Die Mumifizierung im alten Ägypten war ein komplexer und vielschichtiger Prozess, der darauf abzielte, den Körper des Verstorbenen für die Ewigkeit zu bewahren. Ein zentraler Aspekt dieser Prozedur war die Entfernung des Gehirns, ein Brauch, der jedoch nicht immer konsequent durchgeführt wurde. Dieser Artikel beleuchtet die Techniken der Gehirnentfernung, die Gründe für ihre Anwendung und die Bedeutung dieses Rituals im Kontext der altägyptischen Totenkultur.
Die Bedeutung der Mumifizierung im Alten Ägypten
Im alten Ägypten war der Glaube an ein Leben nach dem Tod tief verwurzelt. Die Ägypter glaubten, dass ein intakter Körper für die Auferstehung und das Fortleben im Jenseits unerlässlich sei. Die Mumifizierung diente dazu, den Körper vor dem Verfall zu schützen und die Wiedererkennung durch die Seele zu ermöglichen. Dieser Glaube spiegelte sich in der aufwendigen Gestaltung der Gräber und der Beigabe von Grabgeschenken wider, die dem Verstorbenen im Jenseits dienen sollten.
Der Prozess der Mumifizierung
Die Mumifizierung war ein komplexer Prozess, der bis zu 70 Tage dauern konnte. Er wurde von spezialisierten Einbalsamierern in Werkstätten in der Nähe der Nekropolen durchgeführt. Der Ablauf umfasste mehrere Schritte:
- Reinigung des Körpers: Der Körper wurde zunächst gründlich gereinigt.
- Entfernung des Gehirns: Das Gehirn wurde durch die Nase entfernt.
- Entnahme der inneren Organe: Die inneren Organe wurden entnommen und in Kanopengefäßen aufbewahrt.
- Austrocknung mit Natron: Der Körper wurde mit Natron behandelt, um ihm Feuchtigkeit zu entziehen.
- Einbalsamierung: Der Körper wurde mit Harzen und Ölen einbalsamiert.
- Bandagierung: Der Körper wurde mit Leinenbinden umwickelt.
- Beigabe von Amuletten: Zwischen die Bandagen wurden Amulette zum Schutz des Verstorbenen gelegt.
Die Entfernung des Gehirns: Techniken und Gründe
Die Entfernung des Gehirns war ein fester Bestandteil der Mumifizierung, obwohl sie nicht immer durchgeführt wurde. Die Einbalsamierer verwendeten verschiedene Techniken, um das Gehirn zu entfernen:
- Entfernung durch die Nase: Mit einem spitzen Gegenstand oder einem scharfen Messer wurde in das Nasenloch eingedrungen, das Siebbein durchstoßen und das Gehirn verflüssigt und entfernt.
- Bohrung am Hinterkopf: Bei einigen Verstorbenen wurde ein Loch in den Hinterkopf gebohrt, um das Gehirn abfließen zu lassen.
Die Gründe für die Entfernung des Gehirns sind vielfältig. Einerseits glaubten die Ägypter, dass das Herz der Sitz des Verstandes und der Emotionen sei, während dem Gehirn keine besondere Bedeutung zukam. Andererseits verwest das Gehirn schnell, was die Konservierung des Körpers erschwerte.
Lesen Sie auch: Gehirnalterung im jungen Körper
Eine ungewöhnliche Entdeckung: Mumie mit intaktem Gehirn
Kürzlich wurde eine Mumie entdeckt, die eine Ausnahme von der üblichen Praxis darstellt. Im Gegensatz zum üblichen Brauch, das Gehirn zu entfernen, besaß diese Mumie noch ihr Gehirn. Darüber hinaus befand sich das Gehirn auf einem Haufen dunklen Materials, wahrscheinlich Sediment oder Sand. Die Forscher vermuten, dass dieses Material absichtlich in den Schädel eingebracht wurde, um die Konservierung zu unterstützen. Diese ungewöhnliche Kombination deutet darauf hin, dass die Mumie aus der Zeit des Neuen Reiches stammt und etwa 3.200 Jahre alt ist.
Die Bedeutung der Kanopengefäße und der Horussöhne
Die entnommenen inneren Organe wurden in speziellen Gefäßen, den Kanopen, aufbewahrt. Diese Gefäße waren den vier Horussöhnen zugeordnet, die jeweils für den Schutz eines bestimmten Organs zuständig waren:
- Amset: Schützte Magen und Gedärme (menschenköpfig).
- Duamutef: Schützte die Lunge und das Herz (schakalköpfig).
- Kebehsenuf: Schützte Leber und Galle (falkenköpfig).
- Hapi: Schützte die übrigen kleineren Organe (affenköpfig).
Ab der 21. Dynastie wurden die Organe nicht mehr separat in Kanopen beigesetzt, sondern wieder in den Körper gelegt, zusammen mit einer Wachsfigur des zuständigen Horus-Sohns.
Die Rolle von Natron bei der Mumifizierung
Natron, ein natürlich vorkommendes Salzgemisch, spielte eine entscheidende Rolle bei der Mumifizierung. Es wurde verwendet, um dem Körper Feuchtigkeit zu entziehen und die Verwesung zu verhindern. Der Körper wurde mit Natron bedeckt oder in Säckchen gefüllt, die mit Natron gefüllt waren. Dieser Prozess dauerte etwa 40 Tage, bis der Körper vollständig ausgetrocknet war.
Die Einbalsamierung und Bandagierung
Nach der Austrocknung wurde der Körper mit Harzen, Ölen und anderen Substanzen einbalsamiert, um ihn geschmeidig zu halten und vor dem Verfall zu schützen. Anschließend wurde der Körper sorgfältig mit Leinenbinden umwickelt. Zwischen die Bandagen wurden Amulette gelegt, die den Verstorbenen im Jenseits schützen sollten.
Lesen Sie auch: Altes Oberschenkel Gehirn: Was steckt dahinter?
Die Totenbücher und Amulette
Den Mumien wurden oft Totenbücher beigelegt, die eine Sammlung von Zaubersprüchen und Gebeten enthielten, die dem Verstorbenen im Jenseits helfen sollten. Amulette, wie der Herzskarabäus, die vier Horussöhne und andere Schutzsymbole, wurden ebenfalls zwischen die Bandagen gelegt, um den Verstorbenen vor Gefahren zu schützen.
Die Kosten der Mumifizierung
Die Mumifizierung war ein teurer Prozess, der sich nach dem Stand des Verstorbenen richtete. Herodot berichtete, dass eine Einbalsamierung mittlerer Qualität 20 Minen kostete, was in der damaligen Zeit ein kleines Vermögen war.
Die Mumifizierung im Wandel der Zeit
Die Techniken der Mumifizierung entwickelten sich im Laufe der Zeit weiter. In den Gräbern aus prädynastischer Zeit wurden die Toten lediglich durch die trockene Wüstenluft und ein Salzbad konserviert. Erst in den Mumien aus dem Alten Reich wurden die Organe entfernt und die Körper fest in Leinenbinden gewickelt.
Mumienforschung: Erkenntnisse und neue Technologien
Die Mumienforschung hat im Laufe der Jahrhunderte viele Erkenntnisse über die altägyptische Kultur und ihre Bestattungsriten geliefert. Moderne Technologien wie die Computertomographie (CT) ermöglichen es den Forschern, die Mumien zu untersuchen, ohne sie zu beschädigen. Diese Untersuchungen haben neue Einblicke in die Techniken der Mumifizierung, die Krankheiten der Verstorbenen und die Bedeutung der Bestattungsriten ermöglicht.
Chirurgische Eingriffe im alten Ägypten: Neue Erkenntnisse
Archäologen haben lange daran gezweifelt, dass es im alten Ägypten größere und geplante Operationen gegeben hat. Doch an Mumien wurden eindeutige Hinweise gefunden, die auf ein wohl überlegtes und durch Erfahrung gestütztes Vorgehen hindeuten. So wurden beispielsweise Hinweise auf Amputationen, Knochenbrüche und sogar Zahnextraktionen gefunden.
Lesen Sie auch: Symptome von Epilepsie bei Babys
Die Bedeutung des Nils für die Mumifizierung
Der Nil spielte eine wichtige Rolle bei der Mumifizierung, da er die Quelle für Natron und andere Materialien lieferte, die für den Prozess benötigt wurden. Die Werkstätten der Einbalsamierer befanden sich oft in der Nähe des Nils, um den Zugang zu diesen Ressourcen zu erleichtern.
Die Mumifizierung in der heutigen Zeit
Obwohl die Mumifizierung im alten Ägypten eine lange Tradition hatte, wird sie im heutigen Ägypten nicht mehr praktiziert. Die Bestattungsriten sind heute vom Islam geprägt, der eine schnelle Beisetzung ohne Einbalsamierung vorsieht.