Einen komfortablen Fahrradsattel zu finden, kann eine Herausforderung sein, aber es lohnt sich, die Zeit und Mühe zu investieren. Der richtige Sattel ist entscheidend für Komfort und Leistung, egal ob du morgens zur Arbeit fährst oder dein nächstes Rennen gewinnen willst. Ein passender Sattel verhindert Schmerzen und ermöglicht es dir, deine Ziele auf dem Rad zu erreichen.
Anatomie und Sattelwahl
Jeder Mensch ist anders, und Sättel sollten deine Anatomie ergänzen. Form und Größe der Sättel unterscheiden sich voneinander. Als wichtiger Kontaktpunkt zum Fahrrad ist der richtige Sattel entscheidend für Komfort und Leistung.
Sitzknochenabstand: Der einfachste Weg, den richtigen Sattel zu finden, ist die Messung des Sitzknochenabstands. Sattelhersteller bieten verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Breiten an. Viele lokale Fahrradgeschäfte verfügen über ein spezielles Messgerät, mit dem sich der Sitzknochenabstand einfach bestimmen lässt. Bei einer Sitzknochenanalyse wird der richtige Sattel für dich eruiert. Dabei wird der Abstand deiner Sitzbeinhöcker abgebildet.
Sitzposition: Deine Sitzposition ist ein wichtiger Faktor bei der Wahl des richtigen Sattels. Der Sattel sollte deine Sitzknochen optimal stützen. Wenn der Sattel zu breit ist, scheuert er. Wenn der Sattel zu schmal ist, wird zu viel Druck auf deine Sitzknochen ausgeübt. Wenn man sich in der normalen Sitzposition befindet, kann bei Frauen der Schambeinbogen und bei Männern der Dammbereich mit dem Sattel in Kontakt kommen. Dabei ist der Winkel deines Sattels entscheidend. Wenn der Sattel zu weit nach vorne geneigt ist, können deine Hände schmerzen, da du dich auf dem Sattel halten musst. Wenn der Sattel zu weit nach hinten geneigt ist, entsteht zu viel Druck im vorderen Schambereich, wenn du nach dem Lenker greifst.
Geschlecht: Der Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Anatomie ist der Hauptgrund für die verschiedenen Modelle. Einige Frauen fühlen sich auf einem Unisex-Sattel wohl, aber viele Frauen ziehen es vor, auf einem frauenspezifischen Sattel zu fahren. Ein Damensattel hat eine andere Form, die eine Aussparung und verschiedene Schaumdichten umfassen kann. Jenny Haas von Ergon erklärt: „Bei Ergon haben wir drei wichtige Faktoren, um den perfekten Sattel zu finden: Sitzposition/Fahrradtyp, Sitzknochenbreite und Geschlecht. Der weibliche Genitalbereich ist nicht ‚mobil’, sodass wir beim Radfahren auf unseren Genitalien sitzen, insbesondere in einer sportlichen/aggressiven Sitzposition.“
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Satteltypen und -eigenschaften
Es gibt eine Vielzahl von Sätteln auf dem Markt, die sich in Material, Form, Polsterung und weiteren Eigenschaften unterscheiden.
Bezugsmaterial: Leder oder synthetische Stoffe sind gängige Materialien für den Sattelbezug.
Sitzschale: Die harte Basis sorgt beim Sattel für Flexibilität. Die Polsterung und der Bezug sitzen auf der Sitzschale. Diese kann aus Kunststoff oder Carbon bestehen. Günstige Optionen sind in der Regel aus Kunststoff, während Gewichtsbewusste sich eher für einen Carbonsattel entscheiden.
Polsterung: Einige Sättel haben eine dicke Polsterung, oft ist diese aber nicht die Lösung bei Schmerzen. Eine minimale, aber dichte Schaumschicht vermindert wo nötig den Druck. Manche Carbonsättel kommen ganz ohne Polsterung aus, aber die Mehrheit der Fahrer bevorzugt etwas mehr Komfort. Die Polsterung des Sattels sollte ebenfalls deinem Fahrstil entsprechen. Beachte: Nicht für jeden Einsatz ist eine üppige Polsterung passend.
Sattelstreben: Die Streben, an denen der Sattel an der Sattelstütze befestigt wird, können aus Metall, Titan oder Carbon sein. Jedes Material hat seine Vorteile, unterscheidet sich aber in Preis und Gewicht.
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Sattelprofil: Flachere Sättel sind für aerodynamische Sitzpositionen konzipiert. Gebogene Sättel eignen sich besser für eine aufrechtere Sitzposition bei Langstreckenfahrten, beim Pendeln und auf dem Trail.
Aussparungen: Ein Sattel mit Aussparung ist zur Entlastung des Drucks im Dammbereich oder auf den Schambeinbogen vorgesehen. Man nennt dieses Loch „Entlastungsöffnung“. Dadurch wird der empfindliche Schambereich entlastet und der Druck nimmt von dort in Richtung Sitzbeinknochen langsam zu. Die Öffnung hat aber noch eine weitere wichtige Funktion, nämlich, sie macht den Sattel flexibel.
Lochsattel: Fahrradsattel mit Loch werden als Lochsattel bezeichnet. Hier muss beim Kauf allerdings darauf geachtet werden, dass dieser Fahrradsattel den anatomischen Gegebenheiten des einzelnen Radfahrers angepasst ist, da es sonst zum gegenteiligen Effekt des Sattels kommen kann.
Stufensattel: Bei diesem Fahrradsattel liegt die Sattelnase etwas tiefer als die Sitzfläche. Diese Stufung bewirkt, dass die Schambeinknochen nicht direkt auf der Sitzoberfläche liegen - unabhängig von der jeweiligen Sitzposition.
Fahrradtypen und Sattelwahl
Der Sattel an deinem Rennrad wird kaum der gleiche Sattel sein, den du auf deinem Downhill Bike hast.
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Rennrad-Sättel: Beim Zeitfahren befindest du dich in einer sehr aggressiven Sitzposition, die zum Beispiel ein flacheres Sattelprofil und eine kurze Nase erfordert. Rennrad-Sättel sind zudem so optimiert, dass sie sehr leichter sind, da es beim Schnellfahren aufs Gewicht ankommt. Um möglichst wenig Windwiderstand zu erzeugen, ist die Sitzhaltung bei Zeitfahrrädern und Rennrädern stark nach vorne gebeugt. Dabei wird das Becken nach vorne gerollt und das Gewicht verteilt sich von den Sitzbeinhöckern auf das gesamte Sitzbein. Um diesen potenziellen Druck aufzuheben, wird der mittlere Bereich des Rennrad-Sattels ausgespart oder abgesenkt.
Mountainbike-Sättel: Wenn du mit dem Mountainbike unterwegs bist, bietet ein breiterer, gebogener Sattel wohl mehr Komfort auf dem Trail. Einige Sättel sind sogar so optimiert, dass sie Vibrationen des Trails absorbieren. Für Mountainbiker, die im Gelände unterwegs sind, ist es wichtig, dass der Körperschwerpunkt schnell vor und hinter den Sattel verlagert werden kann. Zudem muss der Fahrradsattel sehr strapazierfähig sein, um Stöße und Schläge beim Biken im unwegsamen Gelände abzufangen. Durch die aufrechte Haltung beim MTB-Fahren wird das Körpergewicht bei steilen Anstiegen und Trails weiter nach hinten verlagert. Damit du nicht vom Sattel abrutschst, sorgt ein Sattel mit einer hochgezogenen Sattelkante für mehr Halt bei den Bergantritten.
Trekking-Sättel: Trekking-Sättel eignen sich gut für Alltagsfahrten, Touren und Pendeln, bei denen Fahrkomfort im Vordergrund steht. Je nach Einsatzzweck und Sitzposition sind auch Optik, Material, Verarbeitung und Gewicht wichtig bei deiner Kaufentscheidung. Ein etwas breiterer und sportlich geformter Trekkingsättel ist daher bei diesem Fahrradtyp zu empfehlen.
City-Bike- und Hollandrad-Sättel: Bei City- und Hollandrädern nimmt der Fahrer eine sehr aufrechte Haltung ein, bei der die Hüfte stark nach hinten gerollt wird und die Sitzbeinknochen mit einem breiten Abstand auf dem Sattel sitzen. Der Druck auf die Sitzknochen wird hierdurch deutlich erhöht. Unebenheiten werden beim Fahren stärker auf den Rücken übertragen. Eine gedämpfte Sattelstange beziehungsweise ein weicher Sattel können leicht Abhilfe schaffen.
Tipps zur Sattelauswahl und -anpassung
Sattel-Bibliotheken: Sattel-Bibliotheken bieten eine Reihe von Sätteln verschiedener Marken. Die Idee ist, dass du einen Sattel für eine gewisse Zeit ausleihen und ihn nach dem Test zurückgeben kannst. Einige Fahrradgeschäfte bieten einen Testservice für die Sattelmarken an, die sie vorrätig haben.
Budget: Dein Budget ist ein wichtiger Faktor beim Kauf eines Fahrradsattels. Wenn du bereit bist, mehr Geld auszugeben, stehen dir auch mehr Optionen zur Verfügung, wie leichte Carbon-Sättel und 3D-Druckoptionen.
Sattelposition: Viele Fahrer finden einen waagerechten Sattel am bequemsten, da er gleichmäßigen Druck auf den Körper ausübt. Andere sind der Meinung, dass er mit einer leichten Neigung am bequemsten ist. Ein professionelles Bikefitting hilft dir bei all deinen Fragen rund um die Sattel-Passform und die gesamte Anpassung deines Bikes.
Sattelhöhe: Die Sattelhöhe ist einer der wichtigsten Faktoren für eine gesunde und effiziente Sitzposition. Der Sattel sollte sich ungefähr auf Beckenknochenhöhe befinden. Stelle dich dazu am besten seitlich neben das Rad, um den Sattel gerade nach vorne auf die entsprechende Höhe einzurichten. Beachte immer die Mindesteinstecktiefe und die maximale Sitzhöhe. Setze dich nach der ersten (Grob-) Einstellung dich auf dein Rad. Bring die Füsse auf die Pedale und achte darauf, dass beim Drehen der Kurbel die Beine am tiefsten Punkt nicht ganz durchgestreckt sind. Wenn dein Becken kippt oder dein Bein komplett durchgestreckt ist, adjustiere die Sattelhöhe ein Stück weiter nach unten (tiefer). Sollte dein Bein stark gebeugt sein, stelle den Sattel höher.
Sattelneigung: Die Neigung des Sattels beeinflusst, wie du auf dem Fahrrad sitzt und wie der Druck verteilt wird. Die Sattelneigung sollte so eingestellt sein, dass du bequem sitzt, ohne nach vorne oder hinten zu rutschen. Waagerecht ist meist ideal (bei Fullys im sogenannten Sag). Eine leichte Neigung nach vorne kann den Druck auf die Sitzknochen reduzieren, sollte aber nicht zu stark sein, um den Komfort zu gewährleisten.
Horizontale Sattelposition: Die horizontale Position des Sattels beeinflusst deine Sitzposition und wie dein Gewicht auf dem Fahrrad verteilt wird. Drehe die Pedale so, dass die Kurbeln waagerecht stehen (3 und 9 Uhr-Position). Deine Kniescheibe sollte sich direkt über der Pedalachse befinden, wenn die Kurbel in der waagerechten Position steht. Ist dein Knie zu weit vorne oder hinten, musst du den Sattel entsprechend nach vorne oder hinten schieben.
Passende Kleidung: Fahrradhosen mit gepolstertem Sitzbereich können den Komfort erheblich verbessern, insbesondere auf längeren Fahrten.
Pausen: Bei langen Fahrten ist es wichtig, regelmäßig Pausen einzulegen, um den Druck von den Sitzknochen zu nehmen und die Durchblutung zu fördern. Stehe zwischendurch auf und mache leichte Dehnübungen.
Pflege und Wartung: Ein gut gepflegter Sattel hält länger und bleibt komfortabel. Reinige den Sattel regelmäßig und überprüfe ihn auf Abnutzungserscheinungen wie Risse und scharfe Stellen.
Was tun bei Schmerzen?
Wenn der Sattel nicht zu deinem Körper und deinem Fahrstil passt, kann es zu Schmerzen, Druckstellen oder Taubheitsgefühlen kommen. Der richtige Sattel hingegen unterstützt eine gesunde Sitzposition, verteilt den Druck gleichmäßig und sorgt dafür, dass du auch auf langen Touren schmerzfrei bleibst.
Falsche Satteleinstellung: Häufig kommt es durch einen falsch eingestellten Sattel zu Beschwerden im Gesäßbereich. Ist der Sattel zu hoch, muss sich die Hüfte mehr von der einen zu der anderen Seite bewegen, um die fehlende Beinlänge auszugleichen. Durch die Scherbewegung des Beins und die starke Neigung der Hüfte, verlagert sich dabei die Belastung von einem Sitzknochen auf den anderen. Es entsteht Reibung zwischen dem inneren Beinbereich, den Weichteilen, dem Sattel und dem Hosenmaterial. Die Folge: Hautreizungen in den betroffenen Arealen.Bei einem zu stark nach hinten geneigten Sattel übt die Sattelnase zu viel Druck auf den Genitalbereich aus. Ist der Sattel zu sehr nach vorne geneigt, rutscht das Gesäß immer wieder nach vorne. Durch den nach vorne schmal werdenden Sattel sacken die Sitzknochen folglich über die Seiten ab und der Damm- sowie Schambereich wird stark belastet. Durchblutungsstörung und Taubheit sind oftmals die Folge.
Zu weicher Sattel: Ein zu weicher Sattel führt dazu, dass die Sitzknochen zu tief absacken und Weichteile, Blutgefäße sowie Nerven abgedrückt werden können. Auch Wund- und Druckstellen können durch die falsche Druckbelastung entstehen, insbesondere nach einer längeren Strecke. Zumeist ist eine Durchblutungsstörung bestimmter Bereiche die Folge.
Falsche Sattelbreite: Bei einem zu schmalen Sattel können die Sitzknochen seitlich abrutschen. Dies führt beim Mann zu einem erhöhten Druck im Dammbereich und zu Beschwerden im Schambereich bei der Frau. Allerdings kann auch ein zu breiter Sattel zu Problemen führen.
Falsche Sattelform: Ist die Sattelform nicht die richtige, kann es schnell zu den oben genannten Problemen kommen. Nicht nur die möglichen anatomischen Unterschiede zwischen Mann und Frau können Ursache dafür sein, dass die Sattelform nicht zu einem passt, auch der Fahrradtyp und die damit einhergehende Sitzhaltung ist entscheidend, wie der Sattel geformt sein muss.
Spezielle Bedürfnisse
Übergewicht: Es gibt Sättel für Personen mit höherem Gewicht. Ein stabileres Rad mit entsprechender Sattelstütze und einen hierfür ausgelegten Sattel, kann eine höhere Belastung aushalten. Material und Dämpfungseigenschaften, sind auch für das erhöhte Gewicht ausgelegt und erfüllen ihre Funktion auch bei einer höheren Belastung.
Prostata-Beschwerden: Bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen gibt es spezielle Sattel, die die empfindlichen Bereiche des Mannes entlasten. Ein Sattel ohne Sattelnase, beziehungsweise mit einer verkürzten Sattelnase und/oder einer Aussparung auf Höhe des Dammbereichs, verringert den Druck auf die Prostata und lindert die Beschwerden.
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