Ein Schlaganfall im Auge, auch Augeninfarkt genannt, ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die unbehandelt zur Erblindung führen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten eines Schlaganfalls im Auge, um das Bewusstsein für diese Erkrankung zu schärfen und Betroffenen eine schnelle Hilfe zu ermöglichen.
Was ist ein Schlaganfall im Auge?
Ein Schlaganfall im Auge, medizinisch als retinaler Venenverschluss oder Zentralarterienverschluss bezeichnet, ist eine Gefäßerkrankung der Netzhaut. Dabei kommt es zu einer Durchblutungsstörung, entweder durch einen Verschluss einer Vene (retinaler Venenverschluss) oder einer Arterie (Zentralarterienverschluss). In beiden Fällen wird die Netzhaut nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, was zu Schäden an den Nervenzellen führen kann.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für einen Schlaganfall im Auge sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch eine Reihe von Risikofaktoren, die das Auftreten eines Augeninfarkts begünstigen können. Dazu gehören:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) ist ein wichtiger Risikofaktor, da sie zu Verengungen und Verschlüssen der Blutgefäße führen kann.
- Bluthochdruck: Chronischer Bluthochdruck kann die Gefäße im Auge schädigen und das Risiko für einen Verschluss erhöhen.
- Diabetes: Diabetes mellitus kann ebenfalls die Blutgefäße schädigen und das Risiko für einen Schlaganfall im Auge erhöhen.
- Hohe Blutfettwerte: Erhöhte Blutfettwerte können zur Bildung von Ablagerungen in den Gefäßen beitragen und so das Risiko eines Verschlusses erhöhen.
- Rauchen: Nikotinkonsum schädigt die Blutgefäße und erhöht das Risiko für Gefäßerkrankungen.
- Einnahme der Antibabypille: In seltenen Fällen kann die Einnahme der Antibabypille das Risiko für einen Schlaganfall im Auge erhöhen.
- Schwangerschaft: Schwangerschaft kann ebenfalls einen Risikofaktor darstellen.
- Augentrauma: Verletzungen des Auges können in seltenen Fällen zu einem Schlaganfall im Auge führen.
- Nierenerkrankungen: Nierenerkrankungen können das Risiko für Gefäßerkrankungen erhöhen.
- Entzündungen der Blutgefäße: Entzündliche Erkrankungen der Blutgefäße können zu Verengungen und Verschlüssen führen.
- Erkrankungen der Halsschlagadern (Karotiden): Verengungen der Halsschlagadern (Carotisstenose) können das Risiko für einen Schlaganfall im Auge erhöhen.
- Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für einen Schlaganfall im Auge.
Symptome eines Schlaganfalls im Auge
Ein Schlaganfall im Auge ist fast immer schmerzlos. Typische Symptome sind:
- Plötzlicher Sehverlust: Betroffene bemerken oft einen plötzlichen, deutlichen Sehverlust auf einem Auge. Dieser kann sich als Schleier, schwarze Bereiche im Sichtfeld oder vollständiger Sehverlust äußern.
- Verschwommene Sicht: Die Sicht kann verzerrt oder verschwommen sein.
- Eingeschränktes Gesichtsfeld: Das Gesichtsfeld kann eingeschränkt sein, sodass Teile des Sichtbereichs fehlen.
- Tote Winkel im Sehbereich: Es können tote Winkel im Sehbereich auftreten.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Symptome je nach Art und Ausmaß des Gefäßverschlusses variieren können. In manchen Fällen kann sich das Sehvermögen bei einer leichten Blockade wieder erholen. Bei anhaltenden Beschwerden oder einem akuten Sehverlust sollte jedoch umgehend ein Augenarzt aufgesucht werden.
Lesen Sie auch: Ursachen und Risikofaktoren für Schlaganfälle bei Katzen
Diagnose
Die Diagnose eines Schlaganfalls im Auge erfolgt in der Regel durch einen Augenarzt. Dieser wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und das Auge gründlich untersuchen. Dabei kommen verschiedene diagnostische Verfahren zum Einsatz:
- Augenspiegelung (Funduskopie): Bei der Augenspiegelung betrachtet der Arzt die Netzhaut und die Blutgefäße im Auge.
- Optische Kohärenztomographie (OCT): Die OCT ist ein bildgebendes Verfahren, mit dem die Netzhaut in hoher Auflösung dargestellt werden kann. Dies ermöglicht es, Veränderungen wie Schwellungen oder Blutungen frühzeitig zu erkennen.
- Fluoreszenzangiographie: Bei der Fluoreszenzangiographie wird ein Farbstoff in die Blutbahn gespritzt, um die Durchblutung der Netzhaut zu beurteilen.
- Ultraschalluntersuchung der Hals- und Hirngefäße: Eine Ultraschalluntersuchung der Hals- und Hirngefäße kann durchgeführt werden, um mögliche Verengungen oder Verschlüsse der Halsschlagadern (Carotisstenose) festzustellen.
- Kernspintomographie (MRT) oder Computertomographie (CT): In manchen Fällen kann eine MRT oder CT des Gehirns erforderlich sein, um andere Ursachen für die Sehstörungen auszuschließen.
Behandlung
Die Behandlung eines Schlaganfalls im Auge zielt darauf ab, die Durchblutung der Netzhaut wiederherzustellen und weitere Schäden zu verhindern. Die Behandlungsmöglichkeiten hängen von der Art und dem Ausmaß des Gefäßverschlusses sowie von der Zeit ab, die seit dem Auftreten der Symptome vergangen ist.
- Lyse-Therapie: Bei einem Zentralarterienverschluss kann versucht werden, das Blutgerinnsel durch eine Lyse-Therapie aufzulösen. Dabei wird ein Medikament (z.B. Alteplase) intravenös verabreicht, das die Gerinnselbildung auflösen soll. Die Lyse-Therapie ist jedoch nicht ohne Risiken, da sie das Risiko von Hirnblutungen erhöhen kann. Daher muss die Entscheidung für oder gegen eine Lyse-Therapie sorgfältig abgewogen werden.
- Injektionstherapie: Bei einem retinalen Venenverschluss kann eine Injektionstherapie mit Medikamenten, die das Wachstum von Blutgefäßen hemmen (Anti-VEGF-Medikamente), oder mit Kortikosteroiden in das Auge erfolgen. Diese Medikamente können helfen, Schwellungen der Netzhaut (Makulaödem) zu reduzieren und die Sehkraft zu verbessern.
- Laserbehandlung: In manchen Fällen kann eine Laserbehandlung der Netzhaut erforderlich sein, um das Wachstum von abnormalen Blutgefäßen zu verhindern.
- Behandlung der Grunderkrankung: Es ist wichtig, die Grunderkrankung, die zum Schlaganfall im Auge geführt hat, zu behandeln. Dazu gehören die Einstellung von Bluthochdruck, Diabetes und hohen Blutfettwerten sowie die Behandlung von Entzündungen der Blutgefäße.
- Operation der Halsschlagader (Carotisstenose): Bei einer Verengung der Halsschlagader (Carotisstenose) kann eine Operation oder eine Stentimplantation erforderlich sein, um die Durchblutung des Gehirns und des Auges zu verbessern.
Zeit ist Netzhaut
Wie beim Schlaganfall im Gehirn gilt auch beim Schlaganfall im Auge: "Zeit ist Netzhaut". Je schneller die Behandlung erfolgt, desto besser sind die Chancen, das Sehvermögen zu erhalten. Innerhalb von nur vier bis fünf Stunden nach dem Auftreten der Symptome können irreversible Schäden an den Nervenzellen der Netzhaut entstehen. Daher ist es wichtig, bei plötzlichen Sehstörungen unverzüglich einen Augenarzt oder eine Augenklinik aufzusuchen.
Prävention
Um einem Schlaganfall im Auge vorzubeugen, ist es wichtig, die Risikofaktoren zu minimieren. Dazu gehören:
- Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt: Insbesondere Risikogruppen wie Diabetiker, Bluthochdruckpatienten und Menschen mit hohen Blutfettwerten sollten regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zum Augenarzt gehen.
- Gesunde Lebensweise: Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Bewegung und dem Verzicht auf Nikotin kann das Risiko für Gefäßerkrankungen senken.
- Einstellung von Risikofaktoren: Bluthochdruck, Diabetes und hohe Blutfettwerte sollten gut eingestellt sein.
- Behandlung von Grunderkrankungen: Grunderkrankungen wie Entzündungen der Blutgefäße sollten behandelt werden.
Fazialisparese (Gesichtslähmung)
Es ist wichtig, einen Schlaganfall im Auge von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen zu unterscheiden. Eine solche Erkrankung ist die Fazialisparese (Gesichtslähmung). Die Fazialisparese ist eine Lähmung des Gesichtsnervs (Nervus facialis), die zu einer Schwäche oder Lähmung der Gesichtsmuskulatur führt. Die Symptome einer Fazialisparese können denen eines Schlaganfalls ähneln, wie z.B. ein herabhängender Mundwinkel oder Schwierigkeiten beim Schließen des Auges. Im Gegensatz zum Schlaganfall im Auge betrifft die Fazialisparese jedoch nicht das Sehvermögen.
Lesen Sie auch: Gesundheitliche Rückschläge und politische Leistungen von Lafontaine
Die Ursachen einer Fazialisparese können vielfältig sein, wie z.B. Infektionen, Entzündungen, Verletzungen oder Tumore. In vielen Fällen ist die Ursache jedoch unbekannt. Die Behandlung der Fazialisparese richtet sich nach der Ursache. In den meisten Fällen verschwinden die Symptome nach einigen Wochen oder Monaten wieder vollständig.
Leben mit Sehstörungen nach einem Schlaganfall
Auch nach erfolgreicher Behandlung eines Schlaganfalls im Auge können Sehstörungen zurückbleiben. Diese können das tägliche Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, mit diesen Sehstörungen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Spezielle Therapien: Spezielle Therapien wie Sehtraining oder Ergotherapie können helfen, die verbliebene Sehkraft zu optimieren und die Wahrnehmung zu verbessern.
- Hilfsmittel: Hilfsmittel wie Lupen, spezielle Brillen oder elektronische Lesegeräte können die Sehkraft unterstützen und das Lesen und Schreiben erleichtern.
- Anpassung des Wohnumfelds: Die Anpassung des Wohnumfelds kann helfen, Hindernisse zu vermeiden und die Sicherheit zu erhöhen.
- Psychologische Unterstützung: Eine psychologische Unterstützung kann helfen, mit den emotionalen Belastungen, die mit den Sehstörungen verbunden sind, umzugehen.
Forschung
Die Forschung im Bereich des Schlaganfalls im Auge ist aktiv und zielt darauf ab, die Ursachen und Risikofaktoren besser zu verstehen, neue diagnostische Verfahren zu entwickeln und die Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern. Eine aktuelle Studie untersucht beispielsweise die Heilungserfolge und Risiken der Lyse-Therapie bei Augeninfarkten.
Lesen Sie auch: Rehabilitation bei Gesichtsfeldausfall
tags: #schlaganfall #hinterm #auge