Homöopathie bei Migräne in den Wechseljahren: Wirksamkeit und Anwendungsbereiche

Die Wechseljahre, auch Klimakterium genannt, sind eine natürliche Phase im Leben einer Frau, die durch hormonelle Veränderungen gekennzeichnet ist. Diese Veränderungen können eine Vielzahl von Beschwerden auslösen, darunter Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen und Kopfschmerzen, insbesondere Migräne. Viele Frauen suchen in dieser Zeit nach alternativen Behandlungsmethoden, um ihre Symptome zu lindern. Die Homöopathie ist eine solche Alternative, die sich mit der Linderung von Wechseljahresbeschwerden befasst.

Was ist Homöopathie?

Die Homöopathie ist eine alternative Heilmethode, die auf dem Ähnlichkeitsprinzip basiert: "Ähnliches soll mit Ähnlichem behandelt werden." Das bedeutet, dass ein homöopathisches Mittel bei einem gesunden Menschen ähnliche Symptome hervorrufen würde wie die, unter denen der Kranke leidet. Homöopathen verwenden stark verdünnte Lösungen, sogenannte Potenzen, um die Wirkstoffe zu verabreichen. Die Wirksamkeit der Homöopathie ist wissenschaftlich umstritten, aber viele Menschen berichten von positiven Erfahrungen.

Homöopathische Mittel bei Migräne in den Wechseljahren

Es gibt eine Reihe von homöopathischen Mitteln, die bei Migräne im Zusammenhang mit den Wechseljahren eingesetzt werden können. Die Wahl des richtigen Mittels hängt von den individuellen Symptomen und der Konstitution der Patientin ab. Einige der häufigsten Mittel sind:

Gelsemium sempervirens (Gelber Jasmin)

Gelsemium gilt als wichtiges homöopathisches Mittel bei fieberhaften Infekten, die sich langsam entwickeln. Es soll die typischen Begleiterscheinungen wie Gliederschmerzen, Kopfweh und Zerschlagenheitsgefühl lindern und das Allgemeinbefinden bessern. Auch bei seelischem Stress wie Lampenfieber soll sich dieses homöopathische Mittel bewährt haben.

Wann wird Gelsemium eingesetzt?

Homöopathen wenden das Mittel Gelsemium an, wenn die Hauptbeschwerde des Patienten Schwäche ist oder mit Schwäche einhergeht. Sie kann auch die Psyche betreffen und auf der geistigen, emotionalen und/oder körperlichen Ebene vorliegen. Gelsemium gilt auch bei Kindern als ein wichtiges homöopathisches Mittel bei fieberhaften Infekten. Ein Kind, dem dieses Mittel helfen soll, wirkt körperlich und geistig matt. Es ist lustlos, träge, apathisch und will in Ruhe gelassen werden.

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Was charakterisiert den Gelsemium-Typ?

Für die Wirkung von Gelsemium auf die Psyche gilt: Die charakteristische Schwäche drückt sich beim Gelsemium-Typ im emotionalen Bereich durch die Unfähigkeit aus, sich Herausforderungen jeglicher Art zu stellen. Im Gemütsbereich wird der Gelsemium-Typ als schwach, vergesslich und mit einer Abneigung gegen geistige Arbeit beschrieben.

Wie wird Gelsemium angewendet?

Gelsemium ist ein homöopathisches Einzelmittel, das in Form von Streukügelchen (Gelsemium-Globuli), Tabletten oder Tropfen erhältlich ist. Auch viele homöopathische Komplexmittel enthalten Gelben Jasmin. Fiebrige, grippale Infekte werden meist mit Gelsemium D6 behandelt. Das Mittel können Sie dann mehrmals täglich einnehmen, wobei Sie die Globuli unter der Zunge zergehen lassen. Im akuten Krankheitsfall nehmen Sie alle halbe oder ganze Stunde das Mittel ein. Sobald eine Besserung eintritt, vergrößern Sie die Zeitabstände der Einnahme. Bei anhaltender Besserung setzen Sie das Mittel ab. Gelsemium D12 eignet sich ebenfalls zur Behandlung von akuten Krankheiten. Diese Potenz sollten Sie aber nur ein- bis zweimal täglich einnehmen.

Sanguinaria canadensis (Kanadische Blutwurzel)

Sanguinaria canadensis ist eine etwa 40 cm hohe mehrjährige Staude aus der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae), die vor allem in den nordostamerikanischen Wäldern beheimatet ist. Sanguinaria bildet einen kriechenden Wurzelstock, der einen orangeroten, alkaloidhaltigen Milchsaft enthält.

Wie erkennt man einen akuten Sanguinaria-Zustand?

Der Begriff "Sanguinaria-Zustand" beschreibt die Leitsymptome und Besonderheiten, bei denen das homöopathisch aufbereitete Mittel Sanguinaria helfen kann. Es wird zu den rechtsseitigen Mitteln gezählt. Sanguinaria wird bei Migräne mit starken, pochenden Kopfschmerzen eingesetzt, die typischerweise blitzartig im Hinterkopf beginnen, sich über dem rechten Auge festsetzen und häufig mit Erbrechen enden. Charakteristisch ist eine brennende Hitze an verschiedenen Körperstellen, vor allem an den Ohren, in den Handtellern und den Fußsohlen. Intensive Gesichtsrötung, Schweißausbrüche und Hitzewallungen („fliegende Hitze“) sind insbesondere in den Wechseljahren typisch. Vom Gemüt sind Sanguinaria-Patienten gerne mal mürrisch, gereizt und sehr ungeduldig. Wegen jeder Kleinigkeit können sie in Wut geraten.

Wirkung und Anwendungsbereiche

Sanguinaria wirkt auf die Schleimhäute der Atemwege sowie auf die Blutgefäße, insbesondere auf die Blutgefäße des Kopfes sowie der Hände und Füße. Es wirkt einer gesteigerten Durchblutung entgegen und lindert so die Beschwerden der Betroffenen. Ein weiterer Anwendungsschwerpunkt von Sanguinaria sind die Beschwerden der Wechseljahre.

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Verschlechterung und Besserung

Alle Beschwerden verschlechtern sich Morgens und Abends, durch Licht, Geräusche und Bewegung, sowie Kälte und Zugluft. Kopfschmerzen verstärken sich bei heißem, sonnigen Wetter. Die Patienten leiden unter in der rechten Schulter beginnender Migräne, die über den Nacken aufsteigt, sich über den gesamten Kopf ausbreitet und sich schließlich im rechten Auge festsetzt. Die Betroffenen leiden zudem unter Hitzewallungen des Kopfes, die häufig auch äußerlich durch eine hochrote Gesichtsfarbe zu erkennen ist.

Pulsatilla pratensis (Wiesenküchenschelle)

Pulsatilla sollte sowohl bei Beschwerden des prämenstruellen Syndroms (PMS) als auch der Dysmenorrhö oder Hypo- beziehungsweise Amenorrhö an vorderster Stelle genannt werden. Charakteristisch für das Arzneimittelbild von Pulsatilla - übrigens auch als „Wetterhahn“ oder „Windblume“ bezeichnet - sind unregelmäßiges Eintreten und Verlaufen der Periode, mal zu früh, mal zu spät, mal zu stark, mal zu schwach, mal schmerzhaft, mal schmerzfrei. Pulsatilla kann bereits jungen Mädchen zu Beginn ihrer Monatsblutungen helfen, wenn diese noch unregelmäßig verlaufen und mit ersten Beschwerden verbunden sind.

Der Pulsatilla-Typ

Neben den charakteristisch ausgeprägten hormonellen Störungen sollte die seelische Verfassung des Pulsatilla-Typs hervorgehoben werden. Charakteristisch sind eine weinerliche Gemütslage, ängstliche und depressive Züge, aber vor allem starke Stimmungsschwankungen und ein auffälliger Wechsel des emotionalen Verhaltens. Der Arzneityp gilt als harmoniebedürftig, ist dankbar für Zuspruch und Trost, bricht schnell in Tränen aus und ist von der Sympathie anderer abhängig. Zu den Leitsymptomen gehören die Unverträglichkeit von Wärme und Hitzewallungen trotz ständigen Frierens. Es besteht ein ausgeprägtes Verlangen nach frischer Luft, sodass Bewegung im Freien und in kühler Umgebung zur Besserung der Beschwerden und der Gesamtlage führt.

Anwendungsbereiche

Pulsatilla ist wertvoll in der Behandlung des prämenstruellen Syndroms mit seinen Symptomen vor allem in der zweiten Zyklushälfte aufgrund des hormonellen Ungleichgewichtes, aber auch generell bei allen Formen von Regelstörungen und Zyklusschwankungen, verknüpft mit dem charakteristischen seelischen Gemütszustand.

Cimicifuga racemosa (Traubensilberkerze)

Cimicifuga racemosa ist in der Homöopathie ein beliebtes Heilmittel für Frauenbeschwerden. In der Homöopathie wird die Traubensilberkerze, als potenziertes homöopathisches Arzneimittel, hauptsächlich bei Problemen mit der Regelblutung, in den Wechseljahren und unter der Geburt angewendet. Auch nach den Wechseljahren zeigt Cimicifuga Wirkung. Alle körperlichen und seelischen Störungen des Cimicifuga-Typs stehen im Zusammenhang mit dem Genitalbereich der Frau. Zu den Leitsymptomen gehören Verschlimmerung der Unterleibsschmerzen vor und während der Regel, die in Rücken und Hüfte ausstrahlen, häufiger Wechsel der Beschwerden, Kälteempfindlichkeit und Neigung zu depressiver, ängstlicher Stimmung. Je stärker die Blutung, desto stärker der Schmerz. Im Vergleich zu Pulsatilla stehen bei Cimicifuga zusätzlich deutlich mehr Wechseljahresbeschwerden im Arzneimittelbild, bei denen es neben einer Dys-, Hypo- und Oligomenorrhö auch zu klimakterisch bedingten Gelenkerkrankungen, Schlaflosigkeit, Herzneurosen, Depressionen oder Migräne kommen kann.

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Wann hilft Cimicifuga?

Im Mittelpunkt der Cimicifuga-Wirkung stehen gynäkologische Probleme und Beschwerden, die damit zusammenhängen, zum Beispiel das prämenstruelle Syndrom (PMS). Daneben kommt potenziertes Cimicifuga aber auch bei Gemütsveränderungen, Schmerzen des Bewegungsapparates, Kopfschmerzen und anderen Beschwerden zur Anwendung. Cimicifuga wirkt entkrampfend, schmerzstillend und hilft dabei, Blutungen zu stillen. Auffallend ist eine starke Veränderlichkeit aller Beschwerden und ein häufiger Wechsel der Symptome. Viele Krankheitszeichen werden von einer starken Steifheit und Schmerzhaftigkeit des Nackenbereiches begleitet. Cimicifuga racemosa wirkt auch bei Beschwerden nach der Menopause.

Anwendung

Cimicifuga wird als homöopathisches Einzelmittel in Form von Globuli, Tabletten oder Tropfen angeboten. Außerdem ist es in homöopathischen Kombinationspräparaten enthalten, die für unterschiedliche Krankheiten eingesetzt werden. Wenn Sie Cimicifuga selbstständig anwenden wollen, eignen sich dafür niedrige Potenzen. Diese können Sie in den Potenzen D3 bis D6 bei Bedarf stündlich wiederholen. Eine Dosis besteht aus drei Globuli, drei Tropfen oder einer Tablette, die Sie unter der Zunge zergehen lassen. Die Tages-Höchstmenge liegt bei zehn Einnahmen. Sie können Cimicifuga auch in der Potenz D12 selbstständig einsetzen, Cimicifuga D12 können Sie bis zu sechs Mal am Tag einnehmen.

Sepia officinalis (Tintenfischtinte)

Der Tintenfisch ist ein Kopffüssler, das heisst, ihm fehlt buchstäblich die Mitte, der Bauch. Interessant, dass die meisten ‹Sepia Frauen› über Beschwerden im Unterleib klagen. Die Gebärmutter als zentrales weibliches Organ ist besonders oft betroffen (Senkung, Verlagerung, Menstruationsbeschwerden, Fehlgeburten, Unfruchtbarkeit). Hinter den körperlichen Problemen findet man stets «schlechte Gefühle im Bauch», eine verletzte, entwürdigte Seele. Sepia-Geschichten sind durch den Konflikt mit dem anderen Geschlecht geprägt. ‹Sepia Frauen› haben oft eine Abneigung gegen das männliche Prinzip, dabei entwickeln sie aber selber sehr viel männliche Energie.

Der Sepia-Typ

Eine unnahbare Schönheit, die mit übereinandergeschlagenen Beinen dasitzt (weil sie das Gefühl hat, die Gebärmutter könnte rausrutschen) und einen mit grossen dunklen, Ehrfurcht gebietenden Augen ansieht, könnte eine ‹Sepia Frau› sein. Bei Problemen in der Partnerschaft geht die ‹Sepia Frau› auf Distanz und bedient sich der «Vernebelungstaktik» des Tintenfisches. Sie versteckt sich in einer dicken schwarzen Wolke (depressive Stimmung) oder versprüht gleichsam Tinte, indem sie einen lautstarken Angriff startet. ‹Sepia Frauen› können (besonders gegenüber nahestehenden Menschen) höchst «sauer» (sie lieben auch saure Speisen) und verletzend auftreten. Die Suche nach der richtigen Distanz ist für ‹Sepia-Menschen› ein Dauerthema.

Anwendungsbereiche

Sepia hilft oftmals bei Schwangerschaftsübelkeit und -erbrechen (schlimmer beim Riechen oder Sehen von Speisen). Ein typischer Hinweis auf Sepia sind braune Flecken im Gesicht (besonders um den Mund), die während der Schwangerschaft, in der Zeit der Wechseljahre oder nach Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter) auftreten. Die Wechseljahre sind für ‹Sepia Frauen› eine besonders schwierige Zeit. Sie haben Angst vor dem Altwerden (keine Freunde), nehmen an Gewicht zu und können sich damit nicht abfinden. Bei kleinster Anstrengung werden sie zudem von heftigen Hitzewellen heimgesucht (wie aus dem Wasser gezogen).

Weitere Mittel

  • Cyclamen europaeum (Alpenveilchen): Bei Migräneattacken mit Sehstörungen wie Doppeltsehen.
  • Iris versicolor (Schillernde Schwertlilie): Bei der sogenannten „Wochenendmigräne“.
  • Belladonna (Tollkirsche): Bei pochenden und bohrenden Kopfschmerzen, die plötzlich auftreten und über den Augen lokalisiert sind.

Schüssler Salze

Schüssler Salze sind nach ihrem Erfinder Dr. Wilhelm Schüßler benannt. Er postulierte, dass schon geringe Mineralverluste in den Körperzellen negative Auswirkungen haben. Dafür hat er zwölf verschiedene Basissalze entwickelt, die auf unterschiedliche Körperbereiche einen besonderen Einfluss haben. Beispielsweise ist Nummer 7, Magnesium phosphoricum, das Salz der Muskeln und Nerven. Schüssler Salz Nummer 7, Magnesium phosphoricum: kann bei Migräne und Kopfschmerzen entspannend und schmerzlindernd wirkend. Zudem ist es üblich, verschiedene Schüssler Salze zu kombinieren - bei Migräne zum Beispiel die Salze Nummer 7, 8 und 11.

Wichtige Hinweise zur Anwendung

  • Selbstbehandlung: Für die Selbstbehandlung werden meist die Potenzen D6 - D12 empfohlen. Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden.
  • Einnahme: Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können.
  • Dosierung: Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen. Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst.
  • Dauer der Behandlung: In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern.
  • Erstverschlimmerung: Bei manchen Personen tritt nach der Einnahme eines homöopathischen Mittels die sogenannte Erstverschlimmerung ein - die Symptome werden zunächst stärker. Dies bedeutet nach der homöopathischen Lehre jedoch nicht, dass die Arznei falsch gewählt wurde. Setze das Mittel in dem Fall ab und greife - sobald die unerwünschten Reaktionen nachgelassen haben - zu der nächsthöheren Potenz des empfohlenen Mittels.
  • Begleitmaßnahmen: Wenn du die Homöopathie gegen deine Migräne ausprobierst, kann es sinnvoll sein, parallel dazu auf verschiedene Genuss- und Lebensmittel zu verzichten, die die Behandlung stören könnten. Eine entspannte Nackenmuskulatur und Halswirbelsäule beugen einer Migräne-Attacke vor.

Die Bedeutung der individuellen Behandlung

Die Homöopathie betrachtet den Menschen als Ganzes und berücksichtigt seine individuellen Symptome und Beschwerden. Daher ist es wichtig, sich von einem erfahrenen Homöopathen oder Heilpraktiker beraten zu lassen, um das passende Mittel und die richtige Potenz zu finden. Eine Selbstbehandlung kann in manchen Fällen sinnvoll sein, sollte aber immer mit Vorsicht erfolgen.

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