Umgang mit der Erkrankung im Alltag

Die Beschwerden durch eine Spinalkanalstenose können von Tag zu Tag unterschiedlich stark sein. Wenn sie stärker sind, kann das für berufstätige Menschen zu Einschränkungen im Job führen. Auch Alltagstätigkeiten wie Putzen oder Einkaufen können schwerfallen und man braucht für viele Dinge mehr Zeit. Manchmal ist es dann gut, im Familien- oder Freundeskreis um Unterstützung zu bitten.

An Tagen mit starken Schmerzen fällt es mitunter schwer, sich wie gewohnt zum Beispiel mit anderen zu treffen oder ins Kino zu gehen. Daher kann es manchmal leichter sein, sich spontan zu melden oder kurzfristig für eine Unternehmung zu entscheiden, wenn die Beschwerden gerade schwächer sind. Die Sorge vor einer Verschlechterung kann aber belastend sein.

Ein „Wundermittel“ gegen Beschwerden einer Spinalkanalstenose gibt es nicht. Sie begleiten viele Menschen über lange Zeit. Die Herausforderung ist dann, sich damit zu arrangieren und gute Strategien für den Alltag zu entwickeln. Chronische Schmerzen können jedoch körperlich und psychisch so zu schaffen machen, dass sie manchmal sogar zu Problemen wie einer Depression führen.

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