Rückenschmerzen nach epileptischem Anfall: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch eine vorübergehende Störung der Kommunikation zwischen den Nervenzellen im Gehirn. Während eines Anfalls können verschiedene Symptome auftreten, darunter Krämpfe, Zuckungen, Bewusstseinsverlust und Veränderungen der Sinneswahrnehmung. In einigen Fällen können epileptische Anfälle auch zu Rückenschmerzen führen.

Ursachen von Rückenschmerzen nach epileptischem Anfall

Rückenschmerzen nach einem epileptischen Anfall können verschiedene Ursachen haben:

  • Muskelverspannungen: Während eines Krampfanfalls kommt es zu starken Muskelkontraktionen, die zu Verspannungen und Schmerzen im Rückenbereich führen können.
  • Wirbelkörperfrakturen: In seltenen Fällen können die starken Muskelkontraktionen während eines Anfalls zu Wirbelkörperfrakturen führen. Dies ist wahrscheinlicher, wenn der Patient bereits eine verminderte Knochendichte (Osteoporose) hat.
  • Gelenkverletzungen: Durch heftige Bewegungen während eines Anfalls können Gelenke im Rückenbereich verletzt werden, was zu Schmerzen führen kann.
  • Luxationen: Durch Muskelkontraktionen in der tonischen Phase von Krampfanfällen kann es zu Gelenkluxationen kommen.
  • Stürze: Während eines Anfalls kann es zu Stürzen kommen, die zu Verletzungen im Rückenbereich führen können.
  • Vorerkrankungen: Vorbestehende Rückenprobleme, wie z.B. Bandscheibenvorfälle oder Arthrose, können durch einen epileptischen Anfall verstärkt werden.

Diagnose von Rückenschmerzen nach epileptischem Anfall

Die Diagnose von Rückenschmerzen nach einem epileptischen Anfall umfasst in der Regel die folgenden Schritte:

  • Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten nach seinen Beschwerden, der Art und Häufigkeit der Anfälle, Vorerkrankungen und eingenommenen Medikamenten.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht den Rückenbereich auf Verspannungen, Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und neurologische Ausfälle.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich sein, um die Ursache der Rückenschmerzen zu ermitteln. Diese können Frakturen, Luxationen oder andere strukturelle Probleme aufzeigen.
  • Neurologische Untersuchung: Um neurologische Ursachen auszuschließen, kann eine neurologische Untersuchung durchgeführt werden.

Behandlung von Rückenschmerzen nach epileptischem Anfall

Die Behandlung von Rückenschmerzen nach einem epileptischen Anfall richtet sich nach der Ursache der Schmerzen:

  • Schmerzlinderung: Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Paracetamol können zur Linderung von leichten bis mittelschweren Schmerzen eingesetzt werden. Bei stärkeren Schmerzen können auch Opioide erforderlich sein.
  • Muskelentspannung: Muskelrelaxantien können helfen, Muskelverspannungen zu lösen und Schmerzen zu reduzieren.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
  • Osteopathie: Osteopathische Behandlungen können helfen, Blockaden im Bereich der Wirbelsäule und des Beckens zu lösen und die Körperstatik zu verbessern.
  • Injektionen: In einigen Fällen können Injektionen mit Kortikosteroiden oder Lokalanästhetika in den Rückenbereich erfolgen, um Schmerzen zu lindern.
  • Chirurgische Behandlung: In seltenen Fällen, z.B. bei Wirbelkörperfrakturen oder Bandscheibenvorfällen, kann eine Operation erforderlich sein.
  • Anfallskontrolle: Eine gute Anfallskontrolle durch Medikamente oder andere Therapien kann dazu beitragen, das Risiko von Rückenschmerzen nach epileptischen Anfällen zu reduzieren.

Fallbeispiel: Übersehene Schulterluxationen nach epileptischem Anfall

Ein 50-jähriger Patient wurde nach einem Krampfanfall mit der Verdachtsdiagnose "zerebraler Krampfanfall" in ein Krankenhaus eingeliefert. Röntgenbilder beider Schultern wurden angefertigt, aber fälschlicherweise als unauffällig befundet. Der Patient wurde mit einer antikonvulsiven Therapie und physiotherapeutischen Maßnahmen entlassen, klagte aber weiterhin über Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.

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Später wurde festgestellt, dass der Patient beidseitige Schulterluxationen hatte, die auf den ursprünglichen Röntgenbildern übersehen worden waren. Dies führte zu anhaltenden Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Der Fall verdeutlicht, wie wichtig es ist, bei Patienten mit epileptischen Anfällen und anhaltenden Schmerzen auch an Begleitverletzungen wie Luxationen oder Frakturen zu denken und dieseDifferentialdiagnostisch auszuschließen. Eine sorgfältige klinische Untersuchung und eine korrekte Interpretation von Röntgenbildern sind entscheidend für eine frühzeitige Diagnose und Behandlung.

Bedeutung einer sorgfältigen Diagnose

Der oben genannte Fall unterstreicht die Bedeutung einer sorgfältigen Diagnose und der Berücksichtigung möglicher Begleitverletzungen bei Patienten mit epileptischen Anfällen. Insbesondere bei anhaltenden Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sollte eine umfassende Untersuchung erfolgen, um die Ursache der Beschwerden zu ermitteln und eine adäquate Behandlung einzuleiten.

Es ist wichtig, nicht unreflektiert an einer einmal getroffenen Diagnose festzuhalten, sondern diese kritisch zu hinterfragen, wenn sie das aktuelle Beschwerdebild des Patienten nicht ausreichend erklären kann. Der behandelnde Arzt sollte offen sein, alternative Diagnosen in Betracht zu ziehen und gegebenenfalls weitere Fachärzte hinzuziehen.

Prävention von Verletzungen während eines epileptischen Anfalls

Um Verletzungen während eines epileptischen Anfalls vorzubeugen, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Anfallsmanagement: Eine gute Anfallskontrolle durch Medikamente oder andere Therapien ist entscheidend, um die Häufigkeit und Schwere von Anfällen zu reduzieren.
  • Sichere Umgebung: Die Umgebung des Patienten sollte so gestaltet sein, dass das Risiko von Verletzungen während eines Anfalls minimiert wird. Dazu gehört das Entfernen von gefährlichen Gegenständen, das Abpolstern von harten Oberflächen und die Vermeidung von Situationen, die Anfälle auslösen können.
  • Erste Hilfe: Angehörige und Betreuer sollten über Erste-Hilfe-Maßnahmen bei epileptischen Anfällen informiert sein. Dazu gehört das Sichern der Atemwege, das Verhindern von Verletzungen und das Rufen eines Notarztes bei Bedarf.

Leben mit Epilepsie und Rückenschmerzen

Epilepsie und Rückenschmerzen können das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Es ist wichtig, dass Patienten mit diesen Erkrankungen eine umfassende medizinische Betreuung erhalten, die sowohl die Anfallskontrolle als auch die Schmerzbehandlung umfasst.

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Zusätzlich zur medizinischen Behandlung können auch folgende Maßnahmen helfen, das Leben mit Epilepsie und Rückenschmerzen zu verbessern:

  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann hilfreich sein, um Erfahrungen auszutauschen, Unterstützung zu erhalten und Strategien zur Bewältigung der Erkrankungen zu entwickeln.
  • Psychologische Unterstützung: Eine psychologische Beratung kann helfen, mit den emotionalen Belastungen der Erkrankungen umzugehen und Strategien zur Stressbewältigung zu erlernen.
  • Anpassung des Lebensstils: Eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf, regelmäßiger Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung kann dazu beitragen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern.

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