Ursachen und Behandlung von Wangenkrampf

Ein Wangenkrampf, oft verbunden mit Schmerzen im Gesicht, kann verschiedene Ursachen haben. Es ist wichtig, die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren, um eine angemessene Behandlung zu gewährleisten. Gesichtsschmerzen können im Bereich von Nase, Augen, Mund und Kinn auftreten und unterschiedlich intensiv sein, wobei eine oder beide Gesichtshälften betroffen sein können.

Ursachen von Gesichtsschmerzen und Krämpfen in der Wange

Gesichtsschmerzen können akut oder chronisch sein und entweder eine bekannte oder unbekannte Ursache haben. Eine spezielle Form des dauerhaften Gesichtsschmerzes unbekannter Ursache ist der atypische Gesichtsschmerz. Häufige Ursachen für Gesichtsschmerzen sind:

  • Trigeminusneuralgie: Eine chronische Schmerzerkrankung des Trigeminusnervs, die durch wiederkehrende, stechende, blitzartig einschießende, starke Schmerzattacken in einer Gesichtshälfte gekennzeichnet ist. Die Schmerzen können durch alltägliche Dinge wie Berühren des Gesichtes, Lächeln, Kauen oder Sprechen ausgelöst werden.
  • Kieferprobleme: Kieferschmerzen können durch Verspannungen der Kaumuskulatur, Zähneknirschen oder eine falsche Kieferstellung (Craniomandibuläre Dysfunktion) verursacht werden.
  • Entzündungen: Eine Kieferentzündung, Zahnwurzelentzündung, Mittelohrentzündung oder Kieferhöhlenentzündung kann ebenfalls zu Kieferschmerzen und Wangenkrampf führen.
  • Infektionen: Virusinfektionen (z.B. Gürtelrose) oder bakterielle Infektionen können Gesichtslähmungen und -schmerzen auslösen.
  • Neuropathie: Schädigung des Trigeminusnervs selbst.
  • Tumore: In seltenen Fällen können Tumore im Gehirn oder Gesichtsbereich Gesichtsschmerzen verursachen.
  • Multiple Sklerose: Diese Erkrankung kann ebenfalls zu Gesichtsschmerzen führen.
  • Idiopathische Ursachen: In einigen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache für die Gesichtsschmerzen finden.
  • Herzinfarkt: Kieferschmerzen, besonders links, können ein Symptom eines Herzinfarkts sein, insbesondere wenn sie mit Brustschmerzen einhergehen.

Trigeminusneuralgie im Detail

Die Trigeminusneuralgie ist eine der bekanntesten Ursachen für Wangenkrampf und Gesichtsschmerzen. Sie betrifft den Trigeminusnerv, der für die Sinnesempfindungen und Schmerzsignale aus dem Gesicht zum Gehirn verantwortlich ist. Die Erkrankung tritt am häufigsten zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf, kann aber auch Jüngere betreffen. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Ursachen der Trigeminusneuralgie

Bei der Trigeminusneuralgie unterscheidet man zwischen der klassischen (idiopathischen) und der symptomatischen Form.

  • Klassische Trigeminusneuralgie: Die Ursache ist meist ein Blutgefäß, das auf den Trigeminusnerv drückt und ihn komprimiert. Dieser Druck kann den Nerv schädigen und zu den typischen Schmerzattacken führen.
  • Symptomatische Trigeminusneuralgie: Hier wird die Neuralgie durch eine Grunderkrankung wie Multiple Sklerose, einen Tumor oder Gefäßmissbildungen ausgelöst.
  • Idiopathische Trigeminusneuralgie: Wenn trotz typischer Symptome keine konkreten Ursachen gefunden werden können.

Symptome der Trigeminusneuralgie

  • Blitzartig einschießende Schmerzen in einer Gesichtshälfte
  • Spontane Schmerzen oder Schmerzen, die durch Berührung des Gesichtes, Kauen oder Sprechen ausgelöst werden
  • Serien hintereinander einschießender, starker Schmerzen, die wenige Sekunden bis Minuten anhalten
  • Episoden schwerer Schmerzattacken über Wochen oder Monate, die sich mit Perioden abwechseln, in denen Betroffene keine Schmerzen haben
  • Schmerzen in der Region, die vom Trigeminusnerv versorgt werden (Augen, Wange, Lippen, Kiefer, Zähne, Zahnfleisch)
  • Ein andauerndes, brennendes Gefühl kann bereits vor dem eigentlichen Auftreten des Gesichtsschmerzes vorhanden sein

Triggerreize bei Trigeminusneuralgie

Bestimmte Reize können Schmerzattacken auslösen. Diese Triggerreize sind individuell verschieden und können sein:

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  • Berühren des Gesichtes
  • Lächeln oder Lachen
  • Kauen oder Essen kalter oder heißer Speisen
  • Trinken
  • Zähneputzen
  • Waschen des Gesichtes
  • Sprechen
  • Auftragen von Make-up
  • Rasieren
  • Zugluft

Diagnose von Wangenkrampf und Gesichtsschmerzen

Eine genaue Diagnose ist entscheidend, um die richtige Behandlung einzuleiten. Folgende Schritte sind in der Regel notwendig:

  • Ärztliches Gespräch: Der Arzt erfragt die genauen Symptome, die Häufigkeit und Dauer der Schmerzen sowie mögliche Auslöser.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht das Gesicht, den Kiefer und die Zähne, um mögliche Ursachen zu identifizieren.
  • Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf eine Trigeminusneuralgie oder andere Nervenerkrankungen wird eine neurologische Untersuchung durchgeführt.
  • Bildgebende Verfahren: Ein MRT (Magnetresonanztomographie) kann durchgeführt werden, um Tumore, Gefäßmissbildungen oder andere strukturelle Veränderungen auszuschließen.
  • Zahnärztliche Untersuchung: Um Zahnprobleme als Ursache auszuschließen.

Behandlung von Wangenkrampf und Gesichtsschmerzen

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Schmerzen. Es gibt verschiedene Therapieansätze:

  • Medikamentöse Behandlung:
    • Carbamazepin: Ein Medikament, das ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt wird. Es verhindert, dass die Nervenzellen schnelle Stromimpulse abfeuern und kann so die Schmerzen bei Trigeminusneuralgie lindern.
    • Weitere Medikamente: Ergänzend können weitere Medikamente eingesetzt werden, um die Schmerzen zu lindern oder akute Schmerzattacken zu behandeln. Beispiele hierfür sind Gabapentin und Prigabalin.
  • Operative Behandlung:
    • Jannetta-Operation (mikrovaskuläre Dekompression, MVD): Bei dieser minimalinvasiven Operation wird das Gefäß, das auf den Trigeminusnerv drückt, durch eine Schlinge oder künstliches Material so gelagert und fixiert, dass der Nerv dauerhaft entlastet wird.
    • Radiochirurgie: Ein nichtinvasives Verfahren, bei dem die Wurzel des Trigeminusnervs mit einer hochpräzisen Strahlenquelle bestrahlt wird, um die Schmerzweiterleitung zu unterbrechen.
    • Ablationsverfahren: Minimalinvasive Verfahren, bei denen bestimmte Bereiche der Nervenwurzel verödet werden, um Schmerzen zu verhindern. Beispiele hierfür sind Thermokoagulation, Glyzerinhizolyse und Ballonkompression.
  • Weitere Therapien:
    • Physiotherapie: Bei Kieferschmerzen und Verspannungen kann Physiotherapie helfen, die Muskulatur zu entspannen und die Kieferfunktion zu verbessern.
    • Aufbissschiene: Bei Zähneknirschen kann eine Aufbissschiene helfen, die Kiefermuskulatur zu entlasten und die Zähne zu schützen.
    • Lokale Wärme: Ein Wärmekissen kann helfen, die Muskulatur zu lockern und die Schmerzen zu lindern.
    • Weiche Kost: Vermeiden Sie zu starke Kaubewegungen und nehmen Sie vorwiegend passierte, weiche Nahrung zu sich.
    • Kiefermassage und Dehnen: Massieren Sie den Kiefer und dehnen Sie die Kiefermuskulatur, um Verspannungen zu lösen.
    • Kiefer-Akupressur: Drücken Sie bestimmte Punkte am Kiefergelenk, um die Schmerzen zu lindern.
    • Akupunktur: Einige Studien deuten auf positive Effekte von Akupunktur bei der Behandlung von Trigeminusneuralgie hin, jedoch fehlen bisher grundsätzliche Belege.
  • Behandlung der Grunderkrankung: Wenn die Gesichtsschmerzen durch eine Grunderkrankung wie Multiple Sklerose oder eine Entzündung verursacht werden, muss diese entsprechend behandelt werden.

Fazialisparese (Gesichtslähmung)

Eine Gesichtslähmung kann ebenfalls zu Wangenkrampf und Gesichtsschmerzen führen. Sie entsteht durch eine Störung des Gesichtsnervs (Nervus facialis). Es gibt verschiedene Formen der Gesichtslähmung:

  • Periphere Fazialisparese: Der Nerv ist in seinem Verlauf vom Hirnstamm zum Gesicht geschädigt.
  • Zentrale Fazialisparese: Die Verschaltung des Nervus Facialis im Gehirn ist gestört.

Ursachen der Fazialisparese

  • Knochenbrüche oder Wunden im Gesicht
  • Schädigung anderer Nerven
  • Tumore
  • Autoimmun- und Stoffwechselerkrankungen
  • Virusinfektionen (z.B. Gürtelrose)
  • Bakterielle Infektionen (z.B. Mittelohrentzündung)
  • Schlaganfall (bei zentraler Fazialisparese)
  • Unfall oder Operation (Schädigung des Gesichtsnervs)
  • Idiopathische Ursachen (keine Ursache feststellbar)

Symptome der Fazialisparese

  • Muskelschwäche oder Lähmung einer Gesichtshälfte
  • Absinken der Augenbrauen
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Gesicht
  • Schmerzen im Ohr
  • Geschmacksstörungen
  • Unfähigkeit, das Augenlid zu schließen oder den Mundwinkel zu bewegen
  • Trockene Augen und Mund
  • Empfindlichkeit auf Geräusche
  • Schwierigkeiten beim Sprechen und der Mimik

Behandlung der Fazialisparese

  • Medikamentöse Behandlung: Virustatika bei Virusinfektionen, Antibiotika bei bakteriellen Infektionen, Glukokortikoide (Kortison)
  • Augensalben und -tropfen: Zur Linderung von Beschwerden, die durch das Unvermögen entstehen, das Auge richtig zu schließen.
  • Transkutane Nervenstimulation: Anregung der betroffenen Nerven und Muskeln durch leichte Stromwellen.
  • Fazialisparese-Übungen: Verbesserung des Sprechens, Essens und Trinkens sowie Training der Gesichtsausdrücke.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist ratsam, bei Wangenkrampf und Gesichtsschmerzen einen Arzt aufzusuchen, insbesondere wenn:

  • Die Schmerzen stark sind und das Wohlbefinden beeinträchtigen.
  • Die Schmerzen plötzlich auftreten.
  • Begleitsymptome wie Schwellungen, Fieber oder neurologische Ausfälle auftreten.
  • Die Schmerzen nach einer Verletzung oder Operation auftreten.
  • Der Verdacht auf einen Herzinfarkt besteht (Kieferschmerzen links, Brustschmerzen).
  • Die Beschwerden trotz Selbstbehandlung nicht besser werden.
  • Einschränkungen bei der Bewegung des Unterkiefers bestehen.
  • Schmerzen in den Kiefergelenken und in der Gesichts- und Kaumuskulatur auftreten.
  • Dauerhafte Verspannungen der Kopf-, Schulter-, Nacken- und Rückenmuskulatur bestehen.
  • Ohrenschmerzen oder Ohrgeräusche auftreten, für die HNO-Ärzte keine Ursache finden.

Je nach Ursache können Zahnmediziner, Kieferchirurgen, HNO-Spezialisten oder Neurologen die richtigen Ansprechpartner sein.

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Atypischer Gesichtsschmerz

Der atypische Gesichtsschmerz ist eine chronische Schmerzerkrankung, bei der keine eindeutige Ursache für die Gesichtsschmerzen gefunden werden kann. Die Schmerzen sind meist einseitig, schlecht zu lokalisieren und werden als tief, brennend, bohrend und quälend beschrieben. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Die Behandlung des atypischen Gesichtsschmerzes ist oft schwierig und erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Ziel ist es, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

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