Migräne ist eine besonders belastende Kopfschmerzform, die durch pochende Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen und eine starke Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen gekennzeichnet ist. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung sind von Migräne betroffen, wobei Frauen etwa dreimal so häufig betroffen sind wie Männer. Auch 10 Prozent aller Kinder kennen Migräne-Attacken. Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass sowohl genetische Veranlagung als auch bestimmte Auslöser eine Rolle spielen.
In einigen Fällen kann die Einnahme von Kortison, einem Medikament, das zur Behandlung von Entzündungen eingesetzt wird, zu Migräne oder migräneartigen Kopfschmerzen führen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für Migräne nach Kortison, Behandlungsoptionen und präventive Maßnahmen.
Kortison und seine Wirkungen
Kortison, auch bekannt als Glukokortikoid, ist ein synthetisches Hormon, das die Wirkung von Kortisol im Körper nachahmt. Kortisol wird in der Nebennierenrinde produziert und reguliert wichtige Körperfunktionen wie den Fett-, Mineralstoff- und Eiweißwechsel. Es wirkt entzündungshemmend und hilft dem Körper, mit Stress umzugehen.
Kortison wird häufig zur Behandlung von Entzündungen, allergischen Reaktionen und Autoimmunerkrankungen eingesetzt. Es kann in verschiedenen Formen verabreicht werden, darunter Tabletten, Infusionen und Injektionen.
Mögliche Ursachen für Migräne nach Kortison
Obwohl Kortison in einigen Fällen zur Behandlung von Migräne eingesetzt wird, kann es paradoxerweise auch Migräne oder migräneartige Kopfschmerzen auslösen oder verstärken. Die genauen Mechanismen, die zu diesem Effekt führen, sind noch nicht vollständig verstanden, aber es gibt mehrere mögliche Erklärungen:
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- Hormonelle Veränderungen: Kortison beeinflusst den Hormonhaushalt des Körpers. Diese hormonellen Schwankungen können bei manchen Menschen Migräne auslösen. Einige Frauen bekommen während, vor oder nach ihrer Menstruation Migräne.
- Entzündungsreaktionen: Obwohl Kortison entzündungshemmend wirkt, kann es in einigen Fällen zu einer kurzzeitigen Entzündungsreaktion im Gehirn führen, die Migräne auslösen kann.
- Vasokonstriktion und Vasodilatation: Kortison kann sowohl eine Verengung (Vasokonstriktion) als auch eine Erweiterung (Vasodilatation) der Blutgefäße im Gehirn bewirken. Diese Veränderungen des Blutflusses können Migräne verursachen. Medikamente, vor allem Stickstoffmonoxid-freisetzende gefäßerweiternde Wirkstoffe (Vasodilatatoren), können Migräneanfälle bedingen.
- Erhöhung des Blutdrucks: Kortison kann den Blutdruck erhöhen, was bei manchen Menschen zu Kopfschmerzen und Migräne führen kann.
- Entzugserscheinungen: Beim Absetzen von Kortison kann es zu Entzugserscheinungen kommen, die sich unter anderem in Kopfschmerzen äußern können. Da die dauerhafte Einnahme auch dazu führen kann, dass der Körper die eigene Produktion des Hormons einstellt, sollte die Therapie nicht abrupt beendet, sondern unter ärztlicher Aufsicht langsam ausgeschlichen werden.
- Medikamenteninduzierter Kopfschmerz (MIKS): Der übermäßige Gebrauch von Schmerzmitteln, die zur Behandlung von Kortison-bedingten Kopfschmerzen eingesetzt werden, kann paradoxerweise zu chronischen Kopfschmerzen führen.
Symptome von Migräne nach Kortison
Die Symptome von Migräne nach Kortison können denen einer typischen Migräne ähneln und umfassen:
- Anfallsartige, starke, pochend-pulsierende oder bohrende Kopfschmerzen, oft halbseitig im Bereich von Stirn, Schläfe und Auge (bei Erwachsenen) oder beidseitig (bei Kindern)
- Übelkeit und Erbrechen
- Lärm-, Geruchs- und Lichtempfindlichkeit
- Müdigkeit und Anspannung nach dem Anfall
- In einigen Fällen: Aura-Symptome wie Sehstörungen (z. B. Flimmersehen, Lichtblitze), Sprachstörungen oder Gefühlsstörungen
Diagnose
Die Diagnose von Migräne nach Kortison basiert in erster Linie auf der Anamnese des Patienten und der Beschreibung seiner Symptome. Der Arzt wird Fragen zu folgenden Punkten stellen:
- Zeitlicher Zusammenhang zwischen der Kortisoneinnahme und dem Auftreten der Kopfschmerzen
- Art, Stärke und Häufigkeit der Kopfschmerzen
- Begleitende Symptome
- Vorliegen einer Migräne-Vorgeschichte
- Einnahme anderer Medikamente
In einigen Fällen kann eine neurologische Untersuchung durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen. Bei anhaltenden Kopfschmerzen mit unklarer Ursache sind weiterführende Untersuchungen nötig. Dazu gehören zum Beispiel bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT), mit denen sich Strukturen des Gehirns darstellen lassen. Außerdem sind manchmal spezielle Verfahren, wie beispielsweise die Analyse des Nervenwassers (Liquorpunktion) und die Aufzeichnung der Gehirnströme (Elektroenzephalogramm, EEG), notwendig.
Um die Diagnose medikamenteninduzierter Kopfschmerz zu stellen, stützt sich der Arzt gegebenenfalls auf die von der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society, IHS) erarbeiteten Diagnosekriterien.
Behandlung von Migräne nach Kortison
Die Behandlung von Migräne nach Kortison zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der Anfälle zu reduzieren. Die Behandlungsstrategie hängt von der Schwere der Migräne und den individuellen Bedürfnissen des Patienten ab.
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Akutbehandlung
Bei leichten bis mittelschweren Migräneanfällen können Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol, Naproxen oder Ibuprofen eingesetzt werden. Bei starken Schmerzen kann der Arzt spezielle Migränemittel (Triptane wie Sumatriptan, Naratriptan und Eletriptan) verschreiben. Ebenfalls wirksam in der Akuttherapie sind Mutterkornalkaloide wie Ergotamin.
Wegen der häufig mit Migräne einhergehenden Übelkeit sollten Medikamente bevorzugt in Form von Zäpfchen, Nasenspray oder als Injektion angewendet werden. Alternativ kann zunächst ein Mittel gegen die Übelkeit eingenommen werden und dann ca. 20 Minuten später die Migränetablette(n). Fragen Sie Ihren Arzt nach einem geeigneten Mittel wie Metoclopramid oder Domperidon, beide sind verschreibungspflichtig.
Wichtig: Schmerzmittel und Triptane dürfen aber höchstens an zehn Tagen im Monat genommen werden, sonst besteht die Gefahr eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes.
Bei Migräne mit Aura können Analgetika (Schmerzmittel) beim Einsetzen der Aura genommen werden. Dabei muss von Beginn an eine ausreichende Dosierung (Startdosis) erfolgen.
Beachte: Während der Migräneattacken ist die Resorption von Analgetika verzögert ist, was möglicherweise durch eine gestörte gastrointestinale Motilität während des Migräneanfalls bedingt ist. Vor der Analgetikagabe sollte initial die Nausea/Übelkeit mit z. B. Domperidon (Dopaminantagonist) behandelt werden, da durch das häufige Erbrechen der Patienten die Wirkung des Analgetikums nicht ausreichend wäre. Ca. 10 Minuten nach Applikation des Antiemetikums (z. B. Tabletten, Tropfen; bei starker Übelkeit und/oder Erbrechen: Suppositorium oder parenterale Applikation) kann das Analgetikum verabreicht werden: Paracetamol (Mittel der ersten Wahl bei Kindern, Schwangeren und Stillenden) bzw. Ibuprofen (bei Migräne im 1.-2. Trimenon Mittel der Wahl, im 3. Trimenon kontraindiziert). Mittelschwere bis schwere Migräne: Triptane (Serotonin-Rezeptor-Agonisten); Indikationen: schwere Migräneattacken, bei denen unspezifische Analgetika bzw. Die Einnahme sollte möglichst früh in der Kopfschmerzphase der Migräne erfolgen. Eletriptan (Arzneistoff aus der Gruppe der Triptane) zeigte in einer Netzwerk-Analyse von 88 Studien die beste Wirksamkeit.
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Ärztliche Notfall- und Akutbehandlung der Migräne: Lysin-Acetylsalicylat 1.000 mg i. v.; Metamizol; Sumatriptan 6 mg s. c.; Metoclopramid 10 mg i. Status migraenosus: Glucocorticoide (Dexamethason bzw.
Vorbeugende Behandlung
Wenn Migräneanfälle häufig auftreten oder die Lebensqualität stark beeinträchtigen, kann eine vorbeugende Behandlung in Erwägung gezogen werden. Ziel der vorbeugenden Behandlung ist es, die Häufigkeit, Stärke und Dauer der Migräneattacken zu reduzieren.
- Medikamentöse Vorbeugung: Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt bei mehr als drei Migräneanfällen pro Monat eine medikamentöse Vorbeugung über mehrere Monate. Als Medikamente werden beispielsweise Beta-Blocker (Metoprolol, Propranolol), Antiepileptika (Valproinsäure, Topiramat), Kalziumantagonisten (Flunarizin) oder Antidepressiva (Amitriptylin) eingesetzt. Auch Pestwurz, Mutterkraut, Coenzym Q10, Magnesium und Riboflavin (Vitamin B2) können eine vorbeugende Wirkung haben.
- Nicht-medikamentöse Vorbeugung: Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Vorbeugung von Migräne beitragen. Dazu gehören:
- Vermeidung von Auslösern: Identifizieren und vermeiden Sie individuelle Auslöser wie Stress, bestimmte Nahrungsmittel, Alkohol, Schlafmangel oder Wetterwechsel. Ein Migräne- oder Kopfschmerztagebuch kann dabei helfen.
- Regelmäßiger Lebensstil: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Bewegung.
- Entspannungstechniken: Erlernen und praktizieren Sie Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Yoga oder progressive Muskelentspannung.
- Physiotherapie: Bei Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich kann Physiotherapie helfen.
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Vorbeugung von Migräne wirksam sein kann.
- Biofeedback: Mit dieser Methode kann der Migräniker erlernen, seine unbewusst ablaufenden Prozesse, wie Anspannung im Körper oder die Weite der Gefäße im Kopf zu beeinflussen. Die Anspannung muss für die Patientin dabei aber wahrnehmbar und erfahrbar werden.
Medikamentenentzug bei MIKS
Wenn die Migräne durch einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz verursacht wird, ist ein Medikamentenentzug erforderlich. Dabei werden die auslösenden Schmerzmittel abgesetzt, was zu vorübergehenden Entzugserscheinungen führen kann. Der Entzug sollte unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, um die Symptome zu lindern und einen Rückfall zu vermeiden.
Ein Medikamentenentzug ist ambulant, teilstationär (in einer Tagesklinik) oder stationär möglich. Manche Medikamente lassen sich unter Umständen nicht sofort absetzen; dazu gehören Opioide, Benzodiazepine oder Barbiturate. Das heißt, dass die Dosis schrittweise reduziert wird, um Komplikationen zu vermeiden. Triptane, Ergotamine und alle anderen Schmerzmittel lassen sich hingegen abrupt absetzen.
Medikamenteninduzierter Kopfschmerz wird unter bestimmten Voraussetzungen im ambulanten Entzug durchgeführt. Das bedeutet, dass Betroffene den Entzug zu Hause machen, wobei ein Arzt oder ein spezialisierter Schmerztherapeut sie begleitet.
Der Prozess verlangt den Patienten viel Selbstdisziplin ab und ist nicht einfach. Daher erfordert der ambulante Entzug gewisse Voraussetzungen:
- Einnahme von Schmerzmitteln ohne gleichzeitige Einnahme von Codein oder Beruhigungsmitteln (Tranquilizern)
- Medikamenteninduzierter Kopfschmerz seit nicht mehr als fünf Jahren
- Hohe eigene Motivation des Patienten
- Unterstützung durch Familie oder Freunde
- Stabiles Umfeld zu Hause
Medikamenteninduzierter Kopfschmerz lässt sich alternativ im Rahmen eines stationären Entzugs behandeln. Dieser erfolgt in einer spezialisierten Kopfschmerzklinik. Betroffene bleiben hier für mehrere Tage und führen den Entzug mit ärztlicher Begleitung durch. Hier lernen sie verschiedene Möglichkeiten der alternativen Schmerzbehandlung kennen, zum Beispiel Stressbewältigungstraining oder progressive Muskelentspannung.
Ein stationärer Entzug ist ratsam, wenn eines oder mehrere der folgenden Merkmale zutreffen:
- Langjähriger medikamenteninduzierter Kopfschmerz
- Zusätzliche Einnahme von Schlafmitteln, Beruhigungsmitteln (Tranquilizer) oder angstlösenden Medikamenten (Anxiolytika)
- Regelmäßige Einnahme von Migränemitteln, die Codein enthalten
- Erfolglose Versuche des Selbstentzugs
- Angst vor dem ambulanten Entzug
- Hoher Leistungsanspruch und Versagensangst
- Wenig familiärer Rückhalt
- Begleitende psychische Erkrankungen wie Depressionen
Während des Entzugs ist es wichtig, dass die Betroffenen auf das auslösende Schmerzmittel vollkommen verzichten. Dadurch entwickeln sich bei manchen Patienten Entzugsbeschwerden, vor allem in den ersten zwei bis sechs Tagen. Meist steigern sich zunächst die Kopfschmerzen. Außerdem treten häufig Symptome wie Übelkeit, Blutdruckanstieg, Herzrasen, Angst, Nervosität und Schlafstörungen auf.
Im Rahmen einer stationären Therapie lassen sich die Entzugserscheinungen des medikamenteninduzierten Kopfschmerzes gut behandeln, zum Beispiel über Infusionen. Durch die ständige Überwachung haben viele Betroffene außerdem mehr Vertrauen und führen den Entzug (auch zwangsläufig) konsequenter durch. Das ist ambulant schwieriger. Die Quote derer, die nach einem stationären Entzug rückfällig werden, ist etwas geringer als bei einem ambulanten Entzug.
Spezielle Therapieansätze
- CGRP-Antagonisten: Diese neuen Medikamente blockieren das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), einen Schmerzbotenstoff, der bei Migräne eine wichtige Rolle spielt. Sie können sowohl zur Akutbehandlung als auch zur Vorbeugung eingesetzt werden.
- Kortisonstoßtherapie: In einigen Fällen kann eine kurzzeitige, hochdosierte Kortisontherapie (Kortisonstoßtherapie) zur Behandlung von akuten Migräneattacken eingesetzt werden. Allerdings sollte diese Therapie aufgrund möglicher Nebenwirkungen nur in Ausnahmefällen und unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
Vorbeugung von Migräne
Neben den bereits genannten Maßnahmen zur Vorbeugung von Migräne gibt es einige weitere Tipps, die helfen können:
- Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und vermeiden Sie Trigger-Nahrungsmittel wie Rotwein, Schokolade oder Käse.
- Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser, um Dehydration zu vermeiden, die Migräne auslösen kann.
- Stressmanagement: Erlernen Sie Stressbewältigungstechniken und sorgen Sie für ausreichend Entspannung.
- Schlafhygiene: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus und ausreichend Schlaf.
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann helfen, Stress abzubauen und Migräne vorzubeugen.
- Vermeidung von Bildschirmarbeit: Reduzieren Sie die Zeit, die Sie vor Bildschirmen verbringen, und achten Sie auf eine gute Ergonomie am Arbeitsplatz.
Medikamenteninduzierter Kopfschmerz
Auch wenn es paradox klingt: Wer sehr häufig Schmerz- oder Migränemittel einnimmt, kann dadurch mehr Kopfschmerzen bekommen. Dann ist es ratsam, die Mittel konsequent für einige Tage wegzulassen.
Kopfschmerzen können als Nebenwirkung verschiedener Medikamente auftreten, zum Beispiel von Mitteln gegen Herzbeschwerden (Nitrospray) oder Erektionsstörungen (sogenannten PDE-5-Hemmern).
Bei Menschen mit einer primären Kopfschmerzerkrankung wie Migräne oder Spannungskopfschmerzen können die Kopfschmerzen durch eine regelmäßige und häufige Einnahme von Schmerz- oder Migränemitteln zunehmen. Man nennt dieses Phänomen dann Kopfschmerzen durch Medikamenten-Übergebrauch.
Ob der Gebrauch „übermäßig“ ist, hängt davon ab, an wie vielen Tagen die Mittel innerhalb der letzten drei Monate eingenommen wurden - und um welches Medikament es sich handelt. Weniger wichtig ist dabei die Dosierung an den einzelnen Tagen. Bei Schmerzmitteln wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen gilt es als übermäßiger Gebrauch, die Mittel an 15 oder mehr Tagen pro Monat einzunehmen. Bei Migränemitteln wie Triptanen und Ergotaminen gelten schon zehn Einnahmetage pro Monat als zu häufig.
Fachleute gehen davon aus, dass etwa 1 bis 2 von 100 Menschen Kopfschmerzen haben, weil sie zu häufig Schmerz- oder Migränemittel anwenden. Wie es zu den Beschwerden kommt, ist unklar. Möglicherweise gewöhnt sich das Nervensystem an die Medikamente und reagiert dann noch empfindlicher auf Schmerzreize und -auslöser. Das heißt: Ein Reiz, den das Gehirn normalerweise nicht als Schmerz registriert, wird nun als schmerzhaft wahrgenommen. Arzneimittelbedingte Kopfschmerzen sind dumpf und betreffen den gesamten Kopf. Zu begleitenden Beschwerden kommt es in der Regel nicht. Manchmal kommt zu diesem Dauerkopfschmerz aber eine Attacke der primär bestehenden Kopfschmerzerkrankung hinzu: Bei zugrundeliegender Migräne ist der Schmerz eher pulsierend und es bestehen dann auch Begleitsymptome der Migräne. Oft glauben Menschen mit schmerzmittelbedingten Kopfschmerzen zunächst, dass sich ihre Migräne oder ihre Spannungskopfschmerzen verstärkt haben. Viele greifen dann noch häufiger zu Schmerz- oder Migränemitteln.
Der erste Schritt aus diesem Teufelskreis ist deshalb herauszufinden, wie häufig man tatsächlich Medikamente nimmt. Dabei können ein Kopfschmerz-Tagebuch und / oder ein Medikamenten-Kalender helfen. Hier kann eingetragen werden, wann man Kopfschmerzen hatte oder Schmerzmittel eingenommen hat. Wer feststellt, dass er regelmäßig an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerz- oder Migränemittel einnimmt, bespricht dies am besten mit seiner Ärztin oder seinem Arzt. Um dies festzustellen und zu behandeln, werden die Mittel für etwa 7 bis 14 Tage abgesetzt. Wenn es sich um Kopfschmerzen durch Medikamenten-Übergebrauch handelt, bessern sich die Schmerzen nach wenigen Tagen und werden seltener. Bevor sie nachlassen, können sie sich zu Beginn der Schmerzmittelpause allerdings zunächst verstärken. Außerdem kann es zu Übelkeit, Unruhe oder Schlafstörungen kommen. Deshalb legt man die Pause am besten in einen Zeitraum, in dem man ansonsten wenig belastet ist und auch kurzfristig mit seiner Ärztin oder seinem Arzt sprechen kann. Sie oder er kann dann zum Beispiel gegen Übelkeit sogenannte Antiemetika verschreiben. Manchen Menschen hilft in dieser Phase auch, Stirn oder Schläfen mit Pfefferminzöl zu betupfen. Auch kortisonhaltige Medikamente werden manchmal eingesetzt. Sie lindern die Schmerzen kurz nach dem Absetzen aber anscheinend nicht wirksamer als ein Scheinmedikament (Placebo).
Eine Medikamentenpause ist ambulant möglich. Es kann aber auch ein Krankenhausaufenthalt sinnvoll sein, zum Beispiel wenn man schon mehrfach versucht hat, mit weniger Schmerzmitteln zurechtzukommen, es aber bislang nicht geschafft hat. In einem Krankenhaus kann eine Medikamentenpause zum Beispiel durch verhaltenstherapeutische Behandlungen unterstützt werden.
Nach der Medikamentenpause können bei akuten Kopfschmerzen wieder Schmerz- oder Migränemittel eingenommen werden. Es gilt aber immer die Regel: Nicht häufiger als an zehn Tagen im Monat und nicht länger als an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Im ersten Jahr nach der Entwöhnung haben viele Menschen einen Rückfall und greifen wieder öfter zu den Mitteln. Eine andere Möglichkeit ist, eine vorbeugende Behandlung (Prophylaxe-Therapie) zu beginnen, sodass keine vollständige Medikamentenpause erforderlich ist. Zur Vorbeugung werden zum Beispiel bei Migräne die Medikamente Topiramat oder Botulinumtoxin A und bei Spannungskopfschmerzen das Medikament Amitriptylin eingesetzt.