Spannungskopfschmerzen und Migräne sind weit verbreitete Beschwerden, die erhebliche Auswirkungen auf das tägliche Leben haben können. Eine AOK-Studie zeigte, dass die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von Migräne zwischen 2006 und 2016 um 50 Prozent gestiegen ist. Viele Betroffene suchen nach alternativen Behandlungsmethoden, bevor sie auf spezielle Medikamente zurückgreifen. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Ansätze, darunter Homöopathie, Schüssler-Salze und Hausmittel, die zur Linderung von Migräne- und Kopfschmerzen eingesetzt werden können.
Kopfschmerztagebuch: Den Auslösern auf der Spur
Therapeuten empfehlen oft, ein Kopfschmerztagebuch zu führen, um Art, Ort, Qualität und mögliche Auslöser der Kopfschmerzen zu dokumentieren. Auch erfolgreiche Interventionen und die Einnahme spezieller Medikamente sollten festgehalten werden. Dies kann helfen, Muster zu erkennen und die Behandlung besser auf die individuellen Bedürfnisse abzustimmen.
Homöopathie bei Migräne: Ähnliches mit Ähnlichem behandeln?
Die Homöopathie ist eine beliebte alternative Heilmethode, bei der Ähnliches mit Ähnlichem behandelt wird. Das bedeutet, dass ein Patient ein Mittel erhält, das bei gesunden Menschen ähnliche Symptome auslösen würde. Obwohl viele Migränepatienten sich eine Anerkennung der Homöopathie als Teil eines umfassenden Therapieplans wünschen, ist die Heilkraft der Homöopathie bei Migräne wissenschaftlich nicht zweifelsfrei bewiesen. Einige Menschen erfahren Linderung, andere nicht.
Die Wahl des richtigen homöopathischen Mittels
Die Auswahl des richtigen Homöopathikums ist komplex, da die Symptome von Mensch zu Mensch variieren und die neurologischen Ursachen der Migräne noch nicht vollständig geklärt sind. Ein erfahrener Mediziner sollte die Behandlung durchführen, da eine Therapie in Eigenregie nicht empfehlenswert ist. Die folgenden Mittel werden häufig bei Migräne eingesetzt:
- Cimicifuga racemosa: Bei Migräne in den Wechseljahren, begleitet von Schwindel und stechenden Augenschmerzen.
- Cyclamen europaeum: Bei Migräneattacken mit Sehstörungen wie Doppeltsehen.
- Iris versicolor: Bei sogenannter "Wochenendmigräne", die sich in Entspannungsphasen verschlimmert.
- Sanguinaria canadensis: Bei Migräne-Schmerzen, die vor allem rechtsseitig auftreten.
- Belladonna: Bei pochenden und bohrenden Kopfschmerzen, die plötzlich auftreten und über den Augen lokalisiert sind.
Homöopathische Mittel können in erster Linie die Schwere und Häufigkeit von Migräneattacken lindern.
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Globuli und ihre Anwendung
Globuli sind kleine Zuckerkügelchen, auf denen der Wirkstoff haftet. Die Wirkstoffe werden in der Homöopathie stark verdünnt, wobei der Verdünnungsfaktor als Potenz (z.B. D6 oder D12) auf der Verpackung angegeben ist.
Schüssler-Salze: Mineralstoffe für die Zelle
Schüssler-Salze sind nach ihrem Erfinder Dr. Wilhelm Schüßler benannt. Er ging davon aus, dass geringe Mineralverluste in den Körperzellen negative Auswirkungen haben können. Er entwickelte zwölf Basissalze, die auf unterschiedliche Körperbereiche wirken sollen.
Magnesium phosphoricum (Nr. 7): Das Salz der Muskeln und Nerven
Magnesium phosphoricum wird oft bei Migräne und Kopfschmerzen eingesetzt, da es entspannend und schmerzlindernd wirken kann. Die "Heiße 7" ist eine bekannte Anwendung, bei der sieben bis zehn Tabletten in einer Tasse heißem Wasser aufgelöst und in kleinen Schlucken getrunken werden. Dies soll besonders bei Kopfschmerzen helfen, die blitzartig vom Nacken her einfallen.
Weitere Schüssler-Salze bei Kopfschmerzen
Die Auswahl der Schüssler-Salze richtet sich nach der Art der Beschwerden. Einige Beispiele:
- Nr. 21 Zincum chloratum D6: Bei nervös bedingten Kopfschmerzen, verbunden mit Aufregung oder Anspannung.
- Nr. 14 Kalium bromatum D6: Bei Kopfschmerzen, die vorwiegend Stirn und Schläfen betreffen.
- Nr. 2 Calcium phosphoricum D6: Bei Kopfschmerzen, die mit Kribbeln oder Taubheitsgefühlen in Armen und Beinen einhergehen. Auch für Kinder nach der Schule oder anstrengendem Lernen.
- Nr. 5 Kalium phosphoricum D6: Bei Kopfschmerzen infolge seelischer, geistiger oder körperlicher Belastung und verbunden mit großer Schwäche.
- Nr. 3 Ferrum phosphoricum: Bei Kopfschmerzen, die von Druckgefühl, Klopfen und rotem Kopf begleitet werden.
- Nr. 17 Manganum sulfuricum D6: Bei drückenden Kopfschmerzen, die das Gefühl vermitteln, der Kopf sei angeschwollen.
- Nr. 8 Natrium chloratum: Bei dumpfen Kopfschmerzen, die die Folge von Flüssigkeitsmangel sind. Auch bei Migräne mit Sehstörungen, Übelkeit und heftigen Beschwerden.
- Nr. 6 Kalium sulfuricum D6: Wenn sich die Kopfschmerzen in warmen Räumen verschlimmern.
- Nr. 11 Silicea D6: Bei Kopfschmerzen durch Zugluft, Witterungswechsel oder Voll- oder Neumond.
- Nr. 22 Calcium carbonicum D6: Bei hartnäckigen Kopfschmerzen, hauptsächlich bei aufgedunsen wirkenden Menschen und Allergikern.
- Nr. 10 Natrium sulfuricum D6: Bei Katerkopfschmerzen oder Kopfschmerzen als Spätfolgen einer Gehirnerschütterung.
- Nr. 19 Cuprum arsenicosum D6: Bei pulsierenden, zuckenden Krämpfen im Kopf bei Migräne.
- Nr. 4 Kalium chloratum D6: Wenn die Migräne mit Übelkeit, Schwindel und Erbrechen von weißem Schleim einhergeht.
Kombinationen von Schüssler-Salzen
Es ist üblich, verschiedene Schüssler-Salze zu kombinieren. Bei Migräne werden oft die Salze Nummer 7, 8 und 11 kombiniert. Eine weitere Kombination für hartnäckige Migräne umfasst die Salze Nummer 5, 7, 8, 22 und 11.
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Äußerliche Anwendung von Schüssler-Salzen
Schüssler-Salze können auch in Salbenform angewendet werden. Beispielsweise wird Nr. 2 Calcium phosphoricum für Kinder empfohlen, um die Salbe zwischen den Schulterblättern einzureiben. Bei Kopfschmerzen, die vom Nacken aufsteigen, sowie bei Migräne soll die Salbe Nr. 7 Magnesium phosphoricum helfen.
Hausmittel gegen Kopfschmerzen und Migräne
Neben Homöopathie und Schüssler-Salzen gibt es eine Reihe von Hausmitteln, die bei Kopfschmerzen und Migräne Linderung verschaffen können.
Flüssigkeitszufuhr
Oft entstehen Kopfschmerzen durch Flüssigkeitsmangel. Es ist daher wichtig, ausreichend zu trinken, idealerweise 2 Liter Flüssigkeit pro Tag. Magnesiumreiches Mineralwasser und Kräutertees sind gute Durstlöscher.
Kräutertees
Eine Tasse frisch gebrühter Tee mit ausgewählten Kräutern kann bei beginnenden oder akuten Kopfschmerzen Linderung verschaffen. Einige Beispiele:
- Wacholderbeeren: Um den Schmerz gar nicht erst richtig durchbrechen zu lassen.
- Hibiskusblütenblätter: Um einen Anflug von Kopfschmerzen zu stoppen.
- Rosenblütenblätter: Um den Schmerz schneller abklingen zu lassen.
- Weitere geeignete Heilkräuter: Weidenrinde, Melisse, Mädesüß, Lindenblüten, Rosmarin, Petersilie, Kümmel, Pestwurz, Holunder, Lavendel, Waldmeister, Schafgarbe und Schlüsselblume.
Kaffee mit Zitrone
Kaffee mit Zitrone kann bei leichter Migräne helfen. Das Koffein verengt die Gefäße, während der Zitronensaft die Durchblutung anregt.
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Gewürze
- Ingwer: Wirkt entzündungshemmend, entspannend und schmerzstillend. Kann als Tee, Paste oder durch Kauen einer Scheibe angewendet werden.
- Vanille: Enthält Eugenol, ein ätherisches Öl mit schmerzlindernder und blutgefäßerweiternder Wirkung.
- Zimt: Eine Zimtbrei-Auflage auf der Stirn kann entspannend und kühlend wirken.
Pfefferminzöl
Natürliches Pfefferminzöl kann bei Spannungskopfschmerzen helfen. Es wird auf Schläfen und Stirn einmassiert, um weniger Schmerzsignale ins Gehirn weiterzuleiten.
Wasseranwendungen
- Vollbad: Gegen stressbedingte Kopfschmerzen. Badezusätze wie Lavendel oder Melisse können die Entspannung fördern.
- Wechselwarme Teilbäder: Gegen Kopfschmerzen durch Verspannungen oder mangelnde Durchblutung.
- Nackenguss: Ein kalter Guss in den Nacken erhöht die Durchblutung des Gehirns und lindert insbesondere Schmerzen im Hinterkopf.
- Wärme im Nacken: Geeignete Wärmespender sind Körner-, Heu- oder Kräuterkissen.
- Eistücher: Bei Migräne und Clusterkopfschmerzen. Ein Eistuch kann mit einer Salzlösung aus Wasser, Essig und Salz präpariert werden.
Akupressur
Akupressur ist eine Art Druckmassage, die mit den Fingerspitzen ausgeführt wird. Bei Kopfschmerzen im Stirnbereich kann der Punkt Hsi-san helfen, der sich links und rechts der Schläfe befindet. Weitere Akupressurpunkte befinden sich in der Mitte des Nasenrückens und am höchsten Punkt der Augenbrauen.
Entspannungsmethoden
Spannungsbedingte Kopfschmerzen können durch Entspannungsmethoden gelöst werden. Geeignete Methoden sind Autogenes Training, Biofeedback, Fantasiereisen, Pilates, Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, Qigong oder Yoga.
Gesichtsgymnastik
Grimassieren kann eine wirksame Hilfe sein, wenn sich Kopfweh ankündigt. Durch das Zerknautschen des Gesichts in jede mögliche Richtung werden Verspannungen gelöst.
Sport und Bewegung
Regelmäßige Bewegung und sportliche Betätigung an der frischen Luft können Kopfschmerzattacken verringern.
Cola und Pommes: Ein umstrittener Notfall-Tipp
Cola und Pommes sollen bei beginnender Migräne Linderung verschaffen. Das Koffein verengt die erweiterten Blutgefäße und Salz gleicht den Elektrolythaushalt aus. Dieser Tipp ist jedoch umstritten und sollte mit Vorsicht genossen werden.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Migräne ist an sich keine gefährliche Erkrankung, aber wenn die Schmerzen schwer zu kontrollieren sind, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei regelmäßigen Migräneattacken kann auch eine Prophylaxe sinnvoll sein. Bei starker Übelkeit oder Fieber sollte ebenfalls immer ein Arzt aufgesucht werden.
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