Eine Hirnblutung ist ein medizinischer Notfall, der mit einem hohen Sterberisiko verbunden ist. Grundsätzlich drohen dauerhafte Schäden wie Lähmungen und Sprachstörungen. Eine rasche Behandlung ist daher von grösster Bedeutung.
ICD-Codes für Hirnblutungen
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen, die beispielsweise in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen zu finden sind. Für Hirnblutungen relevante ICD-Codes sind I61, I62, S06 und I60.
Folgen von Hirnblutungen
Eine Hirnblutung kann verschiedene Folgen und Langzeitschäden mit sich bringen. Diese hängen grundsätzlich von der Schwere und dem Ort der Hirnblutung ab. Häufige Folgen sind unter anderem Lähmungen, die auch eine ganze Körperhälfte betreffen können und eine normale Fortbewegung unmöglich machen. Manche Betroffenen haben anhaltende Schwierigkeiten damit, zu sprechen oder Sprache zu verstehen. Kognitive Probleme wie Gedächtnisverlust können den Alltag zusätzlich belasten. Auch Depressionen und Angstzustände sind mögliche Folgen. Die Rehabilitation und Betreuung nach einer Hirnblutung spielen daher eine entscheidende Rolle, um die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig zu verbessern.
Heilungschancen und Prognose
Die Heilungschancen und Prognose bei einer Hirnblutung hängen von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen etwa Lokalisation und Ausdehnung der Einblutung, eventuelle Begleitverletzungen und Grunderkrankungen des Patienten sowie dessen Alter.
Bei einer Hirnblutung ist für die Überlebenschancen außerdem eine frühzeitige Behandlung extrem wichtig: Je früher die intrakranielle Blutung erkannt und fachgerecht im Krankenhaus behandelt wird, desto besser sind die Prognose und die Heilungschance. Das gilt vor allem bei einer ausgedehnten Hirnblutung - die Überlebenschancen sinken, wenn zu viel Zeit verstreicht.
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Prognose bei intrazerebraler Blutung
Eine intrazerebrale Blutung ist meist ausgedehnt und mit einer hohen Sterblichkeit verbunden. Bis zu 50 Prozent der Patienten versterben innerhalb der ersten drei Monate und bis zu 60 Prozent innerhalb eines Jahres. Überlebt man eine solche Hirnblutung, sind bleibende Schäden keine Seltenheit. Tatsächlich erlangen sogar die meisten Überlebenden nicht alle Hirnfunktionen zurück.
Prognose bei Subarachnoidalblutung
Eine Subarachnoidalblutung ist ebenfalls sehr gefährlich. Meist wird die intrakranielle Blutung durch den Riss (Ruptur) eines Aneurysmas im Gehirn verursacht. Etwa 35 Prozent der Betroffenen sterben infolge der ersten Ruptur, weitere 15 Prozent innerhalb einiger Wochen infolge einer weiteren Ruptur. Bei Überlebenden sind Langzeitfolgen möglich.
Prognose bei einem Subduralhämatom
Ein akutes Subduralhämatom tritt oft in Verbindung mit weiteren schweren Hirnverletzungen auf. Das erklärt die hohe Sterblichkeit von 30 bis 50 Prozent der Patienten. Bei der chronischen Variante dieser Hirnblutung sind die Heilungschancen günstiger. Oft bessert sich der Zustand der Betroffenen nach einiger Zeit oder verschlechtert sich zumindest nicht weiter.
Wurde die chronische Blutansammlung unter der harten Hirnhaut operativ entfernt, ist mit einem hohen Rückfallrisiko von zehn bis 30 Prozent zu rechnen.
Prognose von Epiduralblutungen
Besser als bei einer akuten Subduralblutung ist die Prognose bei einer Epiduralblutung. Die Sterblichkeit beträgt etwa 20 Prozent. Wird das betroffene Hirnareal frühzeitig vom Druck des darüberliegenden Blutergusses entlastet und bestehen nur geringe neurologische Ausfälle (wie Bewusstseinsstörung, Halbseitenlähmung), ist die Prognose gut.
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Risikofaktoren und Prävention
Die häufigste Ursache für eine Hirnblutung ist ein zu hoher Blutdruck, der die Hirngefäße schädigt. Auch können Hirngefäß-Fehlbildungen eine Hirnblutung verursachen. Dazu zählen Fehlbildungen, bei denen viele Gefäße in einem Knäuel (Blutschwamm oder Angiom), Kurzschlüsse zwischen Gefäßen (sog. Fistel) oder eine Aussackung der Gefäßwand (sog. Aneurysma) vorliegen.
Indirekt gelten alle eine Arteriosklerose begünstigenden Umstände als Risikofaktoren für eine Hirnblutung. Hierzu zählen neben einem Bluthochdruck der Konsum von Nikotin und Alkohol, ein erhöhter Blutfettspiegel, eine Blutzuckerkrankheit, Bewegungsmangel und Übergewicht.
Die besten Tipps zur Prävention eines Schlaganfalls sind letztendlich immer die Vermeidung von Risikofaktoren. Das heißt: Maßnahmen, die effektiv einem Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel und letzten Endes auch Diabetes vorbeugen und verhindern. Dazu gehört im ersten Schritt, dass man sich vernünftig ernährt, das heißt eine balancierte, ausgewogene zum Beispiel mediterrane Diät zu sich führt. Also überwiegend Gemüse, nicht zu viel Fleisch, nicht zu viel Alkohol. Alkohol ist zwar nicht komplett verboten, aber nur in sehr geringen Mengen. Und natürlich ist ausreichende Bewegung sehr wichtig. 20 bis 30 Minuten Bewegung pro Tag, bei der man leicht schwitzt, ist ideal. Und wenn Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck vorliegen, sollte man die natürlich auch behandeln.
Wichtigster beeinflussbarer - also behandelbarer - Risikofaktor ist der Bluthochdruck (Hypertonie). Man geht heute davon aus, dass ein Blutdruck, der dauerhaft bei oder über 140/90 mmHg liegt, behandlungsbedürftig ist. Andere wichtige beeinflussbare Risikofaktoren sind die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2), Herzrhythmusstörungen (z.B. Ferner erhöhen übermäßiger Alkoholkonsum, starkes Übergewicht und Bewegungsmangel das Risiko eines Schlaganfalls. Jeder einzelne Risikofaktor wirkt sich auf das Gesamt…
Diagnose und Behandlung
Bei Verdacht auf eine Hirnblutung werden Betroffene vom Rettungsdienst unverzüglich in ein Krankenhaus gebracht. Die Akutbehandlung hängt unter anderem vom Ort und der Menge des ausgetretenen Blutes sowie der Ursache der Hirnblutung ab.
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Im Krankenhaus wird zunächst eine Computertomographie (CT) durchgeführt. Nach der Akutbehandlung in der Klinik kommt der Abklärung der Blutungsursache eine große Bedeutung zu. Liegen Blutgerinnungsstörungen vor, müssen diese ebenfalls soweit möglich behandelt werden.
Bei einer Blutgerinnungsstörung, z. B. Bei großen Hirnblutungen kann es durch die Volumenzunahme im durch den Knochen begrenzten Schädel zu einer lebensbedrohlichen, druckbedingten Verdrängung und Funktionsstörung des umliegenden Gehirngewebes kommen (sog. In diesem Fall können eine operative Eröffnung des Schädelknochens (sog. Trepanation) und ggf. eine Entfernung des Blutes zur Entlastung des Gehirns führen. Auch das Einbringen einer Sonde zur Druckmessung oder eines Schlauchs zur Ableitung von Flüssigkeit aus dem Gehirn (sog.
Rehabilitation
Die Rehabilitation dient der Wiederherstellung der durch die Schädigung des Gehirngewebes beeinträchtigten Funktionen. Darüber hinaus sind für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine psychosoziale Betreuung und Beratung entscheidend, z. B.
Schlaganfall-Statistik in Deutschland
Jährlich erleiden fast 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Seit ihrer Gründung durch Liz Mohn 1993 verfolgt die Stiftung das Ziel, Schlaganfälle zu verhindern und den Folgen dieser Erkrankung entgegenzutreten.
Im Jahr 2023 starben in Deutschland 36.393 Menschen an einem Schlaganfall (Frauen: 20.253; Männer 16.140). Die altersstandardisierte Sterberate lag bei 36,1 pro 100.000 Personen und war für Männer mit 39,8 höher als für Frauen (32,8 pro 100.000 Personen). Die Schlaganfall-Sterblichkeit stieg ab 45 Jahren mit zunehmendem Alter deutlich an: In der Altersgruppe der 45- bis 64-Jährigen belief sie sich auf 11,4 pro 100.000 Personen, bei den 65- bis 79-Jährigen auf 75,9 und bei den über 80-Jährigen auf 432.
Die altersstandardisierten Sterberaten des Schlaganfalls variierten im Bundeslandvergleich zwischen dem Bundesland mit der höchsten Sterberate in Thüringen (40,5) und der niedrigsten Sterberate in Berlin (33,1) um knapp 20 %. In Regionen mit hoher sozioökonomischer Deprivation lagen die Schlaganfall-Sterberaten im Jahr 2023 altersstandardisiert bei Männern mit 40,8 pro 100.000 Personen um 12 % höher als in Regionen mit niedriger Deprivation (36,5). Bei Frauen ergaben sich hingegen keine Unterschiede in der Schlaganfall-Sterblichkeit nach sozioökonomischer Deprivation.
Im Zeitverlauf zwischen 1998 und 2023 sank die Schlaganfall-Sterblichkeit bei beiden Geschlechtern und in allen Altersgruppen deutlich ab. Altersstandardisiert gingen die Schlaganfall-Sterberaten bei beiden Geschlechtern um mehr als zwei Drittel zurück. Ebenso waren die regionalen Unterschiede in der Schlaganfall-Sterblichkeit über die Zeit rückläufig.
Die gleichzeitige Reduktion der Sterblichkeitsunterschiede zwischen den Bundesländern steht im Einklang mit Verbesserungen der Versorgung wie dem flächendeckenden Zugang zu Spezialstationen (Stroke Units) in Krankenhäusern (Rücker et al. 2018). Zwischen 2003 und 2023 gingen die Unterschiede in der Sterblichkeit an Schlaganfall unabhängig von regionaler Deprivation zurück, jedoch blieben weiterhin sozioökonomische Unterschiede bestehen. In den letzten Jahren flachte sich der Rückgang in der Schlaganfall-Sterblichkeit zudem ab, was vor allem mit einem Anstieg von Risikofaktoren wie Diabetes und mit Versäumnissen in der Prävention im Bereich Tabakkontrolle und Ernährung in Verbindung gebracht wurde (Emmert-Fees et al. 2023).
Bedeutung von Stroke Units
Die Erstversorgung in einer Stroke Unit ist essentiell. In Deutschland wird heutzutage auch der Großteil - ich will nicht sagen alle Schlaganfall-Patienten - auf solchen Stroke Units behandelt. Über die letzten Jahre hat sich auf diesem Gebiet eine Behandlungsexpertise entwickelt, so dass Schlaganfälle in solchen Einheiten besser behandelt werden als zum Beispiel in Krankenhäusern, die das nicht vorhalten oder in anderen Abteilungen oder internistischen Kliniken. In Stroke Units ist die diagnostische und therapeutische Expertise sehr hoch und daher können die Experten einschätzen, ob im individuellen Fall zum Beispiel eine Spezialtherapie möglich und nötig ist wie beispielweise eine Lyse-Therapie oder eine katheterbasierte sogenannte Thrombektomie. Auf diesen Stroke Units wird nicht nur die Akuttherapie gestartet, sondern es erfolgt in den folgenden Tagen auch ein Herz-Kreislauf-Monitoring. Nach der Akuttherapie wird der Fokus auf die Ursachenforschung des Schlaganfalls gelegt.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Die Behandlung einer zunehmenden Zahl schwer betroffener Schlaganfallpatienten wird angesichts schwieriger Entscheidungssituationen und knapper werdender Ressourcen zu einer großen Bewährungsprobe. Patienten, die voraussichtlich nach kurzer Zeit sterben oder eventuell mit schwersten neurologischen Defiziten überleben werden, haben meist ausgedehnte oder ungünstig lokalisierte irreversible Hirnparenchymläsionen erlitten (7). Unmittelbar vital bedrohliche Akutsituationen sind bei Insultpatienten oft intensivmedizinisch beherrschbar, wobei die zunehmende Verfügbarkeit und Anwendung lebensrettender Therapiemaßnahmen (6) nicht nur positive Auswirkungen hat. Bei kritischer Betrachtung muss davon ausgegangen werden, dass eine noch unbekannte Anzahl „geretteter“ Schlaganfallpatienten für den Rest des Lebens schwerstbehindert bleiben wird.
Ein Bereich der Forschung dreht sich aktuell um die Verbesserung der Akuttherapie. Da haben wir ja mit der Thrombektomie eine sensationell wirksame neue Therapiemethode hinzugewonnen. Auf dem Gebiet der Schlaganfall-Früherkennung wird natürlich auch viel an der Genetik des Schlaganfalls geforscht. Warum treten Schlaganfälle zum Beispiel in manchen Familien häufiger auf als in anderen? Woran kann man eine Art Veranlagung erkennen? An diese und ähnlichen Fragen wird stark geforscht. Zuletzt gibt es auch viele Forschungsprojekte zur Verbesserung der Regeneration und Rehabilitation nach Schlaganfall.
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