Die Schaubude Kiel, ein fester Bestandteil der alternativen Kulturszene, sah sich in der Vergangenheit immer wieder mit Herausforderungen konfrontiert. Dieser Artikel beleuchtet die Auseinandersetzungen der Schaubude mit den Kieler Behörden und die beeindruckende Solidarität, die ihr entgegenschlug.
Die Alte Meierei im Visier der Stadt Kiel
In den letzten Jahren stand die Alte Meierei, ein langjähriger Veranstaltungsort, im Zentrum von Auseinandersetzungen mit der Stadt Kiel. Nachdem die Meierei über zwei Jahrzehnte von städtischen OrdnungswächterInnen weitgehend unbehelligt geblieben war, begannen plötzlich intensive Kontrollen und Forderungen. Zunächst ging es um angeblichen mangelnden Schallschutz, dann wurde eine gaststättenrechtliche Konzession gefordert, und schließlich sollte die Halle umgebaut werden, um den aktuellen Brandschutzstandards zu entsprechen. Die Stadt Kiel, als Vermieterin des Gebäudes, zeigte jedoch keinerlei Bereitschaft, die Kosten für diese Umbauten zu übernehmen.
Diese Situation führte zu Spekulationen darüber, ob die Stadt Kiel die Meierei loswerden und das Gelände für kommerzielle Zwecke nutzen wollte, etwa für ein Einkaufszentrum oder eine Autobahnraststätte. Unabhängig von den tatsächlichen Plänen der Stadtväter und -mütter war klar, dass die Stadt die Meierei in ihrer bestehenden Form nicht länger dulden wollte: ein unkonventionelles, unkommerzielles, undurchschaubares und chaotisches Zentrum, das der Stadt Kiel weder Geld noch Ruhm einbrachte.
Energieverlust und Solidarität
Die ständigen Auseinandersetzungen mit der Stadtverwaltung kosteten die Betreiber der Meierei viel Energie, die sie lieber in die Weiterentwicklung des Zentrums gesteckt hätten. Trotz dieser Widrigkeiten entstand eine breite Solidaritätsbewegung innerhalb der Kieler alternativen Kulturszene. Zahlreiche Kieler Läden wie die Hansastrasse, die Räucherei, die Schaubude und die Pumpe boten nach dem Veranstaltungsverbot an, Konzerte unkompliziert in ihren Räumen durchzuführen. Auch das neumünsteraner AJZ und die rendsburger T-Stube stellten ihre Räume zur Verfügung. Diese Solidarität könnte ein Schritt sein, sich künftig stärker aufeinander zu beziehen und sich gemeinsam gegen die konsum- und massenorientierte Kulturpolitik der Stadt Kiel zu wehren, durch die nicht nur die Meierei sondern auch die Pumpe und die Hansastrasse bedroht sind.
Offensive und Protest
Am 8. Oktober startete die Meierei mit einer Bauwoche und einem Konzert in der Pumpe eine kleine Offensive. Besonders erfreulich war eine spontane Demonstration, die von Gaarden zur Pumpe zog, auf über 100 Personen anwuchs und einen Zwischenstopp vor einer Kieler Nazikneipe einlegte. Weniger erfreulich war, dass später nach dem Konzert vier Personen aus besagter Kneipe heraus angegriffen und verletzt wurden. Zum Abschluss der Bauwoche fand ein weiteres Konzert in der T-Stube in Rendsburg statt, bei dem die Kultpunkband MOLOTOW SODA und die Gaardener Pankboygroup TOTSCHICK auftraten.
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Die Sophienhof-Besetzung und ihre Nachwirkungen
Die Alte Meierei ist das letzte verbliebene Gebäude der Ausgleichsobjekte, die der Stadt nach der Räumung des Sophienhofs abgerungen wurden. Während die übrigen Gebäude für neue Parkplätze und Straßen geräumt und abgerissen wurden, erinnert die Meierei noch heute an die alternative Bewegung, die einst den Sophienhof besetzte.
Die Nerven in der Schaubude Kiel: Ein Konzertbericht
Die Stuttgarter Rockband Die Nerven sorgte in der ausverkauften Schaubude Kiel für ein energiegeladenes Konzert. Mit ihrem homogenen, satten Sound und ihren klugen, teils parolenhaften Texten begeisterten sie das Publikum.
Energiegeladener Konzertstart
Gleich zu Beginn des Konzerts entstand ein Pogo-Pulk in der Mitte des Clubs, der sich schnell ausbreitete. Die Energie auf der Bühne übertrug sich sofort auf das Publikum.
Das Programm
Die Band startete ihr Set mit „Niemals“ und „Frei“ vom Album „Fake“. Es folgten weitere Songs von „Fake“, darunter „Der Einzige“, „Explosionen“ und „Neue Wellen“. Auch ältere Stücke wie „Schrapnell“ und „Barfuß durch die Scherben“ fügten sich nahtlos in das Set ein.
Das Publikum
Der Altersschnitt des Publikums war höher als erwartet. Viele ältere Musikfans wollten sich Die Nerven in intimem Rahmen nicht entgehen lassen. Vor allem die jüngeren Konzertbesucher waren bereit, die Energie von der Bühne aufzunehmen und in Bewegung umzusetzen.
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Station 17 und Barner 16: Inklusion und musikalische Vielfalt
Neben den Auseinandersetzungen um die Alte Meierei und den Konzerten in der Schaubude, spielten auch andere Projekte eine wichtige Rolle in der Kieler Musikszene. Station 17 und Barner 16 sind zwei Kollektive, die sich der Inklusion und der musikalischen Vielfalt verschrieben haben.
Station 17: Pioniere der Inklusion
Station 17, gegründet von Giesbert Kellersmann, der 2018 verstarb, gilt als Pionier der Inklusion in der Musik. Das Kollektiv setzt sich für die Zusammenarbeit von Musikern mit und ohne Behinderung ein. In der Station 17-TanzBar traten regelmäßig Special Guests wie The Gypsy King auf. Die Band veröffentlichte mehrere Alben und war auf zahlreichen Festivals vertreten, darunter das Sonic Protest Festival in Paris.
Barner 16: Ein Netzwerk für Vielfalt
Barner 16 ist ein Netzwerk, das aus dem Umfeld von Station 17 entstanden ist. Das Kollektiv setzt sich für musikalische Vielfalt und die Förderung von Künstlern mit und ohne Behinderung ein. Barner 16 veranstaltet Konzerte, Festivals und Workshops und hat mehrere CDs veröffentlicht.
Weitere Ereignisse in der Musikwelt
Neben den lokalen Ereignissen in Kiel gab es auch eine Reihe von überregionalen Nachrichten aus der Musikwelt:
- Casper heizte mit mysteriösen Teasern Spekulationen auf neues Material an.
- Das Angst Macht Keinen Lärm Festival komplettierte sein Line-up mit Gurr.
- Guns N’ Roses und AC/DC planten angeblich eine gemeinsame Tour.
- War On Women kündigten eine Europatour an.
- Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff wirkten an einer Rockoper des Theaters Kiel mit.
- Das Landgericht Koblenz vertagte den Streit um die Namensrechte von Rock Am Ring.
- La Seras Katy Goodman und Greta Morgan nahmen ein gemeinsames Coveralbum auf.
- Morrissey kündigte ein Deutschlandkonzert an.
- Scott Kelly trat in einer “Hamlet”-Aufführung auf.
- Converge-Kopf Jacob Bannon wirkte am neuen Mstrkrft-Album mit.
- Die Last Shadow Puppets absolvierten einen TV-Auftritt.
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