Schluckauf: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Schluckauf (Singultus) ist ein weit verbreitetes Phänomen, das meist harmlos ist und nach wenigen Minuten von selbst verschwindet. Er entsteht durch das ruckartige Zusammenziehen des Zwerchfells, was zu einem plötzlichen, tiefen Einatmen bei verschlossener Stimmritze führt. Das typische "Hicks"-Geräusch entsteht, wenn die Atemluft auf die geschlossene Stimmritze trifft. Ärzte bezeichnen Schluckauf mit dem Fachbegriff Singultus. Schluckauf lässt sich nicht willentlich auslösen oder abstellen. Fast immer ist er harmlos und hört nach kurzer Zeit von selbst wieder auf.

Wann sollte man bei Schluckauf einen Arzt aufsuchen?

In den meisten Fällen ist Schluckauf nicht gesundheitsgefährdend. Allerdings kann ein anhaltender oder häufig wiederkehrender Schluckauf belastend sein und zu Schlafstörungen, Depressionen oder Gewichtsverlust führen.

Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn der Schluckauf länger als 48 Stunden anhält oder immer wiederkehrt. Dies gilt insbesondere, wenn zusätzliche Symptome wie Sodbrennen, ein allgemeines Schwächegefühl, Schwellungen im Halsbereich, Müdigkeit oder Gleichgewichtsverlust auftreten.

Achtung: Rufen Sie sofort einen Notarzt, wenn neben dem Schluckauf weitere Symptome wie Kopfschmerzen, Sehstörungen, Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen, Übelkeit oder Schwindel auftreten. Dies könnten Anzeichen für einen Schlaganfall sein, der eine sofortige Behandlung erfordert!

Untersuchungen und Diagnose bei Schluckauf

Die erste Anlaufstelle bei chronischem oder häufigem Schluckauf ist der Hausarzt oder Allgemeinmediziner. Dieser wird zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten führen (Anamnese), um sich ein genaueres Bild von den Beschwerden und möglichen Ursachen zu machen. Mögliche Fragen sind:

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  • Wann trat der Schluckauf auf?
  • Wie lange dauerte er an bzw. wie schnell kehrte er zurück?
  • Wie erlebten Sie den Schluckauf, wie heftig waren die Hickser?
  • Mussten Sie auch aufstoßen?
  • Kommen häufige Auslöser von Singultus bei Ihnen in Betracht, etwa kalte Speisen, hastiges Essen, Alkohol oder Zigaretten?
  • Leiden Sie derzeit unter Stress oder anderen psychischen Belastungen?
  • Nehmen Sie Medikamente ein? Wenn ja, welche und wie häufig?

Im Anschluss an die Anamnese erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt vor allem den Bauch- und Brustraum, den Hals sowie das Herz untersucht. Er hört die Lunge ab, prüft die Atmung und testet das Nervensystem inklusive der Reflexe.

Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie zum Beispiel:

  • PH-Messung oder Probetherapie mit Säurehemmern bei Verdacht auf Reflux
  • Speiseröhren- und Magenspiegelung (Gastroskopie), um unter anderem eine Refluxkrankheit oder ein Magengeschwür auszuschließen
  • Ultraschalluntersuchung von Hals und Bauchraum
  • Röntgen des Brust- und Bauchbereichs
  • Atemfunktionstest, um Unregelmäßigkeiten in der Atemmuskulatur und insbesondere beim Zwerchfell festzustellen sowie die Lungentätigkeit zu prüfen
  • Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie)
  • Blutuntersuchung auf Entzündungsmarker und eventuelle Mangelerscheinungen
  • Elektrokardiografie (EKG) und Herz-Ultraschall (Echokardiografie), wenn eine Ursache am Herzen vermutet wird
  • Computertomografie (CT) von Hals- und Brustbereich
  • Entnahme von Nervenwasser (Lumbalpunktion) bei Verdacht auf Entzündung des Zentralnervensystems, der Nerven oder der Hirnhaut
  • Elektroenzephalografie (EEG) bei Verdacht auf Störungen des Nervensystems
  • Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) oder Computertomografie (CT) bei Verdacht auf eine Nervenschädigung
  • Ultraschall (Doppler-Sonografie) der Blutgefäße bei einem möglichen Herzinfarkt oder Schlaganfall

Findet sich keine Ursache für den Schluckauf, spricht man von einem idiopathischen chronischen Schluckauf. Dieser ist jedoch selten.

Ursachen von Schluckauf

Die genauen Ursachen für Schluckauf sind nicht vollständig geklärt. Vermutlich handelt es sich um einen reflektorischen Bewegungsablauf, der von bestimmten Nervenstrukturen unwillentlich ausgelöst wird. Dabei spielen Nerven wie der Nervus phrenicus (Zwerchfellnerv) und der Nervus vagus (Vagusnerv) eine Rolle. Im Gehirn selbst sind wahrscheinlich verschiedene Regionen wie der Hirnstamm an der Entstehung des Reflexes beteiligt.

Häufige Auslöser für akuten Schluckauf sind:

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  • Plötzliche Ausdehnung des Magens (z.B. durch kohlensäurehaltige Getränke oder hastiges Essen)
  • Starker Alkoholkonsum
  • Heiße, kalte oder anders reizende Speisen und Getränke
  • Aufregung oder Stress
  • Schnelles Hinunterschlingen von Nahrung, wodurch viel Luft geschluckt wird

Chronischer Schluckauf kann verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Neurologische Beschwerden
  • Lungenentzündung
  • Operationen an Brust oder Bauch
  • Refluxkrankheit
  • Erkrankungen an Kehlkopf oder Speiseröhre
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Erkrankungen der Leber, der Gallenwege, der Bauchspeicheldrüse
  • Diabetes mellitus
  • Nierenschwäche
  • Schilddrüsenüberfunktion, Kropf
  • Erkrankungen des Gehirns (z.B. Hirnhautentzündung, Hirnentzündung, Schlaganfall, Multiple Sklerose)
  • Tumore im Ohr, Hals, Gehirn, Brust- und Bauchraum
  • Vergrößerte Lymphknoten im Brust- und Bauchraum
  • COVID-19
  • Herzinfarkt (in seltenen Fällen)
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Psychische Einflüsse wie Stress, Aufregung oder Angst

In seltenen Fällen kann ein Hirntumor oder ein Schlaganfall die Ursache für chronischen Schluckauf sein.

Schluckauf als Warnsignal für Schlaganfall

Geht akuter Schluckauf mit Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen und/oder Sehstörungen einher, könnte dies ein Alarmsignal für einen Schlaganfall oder ein anderes neurologisches Problem sein. In diesem Fall sollte sofort der Notruf (112) gewählt werden.

Was hilft gegen Schluckauf?

Es gibt zahlreiche Tipps und Tricks, um akuten Schluckauf zu beenden. Viele davon sind jedoch nicht zuverlässig und beruhen eher auf Zufall. Einige bewährte Hausmittel sind:

  • Tief einatmen und die Luft für einige Sekunden anhalten
  • Langsam ein Stück Brot kauen und in kleinen Portionen schlucken
  • Zitronensaft auf ein Stück Würfelzucker träufeln und den Zucker lutschen
  • In eine Tüte atmen (Vorsicht, nicht mehr als drei Atemzüge)
  • Eiswasser in kleinen Schlucken trinken
  • Halsansatz an beiden Seiten massieren
  • Ablenkung, intensiv an etwas anderes als den Schluckauf denken

Mediziner empfehlen, sich bei Schluckauf abzulenken oder aktiv zu werden - und nicht auf den nächsten Hicks zu warten. Wenn sich dadurch die Atmung beruhigt und das Zwerchfell entspannt, lasse der Schluckauf meist von allein nach.

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Medizinische Behandlung von chronischem Schluckauf

Wenn anhaltender Schluckauf die Folge einer Erkrankung ist, wird der Arzt versuchen, diese zu behandeln. Bleibt die Ursache trotz umfangreicher Untersuchungen unbekannt, gibt es keine festgelegten Therapieempfehlungen zur Linderung des Schluckaufs. Neben bewährten Hausmitteln und physikalischen Maßnahmen können auch Medikamente zum Einsatz kommen, die eine muskelentspannende Wirkung haben oder bei Krampfanfällen eingesetzt werden.

Mögliche medikamentöse Behandlungen sind:

  • Anti-Reflux-Therapie
  • Baclofen (Mittel gegen erhöhte Muskelspannung)
  • Metoclopramid (Medikament gegen Übelkeit)
  • Haloperidol (Neuroleptikum)
  • Weitere Medikamente je nach Ursache und individuellem Fall

In seltenen Fällen können auch invasive Therapien wie die Blockierung oder Durchtrennung des Nervus phrenicus in Betracht gezogen werden. Diese Verfahren bergen jedoch Risiken und werden nur als Ultima Ratio eingesetzt, wenn alle anderen Therapien ausgeschöpft sind.

Schluckauf bei Babys

Babys haben oft Schluckauf, was Eltern beunruhigen kann. Normalerweise reicht es, einen Moment abzuwarten. Oft tritt er nach oder während des Trinkens auf, weil die Kleinen Luft geschluckt haben. Das Hicksen endet meist nach wenigen Minuten wieder. Viele Säuglinge trinken oder schlafen trotz des Hicksens sogar weiter. Eltern müssen nichts unternehmen und können das Stillen oder das Füttern mit dem Fläschchen problemlos fortsetzen.

Kann man Schluckauf vorbeugen?

Eine gezielte Vorbeugung von Schluckauf ist nicht möglich. Wenn man jedoch feststellt, dass man zu Schluckauf neigt, wenn man schnell oder im Gehen isst oder bestimmte Nahrungsmittel konsumiert, sollte man diese Gewohnheiten vermeiden.

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