Rückenmarkuntersuchung bei Leukämie: Diagnostik und Bedeutung

Leukämie, umgangssprachlich als Blutkrebs bekannt, ist eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems. Da Leukämien Systemerkrankungen sind, die den gesamten Organismus betreffen, kann es vorkommen, dass auch das Gehirn von Leukämiezellen befallen ist. Um dies festzustellen und die Ausbreitung der Erkrankung zu beurteilen, sind verschiedene diagnostische Verfahren notwendig, darunter die Rückenmarkuntersuchung.

Lumbalpunktion: Gewinnung von Nervenwasser zur Untersuchung

Bei einer Lumbalpunktion, auch bekannt als Spinalpunktion, wird mit einer speziellen Nadel im Bereich der Lendenwirbel eine kleine Menge Hirn- oder Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) aus dem Wirbelkanal (Spinalkanal) entnommen. Diese Flüssigkeit, auch Hirn- oder Nervenwasser genannt, umgibt Gehirn und Rückenmark und schützt sie vor Erschütterungen. Nach der Entnahme wird das Nervenwasser im Labor untersucht.

Indikationen für eine Lumbalpunktion

Die Lumbalpunktion dient der Diagnose verschiedener Erkrankungen des zentralen Nervensystems, darunter:

  • Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Hirnentzündung (Enzephalitis)
  • Hirnblutungen
  • Demenzerkrankungen
  • Rückenmarkentzündung (Myelitis)
  • Blutkrebs (Leukämie)
  • Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose

Therapeutische Anwendung der Lumbalpunktion

Die Punktion des Wirbelkanals kann auch zur Behandlung genutzt werden: Durch die gesetzte Nadel können etwa Mittel zur örtlichen Betäubung, Antibiotika oder Krebsmedikamente gespritzt werden. Die Wirkstoffe gelangen dann ohne Umweg über die Blutbahn direkt ins Nervensystem.

Vorbereitung und Durchführung der Lumbalpunktion

Vor einer Lumbalpunktion prüft die Ärztin oder der Arzt, ob die Blutgerinnung normal ist. Dies ist wichtig, um Blutungen vorzubeugen, die die Nerven im Bereich der Einstichstelle schädigen könnten.

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Die Untersuchung findet meist in einer Klinik statt, mittlerweile wird sie aber auch in einigen neurologischen Praxen ambulant durchgeführt. Die Ärztin oder der Arzt führt eine feine Hohlnadel im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule ein, meist zwischen dem 3. und 4. oder 4. und 5. Lendenwirbel. Die Dornfortsätze der Wirbel können in der unteren Wirbelsäule gut ertastet werden. Damit die Nadel genug Platz findet, müssen die Wirbel möglichst weit auseinandergezogen, der Rücken also stark gebeugt werden. Das geht am besten mit einer Art Katzenbuckel im Sitzen oder seitlich im Liegen.

Die Haut wird an der Einstichstelle betäubt und desinfiziert. Nach dem Einstich schiebt die Ärztin oder der Arzt die Nadel etwa 3 bis 4 Zentimeter tief zwischen zwei Wirbel bis nahe ans Rückenmark vor. Das Nervenwasser tropft von selbst durch die Hohlnadel in ein Röhrchen. Meistens werden 10 bis 15 Milliliter Nervenwasser entnommen. Zum Schluss wird die Nadel vorsichtig herausgezogen und die Einstichstelle mit etwas Druck verbunden, damit sich die Wunde schnell wieder schließt. Insgesamt dauert eine Punktion etwa eine Viertelstunde.

Verhalten nach der Lumbalpunktion

Wichtig ist, danach für mindestens eine Stunde zu liegen, sich ungefähr 24 Stunden zu schonen und viel zu trinken. Weil ein Bluterguss im Wirbelkanal auf Nerven drücken kann, kontrolliert die Ärztin oder der Arzt einige Stunden später die Einstichstelle und ob man die Beine bewegen kann. Normalerweise bleibt man bei einer Lumbalpunktion mindestens 1 Stunde, meist aber bis zu 4 Stunden in der Klinik oder Praxis.

Untersuchung des Nervenwassers

Das Nervenwasser wird auf seine Farbe und einzelne Bestandteile untersucht. In der Regel ist es klar wie Wasser; ist es blutig oder trüb, kann das ein Zeichen für eine Blutung oder eine Entzündung im Gehirn sein. Im Labor wird analysiert, ob die Zahl der Zellen im Nervenwasser oder die Zusammensetzung seiner Bestandteile wie Eiweiße, Glukose und Laktat, verändert ist.

Risiken und Nebenwirkungen der Lumbalpunktion

Normalerweise birgt die Lumbalpunktion keine größeren Risiken. Im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule enthält der Wirbelkanal nur noch Flüssigkeit, da das Rückenmark bereits weiter oben endet. Es kann deshalb nicht verletzt werden.

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Für kurze Zeit können Schmerzen auftreten: beim Einstich und falls die Nadel tiefer im Gewebe eine Nervenwurzel berührt. Dann strahlt der Schmerz in ein Bein aus, klingt aber sofort wieder ab.

Einige Stunden oder auch Tage nach der Punktion kann es zu Kopfschmerzen, Übelkeit, einem hohen Puls oder niedrigem Blutdruck kommen. Medizinisch wird dies als „postpunktuelles Syndrom“ zusammengefasst. Diese Nachwirkungen klingen aber in der Regel nach etwa fünf Tagen ab.

Knochenmarkpunktion: Diagnose von Bluterkrankungen

Bei der Knochenmarkpunktion (Knochenmarkspunktion) wird mit einer speziellen Punktionsnadel aus dem Beckenknochen oder selten dem Brustbein Knochenmark entnommen (Punktion). Der Arzt saugt dabei Knochenmarkzellen an (Aspiration). Im Labor lassen sie sich genauer untersuchen. So kann man unter dem Mikroskop die unterschiedlichen Reifestadien der Blutzellen erkennen. Das kann bei der Diagnose und Verlaufskontrolle von Erkrankungen des Blutes und des blutbildenden Systems helfen.

Wann ist eine Knochenmarkpunktion notwendig?

In erster Linie ist eine Knochenmarkpunktion dann notwendig, wenn der Arzt eine Erkrankung des Blutes oder blutbildenden Systems vermutet oder deren Verlauf kontrollieren möchte. Anwendungsgebiete (Indikationen) der Knochenmarkpunktion sind demnach:

  • Diagnose und Verlaufskontrolle einer Blutarmut (Anämie)
  • Diagnose und Verlaufskontrolle verschiedener Formen der Leukämie ("Blutkrebs")
  • Diagnose oder Verlaufskontrolle einer Knochenmark-Aplasie (Verminderung aller blutbildenden Zellen) oder einer Polycythaemia vera (Vermehrung aller blutbildenden Zellen)
  • Verdacht auf Knochenmark-Metastasen (Streuung von Tumoren aus anderen Organen)

Darüber hinaus kann eine Knochenmarkpunktion der Gewinnung von Stammzellen für eine Stammzelltransplantation dienen.

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Ablauf der Knochenmarkpunktion

Vor der Knochenmarkpunktion fragt Sie Ihr Arzt nach Vorerkrankungen und bespricht mit Ihnen, welche Medikamente Sie einnehmen. Für eine Knochenmarkpunktion am Beckenkamm müssen Sie sich auf die Seite legen und die Beine anwickeln. Soll Ihr Brustbein punktiert werden, legen Sie sich dafür auf den Rücken.

Die Punktionsstelle wird nun örtlich betäubt. Der Arzt führt dann die Punktionsnadel durch die Haut und die harte Knochensubstanz in das Knochenmark ein. Er saugt etwas Knochenmark mit einer Spritze an. Anschließend wird die Nadel gezogen und ein leichter Kompressionsverband angelegt.

Das entnommene Material wird auf einen Objektträger gestrichen und eingefärbt (Knochenmarkausstrich). So lassen sich die Zellen unter dem Mikroskop gut erkennen und zählen.

Risiken der Knochenmarkpunktion

Bei der ruckartigen Aspiration des Knochenmarks können Schmerzen entstehen. Dieser kurze, stechende Schmerz klingt aber rasch wieder ab und lässt sich durch geeignete Schmerzmittel reduzieren.

In seltenen Fällen kommt es bei einer Knochenmarkpunktion zu Komplikationen. Dazu zählen:

  • Blutungen und Infektionen an der Punktionsstelle
  • Verletzung und Entzündungen benachbarter Organe und Gewebestrukturen
  • Atem- oder Herz-Kreislaufstörungen bei der Gabe von Beruhigungs- oder Schmerzmitteln

Verhalten nach der Knochenmarkpunktion

Die Knochenmarkpunktion ist ein kurzer Eingriff, der auch ambulant durchgeführt werden kann. In der Regel werden danach noch für etwa eine Stunde Puls, Blutdruck und andere Werte überwacht. Sollten Sie für die Knochenmarkpunktion ein Schmerz- oder Beruhigungsmittel erhalten haben, dürfen Sie hinterher weder Auto fahren noch Maschinen bedienen. Am Tag der Knochenmarkpunktion sollten Sie sich zudem körperlich schonen.

Leukämie-Diagnostik: Umfassende Untersuchungen für eine präzise Diagnose

Eine präzise und schnelle Diagnostik ist bei Leukämie entscheidend. Dazu gehören Anamnese, Analyse von Blut und Knochenmark sowie bildgebende und molekulargenetische Verfahren:

  • Blutbildanalyse und mikroskopisches Differenzialblutbild: Hierbei werden die verschiedenen Blutzellen quantitativ und qualitativ untersucht. Unreife weiße Blutzellen, eine veränderte Anzahl von Blutzellen oder ein auffälliges Verhältnis der Blutzellen untereinander können Hinweise auf eine Leukämie sein.
  • Digitale, KI-gestützte Befundung für schnellere Diagnostik von Blutbild und Knochenmark: Künstliche Intelligenz kann helfen, die Analyse von Blutbildern und Knochenmark schneller und präziser zu gestalten.
  • Knochenmarkpunktion und -biopsie und Aspiration: Wie bereits beschrieben, ist die Knochenmarkuntersuchung unerlässlich, um die Diagnose Leukämie zu bestätigen und den genauen Typ zu bestimmen.
  • Feinnadelpunktion von Organen (Lymphknoten, Leber, Milz, Schilddrüse, Tumoren): Bei Verdacht auf einen Befall von Organen mit Leukämiezellen kann eine Feinnadelpunktion zur Gewinnung von Gewebeproben durchgeführt werden.
  • Zytologische Beurteilung von Knochenmark- und Organpunktaten mit Zytochemie: Die gewonnenen Proben werden zytologisch untersucht, um die Zellen genauer zu beurteilen.
  • Bildgebende Verfahren (CT, MRT, Ultraschall) zur Ausbreitungsdiagnostik: Bildgebende Verfahren dienen dazu, die Ausbreitung der Leukämie im Körper zu beurteilen und den Befall von Organen festzustellen.
  • Erweiterte molekulargenetische Analysen: Molekulargenetische Analysen ermöglichen eine detaillierte Charakterisierung der Leukämiezellen und liefern wichtige Informationen für die Therapieplanung.

Bedeutung der molekularbiologischen Diagnostik

Die molekularbiologische Diagnostik spielt eine entscheidende Rolle bei der Leukämie-Diagnostik. Sie umfasst verschiedene Verfahren, die es ermöglichen, die genetischen Eigenschaften der Leukämiezellen zu untersuchen.

  • Immunphänotypisierung: Mit der Immunphänotypisierung können die Leukämiezellen einem bestimmten Zelltyp zugeordnet werden. Dies ist wichtig für die Einteilung der Leukämieform.
  • Zytogenetik: Die Zytogenetik untersucht, ob die Organisation der Erbinformation verändert ist - also die Anzahl und der Aufbau der Chromosomen. Chromosomenveränderungen können für bestimmte Leukämieformen typisch sein und die Behandlungsstrategie beeinflussen.
  • Nachweis von Mutationen durch Polymerase-Kettenreaktion (PCR): Mit der PCR lassen sich kleine Veränderungen im Erbmaterial, sogenannte Mutationen, nachweisen. Das Ergebnis einer PCR kann die vorliegende Leukämieform noch detaillierter charakterisieren und für eine individuelle Anpassung der Therapie verwendet werden.

Lumbalpunktion bei Leukämie: Nachweis von Leukämiezellen im Gehirn und Rückenmark

Bei manchen Leukämie-Patienten sind die Tumorzellen bis in das zentrale Nervensystem (ZNS) eingedrungen. Eine Lumbalpunktion dient dazu, die Flüssigkeit, die das Gehirn und das Rückenmark umgibt (Liquor), auf Leukämiezellen zu prüfen.

Indikation für eine Lumbalpunktion bei Leukämie

Eine solche Schädigung des Nervensystems ist insgesamt eher selten. Sie kommt am häufigsten bei einer akuten lymphatischen Leukämie (ALL) vor. Bei ALL-Patienten untersuchen Mediziner daher das Nervensystem mit. Bei Patienten mit einer akuten myeloischen Leukämie (AML) oder chronischen myeloischen Leukämie (CML) führen Ärzte die Untersuchung nur durch, wenn Symptome auf eine Schädigung des Nervensystems hindeuten.

Ablauf der Lumbalpunktion bei Leukämie

Ärzte lassen die Flüssigkeit, die das Gehirn und das Rückenmark umgibt, auf Leukämiezellen prüfen. Die Flüssigkeit heißt Liquor und wird umgangssprachlich auch als Nervenwasser bezeichnet. Dafür führen Mediziner eine Lumbalpunktion durch: Bei dieser Untersuchung sitzt die Patientin oder der Patient auf einer Liege, oder liegt auf der Seite. Der Arzt oder die Ärztin führt eine dünne Nadel zwischen zwei Lendenwirbeln hindurch, bis in den mit Liquor gefüllten Wirbelkanal. In einem Probengefäß sammeln sie wenige Milliliter der austretenden Flüssigkeit. Die so gewonnene Probe wird im Labor auf Leukämiezellen hin untersucht.

Bedeutung des Nachweises von Leukämiezellen im Nervensystem

Wenn Leukämiezellen im Nervensystem nachweisbar sind, passen die Ärzte die Behandlungsstrategie an: Liquor und Gehirn werden dann gezielt behandelt.

Therapiekonzepte bei Leukämie

Die Therapie der Leukämie richtet sich nach der Art der Leukämie, dem Stadium der Erkrankung und dem Allgemeinzustand des Patienten. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können:

  • Chemotherapie: Die Chemotherapie ist eine medikamentöse Behandlung, die darauf abzielt, die Leukämiezellen im ganzen Körper zu zerstören.
  • Strahlentherapie: Die Strahlentherapie kann eingesetzt werden, um Leukämiezellen gezielt an einzelnen Stellen des Körpers zu bekämpfen.
  • Stammzelltransplantation: Die Stammzelltransplantation ist eine Behandlung, bei der die eigenen oder fremde Stammzellen des blutbildenden Systems übertragen werden.
  • Zielgerichtete Therapien: Zielgerichtete Therapien sind Medikamente, die spezifisch gegen bestimmte Eigenschaften der Leukämiezellen wirken.
  • Immuntherapie: Die Immuntherapie stärkt das Immunsystem des Patienten, damit es die Leukämiezellen besser bekämpfen kann.

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