Der Schlaganfall ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit und in Deutschland die dritthäufigste Todesursache. Jährlich erleiden etwa 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall, wobei es sich bei 70.000 Fällen um ein Rezidiv handelt. Ein Schlaganfall ist eine zeitkritische Erkrankung des Gehirns, die durch eine plötzliche Schädigung von Hirngewebe aufgrund eines Gefäßverschlusses (ischämischer Insult) oder einer Hirnblutung (hämorrhagischer Insult) gekennzeichnet ist. Die Prognose hängt von der Ursache, Art und dem Umfang der Läsion sowie dem Zeitpunkt der therapeutischen Intervention ab. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die medikamentösen und therapeutischen Behandlungsansätze bei Schlaganfällen, einschliesslich präventiver Massnahmen und Rehabilitation.
Ursachen und Risikofaktoren des Schlaganfalls
Ein Schlaganfall kann ischämische oder hämorrhagische Ursachen haben. Ischämische Schlaganfälle, die etwa 87% aller Fälle ausmachen, entstehen durch eine plötzliche Minderdurchblutung des Gehirns, meist aufgrund von Stenosen oder Verschlüssen hirnversorgender Arterien. Hämorrhagische Schlaganfälle, auch als "rote Infarkte" bezeichnet, werden durch eine Einblutung in das Hirngewebe verursacht, meist infolge eines rupturierten Blutgefässes.
Die Risikofaktoren für einen Schlaganfall lassen sich in modifizierbare und nicht modifizierbare Faktoren unterteilen. Zu den modifizierbaren Risikofaktoren zählen hoher Blutdruck, Übergewicht, Diabetes, Umweltverschmutzung, Rauchen und hoher Salzkonsum. Nicht modifizierbare Risikofaktoren sind Alter, Geschlecht und genetische Prädisposition. Frauen haben ein höheres Schlaganfallrisiko als Männer, und die meisten Schlaganfälle treten bei Menschen über 60 Jahren auf.
Akuttherapie des Schlaganfalls
Beim akuten Schlaganfall gilt der Leitsatz "Time is brain", was bedeutet, dass jede Minute zählt, um Nervenzellen im Gehirn zu retten. Die Diagnose wird mittels bildgebender Verfahren wie CT und MRT gestellt. Die Behandlung zielt darauf ab, die Schäden im Gehirn zu minimieren. In speziellen Schlaganfall-Stationen, sogenannten "Stroke Units", erfolgt eine multidisziplinäre Behandlung.
Thrombolyse und Thrombektomie
Bei einem ischämischen Schlaganfall, der durch ein Blutgerinnsel verursacht wurde, kann eine Thrombolyse oder "Lyse-Therapie" durchgeführt werden. Dabei werden Medikamente verabreicht, die das Blutgerinnsel auflösen sollen. Diese Therapie ist in Einzelfällen bis zu neun Stunden nach dem Auftreten erster Symptome möglich. Eine weitere Methode ist die Thrombektomie, bei der ein Katheter verwendet wird, um das verschlossene Gefäss mechanisch zu eröffnen. Wenn möglich, werden beide Verfahren kombiniert, um die Erfolgsaussichten zu erhöhen.
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Behandlung von Hirnblutungen
Bei einer Hirnblutung kann eine Operation am offenen Gehirn erforderlich sein, um die Blutung zu stoppen und den Druck auf das Hirngewebe zu reduzieren. In der Regel erfolgt die Überwachung auf der "Stroke Unit", um den Blutdruck rasch zu senken und Komplikationen früh zu erkennen und zu behandeln.
Medikamentöse Behandlung und Prävention
Nach einem Schlaganfall erhalten Betroffene häufig blutverdünnende Medikamente, um das Risiko eines erneuten Schlaganfalls zu verringern. Dies ist besonders wichtig für Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern, einer Herzrhythmusstörung, die das Risiko von Blutgerinnseln erhöht.
Antikoagulation bei Vorhofflimmern
Die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern nach einem Schlaganfall mit Gerinnungshemmern stellt Ärztinnen und Ärzte vor eine Herausforderung, da sie zwei Risiken gegeneinander abwägen müssen: das Risiko eines erneuten Schlaganfalls und das Risiko von Blutungen. Laut Leitlinie liegt der optimale Zeitpunkt für die Behandlung bei der Mehrheit der Betroffenen zwischen 4 und 14 Tagen nach dem Schlaganfall. Eine neue Studie deutet darauf hin, dass ein früherer Behandlungsbeginn das Risiko für einen weiteren Schlaganfall verringern kann, ohne das Risiko für eine Hirnblutung zu erhöhen.
Thrombozytenaggregationshemmer
Ärztinnen und Ärzte verabreichen präventiv den Gerinnungshemmer Acetylsalicylsäure (ASS), wie er in Aspirin enthalten ist, um einem erneuten Schlaganfall entgegenzuwirken. Eine Studie untersuchte, ob der Blutverdünner Apixaban einem erneuten Schlaganfall besser entgegenwirken könnte als ASS, zeigte jedoch keine besseren Behandlungserfolge.
Neue orale Antikoagulanzien (NOAK)
Seit einigen Jahren gibt es eine neue Form oraler Antikoagulanzien, abgekürzt NOAK. Bei älteren Menschen sind viele Hausärztinnen und -ärzte noch zurückhaltend in der Verschreibung, weil diese Medikamente gleichzeitig das Blutungsrisiko erhöhen, zum Beispiel bei Stürzen.
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Rehabilitation nach Schlaganfall
Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall ist stets individuell und zielt darauf ab, die körperlichen Funktionen wiederherzustellen und Folgeschäden zu verringern. Je früher geeignete Therapiemassnahmen und Übungen umgesetzt werden, desto eher können die Schlaganfall-Symptome behandelt werden. Viele Reha-Massnahmen werden heute bereits ambulant, aber auch in stationären geriatrischen oder neurologischen Reha-Kliniken angeboten.
Frührehabilitation
Oberstes Ziel der Frührehabilitation ist es, die körperlichen Funktionen wiederherzustellen, die durch den Schlaganfall geschädigt wurden. Viele ältere Patienten haben einen Rechtsanspruch auf eine geriatrische Rehabilitation. Vor allem in den ersten sechs Monaten nach einem Schlaganfall sollte besonders viel trainiert werden. Je nach Bedarf können verschiedene Massnahmen sowie Therapien zur Anwendung kommen, die ärztlich verordnet werden können.
Weitere Rehabilitationsmassnahmen
Je nach Bedarf kann der Arzt auch geeignete Hilfsmittel verschreiben, die den Alltag erleichtern. Es ist wichtig, offen über alle Herausforderungen in der Alltagsgestaltung zu sprechen, um die so wichtige Unterstützung zu erhalten. Schlaganfall-Patienten müssen auf jeden Fall eine Menge Geduld aufbringen, da viele Betroffene das Gehen und Sprechen wieder neu lernen müssen.
Weitere Aspekte der Schlaganfallbehandlung
Netzwerkforschung
Spannende Erkenntnisse gibt es aus dem Bereich der Netzwerkforschung. Dabei geht es um die Frage, ob Ausfälle nach einem Schlaganfall allein auf eine lokale Schädigung im Gehirn zurückzuführen sind oder ob sie als Folge der Störung grösserer Nerven-Netzwerke entstehen. Neue Methoden erlauben es immer genauer, einzelne Symptome einer Hirnregion zuzuweisen. So sind zum Beispiel Sprechstörungen häufiger die Folge einer Netzwerkstörung als nur einer lokalen Läsion.
Post-COVID
Interessanter Aspekt abseits des Schlaganfalls: Post-COVID könnte zu einer grossen Herausforderung für unser Gesundheitssystem werden. Nach vorsichtigen Schätzungen haben etwa 7 Prozent der COVID-Patienten ein Jahr nach der Infektion neurologische Defizite.
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Schlaganfall bei Kindern
Die Zahl der kindlichen Schlaganfälle nimmt weltweit zu. Schlaganfälle bei Kindern kommen sogar etwas häufiger vor als Hirntumore.
Pflegefachkräfte
Für Pflegefachkräfte auf Stroke Units soll es eine neue Fach-Weiterbildung geben, um die Pflege in der Neurologie attraktiver zu machen und die Versorgung weiter zu verbessern.
Medikamenteneinnahme
Ein Einnahmeplan, eine Medikamentenbox und Apps erleichtern den Überblick über die Medikation. Neben dem richtigen Einnahmezeitpunkt kommt den Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Lebensmitteln eine hohe Bedeutung zu.
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