Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, bei dem jede Minute zählt. Je schneller ein Patient behandelt wird, desto mehr Nervenzellen im Gehirn können gerettet werden. Die Behandlung zielt darauf ab, Schäden im Gehirn zu minimieren und das Risiko weiterer Schlaganfälle zu reduzieren. Medikamente spielen dabei eine zentrale Rolle, sowohl in der Akuttherapie als auch in der Prävention.
Akuttherapie des Schlaganfalls
Nach einem akuten Schlaganfall konzentrieren sich Ärzte zunächst darauf, die Schäden im Gehirn so gering wie möglich zu halten. In vielen Kliniken gibt es spezialisierte Abteilungen für Schlaganfallpatienten, sogenannte "Stroke Units", die auf die multidisziplinäre Behandlung von Schlaganfällen spezialisiert sind.
Thrombolyse
Wenn ein Blutgerinnsel den Schlaganfall ausgelöst hat, wird - wenn möglich - eine Thrombolyse oder "Lyse-Therapie" durchgeführt. Dabei werden dem Patienten Medikamente verabreicht, die das Blutgerinnsel auflösen sollen. Diese Therapie ist in Einzelfällen bis zu neun Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome möglich.
Thrombektomie
Steht eine Thrombektomie zur Verfügung, wenn größere Blutgefäße im Gehirn verschlossen sind. Hierbei handelt es sich um ein katheterbasiertes Verfahren, bei dem ähnlich wie bei einer Herzkatheteruntersuchung versucht wird, das verschlossene Gefäß wieder zu eröffnen. Hierzu wird der Katheter über die Leistenarterie eingeführt. Wenn möglich, versuchen Ärzte, beide Verfahren (Thrombolyse und Thrombektomie) zu kombinieren. Die Erfolgsaussichten sind umso größer, je früher nach Auftreten der Symptome die Behandlung erfolgen kann.
Behandlung von Hirnblutungen
Ist der Schlaganfall Folge einer Hirnblutung, so wird der Patient möglicherweise am offenen Gehirn operiert. Nicht immer erfolgt eine Operation am offenen Gehirn. Dieses Verfahren kommt jedoch nicht bei allen Hirnblutungen zur Anwendung, sondern hängt von der Art und Lokalisation der Blutung ab. In der Regel erfolgt die Überwachung auf der "Stroke Unit", um den Blutdruck rasch zu senken und Komplikationen früh zu erkennen und zu behandeln. Bewusstlose oder beatmungspflichtige Patienten kommen direkt auf die Intensivstation und werden ganzheitlich überwacht. Blutdruck und Blutzucker des Schlaganfallpatienten müssen exakt eingestellt werden. Ist ein Blutgefäß verstopft, versuchen Ärzte, das Gerinnsel aufzulösen und/oder zu entfernen.
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Medikamentöse Prävention von Schlaganfällen
Das Risiko, nach einem Schlaganfall einen weiteren zu erleiden, ist groß. Daher ist eine konsequente medikamentöse Behandlung der Risikofaktoren lebenswichtig. Die medikamentöse Prävention zielt primär auf zwei Ziele ab:
- Die lückenlose und dauerhafte Therapie der wichtigsten Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen.
- Die Verhinderung der Entstehung von Blutgerinnseln.
Antithrombotische Therapie
Zur Vorbeugung eines wiederholten Schlaganfalls werden häufig "Blutverdünner" eingesetzt. Es gibt zwei Hauptgruppen von Antithrombotika:
- Thrombozytenaggregationshemmer: Diese Medikamente, wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Clopidogrel, hemmen die Verklumpung der Blutplättchen und verhindern so die Bildung von Blutgerinnseln.
- Antikoagulanzien: Diese Medikamente, auch bekannt als Gerinnungshemmer, verhindern die Bildung von Blutgerinnseln im Blut. Es gibt verschiedene Arten von Antikoagulanzien, darunter Vitamin-K-Antagonisten (z.B. Warfarin) und direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs), auch bekannt als NOAKs (Neue Orale Antikoagulanzien). Zu den DOAKs gehören Dabigatran (Pradaxa), Rivaroxaban (Xarelto), Apixaban (Eliquis) und Edoxaban (Lixiana).
Direkte Orale Antikoagulanzien (DOAK, NOAK):
Diese Medikamente wirken, indem sie spezifische Gerinnungsfaktoren im Blut hemmen. Sie haben den Vorteil, dass sie in einer fixen täglichen Dosis eingenommen werden können und keine regelmäßigen Blutkontrollen erforderlich sind. Allerdings erhöhen sie auch das Blutungsrisiko, was besonders bei älteren Menschen berücksichtigt werden muss.
Behandlung von Risikofaktoren
Neben der antithrombotischen Therapie ist die Behandlung von Risikofaktoren entscheidend, um das Risiko eines erneuten Schlaganfalls zu senken. Dazu gehören:
- Blutdrucksenkende Medikamente: Bluthochdruck ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Schlaganfälle. Eine konsequente medikamentöse Einstellung des Blutdrucks ist daher unerlässlich.
- Lipidsenker: Hohe Cholesterinwerte können zu Ablagerungen in den Gefäßen führen und das Risiko von Blutgerinnseln erhöhen. Statine sind eine häufig verwendete Medikamentengruppe zur Senkung des Cholesterinspiegels.
- Antidiabetika: Diabetes mellitus erhöht das Schlaganfallrisiko. Eine gute Blutzuckereinstellung durch Medikamente und Lebensstiländerungen ist wichtig.
Medikamentenmanagement im Alltag
Um den Überblick über die eingenommenen Medikamente zu behalten und die Therapie erfolgreich umzusetzen, sind einige Tipps hilfreich:
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- Medikationsplan: Werden über einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen drei oder mehr Medikamente eingenommen, hat der Patient Anspruch auf einen ausgefüllten Medikationsplan.
- Medikamentenbox: Eine Medikamentenbox mit Fächern für jeden Wochentag und jede Tageszeit kann die tägliche Einnahme erleichtern.
- Smartphone-Apps: Es gibt zahlreiche Apps, die an die Medikamenteneinnahme erinnern und die Erfassung von Vitalparametern wie Blutdruck unterstützen. Beispiele sind MyTherapy und VidaGesund.
- Einnahmehinweise beachten: Die Wirkung von Medikamenten kann von der Tageszeit und dem Füllstand des Magens abhängen. Daher sollten die Einnahmeempfehlungen in der Packungsbeilage genau beachtet werden.
- Schluckbeschwerden: Bei Schluckbeschwerden kann der Arzt ein gleichwertiges Medikament in einer anderen Darreichungsform empfehlen. Einige Tabletten können auch zerkleinert werden, dies sollte aber unbedingt mit dem Apotheker abgeklärt werden.
- Vergessene Einnahme: Wurde die Einnahme vergessen, sollte auf keinen Fall die doppelte Dosis eingenommen werden. Die Packungsbeilage enthält meist konkrete Hinweise auf das Vorgehen bei einer ausgelassenen Einnahme.
Rehabilitation und weitere Maßnahmen
Nach einem Schlaganfall sind weiterführende Reha-Maßnahmen sinnvoll, um die körperlichen Funktionen wiederherzustellen und die Lebensqualität zu verbessern. Eine besondere Form der Rehabilitation ist die neurologische Reha.
Frührehabilitation
Oberstes Ziel der Frührehabilitation nach einem Schlaganfall ist es, die körperlichen Funktionen wiederherzustellen. Besonderes Augenmerk gilt hierbei den Körperfunktionen, die durch den Schlaganfall womöglich geschädigt wurden. Je früher geeignete Therapiemaßnahmen und Übungen umgesetzt werden, desto eher können die Schlaganfall-Symptome behandelt und schwerere Folgeschäden verringert werden.
Weitere Therapien
Je nach Bedarf können verschiedene Maßnahmen sowie Therapien zur Anwendung kommen, die ärztlich verordnet werden können. Dazu gehören:
- Krankengymnastik: Zur Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination.
- Ergotherapie: Zur Verbesserung der Feinmotorik und der Fähigkeit, Alltagsaktivitäten auszuführen.
- Logopädie: Zur Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
Hilfsmittel
Je nach Bedarf kann der Arzt auch geeignete Hilfsmittel verschreiben, die den Alltag erleichtern.
Umgang mit den Folgen eines Schlaganfalls
Ein Schlaganfall ist ein kritisches Lebensereignis, das für Betroffene und deren Umfeld eine große Herausforderung darstellen kann. Es ist wichtig, sich gegenseitig zu unterstützen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
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Selbsthilfegruppen
Sowohl für Schlaganfallpatienten selbst als auch für deren Angehörige können Schlaganfall-Selbsthilfegruppen eine große Unterstützung sein, um mit den Folgen und Auswirkungen eines Schlaganfalls zu leben. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ist eine gute Adresse, wenn es darum geht, Kontakt zu Selbsthilfegruppen aufzunehmen.
Gedächtnistraining
Trainieren Sie mit dem Betroffenen, seine Gedächtnisleistung zu verbessern.
Ernährung
Eine besondere Ernährung nach einem Schlaganfall kann eine gute Prävention sein, um einen weiteren Schlaganfall zu verhindern. Mit einer gesunden Ernährung im Alter können Risikofaktoren wie zu hohe Cholesterin- oder Zuckerwerte durchaus in Schach gehalten werden, die als Ursache für einen Schlaganfall gelten können. Orientieren Sie sich an den Grundregeln der „mediterranen Diät“: Eine Mischkost aus viel Obst und Gemüse, Olivenöl, Fisch sowie wenig rotem Fleisch.
Schluckstörungen
Ein Schlaganfall führt bei etwa der Hälfte der Betroffenen zu einer akuten Schluckstörung, rund ein Viertel der Betroffenen leidet an einer chronischen Schluckstörung (Dysphagie). Ein gestörter Schluckreflex muss immer behandelt werden, um Mangelernährung und das Eindringen von Nahrungsresten in die Lunge zu verhindern.
Fahrtüchtigkeit
Ob man nach einem Schlaganfall wieder selbst Auto fahren darf, sollte man zunächst mit seinem Arzt besprechen. Zur Überprüfung der Eignung kann man sich bei der zuständigen Fahrerlaubnisbehörde der Kommune melden. Die Behörde wird dann entscheiden, welche Untersuchung für einen in Frage kommt. Sofern Personen mobil sind und der zuständige Arzt die Erlaubnis gegeben hat, dürfen sie nach einem Schlaganfall fliegen.
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