Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die Schmerzintensität wird durch körperliche Aktivität verstärkt, was zu einem Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug führt. Viele Betroffene erleben den Beginn einer Migräneattacke bereits Stunden vorher durch Vorwarnsymptome wie Heißhunger, Stimmungsschwankungen, Müdigkeit, Euphorie oder intensives Gähnen. Bei jedem siebten Betroffenen tritt unmittelbar vor dem Migräneanfall eine sogenannte Aura auf, die sich in vorübergehenden neurologischen Reiz- oder Ausfallerscheinungen äußert.
Was ist Migräne? Eine Definition
Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Anfälle von pulsierenden, oft einseitigen Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen können zwischen vier und 72 Stunden andauern und werden häufig von Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet. Im Gegensatz zu Spannungskopfschmerzen, die oft als dumpf und drückend beschrieben werden, ist der Migräne-Kopfschmerz meist pochend oder stechend.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Heute ist bekannt, dass Migräne genetisch veranlagt ist. Viele berühmte und höchst produktive Menschen haben unter Migräne gelitten, wie Marie Curie, Picasso oder Richard Wagner.
Genetische Veranlagung
Migräne tritt häufiger in Familien auf, was auf eine genetische Komponente hindeutet. Wenn ein oder beide Elternteile von Migräne betroffen sind, ist das Risiko für die Kinder, ebenfalls Migräne zu entwickeln, erhöht.
Umweltfaktoren (Trigger)
Bestimmte Umweltfaktoren können Migräneattacken auslösen. Diese sogenannten Trigger sind von Person zu Person unterschiedlich, aber einige häufige Auslöser sind:
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- Stress: Stress ist einer der häufigsten Auslöser für Migräneattacken. Sowohl akuter als auch chronischer Stress können Migräne auslösen.
- Hormonelle Veränderungen: Bei Frauen können hormonelle Veränderungen im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder den Wechseljahren Migräneattacken auslösen.
- Schlafmangel oder unregelmäßiger Schlaf: Ein unregelmäßiger Schlafrhythmus oder Schlafmangel können Migräneattacken begünstigen.
- Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke: Einige Nahrungsmittel und Getränke wie Alkohol, Käse, Schokolade, Zitrusfrüchte und koffeinhaltige Getränke können bei manchen Menschen Migräne auslösen.
- Wetterumschwünge: Veränderungen des Luftdrucks, der Temperatur oder der Luftfeuchtigkeit können bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen.
- Sinnesreize: Helle oder flackernde Lichter, laute Geräusche oder starke Gerüche können bei manchen Menschen Migräne auslösen.
- Auslassen von Mahlzeiten: Ein unregelmäßiger Essensrhythmus oder das Auslassen von Mahlzeiten können Migräneattacken begünstigen.
- Klimatische Veränderungen auf Reisen
Symptome von Migräne
Die Symptome von Migräne können von Person zu Person variieren, aber einige häufige Symptome sind:
- Kopfschmerzen: Der Kopfschmerz ist typischerweise pulsierend, stechend oder hämmernd und tritt oft einseitig auf. Die Intensität des Schmerzes kann von leicht bis stark variieren.
- Übelkeit und Erbrechen: Viele Menschen mit Migräne leiden unter Übelkeit und Erbrechen während einer Attacke.
- Licht- und Geräuschempfindlichkeit: Während einer Migräneattacke sind viele Menschen empfindlich gegenüber Licht und Geräuschen. Sie ziehen sich oft in einen dunklen, ruhigen Raum zurück.
- Aura: Etwa 10-20 % der Menschen mit Migräne erleben eine Aura vor oder während einer Attacke. Eine Aura kann sich in Form von Sehstörungen (z. B. Flimmern, Lichtblitze, Gesichtsfeldausfälle), sensorischen Störungen (z. B. Kribbeln, Taubheit) oder Sprachstörungen äußern.
- Weitere Symptome: Weitere Symptome, die bei Migräne auftreten können, sind Schwindel, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Nackensteifigkeit und Reizbarkeit.
Phasen einer Migräneattacke
Eine Migräneattacke kann in verschiedene Phasen unterteilt werden:
- Prodromalphase (Vorboten): Diese Phase kann Stunden oder Tage vor dem eigentlichen Kopfschmerz auftreten. Typische Symptome sind Stimmungsschwankungen, Müdigkeit, Heißhunger, häufiges Gähnen und Konzentrationsschwierigkeiten.
- Auraphase: Diese Phase tritt bei etwa 10-20 % der Migränepatienten auf und äußert sich in neurologischen Symptomen wie Sehstörungen (z. B. Flimmern, Lichtblitze), sensorischen Störungen (z. B. Kribbeln, Taubheit) oder Sprachstörungen. Die Auraphase dauert in der Regel zwischen 5 und 60 Minuten.
- Kopfschmerzphase: Dies ist die Hauptphase der Migräneattacke, die durch starke, pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Die Kopfschmerzen sind oft einseitig und werden von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet. Die Kopfschmerzphase kann zwischen 4 und 72 Stunden dauern.
- Auflösungsphase: In dieser Phase lassen die Kopfschmerzen allmählich nach. Die Symptome sind zwar noch da, werden aber weniger intensiv. Die Kopfschmerzen sind nicht mehr pulsierend, sondern eher gleichbleibend.
- Postdromalphase (Erholungsphase): Nach der Kopfschmerzphase fühlen sich viele Menschen erschöpft, müde und kraftlos. Diese Phase kann Stunden oder Tage dauern. Die Patienten sind angeschlagen und fühlen sich wie nach einem Kater. Die Symptome ähneln denen der Prodromalphase.
Diagnose von Migräne
Die Diagnose von Migräne basiert in der Regel auf der Anamnese des Patienten und einer körperlichen Untersuchung. Es gibt keine spezifischen Tests, um Migräne zu diagnostizieren. Der Arzt wird nach den Symptomen, der Häufigkeit und Dauer der Attacken sowie nach möglichen Auslösern fragen. In manchen Fällen können weitere Untersuchungen wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen.
Behandlung von Migräne
Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Schweregrad der Migräne und den individuellen Bedürfnissen des Patienten eingesetzt werden können.
Akutbehandlung
Die Akutbehandlung zielt darauf ab, die Symptome einer akuten Migräneattacke zu lindern. Dazu können folgende Maßnahmen gehören:
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- Schmerzmittel: Rezeptfreie Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS) können bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken helfen.
- Triptane: Triptane sind spezielle Migränemedikamente, die die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen reduzieren. Sie sind in der Regel verschreibungspflichtig und werden bei mittelschweren bis schweren Migräneattacken eingesetzt. Sollte Ihnen Ihr Arzt ein Triptan verschrieben haben, so sollten Sie dieses erst nach der Aura-Phase einnehmen. Hinweis: Es gibt auch rezeptfreie Triptane.
- Antiemetika: Antiemetika sind Medikamente, die Übelkeit und Erbrechen reduzieren können. Sie werden oft in Kombination mit Schmerzmitteln oder Triptanen eingesetzt.
Vorbeugende Behandlung (Prophylaxe)
Die vorbeugende Behandlung zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Schwere von Migräneattacken zu reduzieren. Sie wird in der Regel bei Patienten mit häufigen oder schweren Migräneattacken eingesetzt. Dazu können folgende Maßnahmen gehören:
- Betablocker: Betablocker sind Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt wurden. Sie können auch bei der Migräneprophylaxe wirksam sein.
- Antidepressiva: Einige Antidepressiva, wie Amitriptylin, können ebenfalls bei der Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
- Antiepileptika: Einige Antiepileptika, wie Topiramat und Valproinsäure, können ebenfalls bei der Migräneprophylaxe wirksam sein.
- CGRP-Antikörper: CGRP-Antikörper sind eine neue Klasse von Medikamenten, die speziell für die Migräneprophylaxe entwickelt wurden. Sie blockieren das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), einen Botenstoff, der bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielt.
- Atogepant und Rimegepant: Seit Kurzem sind mit Atogepant und Rimegepant zwei völlig neue Migränemittel auf dem Markt.
Nicht-medikamentöse Behandlungen
Neben Medikamenten gibt es auch eine Reihe von nicht-medikamentösen Behandlungen, die bei der Migräneprophylaxe helfen können:
- Regelmäßiger Lebensstil: Ein regelmäßiger Schlafrhythmus, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeitszufuhr können helfen, Migräneattacken vorzubeugen. Ich weiß mittlerweile, dass eine gewisse Regelmäßigkeit für mich unerlässlich ist.
- Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Auslöser für Migräneattacken. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen. Vor allem die so genannte Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson zählt zu den Verfahren, die Migränepatienten helfen. Bei dieser Technik werden nacheinander sämtliche Muskelgruppen des Körpers angespannt und wieder entspannt, was deren Durchblutung fördert und Körper und Geist gleichermaßen entspannen soll.
- Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport kann helfen, Stress abzubauen und die Durchblutung im Gehirn zu verbessern.
- Ernährungsumstellung: Bei manchen Menschen können bestimmte Nahrungsmittel und Getränke Migräneattacken auslösen. Eine Ernährungsumstellung, bei der diese Trigger vermieden werden, kann helfen, die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren. Bischof-Angielski hat seit dem ersten Aufenthalt in der Kieler Klinik ihre Ernährung umgestellt. Sie reduzierte Zucker, um den Insulinspiegel nicht so schnell in die Höhe zu treiben. Auch Alkohol, sogar in kleinsten Mengen, löst bei ihr zuverlässig eine Attacke aus. Um dem Gehirn Energie zur Verfügung zu stellen, greift sie zu außerdem zu komplexen Kohlenhydraten, etwa aus Vollkornprodukten. Diese sind auch bei Heißhungerattacken, den möglichen Vorboten eines Anfalls, verglichen mit Schokolade oder Süßigkeiten die bessere Wahl. "Kartoffeln, Reis und Vollkorn sättigen und geben dem Nervensystem Energie", so Göbel. "Als Migränepatient sollte ich mich kohlenhydratreich ernähren." Einer der häufigsten Auslöser von Migräneattacken ist ihm zufolge das Auslassen von Mahlzeiten, etwa ein fehlendes Frühstück.
- Biofeedback: Biofeedback ist eine Technik, bei der man lernt, Körperfunktionen wie Herzfrequenz und Muskelspannung bewusst zu beeinflussen. Dies kann helfen, Stress abzubauen und Migräneattacken vorzubeugen.
Leben mit Migräne
Migräne kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, die Erkrankung zu verstehen, die eigenen Trigger zu kennen und eine geeignete Behandlung zu finden. Hier sind einige Tipps, die das Leben mit Migräne erleichtern können:
- Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch: Notieren Sie Ihre Kopfschmerzen, Symptome, Auslöser und Behandlungen. Dies kann Ihrem Arzt helfen, die beste Behandlungsstrategie für Sie zu entwickeln.
- Vermeiden Sie Ihre Trigger: Wenn Sie Ihre Trigger kennen, versuchen Sie, diese so gut wie möglich zu vermeiden.
- Sorgen Sie für einen regelmäßigen Lebensstil: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeitszufuhr.
- Managen Sie Ihren Stress: Finden Sie Entspannungstechniken, die Ihnen helfen, Stress abzubauen.
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt: Besprechen Sie Ihre Migräne mit Ihrem Arzt und arbeiten Sie gemeinsam an einer individuellen Behandlungsstrategie.
- Suchen Sie Unterstützung: Treten Sie einer Selbsthilfegruppe bei oder suchen Sie Unterstützung bei Freunden und Familie.
Migräne am Arbeitsplatz
Migräne kann auch Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben. Viele Betroffene sind aufgrund ihrer Migräneattacken nicht in der Lage, ihre Arbeit auszuüben. Es gibt jedoch Möglichkeiten, den Arbeitsplatz migränefreundlicher zu gestalten:
- Informationen über Migräne: Informieren Sie Ihre Kollegen und Vorgesetzten über Ihre Erkrankung.
- Anpassung des Arbeitsplatzes: Sorgen Sie für einen blendfreien Arbeitsplatz, vermeiden Sie grelles Licht und laute Geräusche.
- Flexible Arbeitszeiten: Flexible Arbeitszeiten ermöglichen es Ihnen, Ihre Arbeitszeit an Ihre Bedürfnisse anzupassen.
- Ruheraum: Ein Ruheraum kann Ihnen ermöglichen, sich während einer Migräneattacke zurückzuziehen.
- Homeoffice: Die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, kann Ihnen helfen, Stress zu reduzieren und Ihre Arbeitszeit flexibler zu gestalten.
Forschung und neue Entwicklungen
Die Migräneforschung ist ein aktives Gebiet. Es gibt ständig neue Entwicklungen in Bezug auf die Ursachen, Diagnose und Behandlung von Migräne. Zu den vielversprechendsten Entwicklungen gehören neue Medikamente wie CGRP-Antikörper und Gepante, die speziell für die Migräneprophylaxe entwickelt wurden. Auch die Erforschung der Rolle von Genen und Umweltfaktoren bei der Entstehung von Migräne schreitet voran.
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"Gute Besserung" bei Migräne?
Wenn jemand unter Migräne leidet, ist es natürlich, ihm oder ihr "Gute Besserung" zu wünschen. Allerdings ist es wichtig zu verstehen, dass Migräne mehr als nur ein einfacher Kopfschmerz ist. Es ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann.
Statt nur "Gute Besserung" zu sagen, können Sie auch Ihr Mitgefühl und Verständnis zeigen, indem Sie sagen:
- "Ich hoffe, es geht dir bald besser."
- "Ich weiß, wie schlimm Migräne sein kann. Ich wünsche dir, dass die Attacke schnell vorübergeht."
- "Lass es mich wissen, wenn ich etwas für dich tun kann."
- "Ich denke an dich und hoffe, dass du dich bald erholst."
Es ist auch wichtig, die Betroffenen nicht zu verurteilen oder zu bagatellisieren. Aussagen wie "Das kenne ich auch, ich habe ab und an auch mal Kopfschmerzen" sind wenig hilfreich und können sogar verletzend sein. Stattdessen sollten Sie versuchen, sich in die Lage der Betroffenen hineinzuversetzen und ihnen Ihre Unterstützung anzubieten.