Schlaganfall nach Friseur: Ursachen und Prävention des "Beauty Parlor Stroke Syndrome"

Ein Friseurbesuch sollte eine entspannende Auszeit vom Alltag sein. Doch in seltenen Fällen kann das Haarewaschen am Waschbecken im Salon unerwartet gefährlich werden. Das sogenannte "Beauty Parlor Stroke Syndrome" (BPSS), zu Deutsch "Schönheitssalon-Schlaganfall-Syndrom", beschreibt den Ernstfall, wenn es durch Überdehnung des Nackens zu einem Schlaganfall kommt.

Was ist das "Beauty Parlor Stroke Syndrome"?

Der Begriff "Beauty Parlor Stroke Syndrome" wurde erstmals 1993 von dem New Yorker Neurologen Michael Weintraub geprägt. Er beschrieb fünf Patientinnen, die nach einem Friseurbesuch plötzlich Symptome wie Schwindel, Sprachprobleme, Lähmungen oder Koordinationsstörungen entwickelten. Untersuchungen ergaben, dass diese Symptome auf kleine oder größere Hirninfarkte zurückzuführen waren.

Wie kommt es zu einem Schlaganfall nach dem Friseurbesuch?

Die Ursache für einen Schlaganfall im Zusammenhang mit einem Friseurbesuch liegt meist in der Überstreckung des Nackens am Waschbecken. Wenn der Kopf zu weit nach hinten geneigt wird, kann dies die Blutzufuhr zu den Arterien im Nacken unterbrechen. Im Extremfall können die Arterien sogar reißen.

Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht erklärt, dass es durch die Überdehnung zu einem Einriss der Intima, der inneren Auskleidung der Gefäße, kommen kann. In der Folge fließt Blut in den Riss, was als Dissektion bezeichnet wird. Der Körper versucht, den Riss mit Fibrin und Thrombozyten abzudichten, wodurch sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) bilden kann. Dieses Gerinnsel kann entweder die Ader verschließen und zu einer Minderdurchblutung führen oder sich ablösen und ins Gehirn gelangen, wo es ein Gefäß verstopfen und einen Schlaganfall auslösen kann.

Symptome und Diagnose

Die Symptome eines Schlaganfalls können vielfältig sein und hängen davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist. Häufige Symptome sind:

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  • Halbseitige Lähmung von Arm und/oder Bein
  • Sprachstörungen
  • Sehstörungen (z.B. Doppelbilder)
  • Schwindel
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Koordinationsstörungen
  • Taubheitsgefühl im Gesicht

Da die Symptome manchmal erst Stunden oder Tage nach dem Friseurbesuch auftreten, wird der Zusammenhang oft nicht erkannt. Es ist daher wichtig, bei entsprechenden Beschwerden den Arzt auf den vorangegangenen Friseurbesuch hinzuweisen.

Risikofaktoren

Obwohl das "Beauty Parlor Stroke Syndrome" insgesamt selten vorkommt, gibt es bestimmte Faktoren, die das Risiko erhöhen können:

  • Vorerkrankungen der Gefäße: Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), Bluthochdruck, Diabetes
  • Anatomische Besonderheiten: Verengte oder dünne Wirbelarterien
  • Erkrankungen der Halswirbelsäule: Arthrose
  • Weitere Risikofaktoren: Rauchen, höheres Alter

Prävention

Um das Risiko eines Schlaganfalls nach einem Friseurbesuch zu minimieren, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Achten Sie auf eine bequeme Position am Waschbecken: Der Nacken sollte nicht überstreckt werden. Fragen Sie gegebenenfalls nach einer Nackenstütze oder einem Handtuch zur Polsterung.
  • Vermeiden Sie ruckartige Bewegungen des Kopfes: Informieren Sie den Friseur, wenn Sie Nackenprobleme haben.
  • Bei Vorerkrankungen: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über das Risiko und mögliche Vorsichtsmaßnahmen.
  • Aufmerksames Beobachten: Achten Sie nach dem Friseurbesuch auf mögliche Symptome eines Schlaganfalls und suchen Sie bei Beschwerden umgehend einen Arzt auf.

Dr. Sudhir Kumar empfiehlt, das Bewusstsein für dieses Syndrom sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei Friseuren und Salonangestellten zu schärfen. Friseure sollten darauf achten, die Köpfe ihrer Kunden nicht zu stark zu drehen oder zu dehnen.

Weitere Ursachen für Schlaganfälle im Zusammenhang mit Alltagsaktivitäten

Neben dem "Beauty Parlor Stroke Syndrome" gibt es auch andere alltägliche Handlungen, die in seltenen Fällen einen Schlaganfall auslösen können:

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  • Halswirbelmanipulationen: Chiropraktische Behandlungen im Nackenbereich können zu Verletzungen der Arterien führen.
  • Sportliche Aktivitäten: Abrupte Kopfbewegungen oder Überstreckungen des Nackens bei Sportarten wie Yoga oder Pickleball können ebenfalls das Risiko erhöhen.
  • Selbstständiges "Einrenken" des Nackens: Das Knacken des Nackens kann in seltenen Fällen zu Verletzungen der Halswirbelsäule und der umliegenden Gefäße führen.

Es ist wichtig zu betonen, dass diese Ereignisse sehr selten sind. Dennoch sollte man sich der potenziellen Risiken bewusst sein und bei entsprechenden Symptomen umgehend einen Arzt aufsuchen.

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