Schlafstörungen sind ein weit verbreitetes Problem, das viele Menschen betrifft. Sie können verschiedene Ursachen haben und sich unterschiedlich äußern. Schlafsterne, die den Wirkstoff Doxylamin enthalten, werden zur kurzfristigen Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen eingesetzt. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkung von Schlafsternen, ihre Anwendungsgebiete, Risiken und Wechselwirkungen, insbesondere im Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit.
Was sind Schlafsterne und wie wirken sie?
Schlafsterne sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich und enthalten Doxylaminsuccinat als Wirkstoff. Doxylamin gehört zur Gruppe der Antihistaminika der 1. Generation. Ursprünglich wurde es zur Behandlung von allergischen Reaktionen eingesetzt, aber aufgrund seiner stark müde machenden Wirkung wird es heute hauptsächlich als Sedativum bei Schlafstörungen verwendet.
Doxylamin wirkt, indem es an die Histamin-Rezeptoren im Gehirn bindet und diese blockiert. Histamin ist ein körpereigener Botenstoff, der unter anderem den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert und Wachheit verursacht. Durch die Blockade der Histamin-Rezeptoren wird die Wirkung von Histamin gehemmt, was zu Müdigkeit, Schläfrigkeit und einer verbesserten Schlafinduktion führt.
Anwendungsgebiete von Schlafsternen
Schlafsterne werden zur kurzfristigen, medikamentösen Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen bei Erwachsenen eingesetzt. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Schlafstörungen behandlungsbedürftig sind. Bevor Schlafsterne oder andere Medikamente eingenommen werden, sollten Maßnahmen zur Schlafhygiene umgesetzt werden. Dazu gehören:
- Regelmäßige Schlafzeiten
- Eine entspannende Schlafumgebung
- Vermeidung von Koffein und Alkohol vor dem Schlafengehen
- Regelmäßige körperliche Aktivität
Dosierung und Einnahme von Schlafsternen
Soweit nicht anders verordnet, nehmen Erwachsene eine halbe bis eine Stunde vor dem Schlafengehen ein bis zwei Tabletten mit einem Glas Wasser ein. Bei stärkeren Schlafstörungen können als Höchstdosis zwei Tabletten (entsprechend 60 mg Doxylaminsuccinat) eingenommen werden.
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Es ist darauf zu achten, dass nach der Einnahme von Schlafsternen für eine ausreichende Schlafdauer gesorgt wird, um eine Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens am folgenden Morgen zu vermeiden.
Bei akuten Schlafstörungen ist die Behandlung möglichst auf Einzelgaben zu beschränken. Nach längerfristiger täglicher Anwendung können durch plötzliches Absetzen des Wirkstoffs die Schlafstörungen wieder verstärkt auftreten. Zudem tritt bei längerer Einnahme ein Gewöhnungseffekt ein, sodass die Wirkung vermindert ist.
Risiken und Nebenwirkungen von Schlafsternen
Die Einnahme von Schlafsternen kann verschiedene Nebenwirkungen verursachen, darunter:
- Müdigkeit, Mattigkeit, Schläfrigkeit
- Schwindel, Benommenheit
- Verlängerte Reaktionszeit, Konzentrationsstörungen
- Kopfschmerzen
- Mundtrockenheit, verstopfte Nase
- Verschwommenes Sehen
- Magen-Darm-Beschwerden (z.B. Übelkeit, Verstopfung, Durchfall)
- Störungen beim Wasserlassen
- Herzrasen, unregelmäßiger Herzschlag
- Blutdruckabfall oder -anstieg
- Allergische Reaktionen
In seltenen Fällen können auch schwerwiegendere Nebenwirkungen auftreten, wie z.B. Krampfanfälle oder lebensbedrohliche Darmlähmungen.
Die Gefahr des Auftretens von Nebenwirkungen ist bei älteren Menschen größer. Bei dieser Personengruppe kann sich dadurch auch die Sturzgefahr erhöhen.
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Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Schlafsterne können Wechselwirkungen mit verschiedenen anderen Medikamenten eingehen. Bei gleichzeitiger Gabe von Schlafsternen und anderen zentraldämpfenden Wirkstoffen wie zum Beispiel Neuroleptika, Tranquilizern, Antidepressiva, Hypnotika, Schmerzmittel, Narkosemittel oder Antiepileptika kann es zu einer wechselseitigen Verstärkung der Wirkung kommen. Auch bei gleichzeitigem Alkoholgenuss kann die Wirkung des Medikaments in nicht vorhersehbarer Weise verändert und verstärkt werden. Während der Anwendung von Schlafsternen sollte Alkoholgenuss vermieden werden.
Bei gleichzeitiger Anwendung von Schlafsternen und dem Antiepileptikum Phenytoin wird die Phenytoin-Wirkung abgeschwächt.
Zusammen mit Wirkstoffen, die das parasympathische Nervensystem hemmen, wie zum Beispiel Biperiden (Mittel zur Behandlung der Parkinsonkrankheit), MAO-Hemmer oder trizyklischen Antidepressiva, kann es zu lebensbedrohlichen Darmlähmungen, Harnverhalt und einer Erhöhung des Augeninnendrucks kommen. MAO-Hemmer können zudem in Wechselwirkung mit Doxylamin zu niedrigem Blutdruck und einer Unterdrückung der Gehirnfunktion sowie der Atemfunktion führen.
Zusammen mit den Blutdrucksenkern Guanabenz und Clonidin sowie Alpha-Methyldopa können verstärkt Müdigkeit und Mattigkeit auftreten.
Die gleichzeitige Gabe von Epinephrin (Mittel zur Steigerung des Blutdrucks) und Schlafsternen kann zu einem weiteren Blutdruckabfall führen.
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Die Symptome einer beginnenden Innenohrschädigung, die durch andere Arzneimittel (z. B. Aminoglykosid-Antibiotika) hervorgerufen wurde, können durch Schlafsterne verschleiert werden.
Gegenanzeigen: Wann dürfen Schlafsterne nicht eingenommen werden?
Schlafsterne dürfen nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Antihistaminika
- Blasenentleerungsstörungen mit Restharnbildung bei Prostatahyperplasie
- Grünem Star (Engwinkelglaukom)
- Störungen bei der Bildung des roten Blutfarbstoffs (Porphyrie)
- Akutem Asthmaanfall
- Akuter Vergiftung
- Epilepsie
- Nebennierenkrebs (Phäochromozytom)
- Gabe von MAO-Hemmern gegen Depressionen
- Stillenden Müttern
- Kindern und Jugendlichen
Eine besondere ärztliche Überwachung ist erforderlich bei Menschen mit:
- Eingeschränkter Leberfunktion
- Vorschädigung des Herzens und Bluthochdruck
- Chronischen Atembeschwerden und Asthma
- Chronischem Sodbrennen
Schlafsterne in Schwangerschaft und Stillzeit
In der Schwangerschaft ist der Wirkstoff nur nach sorgfältiger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abschätzung einzusetzen.
In der Stillzeit dürfen Schlafsterne nicht angewendet werden, da der Wirkstoff in sehr geringen Mengen in die Muttermilch übergehen und den Säugling schädigen kann. Schon geringe Mengen können bei Säuglingen schwerwiegende Schäden hervorrufen.
Schlafsterne und Parkinson
Schlafstörungen sind ein häufiges Problem bei Menschen mit Parkinson. Sie können durch die Erkrankung selbst, durch Nebenwirkungen der Medikamente oder aufgrund psychischer Begleiterkrankungen verursacht werden.
Wechselwirkungen mit Parkinson-Medikamenten:
Besondere Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Einnahme von Schlafsternen und Medikamenten zur Behandlung der Parkinson-Krankheit, insbesondere solchen, die das parasympathische Nervensystem hemmen, wie z.B. Biperiden. Diese Kombination kann zu lebensbedrohlichen Darmlähmungen, Harnverhalt und einer Erhöhung des Augeninnendrucks führen.
Auswirkungen auf Parkinson-Symptome:
Schlafstörungen können die Symptome der Parkinson-Krankheit verschlimmern. Eine gezielte Diagnostik und Behandlung der Schlafstörungen ist daher wichtig, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Behandlung von Schlafstörungen bei Parkinson:
Die Behandlung von Schlafstörungen bei Parkinson kann eine Optimierung der Therapie der Parkinson-Grunderkrankung, nicht-medikamentöse Maßnahmen und in einigen Fällen auch medikamentöse Ansätze umfassen.
- Optimierung der Parkinson-Therapie: Nächtliche Unbeweglichkeit und damit einhergehende Schlafprobleme können durch ein Absinken des Medikamentenspiegels ausgelöst sein. Hier können lang wirksame Parkinson-Medikamente Abhilfe schaffen. Andererseits können lebhafte Träume und nächtliche körperliche Unruhe auf eine zu starke Medikamentenwirkung zurückgehen. Dann kann in Absprache mit dem Arzt die Medikamenteneinstellung entsprechend verändert werden.
- Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Eine gute Schlafhygiene (Schlafklima, regelmäßige Einschlaf- und Weckzeiten etc.) ist wichtig. Tagsüber sollten Nickerchen oder ein Mittagsschlaf vermieden werden. Auch einfache Mittel wie warme Fußbäder, Entspannungsübungen oder autogenes Training können bei Einschlafstörungen hilfreich sein. Körperliche Bewegung trägt ebenfalls zu einer Verbesserung der Schlafqualität bei.
- Medikamentöse Behandlung: Schlafsterne sollten bei Parkinson-Patienten nur mit Vorsicht und nach sorgfältiger Abwägung der Risiken und Nutzen eingesetzt werden. Aufgrund der möglichen Wechselwirkungen mit Parkinson-Medikamenten und der Gefahr von Nebenwirkungen ist eine enge ärztliche Überwachung erforderlich.
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
- Das Medikament kann das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass Autofahren oder die Bedienung von Maschinen gefährlich sind. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.
- Bei länger anhaltenden Schlafstörungen sollte keine Dauerbehandlung mit dem Medikament erfolgen, sondern der behandelnde Arzt aufgesucht werden.
- Die Einnahme des Medikaments kann bei älteren Personen die Sturzgefahr erhöhen.
- Nach längerfristiger täglicher Anwendung können durch plötzliches Absetzen der Therapie Schlafstörungen wieder verstärkt auftreten.
- Schlafsterne sind für Kinder und Jugendliche nicht geeignet.
Alternativen zu Schlafsternen
Es gibt verschiedene Alternativen zu Schlafsternen, die bei Schlafstörungen in Betracht gezogen werden können:
- Pflanzliche Schlafmittel: Baldrian, Hopfen, Melisse und Passionsblume sind pflanzliche Wirkstoffe, die eine beruhigende und schlaffördernde Wirkung haben können.
- Entspannungstechniken: Autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga und Meditation können helfen, Stress abzubauen und den Schlaf zu verbessern.
- Schlafhygiene: Die Einhaltung einer guten Schlafhygiene ist eine wichtige Grundlage für einen gesunden Schlaf.
- Lichttherapie: Bei Schlafstörungen, die durch eine Störung des Tag-Nacht-Rhythmus verursacht werden, kann eine Lichttherapie hilfreich sein.
- Kognitive Verhaltenstherapie: Eine kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, negative Gedanken und Verhaltensweisen, die den Schlaf beeinträchtigen, zu verändern.
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