Schlaganfall: EKG-Veränderungen, Ursachen und Prävention

Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das viele Betroffene unerwartet trifft. Plötzlich auftretende Lähmungen, Gefühlsstörungen oder Sprachstörungen können die Folge sein. In etwa acht von zehn Fällen wird ein Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel verursacht, das ein Blutgefäß im Gehirn blockiert. In den übrigen Fällen ist ein plötzlicher Riss eines Blutgefäßes die Ursache. Beide Ereignisse führen zu einer gestörten Blutversorgung bestimmter Hirnregionen. Oftmals verursacht ein Schlaganfall keine Schmerzen, was dazu führt, dass insbesondere leichtere Fälle unerkannt bleiben.

Warnzeichen und Symptome eines Schlaganfalls

Es ist entscheidend, die Warnzeichen eines Schlaganfalls zu erkennen und ernst zu nehmen. Zu den plötzlichen Symptomen, die auf einen Schlaganfall hindeuten können, gehören:

  • Lähmung einer Körperseite, eines Arms, Beins oder einer Gesichtshälfte
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Gliedern
  • Sprach- oder Sprechstörungen
  • Sehstörungen
  • (Dreh-)Schwindel und Unsicherheit beim Stehen
  • Koordinationsstörungen
  • Bewusstlosigkeit

Bei Auftreten dieser Symptome sollte unverzüglich die Notrufnummer 112 gewählt werden, um einen sofortigen Transport ins Krankenhaus zu gewährleisten. In etwa einem Drittel der Fälle kommt es vor einem Schlaganfall zu einer vorübergehenden Durchblutungsstörung, einer sogenannten Transitorisch Ischämischen Attacke (TIA), bei der sich das Blutgerinnsel schnell wieder auflöst und keine bleibenden Schäden hinterlässt. Auch wenn die Symptome nur kurzzeitig auftreten, ist eine medizinische Abklärung dringend erforderlich, da TIAs Vorboten eines schweren Schlaganfalls sein können.

Diagnostik zur Ursachenfindung

Um die richtigen therapeutischen Maßnahmen einzuleiten, ist es wichtig, die Ursache und die genaue Lokalisation des Schlaganfalls im Gehirn zu bestimmen. Neurologische Untersuchungen helfen festzustellen, welche Bereiche des Gehirns betroffen sind. Bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) liefern detaillierte Aufnahmen des Gehirns, der Knochen und der Blutgefäße. Die CT kann Blutungen und größere Infarkte schnell erkennen, während die MRT das Gehirngewebe genauer darstellt und auch kleinste Veränderungen sichtbar macht.

Zusätzlich werden die Blutgefäße, die das Gehirn versorgen, untersucht, um Durchblutungsstörungen festzustellen. Um weitere mögliche Ursachen für einen Schlaganfall zu identifizieren, werden Herzuntersuchungen wie Elektrokardiogramm (EKG), Langzeit-EKG und Schluckecho-Untersuchung (TEE) durchgeführt. Blutuntersuchungen geben Aufschluss über den Gerinnungsstatus und mögliche Fettstoffwechselstörungen.

Lesen Sie auch: Ursachen und Risikofaktoren für Schlaganfälle bei Katzen

Die Rolle des EKGs bei der Schlaganfalldiagnostik

Das Elektrokardiogramm (EKG) ist ein wichtiges diagnostisches Instrument zur Erkennung von Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern, das eine häufige Ursache für Schlaganfälle ist. Vorhofflimmern kann zur Bildung von Blutgerinnseln im Herzen führen, die in die Hirnarterien gelangen und dort einen Gefäßverschluss verursachen können. Ein Langzeit-EKG kann Herzrhythmusstörungen aufspüren, die im Standard-EKG möglicherweise nicht sichtbar sind.

Eine Studie hat gezeigt, dass ein verlängertes EKG-Monitoring bei stationär behandelten Schlaganfallpatienten Vorhofflimmern häufiger entdeckt als die etablierte Standarddiagnostik. Insbesondere bei älteren Patienten über 65 Jahre wird empfohlen, das EKG-Monitoring bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus fortzuführen.

Risikofaktoren für einen Schlaganfall

Es gibt vielfältige Risikofaktoren für einen Schlaganfall, die individuell unterschiedlich ausgeprägt sein können. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • Bluthochdruck
  • Vorhofflimmern
  • Rauchen
  • Mangelnde körperliche Bewegung
  • Übergewicht
  • Störungen des Fett- und Zuckerstoffwechsels
  • Arteriosklerose
  • Diabetes mellitus

Bluthochdruck und Vorhofflimmern nehmen eine besondere Rolle ein, da sie oft unentdeckt bleiben und erst im Rahmen medizinischer Untersuchungen oder nach einem Schlaganfall erkannt werden.

Kardioembolischer Schlaganfall

Bis zu 87 % aller Schlaganfälle sind ischämischer Genese und werden zumeist durch eine Mikro- oder Makroangiopathie oder auch eine kardiale Embolie verursacht. Annähernd ein Drittel aller ischämischen Schlaganfälle wird auf eine kardioembolische Genese zurückgeführt, welche im Vergleich zu anderen Ursachen mit einer erhöhten Mortalitätsrate, einem erhöhten Risiko für ein Rezidiv und dem Risiko für eine anhaltende schwere Behinderung verbunden ist. Die Klinik der Kardioembolie ist durch einen plötzlichen Beginn der Symptome mit sofortigem Auftreten eines maximalen neurologischen Defizits gekennzeichnet.

Lesen Sie auch: Gesundheitliche Rückschläge und politische Leistungen von Lafontaine

Zu den häufigsten Risikofaktoren für einen kardioembolischen Schlaganfall zählt man das Vorhofflimmern, ein persistierendes Foramen ovale, einen frischen akuten Myokardinfarkt, die systolische Herzinsuffizienz sowie Herzklappenerkrankungen.

Vorhofflimmern als Risikofaktor

Vorhofflimmern (VHF) ist die häufigste klinisch relevante Herzrhythmusstörung und betrifft etwa 33 Millionen Menschen weltweit. Bei VHF ist das Risiko für einen Schlaganfall um das 3- bis 5-Fache erhöht. Das Risiko für einen Schlaganfall ist unabhängig von der Dauer des VHF (chronisch, permanent oder paroxysmal).

Persistierendes Foramen ovale

Lange wurde über eine Assoziation zwischen persistierendem Foramen ovale (PFO) und kryptogenem Schlaganfall diskutiert, der direkte Zusammenhang konnte aber erst kürzlich durch Studien mit interventionellem PFO-Verschluss bestätigt werden. Ein persistierendes Foramen ovale (PFO) ist h&auuml;ufig und wird bei mehr als einem Viertel der Gesamtbevölkerung vorgefunden. In den meisten Fällen bleibt das PFO unentdeckt, im Falle eines kryptogenen Schlaganfalls sollte es jedoch aktiv gesucht werden.

Akutes Koronarsyndrom

Speziell in den ersten Tagen nach einem akuten Koronarsyndrom sind die betroffenen Patienten einem erhöhten Risiko für einen Schlaganfall ausgesetzt. Besonders betroffen sind Patienten nach einem akuten Myokardinfarkt mit relevantem Myokardschaden (NSTEMI oder STEMI) und Einschränkung der systolischen linksventrikulären Funktion.

Weitere Risikofaktoren

Auch intrakardiale Thromben anderer Genese können die Ursache für einen kardioembolischen Schlaganfall sein. Unabhängig von der zugrundeliegenden Ursache ist jedoch die Herzinsuffizienz ein treibender Faktor für einen Schlaganfall und betroffene Patienten haben ein bis zu dreifach erhöhtes Risiko.

Lesen Sie auch: Rehabilitation bei Gesichtsfeldausfall

Klappenerkrankungen sind h&auuml;ufig und bei etwa 12,5 % der älteren Bevölkerung (=75 Jahre) zu finden. Während Patienten mit degenerativer Herzklappenerkrankung per se ein deutlich erhöhtes Spontanrisiko für einen Schlaganfall haben, findet sich dieses auch nach Herzklappenersatz. Die infektiöse Endokarditis (IE) stellt unter den Klappenerkrankungen einen Sonderfall dar, da sie mit einem überdurchschnittlich hohen Schlaganfallrisiko verbunden ist.

Prävention von Schlaganfällen

Um einem Schlaganfall vorzubeugen, ist es wichtig, die Risikofaktoren zu minimieren. Dazu gehören:

  • Regelmäßige Blutdruckkontrolle und -einstellung
  • Behandlung von Vorhofflimmern mit Antikoagulanzien
  • Verzicht auf das Rauchen
  • Regelmäßige körperliche Aktivität
  • Gesunde Ernährung
  • Vermeidung von Übergewicht
  • Kontrolle und Behandlung von Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen

Für den Blutdruck gilt, dass er regelmäßig gemessen werden sollte. Dies kann in der betreuenden hausärztlichen Praxis oder auch mit einem eigenen Blutdruckgerät zu Hause erfolgen. Im Optimalfall misst man den Blutdruck morgens und abends jeweils zwei- bis dreimal in sitzender Position nach einer Ruhezeit von circa fünf Minuten.

Das Vorhofflimmern wird klassischerweise mit einem EKG diagnostiziert, das entweder in der hausärztlichen Praxis oder im Krankenhaus durchgeführt wird. Bei Beschwerden wie einem Herzstolpern oder einem phasenweise beschleunigten Puls, sollte ein EKG jedoch zur Routinediagnostik gehören.

Akutbehandlung und Rehabilitation

Im Falle eines Schlaganfalls ist eine schnelle Behandlung entscheidend. Vordringliches Ziel ist die schnelle Wiederherstellung der Blutzirkulation im Gehirn. Bei einem ischämischen Schlaganfall kann eine Thrombolyse, eine medikamentöse Therapie zur Auflösung des Blutgerinnsels, durchgeführt werden. In manchen Fällen ist eine Thrombektomie erforderlich, bei der das Blutgerinnsel mechanisch entfernt wird. Bei Hirnblutungen wird versucht, die Blutung zu stoppen und die Flüssigkeitsausbreitung im Hirngewebe zu begrenzen.

Die Frührehabilitation mit Krankengymnastik, Ergo- und Sprachtherapie unterstützt die Rückbildung neurologischer Ausfälle. Nach einem ischämischen Schlaganfall erfolgt eine therapeutische Beeinflussung der Blutgerinnung, um das Risiko für einen Folgeschlaganfall zu minimieren.

Diagnostik nach einem Schlaganfall

Zu den Standarduntersuchungen nach einem Schlaganfall gehören neben der zerebralen Bildgebung mit Computertomografie und Magnetresonanztomografie eine vaskuläre Beurteilung mit Untersuchung der extrakraniellen, hirnversorgenden Gefässe und eine umfassende kardiale Diagnostik. Während in der transthorakalen Echokardiografie grosse ventrikuläre Thromben oder Klappenvegetationen ausgeschlossen werden können, wird zur detaillierteren Abklärung die Durchführung einer transösophagealen Echokardiografie (TEE) empfohlen.

Zur Komplettierung der kardialen Diagnostik ist eine Rhythmusdiagnostik unumgänglich. Für die Erkennung eines paroxysmalen VHF wird ein verlängertes Monitoring des Herzrhythmus empfohlen.

tags: #schlaganfall #ekg #veranderungen