Das alternde Gehirn in einem jungen Körper: Eine Definition

Das Altern ist ein unvermeidlicher Prozess, der den gesamten menschlichen Körper betrifft, einschließlich des Gehirns. Während die körperlichen Veränderungen des Alterns oft sichtbar sind, sind die Veränderungen im Gehirn subtiler und komplexer. Dieser Artikel untersucht die Definition des "alten Gehirns in einem jungen Körper", indem er die altersbedingten Veränderungen im Gehirn, die Faktoren, die diese Veränderungen beeinflussen, und die Möglichkeiten zur Kompensation dieser Veränderungen untersucht.

Altersbedingte Veränderungen im Gehirn

Das Gehirn durchläuft im Laufe des Lebens eine Reihe von Veränderungen. Einige dieser Veränderungen beginnen bereits im jungen Erwachsenenalter, während andere erst im späteren Leben auftreten. Zu den wichtigsten altersbedingten Veränderungen im Gehirn gehören:

  • Abnahme des Hirnvolumens: Das Gehirn beginnt ab dem mittleren Alter zu schrumpfen, wobei die Abnahme im Alter von etwa 60 Jahren deutlicher wird. Dieser Volumenverlust betrifft sowohl die graue als auch die weiße Substanz des Gehirns. Die graue Hirnsubstanz nimmt etwa bis zum 12. Lebensjahr zu, bevor sie sich allmählich wieder ausdünnt. Betroffen von dem Verlust sind vor allem der präfrontale Cortex und der Hippocampus, die für exekutive Funktionen und das Langzeitgedächtnis unerlässlich sind. Die weiße Hirnsubstanz gewinnt etwa bis zum Alter von etwa 40 bis 50 Jahren an Volumen. Dann schrumpft auch sie wieder. Unter dem Substanzverlust leidet möglicherweise die mentale Verarbeitungsgeschwindigkeit. Die Kommunikation zwischen verschiedenen Hirnarealen lässt in ihrer Effizienz nach. Ursachen für den Schwund sind vermutlich die Veränderung von Nervenzellen, die Schrumpfung von Nervenfortsätzen sowie der Verlust von synaptischen Verbindungen. Mit zunehmendem Alter finden sich auch vermehrt Ansammlungen von Tau-Proteinen. Sie sind möglicherweise für das Absterben von Nervenzellen verantwortlich.
  • Veränderungen in der Gehirnstruktur: Neben dem Volumenverlust kommt es auch zu Veränderungen in der Struktur des Gehirns. Die Anzahl der Synapsen, der Verbindungen zwischen den Nervenzellen, nimmt ab. Auch die Myelinscheide, die die Nervenfasern umgibt und die Signalübertragung beschleunigt, wird dünner.
  • Abnahme der Neurotransmitterproduktion: Die Produktion von Neurotransmittern, den Botenstoffen des Gehirns, nimmt mit dem Alter ab. Dies betrifft insbesondere Dopamin, das eine wichtige Rolle bei Bewegungskontrolle, Motivation und Lernen spielt. Studien haben unter anderem herausgefunden, dass die Dopamin-Synthese im Striatum im Alter abnimmt. Andere Untersuchungen fanden, dass die Dichte an Rezeptoren - also Empfangsstationen - für Dopamin abnimmt. Der Verlust an Dopamin könnte für viele neurologische Symptome verantwortlich sein, die sich mit zunehmendem Alter bemerkbar machen: die zunehmende Steifheit der Bewegungen, aber auch Einbußen bei der geistigen Flexibilität.
  • Zunahme von Plaques und Fibrillen: Im Gehirn älterer Menschen finden sich häufiger Plaques und Fibrillen. Plaques bestehen aus Beta-Amyloid-Proteinen, während Fibrillen aus Tau-Proteinen bestehen. Diese Ablagerungen können die Funktion der Nervenzellen beeinträchtigen und zum Absterben von Nervenzellen führen. Falsche Faltung von Protein-Bruchstücken (beta-Amyloid) führt zu Plaques, wie sie typisch für Alzheimer sind.

Faktoren, die die Hirnalterung beeinflussen

Die Hirnalterung ist ein komplexer Prozess, der von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird. Zu den wichtigsten Faktoren gehören:

  • Genetik: Die Gene spielen eine Rolle bei der Hirnalterung. Manche Menschen haben eine genetische Veranlagung für eine schnellere oder langsamere Hirnalterung.
  • Lebensstil: Der Lebensstil hat einen großen Einfluss auf die Hirnalterung. Faktoren wie Ernährung, Bewegung, Stress und Schlafgewohnheiten können die Hirnalterung beschleunigen oder verlangsamen. Auch ein erhöhter Blutzuckerspiegel im nüchternen Zustand - ein Hinweis auf eine mögliche Diabeteserkrankung - geht häufig mit einer beschleunigten Hirnalterung einher, ebenso Bluthochdruck. Jawinski hat 2022 zusammen mit Kolleginnen und Kollegen den Brain Age Gap von 335 Seniorinnen und Senioren aus dem Großraum Berlin untersucht. Dabei zeigte sich unter anderem, dass die KI-Schätzung bei Menschen, die viel Alkohol trinken, gegenüber dem tatsächlichen Alter im Schnitt signifikant stärker nach oben abweicht als bei solchen, die sich nur selten ein Glas gönnen.
  • Krankheiten: Bestimmte Krankheiten, wie z. B. Alzheimer-Krankheit, Parkinson-Krankheit und Schlaganfall, können die Hirnalterung beschleunigen. Bei der Frontotemporalen Demenz sterben Nervenzellen im Frontallappen (Stirnlappen, siehe Bild) Temporallappen (Schläfenlappen) im Gehirn ab. Diese Hirnregionen steuern Gefühle, Sozialverhalten und Sprache. In den betroffenen Nervenzellen lagern sich häufig krankhafte Proteine ab, die die Zellfunktion stören. Solche Ablagerungen wurden erstmals vom Prager Neurologen Arnold Pick beschrieben und heißen deshalb "Pick'sche Körper". Früher wurde die FTD auch als Morbus Pick bezeichnet.Was genau diese Veränderungen auslöst, ist noch nicht abschließend geklärt. Bei der Frontotemporalen Demenz ist der Frontallappen des Gehirns und/oder der Schläfenlappen betroffen. Ist FTD erblich?Ja - Frontotemporale Demenz kann eine Erbkrankheit sein, muss es aber nicht. In rund 60 Prozent der Fälle tritt die Erkrankung ohne erkennbare Vorbelastung auf. In diesen Fällen spricht man von sporadischer FTD. In rund 40 Prozent der Fälle zeigt sich eine familiäre Häufung: In den betroffenen Familien treten FTD selbst oder ähnliche Erkrankungen auf, zum Beispiel andere Demenzformen, die Nervenkrankheit ALS oder psychische Erkrankungen wie Depressionen. Ein Teil dieser familären FTD-Fälle ist tatsächlich durch eine Mutation in einem Gen bedingt. Meist handelt es sich um Mutationen in den Genen C9orf72, GRN oder MAPT.Bei etwa 10 bis 15 Prozent aller Menschen mit FTD lässt sich solch eine genetische Veränderung nachweisen, die die Erkrankung auslöst. Wird diese genetische Veränderung von einem Elternteil vererbt, hat das Kind eine 50 prozentige Wahrscheinlichkeit, auch an FTD zu erkranken.Wer sich Sorgen um das eigene Risiko macht - zum Beispiel weil es FTD oder ähnliche Erkrankungen in der Familie gibt - kann eine genetische Beratung in Anspruch nehmen.

Kompensationsmechanismen des Gehirns

Trotz der altersbedingten Veränderungen ist das Gehirn in der Lage, gewisse Defizite zu kompensieren. Zu den wichtigsten Kompensationsmechanismen gehören:

  • Neuronale Plastizität: Das Gehirn ist in der Lage, neue Nervenzellen zu bilden und neue Verbindungen zwischen Nervenzellen herzustellen. Dieser Prozess, der als neuronale Plastizität bezeichnet wird, ermöglicht es dem Gehirn, sich an Veränderungen anzupassen und neue Fähigkeiten zu erlernen.
  • Kognitive Reserve: Die kognitive Reserve bezieht sich auf die Fähigkeit des Gehirns, Schäden zu kompensieren und die kognitive Funktion aufrechtzuerhalten. Menschen mit einer hohen kognitiven Reserve sind besser in der Lage, die Auswirkungen von altersbedingten Veränderungen im Gehirn zu kompensieren.
  • Aktivierung zusätzlicher Hirnareale: Bei älteren Menschen werden bei komplexeren Aufgaben im Vergleich zu jüngeren Freiwilligen zusätzliche Hirnareale aktiviert. So können die Senioren trotz neuronaler Defizite schwierige Aufgaben erfolgreich meistern.

Definition des "alten Gehirns in einem jungen Körper"

Der Begriff "altes Gehirn in einem jungen Körper" beschreibt eine Situation, in der das Gehirn eines Menschen schneller altert als sein Körper. Dies kann auf eine Vielzahl von Faktoren zurückzuführen sein, darunter genetische Veranlagung, ungesunder Lebensstil und bestimmte Krankheiten.

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Ein "altes Gehirn in einem jungen Körper" kann sich auf verschiedene Weise äußern. Manche Menschen haben Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis, der Aufmerksamkeit oder anderen kognitiven Funktionen. Andere entwickeln Verhaltensänderungen, wie z. B. Reizbarkeit, Depression oder Apathie. Die Verhaltensvariante der Frontotemporalen Demenz (bvFTD) zeigt sich durch tiefgreifende Veränderungen im Verhalten und in der Persönlichkeit. Die erkrankte Person wirkt „anders“, obwohl das Gedächtnis oft noch gut funktioniert. Zu den häufigsten Anzeichen gehören:Enthemmung: Unpassende Bemerkungen, unangemessenes sexuelles Verhalten, Ladendiebstahl oder Berührungen von Fremden. Dieses Verhalten wird oft als pervers missverstanden.Apathie: Früher Rückzug aus sozialen und beruflichen Aktivitäten, Verlust von Interesse an Beziehungen oder Hobbys, häufig verwechselt mit einer Depression.Emotionale Abstumpfung / Empathieverlust: Gleichgültigkeit gegenüber den Gefühlen nahestehender Personen, fehlende Anteilnahme oder Einfühlungsvermögen, was für Angehörige besonders schmerzhaft sein kann.Zwanghaftes oder ritualisiertes Verhalten: Wiederholte Handlungen wie das fünfmalige Klatschen zur Begrüßung, Horten von Gegenständen oder das tägliche Aufsuchen bestimmter Orte.Verändertes Essverhalten: Zwanghaftes Essen bestimmter Lebensmittel, wie ausschließlich Schokolade, oder übermäßiger Konsum von Wasser oder Alkohol. (Mehr zu Essen und Trinken bei Demenz - hier)Fehlende Einsicht: Menschen mit bvFTD sehen häufig nicht ein, dass ihr Verhalten ungewöhnlich ist. Sie tun Dinge, die soziale Normen verletzen, ohne diese als falsch wahrzunehmen. Zum Beispiel verlassen Sie das Restaurant ohne zu bezahlen - nicht, weil sie es vergessen, sondern weil sie es einfach nicht machen.Neuropsychologisches Profil: Defizite bei der Planung und Organisation des täglichen Lebens, während Gedächtnis- und visuell-räumliche Fähigkeiten oft intakt bleiben. Betroffene erzielen im Mini-Mental-Status-Test (MMST) häufig volle Punktzahlen. Was ist der Mini-Mental-Status-Test?Diese Symptome führen nicht selten zu Fehldiagnosen, da sie psychischen Erkrankungen ähneln können. Die Primär Progressive Aphasie (PPA) zeigt sich in drei verschiedenen Formen, je nachdem, welche sprachlichen Fähigkeiten am stärksten eingeschränkt sind: Semantischer Typ Menschen mit dieser Form verlieren nach und nach das Verständnis für Wörter. Sie können Dinge oft nicht mehr benennen oder genau beschreiben, selbst wenn sie wissen, was sie sind. Ein Beispiel: Wenn sie das Wort „Kreuzfahrtschiff“ hören, können sie vielleicht „Schiff“ verstehen und Bilder von Schiffen erkennen, wissen aber nicht mehr, was „Kreuz“ bedeutet.Unflüssiger/agrammatischer Typ Das Sprechen wird mit der Zeit immer schwieriger. Die Wörter kommen langsamer über die Lippen und das Sprechen klingt oft angestrengt. Schließlich kann die Sprache ganz versagen, während jedoch andere Fähigkeiten durchaus intakt bleiben. So können manche Menschen beispielsweise noch problemlos ihr Haus renovieren oder sich um ihre Familie kümmern. Häufig treten aber auch Schluckbeschwerden oder parkinsonähnliche Symptome auf.Logopenischer Typ Bei dieser Form fällt es den Betroffenen schwer, die richtigen Worte zu finden. Das Sprechen wird langsam und zögerlich, und sie beschreiben Begriffe umständlich, wenn ihnen die passenden Worte fehlen. Im Gegensatz zu den anderen Formen gehört der logopenische Typ nicht zur Frontotemporalen Demenz, sondern zur Alzheimer-Krankheit. Wie die meisten Demenzerkrankungen hat auch die frontotemporale Demenz einen schleichenden Verlauf. 1. Zu Beginn unterscheiden sich Menschen mit Frontotemporaler Demenz sowohl deutlich von Menschen mit anderen Demenzen als auch untereinander, je nach Subtyp.Verhaltensvariante (bvFTD): Veränderungen in Persönlichkeit und Verhalten stehen im Vordergrund, wie Enthemmung, Apathie oder Verlust von Einfühlungsvermögen. Viele erkennen ihr eigenes Verhalten nicht als problematisch und haben keine Krankheitseinsicht. Sprachliche Variante (PPA): Schwierigkeiten beim Sprechen, Verstehen, Lesen oder Schreiben stehen im Vordergrund. 2. 3. Im späten Stadium gleichen sich die Symptome von FTD und anderen Demenzerkrankungen an.Sprache und Verhalten sind stark beeinträchtigt, und es treten zusätzlich Gedächtnisprobleme auf, die an Alzheimer erinnern.Körperliche Symptome wie Bewegungsstörungen, Muskelsteifheit oder Schwierigkeiten beim Schlucken können hinzukommen.Im Endstadium benötigen die Erkrankten rund um die Uhr Pflege. Die häufigste Todesursache ist eine Lungenentzündung, die durch eine Schwächung des Immunsystems oder Schluckprobleme verursacht werden kann.

Prävention und Behandlung

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, die Hirnalterung zu verlangsamen und die kognitive Funktion zu verbessern. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:

  • Gesunder Lebensstil: Eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und Stressreduktion können die Hirnalterung verlangsamen und die kognitive Funktion verbessern.
  • Kognitives Training: Kognitives Training, wie z. B. Gedächtnisspiele und Problemlösungsaufgaben, kann die kognitive Reserve erhöhen und die kognitive Funktion verbessern.
  • Soziale Interaktion: Soziale Interaktion kann die kognitive Funktion verbessern und das Risiko von Demenz verringern. Soziale Kontakte erhalten: Gute Gespräche, gemeinsame Erlebnisse oder einfach Nähe - soziale Kontakte geben Halt und tun dem Gehirn gut. Ein Treffen mit Freunden, Familie oder Nachbarn kann ebenso bereichernd sein wie der Besuch einer Tagespflege oder eines Demenzcafés.
  • Medikamente: Es gibt einige Medikamente, die die kognitive Funktion verbessern und das Fortschreiten von Demenz verlangsamen können. Medikamentöse BehandlungDie Frontotemporale Demenz ist bisher nicht heilbar. Auch Medikamente, die den Krankheitsverlauf aufhalten oder verlangsamen gibt es leider nicht. Weltweit wird dazu jedoch intensiv geforscht. Manche Symptome - etwa starke Unruhe, Aggression oder zwanghaftes Verhalten - lassen sich mit bestimmten Medikamenten lindern. Durch nicht-medikamentöse Therapieformen, wie sie auch bei Menschen mit Alzheimer-Demenz angewandt werden können einige Symptome der Patienten und Patientinnen gemildert werden. Eine der größten Herausforderungen im Umgang mit FTD ist jedoch, dass viele Erkrankte keine Einsicht in die eigene Erkrankung haben. In solchen Momenten ist es wichtig zu wissen: Man kann eine an FTD erkrankte Person nicht vom eigenen Fehlverhalten überzeugen, weil ihr schlicht der innere Maßstab fehlt.

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