Schlaganfall: Was passiert, wenn die Behandlung zu spät erfolgt?

Der Schlaganfall ist eine der häufigsten Ursachen für Behinderungen im Erwachsenenalter und die zweithäufigste Todesursache weltweit. Jedes Jahr erleiden in Deutschland rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Entscheidend für den Behandlungserfolg ist die Zeit: Je schneller die Diagnose gestellt und die Behandlung eingeleitet wird, desto geringer sind die Funktionsverluste. Doch was passiert, wenn die Behandlung zu spät erfolgt?

Die Bedeutung der Zeit: "Time is Brain"

"Time is brain" - diese einfache Formel verdeutlicht die Dringlichkeit bei einem Schlaganfall. Pro Minute sterben bis zu zwei Millionen Nervenzellen ab, wenn das Gehirn nicht ausreichend mit Blut versorgt wird. Je schneller die Behandlung beginnt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass keine bleibenden Behinderungen auftreten.

Akutbehandlung: Thrombolyse und Thrombektomie

Die Akutbehandlung zielt darauf ab, die Durchblutung des Gehirns so schnell wie möglich wiederherzustellen. Dabei kommen zwei Hauptmethoden zum Einsatz:

  • Thrombolyse: Bei dieser medikamentösen Therapie wird ein Gerinnsel auflösendes Medikament (Lyse) über die Vene verabreicht. Ideal ist ein Beginn innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn.
  • Thrombektomie: Dieses interventionelle Verfahren wird bei größeren Blutgerinnseln eingesetzt, die sich nicht medikamentös auflösen lassen. Dabei wird ein Katheter über die Leiste ins Gehirn eingeführt, um das Gerinnsel zu entfernen.

Was passiert bei verspäteter Behandlung?

Wird ein Schlaganfall zu spät behandelt, sterben mehr Hirnzellen ab. Dies kann zu schwerwiegenden Folgen führen:

  • Bleibende Behinderungen: Lähmungen (insbesondere von Arm und Hand), Sprachstörungen, Sehstörungen, Gedächtnisprobleme und andere neurologische Ausfälle können dauerhaft bestehen bleiben.
  • Erhöhte Pflegebedürftigkeit: Viele Betroffene sind auch ein Jahr nach dem Schlaganfall weiterhin auf Unterstützung, Therapie, Hilfsmittel oder Pflege angewiesen.
  • Erhöhtes Sterberisiko: Eine Langzeitstudie zeigte, dass fast die Hälfte der Schlaganfallpatienten innerhalb von fünf Jahren nach dem Ereignis sterben. Zudem erleidet jeder fünfte Patient in diesem Zeitraum einen zweiten Schlaganfall.
  • Verringerte Wahrscheinlichkeit eines guten Behandlungsergebnisses: Jede Stunde, die Patienten später in die Klinik kommen, verringert sich die Wahrscheinlichkeit eines guten Behandlungsergebnisses um 14%.

Das Zeitfenster erweitern: Neue Erkenntnisse

Bisher galt ein Zeitfenster von maximal 4,5 Stunden für die intravenöse Lyse. Doch neue Studien zeigen, dass mit spezieller Bildgebung (Perfusions-Diffusions-MRT oder Perfusions-CT) Patienten identifiziert werden können, die auch noch bis zu 9 Stunden nach einem ischämischen Schlaganfall von einer Lysetherapie profitieren können. Diese Untersuchungen zeigen, ob noch minderdurchblutete Gehirnareale vorhanden sind, die das Risiko der späten Lyse rechtfertigen.

Lesen Sie auch: Ursachen und Risikofaktoren für Schlaganfälle bei Katzen

Ursachen für verspätete Behandlung

Trotz der bekannten Dringlichkeit erreichen viele Patienten zu spät eine Klinik mit Stroke Unit. Gründe dafür sind:

  • Unkenntnis der Symptome: Viele Menschen kennen die typischen Schlaganfall-Symptome (Gesichtslähmung, Sprachstörungen, Armlähmung) nicht oder nehmen sie nicht ernst.
  • Verharmlosung der Symptome: Betroffene und Angehörige suchen oft nach anderen Erklärungen für die Beschwerden und zögern, den Notruf zu wählen.
  • Fehldiagnosen: Insbesondere bei Frauen und Patienten mit Migrationshintergrund werden Schlaganfälle manchmal fehldiagnostiziert.
  • Verzögerungen in der Notaufnahme: Überlastete Notaufnahmen und Personalmangel können zu Verzögerungen bei der Diagnose und Behandlung führen.

Was tun im Notfall?

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe betont: Jeder Schlaganfall ist ein Notfall - 112! Bei Verdacht auf einen Schlaganfall zählt jede Minute. Achten Sie auf folgende Symptome:

  • Gesichtslähmung: Bitten Sie die Person zu lächeln. Ist das Gesicht dabei einseitig verzogen?
  • Armlähmung: Bitten Sie die Person, beide Arme gleichzeitig in die Waagerechte zu heben und die Handflächen nach oben zu drehen. Kann sie die Position halten?
  • Sprachstörung: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen? Versteht die Person die Aufforderung nicht?

Wenn eines oder mehrere dieser Symptome auftreten, rufen Sie sofort den Notruf 112.

Nachsorge und Rehabilitation

Auch nach der Akutbehandlung ist eine umfassende Nachsorge und Rehabilitation wichtig, um Langzeitschäden zu minimieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dazu gehören:

  • Physiotherapie: Um Lähmungen zu behandeln und die Beweglichkeit wiederherzustellen.
  • Ergotherapie: Um alltägliche Fähigkeiten wie Anziehen, Essen und Körperpflege wiederzuerlernen.
  • Logopädie: Um Sprach- und Schluckstörungen zu behandeln.
  • Psychologische Betreuung: Um Depressionen und andere psychische Probleme zu behandeln.
  • Schlaganfall-Lotsen: Sie unterstützen die Patienten bei der Rückkehr in die gewohnte Lebensumgebung.
  • Selbsthilfegruppen: Bieten Betroffenen und Angehörigen die Möglichkeit, sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.

Risikofaktoren und Prävention

Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren, die einen Schlaganfall begünstigen. Dazu gehören:

Lesen Sie auch: Gesundheitliche Rückschläge und politische Leistungen von Lafontaine

  • Bluthochdruck
  • Vorhofflimmern
  • Diabetes
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Rauchen
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Stress

Durch eine gesunde Lebensweise und die Behandlung von Risikofaktoren kann das Schlaganfallrisiko deutlich gesenkt werden.

Lesen Sie auch: Rehabilitation bei Gesichtsfeldausfall

tags: #schlaganfall #zu #spat #behandelt