Die heutige Zeit ist geprägt von Stress, Hektik, Leistungsdruck und einem Zurückstellen persönlicher Bedürfnisse. Diese Faktoren beeinflussen die menschliche Gefühlswelt erheblich. Die Arbeitsintensität ist gestiegen, und der psychische Druck am Arbeitsplatz hat zugenommen, was sich in Konkurrenzdruck, Mobbing, Mehrarbeit und einer latenten Angst um den Arbeitsplatzverlust äußert. Immer mehr Menschen klagen über mangelnde Zeit und Energie für Privatleben und persönliche Bedürfnisse, wodurch das seelische und körperliche Gleichgewicht beeinträchtigt wird. Dies führt zu einer Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie psychischen und psychosomatischen Beschwerden. Die Homöopathie bietet hier eine sanfte und wirksame Unterstützung, um das innere Gleichgewicht wiederzufinden und besser mit Stress umzugehen.
Typische Konstitutionsmittel für Gegenwartsprobleme
Im Folgenden werden typische homöopathische Konstitutionsmittel vorgestellt, die bei Stress, Nervosität und den damit verbundenen Problemen eingesetzt werden können:
Nux vomica: Der Gestresste und Überforderte
Nux vomica ist ein wichtiges Mittel für den hektischen, von Reizüberflutung und Stress überforderten Menschen in der heutigen Arbeitswelt. Das Persönlichkeitsbild von Nux vomica zeigt einen ehrgeizigen und leistungsorientierten Menschen, der ständig von Eile getrieben ist. Er verarbeitet viele Sinnes-Eindrücke gleichzeitig und mutet sich in seinen Arbeitsaufgaben sehr viel zu. Er reagiert impulsiv und zeigt seine Stimmungen teilweise aggressiv.
Eigenschaften und Verhalten
Nux vomica setzt Maßstäbe, gibt den Ton an und reagiert auf Widerspruch sehr gereizt. Er kämpft um seine Position und ist wettbewerbsorientiert. Seine perfektionistischen Ansprüche an die Arbeitsleistung treiben ihn an, ständig mehrere Dinge gleichzeitig erledigen zu wollen. Dabei ist er innerlich rastlos und voller Ungeduld. Nux hat wenig Neigung, Aufgaben zu delegieren, da andere Menschen seine Ansprüche oft nicht erfüllen. Er ist pragmatisch in seiner Vorgehensweise und möchte leiten und führen.
Macht und Kontrolle
Nux vomica hat einen starken Willen zur Macht und kämpft mit großer Stärke für deren Erhalt und Ausbau. Selbstvertrauen und Selbstdurchsetzung sind dominante Wesenselemente. Das Thema Gewinnen oder Verlieren ist ein wesentlicher Antrieb, seine Position zu verteidigen und auszubauen.
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Innere Unsicherheit
Obwohl Nux vomica nach außen Stärke zeigt, ist er innerlich oft unsicher. Er reagiert gereizt, ärgerlich, missmutig und zornig auf jeden Widerspruch und jede Kleinigkeit, die nicht nach seinen Vorstellungen abläuft. Nux ist auf der rastlosen Suche nach seiner Identität, und Beruf und Arbeit sollen ihm Selbstfindung ermöglichen.
Kompensation durch Aktivität
Nux vomica versteckt seine wirklichen Gefühle durch Überaktivität. Arbeit dient als Ablenkungsmanöver, da das Offenbaren von Gefühlen Verletzungen nach sich ziehen könnte. Die große Identifikation mit der Arbeit verdeckt tief innen liegende psychische Konflikte. Das Funktionieren in der Arbeit verleiht scheinbare Stabilität, und Nux vomica tut alles, um seine Funktionalität sicherzustellen.
Genußgifte und Ernährung
Um seine Leistungsfähigkeit zu erhalten, greift Nux vomica oft zu aufputschenden Genussgiften wie Kaffee und Nikotin. Auch füllige, teilweise sehr ungesunde Ernährung und Alkohol dienen dazu, den erlebten Stress scheinbar auszugleichen und zu reduzieren. Dies erhöht jedoch den inneren Stress und schafft eine Prädisposition für zahlreiche Zivilisationserkrankungen.
Schlafstörungen
Nux vomica kann gedanklich kaum noch von seiner Arbeit abschalten, was zu Schlafstörungen führt. Oft erwacht er morgens gegen 5 Uhr nach kurzem Schlaf und kann trotz großer Müdigkeit nicht mehr einschlafen. Es fällt ihm schwer, auf eine ruhigere Gangart zurückzuschalten.
Körperliche Symptome
Nux vomica verharrt häufig auf einer überwiegend sitzenden Lebensweise und hat keinen körperlichen Ausgleich. Er ist sehr kälteempfindlich, was symbolisch der Kälte der Arbeitswelt und der beruflichen Konflikte entspricht. Seine Symptome werden besser durch Wärme und Ruhe. Typisch sind Kopfschmerzen und gleichzeitige Magenbeschwerden.
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Ängste und Träume
Typische Ängste von Nux vomica sind Angst vor unkalkulierbaren Geschehnissen, Unglück, der Meinung anderer, Geldausgeben und Furcht in einer Menschenmenge oder vor Berührung. Diese Ängste beziehen sich vor allem auf sein Bedürfnis nach Funktionalität in der Arbeitswelt und Sicherheit. Typische Träume sind Streit, Ärger, Verfolgung durch Hunde oder Katzen und Fallträume.
Tageszeitliche Verschlimmerung
Die hauptsächliche tageszeitliche Verschlimmerungszeit von Nux vomica ist 8 Uhr, zuweilen auch 5 Uhr morgens. Die jahreszeitliche Entsprechung ist der Winter.
Lycopodium: Der Bluff und die Kompensation
Lycopodium beschäftigt sich mit Kompensationsmechanismen und der Beeinträchtigung von Selbstvertrauen am Arbeitsplatz. Lycopodium-Patienten bauen ein äußeres Image auf, das allein durch Habitus und Wortwahl Stärke im alltäglichen Machtkampf aufbaut, die innerlich nicht empfunden wird.
Mangelndes Selbstvertrauen
Lycopodium mangelt es an Selbstvertrauen und hat das Gefühl, für kleiner gehalten zu werden, als er sich in Wirklichkeit fühlt. Er versucht, dieses Minderwertigkeitsgefühl zu kompensieren, indem er sich nach außen stärker darstellt. Aus Angst vor Versagen zeigt Lycopodium eine "Bluff-Mentalität", macht Wind, plustert sich auf, übertreibt gerne und spiegelt Tatsachen vor.
Rechthaberei und Selbsttäuschung
Lycopodium hat die Tendenz zur Selbsttäuschung, rückt sich in teilweise diktatorischer Weise in den Mittelpunkt und möchte immer Recht haben. Er legt sogar moralischen Wert darauf, dass ihm das Rechthaben zusteht.
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Kindheitsgeschichte
Die Kindheitsgeschichte von Lycopodium ist häufig dadurch gekennzeichnet, dass ein Elternteil, gewöhnlich der Vater, das Selbstvertrauen des Kindes untergräbt. Dies geschieht oft durch die Beschreibung eigener großartiger Leistungen als Kind, wodurch Versagensängste und eine Schwächung der eigenen Leistungsfähigkeit hervorgerufen werden.
Suche nach Popularität
Eine Strategie von Lycopodium, diesen Mangel auszugleichen, ist die Suche nach Popularität und Gefallen. Er versucht, sich die Gunst von Freunden, Bekannten und Vorgesetzten durch das Anbieten von Gefälligkeiten und lockeren Kontakt anzudienen. Hierdurch erwartet er sich Image, Ansehen und eigene Vorteile, vor allem gegenüber Menschen, von denen er sich abhängig fühlt.
Aufstieg in Hierarchien
Lycopodium ist der typische Aufsteiger in einem hierarchischen Betrieb, der mit großem Elan die Leiter der Hierarchie emporklimmt. Seine vielfältigen Kontakte, seine Gefälligkeiten und sein Drang und seine Fähigkeit, zu glänzen, fördern dies in nicht unerheblichem Maße. Zudem hat Lycopodium die Fähigkeit, sich an wechselnde Umstände und unterschiedliche Positionen intuitiv anzupassen.
Angst vor Bloßstellung
Eine ständige Angst vor Bloßstellung und Versagen kursiert als typisch lycopodische Art der Kommunikation. Überwiegend handelt es sich bei Lycopodium um Menschen, die sich Sorgen um ihre Fähigkeiten und um ihre Beliebtheit vor allem im Arbeitsbereich machen. Sie leugnen oder spielen ihre Schwächen herunter und zeigen sich zuweilen stärker, als sie wirklich sind.
Beziehungen
Emotional wird der durchschnittliche Lycopodium-Mann nie richtig erwachsen. In seinen Beziehungen ist er entweder angenehm, aber reserviert, oder abhängig. In einer engen Beziehung ist er meist auf der Suche nach einer Mutterfigur, denn er will geliebt werden, ohne allzu viel zurückgeben zu müssen. Eine weitere Variante ist die Distanz-Beziehung, denn sie bietet die Chance, in seinen innersten Gefühlen und seinem mangelnden Selbstvertrauen nicht durchschaut zu werden.
Natrium chloratum: Die Wunde des ungeliebten Kindes
Natrium chloratum hat zum Thema die Wunde des ungeliebten Kindes, die sorgsam nach außen abgeschottet wird, aus Angst, den alten Schmerz wiederholt zu spüren. Die Rolle des fürsorglichen Gebers ist der Ausgleich. Unter den heutigen Bedingungen in der Arbeitswelt werden diese alten Wunden wieder stärker aufgerissen, trotz großer Kontrollmechanismen der Betroffenen.
Weitere Homöopathische Mittel bei Nervosität und Stress
Neben den genannten Konstitutionsmitteln gibt es weitere homöopathische Mittel, die bei Nervosität und Stress eingesetzt werden können:
- Chamomilla: Bei innerer Unruhe und Reizbarkeit.
- Arsenicum Album: Bei von Angst und Schwäche begleiteter innerer Unruhe.
- Kalium Arsenicum: Bei innerer Unruhe und unruhigen Extremitäten.
Homöopathie bei Burn-out und Erschöpfung
Homöopathie hat sich auch bei Burn-out bewährt. Burn-out ist ein körperlich-seelischer Zustand, der durch nahezu völlige Ausgebranntheit gekennzeichnet ist. Symptome sind Ein- und Durchschlafstörungen, Müdigkeit und Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Gereiztheit und Versagensgefühle, Stimmungsschwankungen und Rückzugstendenzen. Damit verbunden sind körperliche Symptome wie Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Kopfschmerzen, Muskelverspannungen und Schweißausbrüche. In der Homöopathie ergeben die Symptome einer solchen Krise ein sogenanntes Arzneimittelbild.
Homöopathie bei Innerer Unruhe
Innere Unruhe ist durch Nervosität und ein Spannungsgefühl gekennzeichnet. Ausgelöst wird sie unter anderem durch Grunderkrankungen, die die Schilddrüse oder den Kreislauf betreffen, aber auch durch einen hektischen Lebensstil und psychische Ursachen. Homöopathische Mittel können hier unterstützend eingesetzt werden.
Ursachen von Innerer Unruhe
Die Ursachen für innere Unruhe und Nervosität sind vielfältig. Sowohl körperliche Auslöser als auch psychische sind denkbar, genau wie diverse Umwelteinflüsse:
- Physische Ursachen: Wechseljahre, Lungenembolie, Kreislaufstörungen, funktionelle Herzbeschwerden, vegetative Dystonie, Schilddrüsenüberfunktion, Unterzuckerung.
- Psychische Ursachen: Schizophrenie, Persönlichkeitsstörung, Depression.
- Genussmittel & Medikamenteneinnahme: Übermäßiger Konsum von Koffein, Nikotin oder Alkohol, Suchterkrankungen, bestimmte Drogen, Medikamente wie Theophyllin, Amantadin und Antidepressiva.
Symptome von Innerer Unruhe
Innere Unruhe wird meist von den Betroffenen schnell erkannt. Typische Symptome sind:
- Zucken in Muskeln oder Augen
- Herzrasen und Schweißausbrüche
- Zitternde Hände
- Angst und Unsicherheit
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Hohe Reizbarkeit
- Hohe Stimmlage und schnelle Sprache
Behandlung von Innerer Unruhe
Das Ziel der Behandlung von innerer Unruhe ist es, den inneren Spannungszustand zu beenden und zugrundeliegende Erkrankungen zu behandeln. Je nach Ursache können Medikamente, Hausmittel oder pflanzliche Wirkstoffe gewählt werden.
Selbsthilfe bei Innerer Unruhe
Es existieren verschiedene Hausmittel, die innere Unruhe nachweislich reduzieren:
- Baldriantee
- Hopfenzapfentee
- Vollbad mit Baldrian, Melisse, Lavendel oder Heublumen
Weitere Behandlungsmethoden
Abgesehen von der medikamentösen Behandlung von Nervosität stehen weitere Maßnahmen zur Verfügung, um den inneren Spannungszustand zu reduzieren:
- Entspannungsübungen (Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation)
- Bewusste Ablenkung und Tagträume
- Regelmäßige körperliche Aktivität
- Stimulation des Druckpunktes "Herz 7"
Tipps bei Innerer Unruhe
Um innere Unruhe effektiv zu reduzieren, sind eine ruhige Lebensweise, regelmäßige Entspannung, viel Bewegung an der frischen Luft und ausreichender Schlaf hilfreich.
Homöopathie bei Angststörungen
Die Homöopathie kann auch bei Angststörungen unterstützend eingesetzt werden, vor allem bei leichteren Beschwerden, bei Beginn der Symptomatik oder bei nervösen Beschwerden. Auch bei ausgeprägten Symptomen, Panikattacken oder Schockzuständen können homöopathische Mittel wie Aconit oder Arnika angezeigt sein. Die Homöopathie ist eine individuelle, auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Behandlungsform.
Homöopathische Arzneimittel bei Nervosität, Unruhe und Schlafstörungen
Es gibt eine Reihe von Pflanzen, die sich positiv auf nervöse innere Störungen auswirken. Besonders, wenn diese Beschwerden noch nicht lange anhalten und noch keine anderen Mittel eingenommen wurden, kann man mit diesen bewährten Arzneipflanzen gute Wirkungen erzielen. Bekannte Heilpflanzen sind Baldrian und Melisse.
Einzelmittel und ihre Anwendung
- Avena sativa (Hafer): Bei Erschöpfungszuständen.
- Crocus sativus (Safran): Das kostbarste Gewürz der Welt.
- Gelsemium sempervirens (Gelber Jasmin): Bei Ruhelosigkeit und Schlafstörungen, körperlicher und geistiger Schwäche, auch nach Infekten. Typisch sind außerdem Lampenfieber und Prüfungsangst mit Unruhe.
- Hypericum perforatum (Johanniskraut): Gleicht Stimmungsschwankungen aus.
- Myristica fragrans (Muskatnuss): Bei Symptomen wie wechselhaften Stimmungen und Konzentrationsschwäche.
- Passiflora incarnata (Passionsblume): Beruhigt und fördert einen ruhigen Schlaf.
Homöopathika statt Schlaftabletten
Homöopathika sind sehr gut verträglich, machen nicht abhängig und lösen keine Übernächtigungsgefühle aus. Sie decken eine große Bandbreite stressbedingter Symptome ab, allen voran nervöse Unruhe und daraus resultierende Einschlaf- oder Durchschlafstörungen, indem sie die Nerven stärken und beruhigend auf das Nervensystem einwirken.
Homöopathie bei psychischen Beschwerden
Gezielte Entspannung und eine typgerechte, gesunde Lebensweise sind wichtige Voraussetzungen, um die innere Balance zu erhalten beziehungsweise wiederzuerlangen. Daneben bietet die Homöopathie sanfte, aber wirksame Unterstützung für das Gleichgewicht von Körper und Seele.
Wichtige Homöopathische Arzneien bei Psychischen Beschwerden
- Aconitum D12 (Sturmhut): Nach Erleben eines Schocks mit Todesangst.
- Gelsemium D12 (Gelber Jasmin): Bei Lähmung und Kraftlosigkeit nach einem Schrecken.
- Argentum nitricum D12 (Silbernitrat): Bei Unruhe und Aufregung vor besonderen Ereignissen, Lampenfieber, Herzjagen und Durchfällen.
- Ignatia D12 (Ignatiusbohne): Bei Trennungsschmerzen und Kummer.
- Natrium chloratum D12 (Kochsalz): Bei Depressionen als Folge von Kummer und Ärger, Ängsten, die durch Stress und Überlastung hervorgerufen werden.
- Opium: Bei großer Benommenheit und eingeschränktem Bewusstsein nach einem Schreck.
- Nux vomica D12 (Brechnuss): Bei streitbaren, jähzornigen Menschen mit cholerischem und hypochondrischem Temperament.
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